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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-27 · 52 (27.12.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
52 (27.12.1901)
Date
1901-12-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 864 dx. Olmtz's Wochenfchrifr. Nr. 82 geschieden zu betrachten. Die Hauptversammlung des Brünner Turnvereines hat nun mit überwiegender Mehrheit beschlossen, dem Beschlüsse des Turnkreises nicht beizutreten. Der Brünner Verein ist somit aus dem Verbände des 15. Turnkreises ausgetreten, aber nicht aus dem großen Verbände der deutschen Turnerschast, weil einem Schreiben des Vorstandes derselben zufolge über die Angelegenheit erst der nächste allgemeine deutsche Turntag die Entscheidung fällen wird. — Den gleichen Beschluß wie der Deutsche Turnverein in Brünn haben schon früher der deutsch-österreichische Turnverein in Wien und der Pilsener deutsche Turnverein „Aar" gefaßt. Troppau. Einer Einladung des hiesigen Jüdischen literarischen Vereines folgend, hielt Herr Dr. S. Mandl, Rabbiner in Neutitschein am 17. d. im Sitzungssaal der Cultusgemeinde einen Vortrag über „Unsere Ethik". Der sehr geschätzte begabte Redner verstand es, seinen belehrenden und hochinteressanten Vortrag so fesselnd zu gestalten, daß man mit gespannter Aufmerksamkeit den vortrefflichen Ausführungen, durch ein sonores sympathisches Organ unterstützt, bis zum Schluffe folgen konnte. Der geschätzte Redner führte unter Anderem aus. daß die jüdische Ethik, die Sittenlehre, dem Juden eine geistige Heimat gab, wenn auch der Feind von Land zu Land ihn vertrieb. Sie sei enthalten in seinen zwei Büchern, die es auf alle seine Wanderungen mitnahm, in seiner Bibel und seinem Talmud. Diese Ethik bestehe aber nicht in bloßer süßer Rede, sondern in werkthätiger Liebe. Die Mission, die das Judenthum treibe, soll eine Mission der ethischen That sein. Der Gewalt dieser Thatsache und dem Eindrücke der sittlichen Haltung der Juden beugten sich endlich Männer wie Nietzsche, Renan, Lecky, der von diesem „Märtyrervolke" sagt: daß „vor demselben der Heroismus jedes anderen Volkes in nichts erbleicht." Einen solchen Stamm kann man nicht ausrotten, man müßte denn zuvor seine erhabene Ethik oder besser die Ethik s e l b st ausrotten, die Sittenreinheit, die Familietrcue, den Gottesgedanken und alle die edlen Güter aus den Herzen der Menschen reißen, welche seine Lehre ihnen eiugeprägt und worauf spätere Geschlechter noch dankbar -zurückkommen werden. Langanhaltender, stürmischer Beifall folgte diesen vortrefflichen Ausführungen seitens des zahlreich erschienenen Publicums. 8—nn. Fiume. Unsere Cultusgemeinde, die Stadt und die Fiumaner Kaufmannschaft haben einen herben Verlust erlitten. Der Nestor unserer Gmeinde und Holzhandler Herr Felix Neuberger de Hlinik ist im Alter von 86 Jahren Donnerstag Früh den 19. d M. in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Verewigte war' noch einer von der alten Garde, ein glaubenstreuer Jsraelite, der zu jeder Zett eine offene Hand hatte,. jeden Bedrängten unterstützte, hauptsächlich aber im Geheimen Wohlthätigkeit ausübte. Er war der Bahnbrecher des Holzhandels in Fiume und Croatien und seines edlen und biederen Charatters wegen hochgeschätzt und von allen Mitbürgern verehrt. Im Jahre 1893 wurde er seiner Verdienste halber im ungarischen Adelsstände mit dem Prädicate „de Hlinik" ausgezeichnet. Er hinterläßt fünf Söhne und vier Töchter, viele Enkel und Urenkel; sein ältester Sohn ist der hervorragende Jurist Dr. Ignatz von Neuberger Richter an der königl. Curie in Budapest. Das Leichenbegängniß fand am 20. d. M., Nachmittags 2 Uhr, statt und Alles, was Namen und Ansehen in unserer Stadt hat, war vertreten, um den hochgeehrten Mitbürger und Religionsgenossen die letzte Ehre zu erweisen und zur ewigen Ruhe zu geleiten. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner M. Adolf Gerloczi hielt bei der Trauerfeier im Hause eine ergreifende Trauerrede, welchen die hervorragenden Tugenden des Verklärten verdolmetschte und die Leidtragenden anspornte, im Geiste ihres Vaters zu leben und zu wirken. Berlin. Bon hier wird folgender Aufruf versendet: Der Verein zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands beginnt nunmehr seine praktische Arbeit mit einem Versuche, der im Falle des Gelingens vorbildlich für weitere gleichartige Unternehmungen sein wird. Es ist nach mehrfacher Prüfung durch Fachleute das für unsere Zwecke als besonders geeignet und preiswerth erkannte Landgut N e u h o f bei Posen erworben worden, um daselbst jüdische junge Leute unter Leitung eines tüchtigen Fachmannes auszubikden; nach ihrer Ausbildung werden diese als selbstständige Bauern angesiedelt werden. Zum Zweck der Ausführung dieses Planes ist die Bodenculturgesellschaft m. b. H. — Sitz in Berlin — mit einem Capital von 20.000 Mark begründet worden; weitere 50.000 Mark sind ihr für kurze Zeit von einem Vorstandsmitgliede des Bodenculturvereins vorgestreckt, um den sofortigen Ankauf des Gutes zu ermöglichen. Zur Rückerstattung dieses Geldes, zu Meliorationen und zur Umwandlung des Gutes in eine Musterwirthschaft, wie sie für die vom Bodenculturverein verfolgten Zwecke erforderlich ist, bedürfen wir circa 70.000 Mark. Die Anlage dieses Capitals ist nach Uebereinstimmung aller zu Rathe gezogenen Fachleute eine durchaus sichere. Selbst im (unwahrscheinlichen) Falle des Mißlingens des Colonisationsversuches unterliegt es keinem Zweifel, daß der Verkguf des so besonders günstig gelegenen und durch die Meliorationen wesentlich verbesserten Gutes mindestens das aufgewandte Geld wiederbringen würde. Beiliegend überreichen wir eine vorsichtig ausgestellte Rentabilitätsberechnung, welche eine Verzinsung von 4 Percent pro anno nachweist. Außerdem wird der Bvdenculturverein, soweit es die ihm zustehenden Mittel erlauben, der Bodenculturgesellschaft eine Subvention bis zu 3000 Mark gewähren, wodurch die Zinsenzahlung eine noch größere Sicherheit erreicht. Die Betheiligung an diesem großen Wohlfahrtswerk wird mithin nicht in der Form von Geschenken gefordert, sondern kann geradezu als eine Geldanlage aufgefaßt werden, deren — wenn auch mäßige — Verzinsung nach menschlichem Ermessen gesichert ist. Wir wenden uns an Sie mit der ergebenen Bitte, dieses Werk durch Zeichnung von Antheilscheinen thatkräftigst unterstützen zu wollen. Gilt es doch, eine erste Handreichung zu thun an der wirthschaftlichen Hebung der gedrückten Schichten unserer Stammesgenossen, gilt es doch ferner, den thörichten Behauptungen entgegenzutreten, daß der Jude zur productiven wertheschaffenden Thätigkeit verdorben sei! Was ist geeigneter, dieses Vorurtheil zu besiegen, als die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes in Deutschland?! Das Ziel, welches wir uns gesteckt, ist groß und weit. Wir haben den Grundstein gelegt zu einem gewaltigen Bau, auf den dereinst die gesammte Judenheit mit Stolz und Befriedigung Hinblicken wird. Helfen Sie uns ihn seiner Vollendung entgegenzuführen. Der Vor st and des Vereines zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands. Oberamtmann L. Cohn, Berlin, Vorsitzender; G. Tuch, Hamburg, Stellvertretender Vorsitzender; Director A. Ehrenberg, Berlin, Schatzmeister; Gutsbesitzer Aronstein, Büren (Wests.); Professor Badt, Breslau; Rechtsanwalt E. Beer, München; Sigm. Bergel, Berlin; Rentier I. Freymark, Berlin; Aron Hirsch, Berlin; Dr. Franz Oppenheimer, Berlin; Rittergutsbesitzer Dr. Papilsky, Gablenz b. Gassen; Prof. M. Philippsön, Berlin; Rabbiner Dr. Plaut, Frankfurt a. M.; Rittergutsbesitzer I. Rohr, Langguhle b. Bojanowo; Rentier Eugen Rosenstiel, Berlin; Mühlenbesitzer I. Rosenthal, Posen; Rittergutsbesitzer Cäsar Sachs, Breslau; Prof. Otto Marburg, Berlin; Rabbiner Dr. Werner, München; M. Werner, Posen; Joseph Wisloch, Frankfurt a. M. Dr. Ernst Tuch, Generalsecretär. Vermifchtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, [I. Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Ijfe Ü Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Selig Peczenik von'Herrn Abraham Sch apira, II., Große Schiffgasse 28, Kronen 10.—, von Herrn Jacob Bram, II., Krumbaumgasse 7, Krone 1.—. Zusammen Kronen 11.— Wien-Mariahilf. Die 28. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau, verbunden mit einem Vortrage des Schriftstellers Herrn Adolf Gelber, findet Montag den 30. December d. I. im Hotel Savoy, VI., Mariahilferstraße 81, statt. Damen herzlich willkommen! Wien. Am 19. d. M. hielt Herr cand. jur. C. Schächter im Bereinslocale der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler einen Vortrag über „Der akademische Beruf und seine Abhängigkeit von den ökonomischen Gesetzen", der zu einer höchstanregenden Discusiion führte. Er wies in seinem ungemein interessanten Ausführungen, die von der Zuhörerschaft mit großer Spannung verfolgt wurden, nach, wie im akademischen Berufe zahlreiche capitalistische Tendenzen bemerkbar werden und wie er in Folge des kapitalistischen Productionsprocesses und allerlei gesellschaftlicher Borurtheile immer mehr corrumpirt wird. Erst spät in der Nacht verließ die Versammlung nach beendeter Discussion den Saal. Wien. Am 25. d. wurde Frau Anna Hendel zu Grabe getragen. Ihr Gatte Herr S. H e n d e l ist Vorsteher und Begründer des Tempelvereines im IX. Bezirk. Die Verblichene zeichnete sich im Leben durch Tugend und altjüdische Frömmigkeit aus. Eine große Zahl von Leidtragenden, unter denen 'sich der Gesammtausschuß des genannten Bethausvereines befand,

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