Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 52 (27.12.1901)
- Date
- 1901-12-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 866 Dr. Blorh's Wochenschrift Nr. 52 nur ein Betrag von K 2520 zur Vertheilung gelangen können. Um jedoch die Persolvirung dieser Stiftung in ihrem vollen Umfange zu ermöglichen, hat Herr Albert Anselm Freiherr v. Rothschild den Betrag von K 630, gleichwie in den Vorjahren, so auch Heuer gespendet. DerMagistrat bringt diesen H u m a nitätsa c t unter dem Ausdrucke des v e r b i n d l i ch st e n Dankes zur allgemeinen Kenntniß. Es ist die Frage wohl am Platze, ob bei der Bewerbung um Verleihung der Rothschild'schen Stipendien auch Petenten jüdischer Confefsion Berücksichtigung gefunden haben. Groß-Enzersdors. Bei der am 22. d. M. stattgefundenen Neuwahl des Ausschusses für den Minjanverein in Groß-Enzersdorf wurde der bisherige Obmann, Herr Josef Winkler, in allgemeiner Anerkennung seiner großen Verdienste, die derselbe sich um das Wohl des Vereines erwarb, aufdie Dauer von drei Jahren einstimmig wiedergewählt. Außerdem wurden die Herren Dr. Gustav Werner, als Obmannstellvertreter, Max Hahn, als Casiier, Leopold Klein, als Controlor wieder- und Moriz Mandl als Beirath neugewählt. Floridsdorf. Samstag, am 28. December begeht der Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Doctor Jacques König die Confirmationsfeier seines Sohnes Egon. E. B. Oberhollabrunn. Die am 5. d. M. vom Cultusvorstande veranstaltete Chanukafeier, aus welchem Anlasse Herr Leopold Skutezky und Frau eine prachtvolle Menorah spendeten, nahm einen würdigen und allgemein befriedigenden Verlauf. Das festlich beleuchtete Gotteshaus war mit Andächtigen und israelitischen Schülern . der Volks- und Bürgerschulen, sowie, jenen des Gymnasiums dicht gefüllt, und nachdem das Minchagebet gesprochen und das Uauäraus Halolu von den Schülern unter Leitung unseres allgemein beliebten Cantors und Religionslehrers S. Jellinek trefflich vorgetragen wurde, stimmte Herr Cantor Jellinek mit seinem geschulten Knaben- Ehor und der gesammten Schuljugend das Noaus Zur an. Mit dem Abendgebet schloß die schöne Feier, für welche dem Religionslehrer Beifall und Anerkennung zutheil wurde. Schaffa. Fräulein Etelka Diamant. Tochter des Herrn Rabbiners Dr. A. Diamant aus Schaffa, verlobte sich mit Herrn Dr. Michael Rachmut h, Rabbiner in Waidhofen an der Thaya. Troppau. (Jüdisch-literarischer Verein.) Bei Her am 17. d. M. stattgefundenen Vorstandswahl wurden folgende Herren im Vorstande gewählt: Dr. S. Singer, N. Kulka, I. Czuczka. M. Spiegel, Dr. Bijek, Ing. Reich, S. Cierer, M. Singermann, Osftcial Fuchs. Proßrntz. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier Herr Bernhard G l a ß, ein allgemein geachteter Bürger unserer Gemeinde, der sich zeitlebens wegen seines biederen Charakters der vollsten Sympathien zu erfreuen vermochte, die auch bei dessen Leichenbegängniß zu lebhaftem Ausdrucke gelangten. Ehre seinem Andenken! Brüim» Sonntag den 22. December 1901 um 12 Uhr Mittags fand im israel. Tempel in Brünn die Trauung des Fräulein Emma S u b a k. Tochter des Herrn Alois S u b a k, mit Herrn Maximilian Korwill, Apotheker, statt. Lipnik. Am 8. December fand wie alljährlich vie Bekleidungsfeier des Vereines „Malbich Arunnim" zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder statt. Es wurden 23 Kinder mit Schuhen, Wintermänteln beschenkt und zu diesem Zwecke der Betrag von 450 Kronen verwendet. Die Möglichkeit, eine solche Summe diesem Zwecke zuzuführen, dankt der Verein sowohl der Unterstützung der hiesigen Glaubensgenossen, wie auch der Munificenz auswärtiger Gönner und Wohlthäter, besonders der Herren David R. v. Guttmann, Adolf Schramek, Rrgierungsrath M. Kulka, Moritz Münz. Salomon Rosenzweig, Dr. Sigmund Münz in Wien, Lazar Grünberger, Mähr.-Ostrau, rc., denen hiermit der Dank des Vereines im Namen der Armen und Waisen öffentlich ausgesprochen wird. Rofenberg (Sudböhmen). Herr Dr. M. Marge! wurde vom hierortigen israelitischen Cultusvorstande zum Rabbiner per Acclamation gewählt. Lemberg. Der allgemein geachtete Rathssecretär Hermann Gut wurde zum Landesgerichtsrathe ernannt. Lemberg. Die am 9. d. M. im großen Saale des Vereines „Jad Charuzim“ stattgefundene Chanuka-Feier hat einen besonders würdigen und feierlichen Verlauf gehabt.. Sowohl der rhetorische wie der musikalische Theil waren in glänzender Weise versehen. Es sprachen die Herren Dr. M. Munk, Rabbiner- Candrdat Aron Lewin (Enkel des hiesigen Rabbiners Schmelkes), Dr. D. Malz und L. Taubes. Den Gesang versah Herr Obercanlor B. Schorr mit seiner Harmonie, die Musik Herr Brandes. Die in schwungvollen deutscher Sprache gehaltene Rede des Herrn Lewin war mit vielen aus dem Talmud und Midrasch entnommenen Citaten gewürzt, in denen der Redner besonders schöne dem modernen Zeitgeiste entsprechende Gedanken anzubringen wußte. Das zahlreiche Publicum zollte diesen geistreichen Ausführungen reichlichen Beifall. X. Y. Feuilleton. Mob. Von A. Raisen. (Entnommen aus dem in Warschau erscheinenden „Izraslita"). Uebersetzt von Matvina Blumberg. Man nannte ihn Hiob, obgleich er eigentlich: Chaim, der Melamed, hieß. Seine Frau war kränklich und hustete in einemfort. Wer sie zum erstenmale husten hörte, dem konnte es scheinen, daß sie ihre Seele aushusten müsse; Chaim jedoch hörte dieser nun volle zwanzig Jahre währenden „Lungenmusik" mit der größten Gleichgiltigkeit zu. Und häufig geschah es, daß seine Frau nach solch' heftigem Anfall ihre Gesundheit wieder erlangte, und dann fluchte sie ihrem Manne mit aller Kraft, daß er. ihr kein Geld bringe, um Brot für die Kinder zu kaufen. Uebrigens hustet er selber seit undenklichen Zeiten. Da indessen ein Mann doch immer viel kräftiger ist, als eine Frau, leidet er weniger darunter, auch erweist sich seine unzertrennliche Gefährtin, die Pfeife, besonders hilfreich. Sie lindert, seiner Behauptung nach, den Husten und gibt dem Leidenden die Gesundheit wieder. Der Vater krank, die Mutter krank, folglich sind auch die Kinder schwächlich. Am schlimmsten steht es aber mit seiner ältesten Tochter Gele. Sie ist großgewachsen und von erschreckender Magerkeit,' ihr Gesicht ist wachsgelb; die Augen von düsterer, fast tödtlicher Trauer umflort. Dieser Tochter gibt selbst Chaim zu, daß ihr sehr viel zur „Gesundheit" fehlt, und obgleich er an keine ärztliche Hilfe glaubt, sagt er häufig bei ihrem Anblick: „Gela müßte einen Arzt befragen und sich curiren". Aber er sagt das nur so leichthin, nicht allen Ernstes, ungefähr mit demselben Tone, mit dem er, wenn kein Brot im Hause, bemerkt: „Einige Kopeken wären jetzt von großem Nutzen". Chaims Schüler sind Kinder der ärmsten Eltern; die vermögenderen Leute schicken ihre Söhne nicht in seinen Cheder, aus Furcht vor Ansteckung. Auch hat unser Melamed nie ein reicheres Haus betreten. Während seines ganzen Lebens hat er nichts gesehen, als nur: Armuth, Elend und Krankheit. „Das ganze Leben ist nicht eine bittere Zwiebel werth!" klagt er seinem Freunde, dem Asceten aus dem Beth-ha-Midrasch, mit dem er manchmal tiefere Gespräche führt. Und diesem einem Freunde enthüllt er das ganze Elend seines Daseins. Ihm erzählt er, daß er Kindheit und Jugend auf der harten Bank des Beth-ha-Midrasch verbracht, und seit man ihn verheiratet, sich nicht erinnern kann, ein einziges Mal sich sattgegessen zu haben. In der vor Alter schon ganz verfallenen Hütte vergehen ihm die Jahre auf ganz unglaubliche Weise; alle gleichen sich, alle sind elend. Im Winter friert er mit Weib und Kindern zwischen den mit glitzerndem Reif bedeckten Wänden, im Sommer erstickt er fast vor Enge und Schmutz. Tage- und Nächtelang hört er der „Lungenmusik" seiner Frau zu, welche die Kinder ununterbrochen begleiten. Jedes Jahr nimmt er sich vor, die Wohnung zum nächsten Winter zu wechseln, aber wenn die Zeit näher kommt, fürchtet er sich, daß Bett, Schrank, Tisch unv Stühle zerfallen werden, wenn man sie vom Fleck rührt. Und es kann ja nicht anders sein! Holzgeräth, das zwanzig Jahre in der Feuchtigkeit fault, muß schließlich zerfallen. So wäre denn sein Leben nicht eine bittere Zwiebel werth, wenn ihm zwei Dinge dasselbe nicht versüßen würden. Das erste ist die Pfeife; denn er raucht leidenschaftlich, was ihm seitens seiner Frau, häufige Borwürfe zuzieht. „Deinen ganzen Verdienst verschlingt die Pfeife!" schreit die Aermste in den Pausen zwischen je zwei Hüstenanfällen.