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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Date
1901-12-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Blvch's Wochenschrift. Sette 843 Kais. Rath Wilhelm Pollak: Herr Baurath Stiaßny hat mit seiner bekannten Liebenswürdigkeit auch dieser Sache liebenswürdige Seiten abzugewinnen gesucht Ich möchte ihn nicht den Beschwichtigungshofrath, sondern Beschwichtigungsbaurath nennen. Aber wer die Klagen der Eltern in der Schnlfrage nicht hört, der muh die Ohren mit Watte verstopft haben. Meine Absicht in dieser Frage geht keineswegs dahin, das Lehrziel und die Kenntnisse des Hebräischen berabzudrücken, sondern ich wende mich nur gegen das unnütze Vocabellernen und Auswendigbüffeln. Es wurde heute viel über das Griechische gesprochen. Wenn man sich darauf beruft, daß einer Zeitungsnotiz zufolge die Mittelschnlprofessoren das Griechische für die Gymnasialjngend als unbedingt nothwendig erklärt haben sollen, so kommt mir dies ähnlich vor, als wenn man von uns Weinhändlern, ich bin in meinen Mußestunden Weinhändler, verlangen wollte, zur Förderung der anti-alkoholischen Bestrebungen beizutragen. Gegen das unnütze Lernen der Vocabeln wenden sich ja auch die vom Vorstande verfaßten Instructionen vom Jahre 1891, auf die ich hiemit verweise. Diese Instructionen sollen nur streng gehandhabt nnd von den Schulinspectoren gehörig überwacht werden. Vicepräsident Landesschulrath Dr. Gustav Kohn wendet sich gegen Pollak. Der Lehrplan ist von bedeutenden Männern ausgearbeitet und erst kürzlich (September 1901) ins Leben getreten. Allerdings sei man früher mit dem Auswendiglernen der Vocabeln etwas zu weit gegangen. Die Klagen sind heute nicht mehr berechtigt. Die hebräische Sprache sei das einzige Band zwischen den einzelnen Juden. Aber man muß mit der ersten und nicht in den oberen Classen anfangen. Die Beschwerden über den Religionsunterricht am Sonntag, sind nicht ohne Berechtigung; auch das Kind soll einen Tag Ruhe haben, das hängt jedoch mit der Schuleintheilung und nicht mit der Sparsamkeit zusammen. Eine Vermehrung der Jnspectoren kostet zu viel Geld, wir müssen das auf spätere Zeiten verschieben. Sobald wir nur finanziell gekcäftigt werden, bringen wir selber diesbezügliche Anträge. Hierauf wurden die Posten B und C einstimmig genehmigt. Zum Abschnittt v „Finanzen und Controls" stellt Cnltusvvrsteher Eltbogen den Antrag, die facultative fünf Gulden-Steuer in eine obligatorische zu verwandeln und den Mehrertrag zum Bau von Bolksbethäufern zu verwenden. Die Cultusvorsteher G e w i t s ch und kaiserl. Rath Pollak unterstützen den Antrag Eltbogen. Kais. Rath Wilhelm Pollak sagt: Die neu eingetretenen Vorsteher aus der Curie der Höherbesteuerten haben manche der alten in der Arbeitsfreudigkeit weitaus überflügelt. Das Experiment dieser Wahlreform der hochbesteuerten Curie ist daher von diesem Standpunkt aus nur zu begrüßen. Aber ich bin einmal ein Schwärmer für die Fünfguldenmänner und glaube, daß deren Einbeziehung in den Gemeindehaushalt großen Nutzen brächte. Man verweise nicht auf die spärlichen Anmeldungen für die freiwillige 5 fl.-Steuer, die wird Niemand leisten; keiner zahlt gerne freiwillig Steuer. Wenn sie aber diesen Kreisen obligatorisch vorgeschrieben wird, werden die Eingänge nicht ausbleiben. Dadurch wird verhütet, daß ganze Kreise aus dem Gemeindeleben indifferent ausgeschaltet und zu Juden zweiter Kategorie gestempelt werden. Das Interesse fiir' den Glauben und die Institutionen desselben, das Interesse für das Gemeindeleben erkaltet in den äußeren Bezirken und der Tempelbesuch leidet dadurch. Daß die Zusammensetzung des Cultusvorstandes durch den Wahlmodus der Fünfguldenmänner nachtheilig beeinflußt werden könnte, fürchte ich nicht; die Juden sind bezüglich ihrer Candidaten für die Cultu.-gemeinde eine nicht so leicht zu befriedigende, sehr genau abwägende Wählerschaft. Cultusvorsteher Oberfinanzrath Rappaport bespricht die Nothlage des kleinen Mannes innerhalb der jüdischen Gemeinde. Schon die zehn Gulden-Steuer ist schwer eindringlich. Freiwillig zur fünf Gulden-Steuer haben sich im Ganzen vier Personen gemeldet. Die Nothleidenden mit Steuern zu bedrängen, um Bethäuser zu errichten, möchte er umso weniger empfehlen, als die bestehenden Bethäuser an gewöhnlichen Tagen leer sind. Besser armen Leuten zu Hilfe zu kommen, als Tempel, die leer stehen, zu erbauen. Bice-Präsident Dr. Alfred Stern erklärt, daß die Tempel in der Inneren Stadt und in der Leopoldstadt sehr gut besucht sind. Die Cultusgemeinde ist keine Wohlthätigkeitsanstalt, sondern hat die Pflicht, in erster Linie für Cultus und Unterricht zu sorgen. Allein der Antrag Eltbogen würde darauf hinauslaufen, die ärmsten Gemeindemitglieder mit Steuerexecutionen zu bedrohen. Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger: Die sicherste Statistik der Steuerfähigkeit bietet die Friedhofsverwaltung. In London gibt es überhaupt keine confesfionelle Statistik, sondern man zählt die Juden nach der Zahl der Leichenbegängnisie. Das Wiener Friedhofsamt notirt 75 Percent Gratisleichen. Berechnet man dementsprechend die Anzahl der Steuerträger in der Cultusgemeinde, so wird man finden, daß man bereits die Aermsten zur Steuer herangezogen hat. Vorsitzender kais. Rath K l i n g e r: Die Eingangsworte in den Ausführungen des Herrn Eltbogen haben sich so angehört, als ob sie in einer Wählerversammlung gesprochen worden wären und dürfen nicht widerspruchlos hingenommen werden. Ich erinnere daran, daß z. B. dem XX. Bezirke größere Beträge und zuletzt im Laufe des Jahres direct K 30.000.— und überdies seitens eines Vorstehers noch X 20.000.— gewährt wurden und wenn man in den anderen Bezirken Umschau hält, wird man zur U berzeugung gelangen, daß auch für diese große Opfer seitens der Cultusgemeinde gebracht wurden. Aus diesem Grunde mußte auch der so oft laut gewordene Wunsch nach dem Bau eines Tempels in der Innern Stadt zurückgestellt werden. Was den erhobenen Vorwurf anbelangt, daß der Cultusvorstand seine Thätigkeit zu wenig den religiösen Einrichtungen und zu sehr der Ausübung der Wohlthäligkeit zuwendet, so ist es ja bekannt, daß er, der Präsident, die Traditionen des Judenthums und des Gemeindelebens Hochhalte, allein er müsse das oft Bemerkte wiederholen, daß den wohlthätigen Leistungen einzelner Mitglieder gewiß kein Abbruch geschehen solle, daß jedoch, wenn nicht der Vorstand in den letzten Jahren die Initiative ergriffen hätte, wir noch heute kein Bersorgungs- und kein Srechenhaus hätten, segensreiche Institutionen, die der Wiener Cultusgemeinde zum Ruhme gereichen; denn es ist eine Mizwah ersten Ringes, daß mehrere Hunderte hilflose Greise und Greisinnen sich eines vortrefflich geleiteten Heims erfreuen. So stehe seit Jahren für die Errichtung eines jüdischen Kinderspitales — gewiß ein hervorragendes Bedürfniß in der Gemeinde, aus der Emilie Singer'schen Stiftung und aus einer ihm, dem Präsidenten, übergebenen anonymen Spende, wie aus dem Ausweise der Fonde und Stiftungen zu ersehen ist, ein Stiftungscapital von inclusive der Zinsen circa 260.000 Kronen zur Verfügung, allein er sei überzeugt, daß, nachdem dazu ein großer Betrag erforderlich wäre, es zur Errichtung eines solchen Kinderspitales nicht kommen werde, wenn nicht der Vorstand selbst in gegebener Zeit zu dieser segensreichen Maßnahme die Initiative ergreifen werde. Der Vorstand sei nach Erachten des Präsidenten berufen, derartige Anregungen zu geben, welche ja schon oft dem Wohlthätigkeitssinne einzelner Mitglieder entgegengekommen sind. Die neue Wahlordnung habe, was er nicht genug anerkennend hervorheben könne, den Eintritt besonders eifriger und gewissenhafter Mitglieder des Vorstandes bewirkt, und er müffe wiederholt der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß diese Neuorganisation als ein segensreiches Moment in der Geschichte der Wiener Cultusgemeinde sich darstellt. Es sei gewiß von der Loyalität des Collegen Eltbogen zu erwarten, -daß er. wenn er Gelegenheit habe, in seine Wahlkreise hinauszutreten, nur objective Mittheilungen machen und die Wirksamkeit und Tätigkeit des Vorstandes den Thatsachen entsprechend zur Darstellung bringen werde. Nachdem noch Cultusvorsteher E l t b o g e n in einer thatsächlichen Berichtigung erklärt hat, seine Worte wären mißverstanden worden, es lag seiner Absicht fern, gegen den Vorstand Anwürfe und Anklagen zu erheben, werden sämmtliche weitere Capitel des Budgets nach den Anträgen und der Befürwortung des Referenten kaiserl. Rath Moriz Hirsch einstimmig genehmigt. Der Präsident dankt dem Referenten für sein lichtvolles Referat und spricht auch dem Bureau für die mühevolle Thätigkeit die Anerkennung aus. Nachdem noch über Vorschlag des Bicepräsidenten Doctor Stern zu Curatoren einzelner Stiftungen die Cultusvorsteher Reichsrathsabgeordneter Rudolf Auspitz, Dr. Katzau und Mor. Edler v. Kuffner gewählt worden, erklärte der Präsident die öffentliche Sitzung für geschloffen. * * * In der am 11. December 1901 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes der israel. Cultusgemeinde wurde auf Antrag des Bethausvorstandes beschlossen, das Andenken des verewigten um die Gemeinde hochverdienten Herrn Jacob Brandeis durch Aufnahme in die Haskarah dauernd zu ehren, lieber Referat des

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