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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Date
1901-12-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. Öl Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 845 bericht schon seit mehr als acht Tagen in den Händen der Vereins - Mitglieder sich befinde, von der Verlesung desselben absehen zu können und beschränkt sich über Zustimmung der Versammlung auf die Vorführung der wichtigsten Gebahrungssummen. Nachdem Frau Controlorin K. K o h n den Revisionsbericht erstattet, beantragt Frau I. F l a t t e r, dem Vorstände das Absolutorium zu ertheilen. (Einstimmig angenommen.) Zum zweiten Punkt der Tagesordnung beantragt Frau I. Flatter den bisherigen Vorstand insgesammt per Aeclamation wiederzuwählen. (Einstimmig angenommen.) An Stelle der ausgetretenen Vorstandsdamen Frau Doctor W e i n st e i n und Frau Anna Pollatschek empfiehlt Frau N e u m a n n, die Damen Rosa Roth, Doctorsgattin, und Rosa L ö w i t, k. k. Rechnungsrevidentensgattin, in den Vorstand neu zu wählen. Beide Anträge werden einstimmig angenommen. Nachdem die Neugewählten die auf sie gefallene Wahl mit einigen Dankesworten angenommen, begrüßt die Frau Präsidentin den Vorstand mit Dank für die bisherige Thätigkeit und der Bitte um weiteres einmüthiges Wirken. Zum dritten Punkt der Tagesordnung beantragt Frau Katharina Kohn, die Frau Präsidentin Therese Spitz in Würdigung ihrer großen Verdienste, die sie sich als erste Gründerin des Vereines, wie durch die umsichtige, aufopferungsvolle Leitung desselben während der ersten sechsjährigen Bestandzeit erworben, zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Nachdem Herr Dr. Heinrich Schreiber zur Unterstützung dieses Antrages die Verdienste der Frau Spitz um den Verein in ausführlicher Rede mit warmen Worten geschildert, wird der Antrag einstimmig mit großem Beifalle angenommen und dem Vorstande die weitere Ausführung dieses Beschlusses überlassen, worauf die Frau Präsidentin nach kurzen Besprechungen über die diesjährigen Veranstaltungen die Versammlung um 5 Uhr Abends schließt. Jungbunzlau. Ueber Anregung der hiesigen Mitglieder der Lue Brith traten vor einigen Wochen einige Herren zu einer vertraulichen Besprechung zusammen, deren Gegenstand die Gründung einer Ortsgruppe des Hilfsvereines für galizische Juden in Wien bildete. Am 27. October erstattete in gut besuchter Versammlung unser Rabbiner Se. Ehrw. Herr Dr. Hoch ein treffliches Referat, das einerseits die trostlosen galizischen Verhältnisse beleuchtete, anderseits die Ziele der Hilfsaction auseinanderlegte. Die gediegenen Ausführungen lohnte reichlicher Beifall. Die lebhafte Debatte, die sich entspann, die mannigfachen Anregungen, die da geboten wurden, und hauptsächlich die gehobene Stimmung der Versammelten zeigten deutlich und klar, daß es eine wahrhaft gute Sache ist, die da' ins Leben gerufen wird. Und es meldeten sich auch innerhalb weniger Tage 45 Mitglieder, für den Kenner der jüdischen Verhältnisse in Böhmen eine recht stattliche Ziffer. Nachdem nun die genehmigten Statuten herabgelangt waren, berief das vorbereitende Comite, an deffen Spitze der unermüdlich und mit ganzer Seele für die. gute Sache thätige Herr S. Haas steht, für den 15. December die constituirende Versammlung ein, in welcher die Wahl des Vorstandes vorgegenommen wurde. Gewählt wurden sämmtlich per Aeclamation: Herr S. Haas, Fabrikant, zum Obmann; Herr JUDr. E. Steinreich, Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, zum Stellvertreter; Herr Ludwig Eisenschimmel zum Cassier; Herr A. Pollatschek (Münchengrätz) zu deffen Stellvertreter; Herr Max Weißkopf zum Schriftführer und Herr Carl Pick zu dessen Stellvertreter. Der neugewählte Obmann dankte in kernigen Worten und ermahnte alle Anwesenden, nicht nur dem Namen nach Mitglieder zu sein, sondern für die gute,- heilige Sache thätig zu sein, damit der Verein auch seine Pflicht erfüllen könne. Nachdem der Obmann noch Herrn Rabbiner Dr. Hoch für sein wirkungsvolles Referat, dem Herrn Cultusvorsteher Dr. Steinreich für. die besonders werkthätige Mitarbeit, wie auch für die freundliche Ueberlaffung des Gemeindesitzungssaales den Dank ausgesprochen, wurde mit einem „Hoch" auf Se. Majestät, den obersten Schützer der Bedrängten, die Versammlung geschloffen. Wir können nur der zuversichtlichen Ueberzeugung Ausdruck verleihen, daß durch diese Wahl die richtigen Männer auf dem richtigen Platze sind, die, beseelt von jüdischem Geist, für jüdische Noth ihre ganze Kraft einsetzen werden. Die Ortsgruppe Jungbunzlau und Umgebung blühe, wachse und gedeihe! Lemberg. Das große Elend innerhalb der jüdischen Bevölkerung tritt uns zu Beginn der kalten Jahreszeit am grauenhaftesten entgegen. Die das ganze Jahr über an Brodkrummen und anderen Abfällen ihre Nahrung finden, sind nunmehr auch der Winterkälte preisgegeben. Was nützt es, daß von Seite der Gemeinde und Privatwohlthätigkeit die größten Anstrengungen gemacht werden, wir stehen dem immer mehr überhandnehmenden Maffenelend machtlos gegenüber. Da ist es denn ein erfreuliches Zeichen jüdischer Nächstenliebe, daß dieselbe ihr Augenmerk vor Allem auf die bedauernswerthesten, weil hilflosen Schulkinder gerichtet hat. In dieser Richtung kann unsere Gemeinde vielen anderen als Muster hingestellt werden. So ist es zunächst die Cultusgemeinde. die auch im heurigen Jahre etwa 600 Kinder mit nahrhafter Mittagskost versieht. Die Damen Toni Rosenfeld, Sophie Rosenzweig und Fanny Stroh überwachen diese Action, die sich alltäglich in einem zu diesem Zwecke gemietheten Locale abspielt. Da ist es wieder die Gemeinde, die viele Hunderte armer Schulkinder und Handwerkslehrlinge mit Mänteln, Anzügen und Schuhen betheilte. Die Mittel hiezu verdanken wir einem opferwilligen Damencomite, das ohne Rücksicht auf Wind und Wetter, freundliche oder sauere Mienen, die Sammlungen muthig durchführt. Dort, wo die Mittel der Gemeinde erschöpft find, kommen die Humanitären Vereine zu Hilfe. Der unter musterhafter Leitung der Frau Fanny Stroh befindliche Frauenverein verlangt von seinen Mitgliedern einen Beitrag von 20 Hellern monatlich, wofür er Hunderte armer Mädchen mit Mänteln versieht. Ebenso so segensreich wirkt der vor zwei Jahren gegründete Verein jüdischer Mädchen „Schulhilse", mit Fräulein Lina Reich an der Spitze. Hier werden Heller zu Heller gelegt, mit liebenswürdiger Geschicklichkeit Bergnügungsabende veranstaltet, um dann eine stattliche Kinderschaar mit Schulrequisiten, Wäsche und Kleidungsstücken zu versehen. Dem Mittelschüler stehen der Frauenverein zur Bespeisung armer Studenten (Präsident kais. Rath Jacob Stroh) und der unter Leitung des Oberingenieurs Emil v. Mises stehende Unterstützungs- Verein helfend zur Seite. Speciell hervorgehoben sei noch, daß der edelsinnige Gemeinderath Dr. Wilhelm Holzer den Frequentanten der seiner Obhut anvertrauten städtischen Czackischule vor Beginn des Morgenunterrichtes Thee verabreichen läßt. Um nun zur Gesammtarmuth zurückzukehren, so erwähnen wir, daß bei Beginn der kalten Jahreszeit an arme Familien beträchtliche Mengen von Brennmaterial vertheilt werden. Die Mittel werden durch Sammlungen aufgebracht. Endlich muß auch die von den Herren Jakob und Elias Stroh geleitete jüdische Volksküche als wahres Rettungsinstitut für unzählige arme Glaubensgenoffen bezeichnet werden. Raab. Zu einer außerordentlichen Kundgebung der allgemeinen Sympathie und Verehrung gestaltete sich die Feier des 30jährigen Amtsjubiläums unseres geschätzten Gemeindepräses Herrn weä. Dr. Philipp Pfeiffer. Trotzdem das Fest nach den Wünschen des Jubilars ganz im Stillen hätte begangen werden sollen, ließen es sich die Mitglieder der Cultusgemeinde nicht nehmen, ihrem Präsidenten bei diesem Anlaffe ihre Dankbarkeit und Werthschätzung zu bezeugen, und der feierlich decvrirte Gemeindesaal war zum Erdrücken voll, als der Jubilar erschien, um die Glückwünsche der verschiedenen Deputationen entgegenzunehmen. Begrüßt wurde der Präsident durch den Bicepräses Herrn Ignatz Meller; nach demselben ergriff Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Moriz Schwarz das Wort und schilderte in einer eindrucksvollen Rede das segensreiche und vielfältige Wirken des Gefeierten, der in jeder Beziehung der Gemeinde ein leuchtendes Beispiel biete. Ferner sprachen im Namen der Chewra- Kadischa Bicepräses Herr Josef Kanitz, im Namen des Frauenvereines Secretär Herr G. Wilhelm Szögyi und im Namen des Sandik- und Nichum-Avelim-Bereines Präses Herr Carl Fischer. Gemeindesecretär Herr David Boskovitz hingegen verlas die eingelaufenen schriftlichen Gratulationen, nämlich: jene des israelitischen Landeslehrervereines, des Raaber-Bereines in Budapest, des Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jakob Schwarz aus Csaktornya, ferner die Gratulations-Telegramme des königl. Rath Herrn Ignatz Schreiber, Ehrwürden Herrn Dr. Julius Fischer aus Prag, der israelitischen Landeskanzlei, Julius Szävay, Max Szabolcsi, Paul Auspitz, Rados, Dr. Fürst, Katinka, Stumpf. Samuel Laß u. s. w. Präses Herr Dr. Philipp Pfeiffer, gerührt von der Fülle der ihm bekundeten spontanen Liebe, aufrichtigen Anhänglichkeit und Hochachtung, sprach den Feiernden sein Dankgefühl aus, zugleich erklärend, daß er auch in Zukunft dem Aufschwung des Tempels, der Schule und humanitären Institutionen sein Leben widmen wolle und bittet seine guten Freunde, behufs Erreichung dieser heiligen Zwecke Schulter an Schulter mitzuwirken. Nach lang anhaltenden, begeisterten Eljen schloß Bicepräses Herr Ignatz Meller die feierliche Sitzung. Am selben Abend fand das dem Präses zu Ehren gegebene, aus circa 200 Gedecken bestehende, glänzende Bankett im großen Lloydsaalc

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