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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Date
1901-12-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 850 Nr. 51 dr. Moch's % Dr. Brody eine herzerhebende und das Kindesgemüth ergreifende Ansprache. Sodann wurde das herrliche Lloousrur angestimmt und das Abendgebet verrichtet. Nach der Betheilung aller Kinder mit prächtigen BonbonniLres, sowie der armen Schulkinder mit vollständigen Winteranzügen fand das Fest seinen-würdigen Abschluß. Um dasselbe hatten sich außer dem Vorsteher Herrn Jakob P i ck besonders die Herren Leopold Stransky. Otto Pick und deren Frauen, sowie Fr. Munk verdient gemacht. Kopenhagen. Am 11. d. M. starb hier nach kurzer Krankheit Frau Jda M a n n h e i m e r, geb. Fische! aus Wien. Die Verstorbene war eine Enkelin des unvergeßlichen Predigers Dr. I. N. Mannheimer und wohnte seit ihrer Verheiratung mit ihrem Vetter und auch nach dessen vor mehreren Jahren erfolgten Tode in Kopenhagen. Frau Mannheimer war eine Dame von echt vornehmer Gesinnung, von wahrer Geistes- und Herzensbildung und erfreute sich der allgemeinsten Werthschätznng in unserer Stadt. Ihr allzu früher Tod wird auf's Tlesste beklagt, denn sie hat verhältnismäßig Ungewöhnliches auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit geleistet. Sie stand an der Spitze der „Vereinigung für das Wohl kleiner Kinder" und war Vorstandsmitglied des hiesigen jüdischen Krankenvereines und der jüdischen Freischule für Mädchen. Sie war freigebig und unermüdlich als Helferin der Armen und sie fand ihre tiefste Befriedigung in ihrer allzeit opferwilligen Theilnahme an privaten und öffentlichen Wohlthätigkeitsveranstaltungen. Bei der Leichenfeier kam der allgemeine Schmerz weitester Kreise ergreifend zum Ausdruck und u. A. hatten auch die hiesige Kconprinz-ffin und die Gemahlin des Prinzen Christian Blumenspenden geschickt. Ihr Andenken wird in unserer Gemeinde und in unserer Stadt allezeit ein gesegnetes bleiben. Feuilleton. Meines Malers erste Throne. Von Sz. Asza. (Entnommen dem in Warschau erscheinenden Uebersetzt von Malvina Blumberg. Mein Vater weinte .... In seinen sinnenden Augen erglänzte eine Thräne, sie rollte seine Wangen entlang und verschwand, in den Wellen seines dichten langen Bartes. Mein Vater weinte. Hätte meine Mutter geweint, so würde dies keinen solchen Eindruck auf mich gemacht haben, war ich doch an ihr unaufhörliches Klagen und Jammern von jeher gewöhnt. Aber der Vater, das war etwas Anderes. Der weinte nie, nie! Nicht mal, als man mein jüngeres Schwesterchen zu Grabe trug. Ich erinnere mich ihrer so genau, als lebte sie noch. Zart war sie, aber schön! ein wahrhaftes Königskind! Ihre Augen waren so gut und glänzend, daß mich manchmal die Lust anwandelte, sie auszustechen, um mit ihnen, wie mit Glaskugeln zu spielen. Plötzlich erkrankte sie und starb. Da liegt der kleine Körper auf der Erde, mit einem schwarzen Tuche bedeckt; zu Häupten brennen zwei Kerzen, und daneben sitzt meine Mutter schlägt sich mit beiden Fäusten an den Kops und jammert laut. Alles im Zimmer weint. Die Nachbarinnen weinen, ich weine mit ihnen, und mein jüngstes Brüderchen in der Wiege fängt ebenfalls laut zu weinen an, wahrscheinlich vor Hunger. Nur mein Vater d'urchmißt mit großen Schritten das Zimmer, bald der Länge, bald der Breite nach, nagt an den Spitzen seines dichten Bartes, wischt sich geräuschvoll die Nase, aber er weint nicht; keine einzige Thräne entquillt seinen Augen. Einmal nur hat er gewemt. Und das will ich eben erzählen. Mein Vater beschäftigt sich nicht mit dem Handel. Er verbringt die Tage im Letd-ßa-Äickraseii, und merne Mutter erarbeitet Alles, dessen wir zum Leben bedürfen. Im Lause des verfloffenen Winters zog sich meine Mutter eine Erkältung zu und erkrankte schwer. Seit längerer Zeit schon kann sie das Bett nicht verlassen, und schickt mich, ihre Ausstände einzucaffiren. lochbNschrifl. Mein Vater ist unzufrieden, daß meine Studien eine Unterbrechung erfahren. Eines Tages, als ich aus dem Cheder heimkomme, bemerke ich, daß in dem Glasschränkchen zwei silberne Leuchter fehlen. Ich schwejge jedoch mäuschenstill. Einige Tage später sehe ich, daß zwei kupferne Cafferollen, von der Wand, an der sie hingen, verschwunden sind! Ich halte Umschau, ob man ihnen keinen anderen Platz angewiesen, aber nein! sie sind nicht da. Ich sage kein Wort. Und als ich wieder einmal nach Hause komme, bemerke ich sofort das Fehlen des messingenen Sabbathleuchters, der in der Mitte der Zimmerdecke befestigt war. Da wird mir schrecklich traurig zu Muth, und am liebsten hält' ich laut aufgeschluchzt. Denn dieser Kronleuchter war gleichsam ein Mitglied unserer Familie. So weit ich zurückoenken kann, blickte er von oben herab, und nahm Theil, wenngleich schweigend, sowohl an Freud wie an Leid. . Und plötzlich ist er nicht da! Der treue Freund ist fort und wird nie mehr wiederkehren! Man hatte ihn verkauft! Aber das ist noch gar nichts. Eines Abends kehrte ich zu später Stunde aus dem Cheder zurück. Es war drei Wochen nach Pnrim. Ueberall war mau mit den Vorbereitungen zum Pffsach beschäftigt, nur bei uns nicht .... Im Zimmer herrscht Dämmerung. Am Tische, über einem großen, aufgeschlagenen Folianten sitzt mein Vater und liest mit singender, wehmüthiger Stimme; neben ihm, mit dem Köpfchen auf dem Tische ruhend, schläft mein kleines Brüderchen. Die Mutter — wie gewöhnlich — liegt im Bett und ächzt. Aus jeder Ecke lugt düstere Trauer hervor; an den Wänden zeichnen sich dunkle Schatten ab. Ich empfinde einen heftigen Hunger. Um die Mittagsstunde war ich zwar nach Hause gekommen, aber die alte Frau, die seit der Erkrankung der Mutter für uns kochte, war abwesend, und die Mutter schlief. So kehrte ich denn schweigend in den Cheder zurück. Die ungewöhnlich wehmüthig-klingende Stimme meines Vaters schüchtert mich ein. Aengftlich lehne ich mich an den Ofen, um mich zu erwärmen. Aber der Ofen ist kalt. Plötzlich erklingt vom Bett die schwache Stimme meiner Mutter:: „Meyer! Meyer! Gieb Jankiel etwas zu essen, er ist sicherlich hungrig." Der Vater befiehlt mir die Hände zu waschen, und gibt mir ein Stückchen Brod, das er in einer Ecke des Schrankes noch gefunden hat. „Armes Kind! armes Kind!", seufzt meine Mutter immerfort. Der Vater nimmt sein Studium wieder auf, die Mutter jedoch unterbricht abermals: „Meyer, Meyer! In acht Tagen ist Ostern und wir haben noch nichts im Hause! Keinen Barschtsch^) aufgestellt, keine Mazzoth gekauft! Und wer wird Ordnung und Reinlichkeit Herstellen? O, mein armer Kopf!" Mein Vater steht plötzlich auf und beginnt mit groß n Schritten im Zimmer ans- und abzugehen. Und wieoer klagt meine Mutter: „Die Kinder haben nichts anzuziehen und da kommt solch' ein Feiertag!" „Jankiel,! Die Bücher, die im Schrank stehen, sind sehr schön, nicht wahr?" Besorgt und unruhig blickte ich meinen Vater an. Nachdem alles Hausgeräth verkauft worden, machte der allein übriggebliebene, an der Wand stehende Bücherschrank den Eindruck einer Waise. „Wie wird das hier anssehen, ohne diese Bücher?", seufzte mein Vater, gleichsam zu sich selber. „Solches Fest! Solches Fest! und wir haben noch nichts im Hause!", klingt es vom Bett herüber. „Geh' zu Reb Schemaja und sag', ich lasse ihn bitten, hinüberzukommen." Rasch holte ich unseren Nachbar. Als derselbe das Zimmer betrat, sagte mein Vater: „Reb Schemaja! Ich habe nichts für, die Feiertage. Nehmt ') Eine Suppe aus rothen, gesäuerten Rüben, die mit Vorliebe um Ostern gegessen wird.

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