Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 52 (27.12.1901)
- Date
- 1901-12-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bloch's Wochenfrhrifr, Seite 863 Nr. 52 große Bencficien, u. zw.: für eineu Beitrag von 20 Hellern pro Woche oder 10 Kronen 20 Heller pro Jahr: I. Im Erkrankungsfalle einen Kranken-Beitrag von 12 Kronen pro Woche (bis zu 240 Kronen pro Jahr); II. Bereinsarzt zur nahezu unentgeltlichen Behandlung. III. Schuwo-Beitrag pro 10 Kronen im Falle Ablebens eines nahen Anverwandten. IV. Reisebeitrag pro 20 Kronen zu einer eventuellen Reise behufs Badecur. V. Anschaffung und Aufstellung eines Grabsteines für jedes verstorbene Mitglied auf Kosten des Vereines. VI. Abfertigung der Witwe eines verstorbenen Mitgliedes mit 400 Kronen (gegen einen Beitrag pro Sterbefall von 1 Krone 20 Heller). VII. Der Verein ist im Besitze von Losen im Werthe von circa 24.000 Kronen und participiren sämmtliche Mitglieder bei einem eventuellen Treffer an dem Gewinne. Es dürften dies somit die weitgehendsten Beneficien sein, welche dieser Verein feinen Mitgliedern — gegen andere ähnliche Vereine — bietet, und es wäre wünschenswerth, daß sich dieser alte Verein stets vergrößere, ausdehne und seine segensreiche Thätigkeit zum Wohle seiner Mitglieder noch lange Jahre fortsetzen möge. Wien. (Israelitischer Humanitäts-Verein für die westlichen Bezirke Wiens,Raeklat Jeschurun“.) Am 12. December fand die 34. ordentliche Generalversammlung des Humanitäts-Vereines für die westlichen Bezirke «segekururi" im Restaurant Löbl statt. Der Präses Herr Dr. Carl Löwy begrüßte die Vertreterinnen des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines Frau Fanny Fröhlich und Frau Frieda Strauß, die Delegirten des Tempelvereines, die Herren Leo Bauer u»d Friedrich Pollak. ferner den allverebrten Rabbiner Herrn Dr. I. Taglicht, sowie die erschienenen Mitglieder auf das Herzlichste. Weiters bringt er ein Schreiben des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde zur Verlesung, worin derselbe sein lebhaftes Bedauern ausspricht, nicht auch heuer in gewohnter Weise eine Deputation entsende» zu können, ebenso ein herzliches Entschuldigungsschreiben des Herrn Architekten Max Fleischer, welcher anderweitig dringend engagirt und dadurch leider verhindert ist, derBersammlungbeizwohnen. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer Herrn Richard Schüller erstattet der Präses den Jahresbericht, welcher lebhaften Bnfall findet. Es erhielten über 35 Kinder täglich ausgiebige Mittagskost, 70 Knaben vollständige Winterkleidung und außerdem wurden arme Glaubensgenossen nach Thunlichkeit unterstützt. Um den wachsenden Ansprüchen verarmter Glaubensgenossen in größerem Maße entsprechen zu können, hat sich der Vorstand veranlaßt gesehen, nebst dem Bereinsballe, welcher von Jahr zu Jahr an Ansehen und Theilnahme zunimmt, Heuer auch unter der Leitung seines Präses Herrn Dr. Carl Löwy einen Theaterabend zu arrangiren, welcher ebenso wie der Ball nach jeder Richtung hin einen vollen Erfolg hatte. Trotz dieser erweiterten EinnahmsqueUen sieht sich der Vorstand bemüssigt, einen warmen Appell an die Glaubensgenossen zu richten, um Ausgiebigeres leisten und den Verein aus eine festere Basis stellen zu können. Auf Antrag der Revisoren Herrn H. Lieber mann und Ernst Schüler wird der Rechenschaftsbericht genehmigt und der Cassaverwaltung das Absolutorium ertheilt. Die Herren Rich. Knepler, Jg. Reschofsky, Moritz Tiller und Jakob Winkler gelangen laut § 15 der Statuten heuer zum Austritte, werden aber einstimmig wieder in den Vorstand gewählt und vom Präses herzlich begrüßt. Hierauf sprechen die Herren Friedrich Pollak namens des Tempelvorstandes und Herr I. Barkan im Namen der Vereinsmitglieder dem Vorstände in warmen Worten den Dank für sein ersprießliches Wirken aus. Der Präses Herr Dr. Carl Löwy erwidert hierauf, daß solche Anerkennung die Vorstandsmitglieder hoch erfreut, aber nicht etwa deshalb, weil die Worte sehr schmeichelhaft klingen, sondern weil es zeigt, daß die Mitglieder mit dem Wirken der Bereinsleitung einverstanden sind. Vorstandsmitglieder einer Wohlthätigkeitsinstitution dürfen nicht eitel sein, sondern müssen in ihrer Thätigkeit innere Befriedigung finden. Hierauf dankt der Präses nochmals allen Erschienenen und schließt die Generalversammlung. Wien. (Der deutsche Rabbinerverband und die Zionisten.) Wir haben tit der letzten Nummer notirt, daß die „Kölnische Zeitung" aus „zionistischen Kreisen" eine Mittheilung erhielt, wonach der deutsche Rabbinerverband beim preußischen Cultusministerium Schritte unternehme, daß die Rabbiner als Staatsbeamte mit staatlich garantirter Pfründe und Pensionsberechtigung angestellt werden sollen. Von Seite des deutschen Rabbinerverbandes wird dieser Mitrheilung auf das Entschiedenste widersprochen. Das ihm zugeschriebene Vorgehen wird seitens des Rabbinerverbandes nicht beabsichtigt und ist innerhalb desselben niemals zur Sprache gekommen. Es erscheint unerfindlich, welche zionistische Seite ein Interesse daran hat, eine solche Mittheilung in einer politischen Tageszeitung dem nichtjüdischen Publicum aufzutischen. In einer Berliner Zuschrift an uns wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß inan von zionistischer Seite Beranlaffung nehmen werde, sich gegen den anonymen Gewährsmann der .Kölnischen Zeitung" zu verwahren. Inzwischen hat das officielle Zionistenorgan, .Die Welt", die Meldung aus der „Kölnischen Zeitung" übernommen, ohne jede weitere Bemerkung, lediglich mit der Ueberschrift: „Ein neues Stückchen der deutschen Protestrabbiner." Mißhandlung israelitischer Lehrlinge. In Folge zahlreicher Beschwerden über Mißhandlungen jüdischer Lehrlinge von Seite antisemitischer Meister hat sich der Gehilfenausschuß der Wiener Drechsler veranlaßt gesehen, diesbezüglich eingehende Erhebungen vorzunehmen. Die Recherchen haben die vollste Bestätigung der erhobenen Beschwerden ergeben. Da dem Verein zur Förderung der Handwerke inländischer Israeliten die Vermittlung von Lehrlingsstellen obliegt und gegenwärtig nahezu neunhundert Lehrlinge in Wien unter seinem Schutze stehen, richtete der Gehilfenausschuß an den Verein eine Zuschrift, in welcher ausdrücklich hervorgehoben wird, daß es insbesondere Metall- und Holzdrechsler seien, die ihre antisemitische Gesinnung durch Ausübung von Rohheitsacten an den armen, hilflosen jüdischen Lehrjungen äußern. Geklagt wird über endlose Arbeitszeit, keine Sonntagsruhe, schlechte Kost, grobe, harte Behandlung und mangelhafte Fachausbildung. Die Zuschrift, die von dem Gehilfenobmann Karl Metschl unterzeichnet ist, legt dem Vereine nahe, im Jntereffe der zumeist elternlosen israelitischen Lehrjungen in Zukunft an bekannte christlichsociale Meister keine israelitischen Lehrjungen mehr zu vermitteln. Wien. (Hieronymus Lorm-Feier.) Die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums veranstaltete neulich im Festsaale des Etabliffements Ronacher eine Hieronymus Lorm-Feier, die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Der große Saal war bis auf das letzte Plätzchen von einem sehr distinguirten Publicum, unter denen sich sehr viele Damen befanden, gefüllt. In Vertretung des achtzigjährigen Dichters war dessen Tochter erschienen. Lorm selbst hatte an das Curatorium der Gesellschaft ein Schreiben gerichtet, das der Präsident, Baurath Wilhelm S t i a ß n y, zur Verlesung brachte. Dasselbe lautet: „Bon Beschwerden des Alters nicht verschont, bewahre ich mir doch in jugendlicher Kraft das Dankgesühl für mir erwiesene Rücksichtnahme, wenn ich es auch in Bezug auf jene Leiden nicht in gebührender Ausführlichkeit zum Ausdruck zu bringen vermag. Die Würdigung meiner schriftstellerischen Thätigkeit wird jedenfalls eine Stärkung meiner noch übrigen Jahre oder Tage bedeuten." Die Festrede hielt Herr Dr. Bernhard Münz. Er schilderte Lorm als Menschen. Dichter und Philosophen und erntete lebhaften Beifall. Sodann betrat Adolph R. v. S o n n e n t h a l, stürmisch acclamirt, das Podium und las zuerst in seiner bekannten meisterhaften Art eine kleine Serie aus Lorm's Gedichten vor, unter denen die Poeme „Der Arbeiter", „An die Naturalisten" und „Grillparzer" besonders beifällig ausgenommen wurden. Zum Schluffe der Feier las Sonnenthal die ebenso tiefsinnige als humorvolle Novelle „Die Philosophie des Kuffes" vor. Als der Künstler geendet hatte, wurde ihm für die glänzende Interpretation der Poesien des großen Dichters, dem der Abend galt, durch reichlichen Applaus gedankt. Brünn. (Der Brünner Turnverein gegen den Ausschluß der Juden.) Vorige Woche fand in Brünn eine sehr zahlreich besuchte Hauptversammlung des Brünner Turnvereines statt. Auf der Tagesordnung befand sich die Stellungnahme zum Beschlüsse des heuer in Wien abgehaltenen Tages des 15. Turnkreises (Deutsch-Oesterreich), durch welchen die Zugehörigkeit von Turnvereinen zum Verbände dieses Kreises von der Ausschließung der jüdischen Mitglieder abhängig gemacht wurde. Mit Rücksicht auf diesen Beschluß stellte die Leitung des 15. Turnkreises an den Brünner Verein das Verlangen, sich bis zum 20. d. M. zu entscheiden, ob er in Hinkunft sich der Aufnahme jüdischer Mitglieder enthalten wolle oder nicht; im Falle sich der Brünner Turnverein dem Beschlüsse des 15. Turnkreises nicht fügen sollte, so wäre er als aus dem Verbände aus-