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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Date
1901-12-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Bloches Wochenschrift« Seite 851 diese Bücher und versetzt sie. Es thut mir sehr leid und man darf es nicht ... Es ist eine Sünde, ich weiß es . . . weiß Alles. . . Aber Gott weiß, daß ich es nicht für mich thue . . ." Ein feuchter Nebel umflorte seine großen, traurigen Augen und da — zum ersteumale, so weit meine Erinnerungen reichen — weinte mein Vater! Moderne WohlthiLligkeil. Von Lea Steif. Das Friedhofsthor öffnet sich knarrend einer geringen Anzahl von Leuten, die gekounnen sind, einer Frau das letzte Geleite zu geben. Hinter dem Sarge schreitet, das Haupt tlefgesenkt, ein dürftig gekleideter Greis emher, oas gramdurchfurchte Antlitz von dem breitkrämpigen Hut beschattet. Es ist seine Tochter, die hier vor ihm den Weg von der Zeitlichkeit zur Ewigkeit zurücklegt. Die Menschen, die nur nach dem äußeren Schein urtheilen, können es nicht sehen, wie sein Herz zerrissen ist vom Schmerze, wie der Gram sein Inneres durchwüylt. Hat er etwa mehr Recht zu jammern und zu klagen, als die beideu Mädchen, die dürftig gekleideten, zarten Kinder, die mit ihrem kleinen blaffen Brüderchen vor ihm nun vielmehr als verlassene Waisen stehen, nachdem man ihnen die Mutter fortgetragen? Diese eine Stütze, die sie noch hatten, nachdem ihr Vater schon vor der Zeit den Mühen des Erdenlebens entrückt worden ist. Doch es ist ein Vorzug der Kindheit und eine Vorsehung der Natur, daß Kinder in solchen Fällen nicht die volle Schwere des Unglückes fühlen. Die letzten Schollen wurden polternd auf den schlichten Sarg geworfen. Man schickte sich zum Fortgehen an. Der alte Mann wischte die Thränen von seinen Wangen, dann schob er die schluchzenden Mädchen lautlos vorwärts, nahm den kleinen weinenden Knaben an der Hand und führte sie fort? ihrem Heim zu. Aber welch' ein Heim erwartete sie? Eme kleine Stube mit wenig Licht und schlechter Lust. Woher sollte auch die gute kommen? Etwa von dem Schornstein gegenüber?' Oder vielleicht aus der geöffneten Nachbarsthüre, wo ein Kranker darniederlag? Oder aus der kalten öden Küche mit ihrem dürftigen Geräth? Hier hatten sie ihr Heim, diese Kleinen, deren Seelen, wie diejenigen aller Kinder unter diesen Eindrücken schwer gelitten. Sie wurden so, wie sie werden mußten, scheu, schweigsam und verschüchtert. Wer das Alles dem Manne da vor 30 Jahren gesagt hätte. Er, der Vorsteher einer wenn auch kleinen, so doch angesehenen Gemeiilde, werde einst mit dem Bettelstäbe in der Hand seine Enkel führen, — führen einem Heim entgegen, wo das Elend sie hohläugig anstarrt, wo sie nicht Brot, noch Mittel, solches zu kaufen, haben. Es schnürte ihm die Kehle zu. Doch die Hand, die so zitterte, sie müßte ja jetzt Stab und Stütze werden den Kleinen, den Elternlosen, den Enterbten des Glückes, den armen Waisenkinderil. Und so raffte er sich auf. Unnützes Klagen! Was konnte das helfen? Wie sie jetzt eintraten in die Stube, wie kahl war Alles! Da fehlte die hübsche Lampe, ein Geschenk der Großmutter, dort fehlte der Schrank und ach, auch der Channkalenchter war in die Pfandleihänstalt gewandert, der schwere, silberne, das Ehrengeschenk seiner Heimatsgemeinde für seine Wirksamkeit, auch der fehlte und das Fest war vor der Thüre. Schwere Thränen rollten von den durchfurchten Wangen des Alten herab, iu jenen großen Thränenstrom, den die Jahrtausende lange Pem der Menschheit geweint hatte, um dort unsichtbar zu verschwinden. Die Trauerwoche war vorüber. Jetzt trat die Nothwendigkeit warmer Kleider für die durch die Krankheit der Mutter vernachlässigten Kinder heran. Fremde Hilfe mußte in Anspruch genommen werden, denn einen anderen Ausweg gab es nicht. Und so schwer es dem Großvater wurde, er mußte es tyun, um der Enkel willen, und sich auf den Weg machen. Alan haue unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Trauerfalles eine Eollecte für sie gemacht. Sie hatten ihm gesagt, er solle sich nicht fürchten. Für den ersten Ansturm, ja, da wird es genügen. Aber dann, morgen, weiter? Wie weiter? Kinder brauchen Kleider, Schuhe, Mützchen und dann mußten sie in die Schule. Und die vielen, vielen Sachen, die sie noch brauchen und die der geängstigte Greifenkopf sich iniruer wieder aufzählt. Da war ein Schulkamerad von ihm, der eine einflußreiche Stelle hatte. Zu dem ging er. Er hoffte, daß die alte Freundschaft, die sie verbunden, viel dazu beitragen würde? ihm die Situation zu erleichtern. Er wurde liebenswürdig empfangen. Der alte Freund sprach von den alten guten und den jetzigen schweren und schlechten Zelten und versicherte ihm einer baldlgen Erledigung seiner Angelegenheit, '«.ehr bald. Jetzt sei Anfang December. In circa drei Wochen werde Alles in bester Ordnung sein. Der alte Mann wollte nicht drängen. Er war froh des Versprechens. Ehanuka war gekommen. Und dabei harter, unerbittlicher Winter, mit strengem Frost und fußhohem Schnee. Bei unseren Freunden keln LichteruttD Freudenfest, denn wo Armuth wohnt, kann selten wahre Freude herrschen. Die kleine Judith hatte sich bei der ungewohnten Beschäftigung verkühlt. Holzspalten, Wasserlrageu, das war über ihre geringe Kraft Und nun hatte der schlimme Gast, Krankheit, Einkehr gehalten. Es fehlte am Nöthigsten. Der herbeigeholte Arzt verordnete stärkende Nahrung und Wein. Woher sollte das genommen werden? Nun, der Freund mußte ihm eben die ihm zugesagte Unterstützung früher verschaffen. Könnte ihm das bei seinem Einflüsse so schwer werden? „Wenden Sie sich nur ruhig an^Frau^Doctor G., die Präsidentin des Waisenhilfsvereines, die ist eine echt jüdische, brave Frau, die gewiß Alles für Sie thun wird. Nur Muth, alter Freund! Kops oben, es wird schon noch besser werden." Und er klopfte dem Greise freundschaftlich aus die Schulter. Von Frau Doctor G. wurde unser Freund liebenswürdig und leutselig empfangen. „Mit dem größten Vergnügen würde ich Ihnen dienen, mein Herr. Aber es steht leider nicht in meiner Macht. Ich müßte eine Extrasitzung emberufen und das geht bei der Ueberbürdung der Eomitäoameu mit ihren Arbeiten nicht. Also wie gesagt. Gerne hätte ich Ihnen die Gaben, die heuer besonders reichlich geflossell, schon heute gegeben. Allein erst in dret Wochen ist die Bescheerung. Die Damen bereiten unter Leitung einer fachmännischen Kraft Alles vor. Di^ Ehristbäume sind bereits bestellt. Aber ich kann Ihnen die tröstliche Versicherung geben, daß die diesjährige Weihnachtsbescheerung alle Erwartungen übertreffen wird. Bis dahin müssen Sie sich schon einrichten, wie Sie können." Draußen fiel der Schnee in lustigen Flocken in den kalten Ehanukatag hlnein, die Gestalt des wankenden Greises weiß einhüllend Briefkasten. L. In Paris prakticiren viele jüdische Aerztinnen. So weiß der Correspondent der Londoner „Pall Mall Gazette" von einer jüdischen Aerztlu zu berichten, die in Paris von ihrer Praxis eine Einnahme von 60.000 Frcs. hat. Ein jüdisches Frl. Doctor hat sich sogar vis nach Ehina verlaufen, wo sie jetzt mit glänzendem Erfolge praktlclrt. R. i»t London. Der Fleiß der jüdischen Schulkinder in East-London wird durch den Bericht des Londoner „School Board" pro 1000—1901 amtlich bescheinigt. Danach belief sich der Schulbesuch aller Londoner Schulkinder auf 83 v0, während die 19 Schulen Ostlondons, wo die jüdischen Schüler die Mehrzahl bilden, eine Besnchsziffer von 91, l—96-5 aufweisen. Die Durchschnitlsziffer des Schulbesuchs in Osilondon betrügt 94 27n, während sie für ine specifisch jüdische „Jewlsh Free School" auf 95 8 steigt. K. m Eonftanltnopel. Zum dritten Botschaftssecretär bei der türkischen Mission in London har der Sultan Herrn Harry Bey E o h e n, «inen Sohn des Vice-Admirals Elias Pascha, ernannt. Wir erfuhren unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Avonnemrntsgrbühr, damit dir Zusendung des Blattes keine Nliterbrechuns erleide. Znr Gmf'endung der Betrage wolle man die beigelegten Post-Cheks benützen Die Administration der „Vesterr. Wochenschrift". Aufruf. Ein Cantor, dessen Namen mit Rücksicht auf seine ehemals bedeutende Stellung öffentlich nicht genannt werden kann, liegt hier schwer erkrankt darnieder. Um die große Noth, in welcher die Familie desselben sich befindet, zu lindern, appelliren wir an das gute Herz unserer Glaubensgenossen und der gesammten Eollegenschast, und bitten, gütige Spenden an den Vereinscassier Herrn 1. Eantor M. Blatt, Wien, II., Tempelgasse 3 gelangen zu lassen. Der Vorstand des österr.-nng. Cantoren-Dereius: Jakob Bauer Moriz Blatt Josef Singer. David Rcumaim'jche Stiftung Am 7. Adar, das ist 14. Februar 1902, als am Sterbetage des seligen Herrn David Neumaun gelangen, die Zinsen aus der David Neumann'schen Stiftung im Betrage von 450 Kronen an Verwandte des Stifters oder seiner Gattin Helene zur Vertheilung. Die mit den legalen Verwandtschafts- und Armuthszeugnissen belegten Gesuche sind bis 31. December 1901 im Einreichungsprotokolle der israel. Eultusgemevide (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr Vormittags zu überreichen. Auf später einlangende oder nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Wien, 1. December 1901. Der Borstand der israelittschen Eultusgemeinde. *3PH

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