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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Date
1901-12-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 840 Mr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 5t des Ausbaues unserer gemeinnützigen Einrichtungen und Anstalten zu erfüllen haben. Er weist noch besonders darauf hin, daß nach dem Ergebniß der letzten Wahlen das StimmenverhÄtniß der jüdischen Wähler gegen oder für die Orgel in zwei fast gleiche Halsten getheilt sei, mithin zwei nahezu gleich starke Parteien hier in Betracht kommen. Es könne daher die orgelfreundliche Partei keineswegs mit Recht gerade die große neue Synagoge für sich in Anspruch nehmen; wäre doch hier sicher die Befürchtung am Platze, daß, wie in den Orgelsynagogen anderer Städte, auch die große Synagoge nach Einführung der Orgel und der durch sie bewirkten Verdrängung der conservativen regelmäßigen Besucher verödet und verlassen bleiben werde. Redner schließt seine Rede mit einem Appell an die Versammlung, die der blühenden Kölner Gemeinde drohende unheilvolle Zersplitterung durch Ablehnung der Vorlage abzuwenden. Den Standpunkt der Mehrheit des Vorstandes vertrat Herr Rechtsanwalt Dr. Eallmann, der die im conservativen Sinne des Judenthums gehaltenen bisherigen Ausführungen als „Ghetto-Ansichten" bezeichnete, die keinen Anspruch auf Berücksichtigung erheben können, Für ihn ist der von Herrn Rabbiner Dr. Frank vertretene Standpunkt, nach welchem keine religionsgesetzlichen Bedenken vorliegen, maßgebend. Die Orgel soll seiner Auffassung nach das mangelnde Verständniß der hebräischen Gebete vieler Besucher des Gottesdienstes ersetzen und diesen zur Erbauung und Erhebung verhelfeu. Der Vorstand habe jetzt der Welt offen verkündet, auf welchem Standpunkte er stehe, möge die Repräsentantenversammlung das Gleiche thnn. Nachdem noch die Herren Dr. Apfel und Sally Bielefeld für die Orgel gesprochen, wandte sich Herr Rechtsanwalt Dr. Mannheim sehr energisch und eindringlich gegen die Orgel. Redner charakterisirt seine Stellungnahme trotz seiner sehr freien religiösen Anschauung als den Ausfluß einer wahrhaft liberalen Gesinnung, indem er die ständigen conservativen Besucher der neuen Synagoge vor einem Gewissenszwang, der diesen überzeugungstreuen Bekennern des Judenthums an der Stätte ihrer Erbauung durch Einführung der Orgel droht, bewahren will! Die Orgelfreunde würden in ihrem Gewissen keineswegs bedrängt, wenn sie auf eine Annehmlichkeit, die ihnen die Orgel in der Synagoge vielleicht gewähre, verzichten müßten. Er mache die in dem Gutachten des Herrn Rabbiners Dr. Rosenthal vertretenen Grundsätze zu den seinigen und werde sich, gestützt auf diese, mit aller Macht der Einführung einer Orgel in die neue Synagoge widersetzen. Das Schlußwort hatte Herr Rosenberg für die Orgel, welchem sich persönliche Bemerkungen der Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Frank, der Vorsitzenden, der Herren S. Wolffohn und Rechtsanwalt Dr. Callmann anschloffen. - In namentlicher Abstimmung wurde .hierauf die Vorlage abgelehnt; an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit fehlten zwei Stimmen. Die Entscheidung werden nunmehr erst die nächsten Wahlen bringen. — Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde in dieser denkwürdigen Versammlung Herr Simon Frank gewählt. (Korrespondenzen. Oeffentliche Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde am 15. Deeember 1901, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Aus den Einläufen wird zur Kenntniß gebracht an Spenden: Bon Frau Pauline B o n d y, zur Errichtung einer BeLtstiftung für die Siechen-Abtheilung der israelitischen Versorgungsanstatt zur Erinnerung an ihren seligen Gatten Herrn Philipp Bondy über freundliche Intervention der Frau Jda Diamant.. X 12.000 Von Herrn Moriz Karpeles, anläßlich der Vermählung seiner Tochter, für das Altersverforgungshaus X 500, für das israelitische Spital X 500. zusammen.„ 1.000 Von Herrn Max Weiner, für das Siechenhaus . „ 1.000 Bon Herrn Wolf Pollaczek, anläßlich des Ablebens seiner Gattin Frau Charlotte Pollaczek, für Arme.. 1.000 Bon Frau Rosa K o w a n i tz, als Legat ihres Gatten Samuel Kowanitz, für Arme . . . . „ 500 Bon Herrn Alois H o f m a n n, zur Anschaffung von Heizmaterial für Arme X 50, zur Bekleidung armer Schulkinder K 50, zusammen . „ 100 Von ,Anonymus", für 5 arme jüdische Familien mit kranken Kindern.„ 50 Von „C. B." für den Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis K 6, für den israelitischen Waisenverein X 6, für den Verein für arme Galizier K 6, zusammen.„ 18 Von Herrn Eduard Gretsch, für die Chewra- Kadischa X 10, für die Armenanstalt X 10, zusammen.X 20 Von Herrn k. k. Oberstabsarzt Dr. Jacob T r e ul i ch. zur Ausspeifung armer Kinder X 10, für das Siechenhaus K 10, zusammen . . . . „ 20 Von Herrn Bernhard G o l d m a n n. für den Verein für arme Brustkranke.... v io Von Frau Laura Ehren selb, für Arme . . . \ io Von der Firma Mendel u. Löwy, Kanzleirequisiten für das israelitische Alttrsversorgungshaus. Ferner eine Zuschrift, in welcher Herr Vorsteher Wilhelm K u f f n e r mittheilt, daß er, betreffend einen von ihm zum Audei'.ken an seinen verstorbenen Sohn Erwin Kuffner an der Wiener Handelsakademie errichteten Stiftplatz, dem Cultusvorstande für einen Eventualfall das Nominirungsrecht eingeräumt hat. Des Ferneren wird ein Erlaß der niederösterreichischen Statthalterei des Inhaltes mitgetheilt, daß die Herren Karl und Wilhelm Hirsch, Testamentsexecutoren nach Herrn Ernst Hirsch im Einverständnisse mit dem Abhandlungspfleger Dr. Ignaz S t i e d r y beschlossen haben, von dem Legate des Herrn Ernst Hirsch, per X 80.000 den Theilbetrag von K 60.000 nachstehenden Wohlthätigkeitsanstalten zuzuwenden, und zwar: dem Spitale der israelitischen Cultusgemeinde X 12.000, dem Siechenhause der israelitischen Cultusgemeinde X 12.000, dem israelitischen Blindeninstitute in Wien X 10.000, dem israelitischen Humanitätsvereine „Wien, Bnai Brith" X 13.000, mit der Bestimmung, den Theilbetrag von X 8000 dem Vereine zur unentgeltlichen Verpflegung armer Brustleidender auf dem Lande" und den Theilbetrag von X 5000 dem „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis in Wien" zuzuwenden, dem Verein zur Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten in Wien X 2000, dem Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten X 2000, der Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde in Wien X 5000, dem israelitischen Wohlthätigkeitsvereine „Frauenhort" im IX. Bezirke X 2000, dem „Kinderheim", Verein für Heimstätten für verkrüppelte, schwache und reconvalescente Kinder jüdischer Confession X 2000. Aus einer Zuschrift des Herrn Dr. Eugen Ritter von Bo sch an wird zur Kenntniß gebracht, daß seine am 13. d. M. verstorbene Mutter Frau Antonie von B o s ch a n der Cultusgemeinde letztwillig einen Betrag von fl. 10.000 testirt habe, mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Capitales alljährlich am 14. Februar an 10 arme Familien zur Bertheilung zu gelangen haben. Der Präsident verweist auf die Bedeutung der vorerwähnten Stiftungen und Legate und gibt im Namen des Gesammtvorstandes der Ueberzeugung Ausdruck, daß den Stiftern ein ehrendes Gedächtniß bewahrt bleiben werde. Nach Uebergang zur Tagesordnung constatirt der Präsident, daß das vorgelegte Budget in den einzelnen Commissionen bereits berathen und in der statutengemäßen Frist fertiggestellt wurde, so daß die Publication rechtzeitig erfolgen kann.' Kais. Rath Moriz Hirsch als Budget-Referent ergreift das Wort: Geehrte Herren! Namens des Vertreter-Collegiums habe ich die Ehre, Ihnen den Entwurf des Budgets der Cultusgemeinde für das Jahr 1902 vorzulegen. Derselbewurde von den einzelnen Commiffionen sorgfältigst gearbeitet und von dem Vertreter- Collegium einer gründlichen, in das Detail jeder einzelnen Post eingehenden Prüfung unterzogen. Ich werde mir erlauben, wie dies schon in den vorhergehenden Jahren von mir geschehen ist, auch diesmal bei den Ziffern der einzelnen Capitel die correspondirenden Einnahms- und Ausgabsposten des Vorjahres hervorzuheben, damit diese zu Ihrer Orientirung dienen und aus deren Vergleichung Sie ein allerdings gedrängtes Bild vermehrter oder verminderter Thätigkeit unserer Verwaltung empfangen werden. Der Voranschlag für das Jahr 1902 weist ein Gesammterforderniß von X 2,077.520°51 und eine Gesammtbedeckung von X 1.912.174'09 auf, sonach sich ein Deficit von X 165.346*42 ergibt, während der Voranschlag pro 1901 inclusive des Anhanges für „Besondere Auslagen" nur mit einem Deficit von X 83.353.— abschloß.

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