Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 50 (13.12.1901)
- Date
- 1901-12-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Dr. Bloch's Wochenschrift, Seite 831. in dem sie schon als Kind ihre Andacht verrichtet hatte, der ihr so heilig erschien, ein wahrer Ort des Friedens und 6er seelischen Erquickung, flüsterte sie nun. seltsam ergriffen, die für das Neujahrsfest vorgeschriebenen Gebete, hörte die machtvollen Klänge des Schosars, die ihr ins Herz drangen wie eine Mahnung, wie eine Verheißung, wie eine Erlösung. Dann kamen die zehn Tage der Buße, sür sie zehn Tage des Kampfes. Bleich und still schlich sie umher, so daß ihre Eltern oft besorgt fragten, was ihr fehle. Dann raffte sie sich immer wieder auf und versuchte zu lächeln, zu plaudern, wie früher. Die Nächte aber verbrachte sie in qualvollem Wachen. Der Versöhnungstag brach an. Es durchschauerte sie, als sie beim Sündenbekenntniß zu den Worten kam: „Und vergib uns die Sünde, die wir vor Dir begangen durch Geringschätzung der Eltern!" Hatte sie sich nicht an ihnen versündigt durch die Verheimlichung ihrer Liebe und, was sie vor hatte, war es nicht geeignet, Friede und Glück aus ihrem Elternhause zu verscheuchen, vielleicht die Guten um Jahre ihres theuren Lebens zu bringen? Das alles stürmte mit furchtbarer Macht auf sie ein. Uno dann fühlte sie sich wieder erleichtert. „Wie schön ist doch unser Glaube", dachte sie tief bewegt. „Die meisten Sünden, für die ich jetzt von Gott Verzeihung erflehe, habe ich ja gar nicht begangen, doch ich bete: „Vergib uns!" „Uns" und nicht „mir", denjenigen meines Volkes, deren Gewissen sie belasten; ich bete für alle meine Glaubensgenossen, und sie alle beten für mich, und der Allgütige wird, die vereinten Bitten erhören. Und ich fühle es, wie Alles von mir abfällt, was mich bedrückt und ich kann wieder frei schauen ohne Lüge und Verstellung, bin mir selbst wiedergegeben, meinen Eltern und meinem Glauben!" Als es Abend war, saß Jda still, aber mit verklärtem Gesichte, an der Tafel im Kreise ihrer-Angehörigen —- Bor dem Hause ging um diese Zeit ein Mann unruhig auf und ab; an der nächsten Straßenbiegung stand ein bestellter Wagen, doch die Erwartete kam nicht. Literatur. Real-Encyklopädie des Judenthums. Abth. III. Supplement VI. Schlutzheft. Von Dr. I. Hamburger, Ober- und Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenburg). Vor uns liegt das Schlutzheft dieses umfangreichen, sorgfältig gearbeiteten Schlnßwerkes über das Judenthum in seiner Lehre, Geschichte. Ethik und Dogmatik; ferner von seinem Gesetze des Rechtes, des Cultus u. A. m., woran der Verfasser über 20 Jahre unermüdlich thätig gewesen. Dasselbe ist in der Form eines Wörterbuches abgefaßt mit größeren und kleineren Artikeln in alphabetischer Reihenfolge, welche das Aufsuchen erleichtert und die gewünschte Orientirung schnell verschafft. Diese „Real-Encyklopädie des Judenthums" zerfällt in drei Abtheilungeii, von denen behandelt die e r st e die Artikel des biblischen Schriftthums; die zweite die der Talmnden Midraschim — mit Einschluß der Apokryphen und des jüdisch-alexandrinischen Schriftthums; die dritte bringt neben den Arbeiten zur Ergänzung der früheren Abtheilungen die Artikel von den wissenschaftlichen Arbeiten und den Biographien der jüdischen Gelehrten des Mittelalters bis zum Anbruch der Neuzeit. Es enthält die Abtheilung III, Supplement I die Artikel: „Ethik, philosophische"; „Jesus Sirach' und sein Spuchbuch"; ferner: „Die Sagcnkunde der jüdischen Gelehrten", eine ausführliche Behandlung der Midrasch-Literatur u. A. m. Im Supplement II überraschen uns die Forschungen über das Alenugebet, den Glauben im Judentbnm, das Amuiettenwesen, den Chiliasmus, die Feuerbestattung, das jüngste Gericht, liturgische Poesie, Messianische Bibelstellen, Offenbarung, Mündliches Gesetz. Obergericht. Dispensation vom Gesetz, die Gesetzesaufhebung, Fortdauer des Gesetzes. Nicht minder sind die Lehren im Supplement III. Wir nennen: Die Ausbreitung der Lehre und der Religion des Judenthums, Binden und Lösen des Gesetzes, Dissentirender Gelehrter, Gründe der Gesetze, Böses und Gutes, Messiasse, Evangelien, Tempelgottesdienst, Agada u. A. m. Gründlich sind die Arbeiten im Supplement IV, als die über die Denk-, Lehr- und Redefreiheit, das Gottesreich, Jesus von Nazarerh, die Massora, Religion im Dienste der Menschheit, Symbolik, Zaddokim u. A. m. Das Sn plement V bringt Biographien der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters bis zur Neuzeit mit ihren wissenschaftlichen Leistungen. Besonders sind da die Artikel hervorzuhcben: Allegorie, Apologetik, Apostaten, Disputationen u. A. m. Im Supplement VI, dem Schlutzheft, haben wir die Artikel: Philosophie und Judenthum, 'Religionsphilosophie, Poesie, weltliche u. A. m. So möge denn diese Real-Encyklopädie ihre verdiente Anerkennung und weiteste Verbreitung finden. S. in Berlin. Neue Schriften. Der Antichrist in den vorchristlichen jüdischen Quellen. Von M. F r i e d l ä n d e r, G ö t t i n g e n. V a n d e n h o e ck & Ruprecht 1901. Heinrich Grünau. Exil. Drama aus dem jüdischen Leben. E. Pierson's Verlag, Dresden und Leipzig 1902. Heinrich Weyl. Die jüdischen Strafgesetze bei Flavins Josephus in ihrem Verhältniß zu Schrift und Halacha. Mit einer Einleitung: Flavins Josephus über die jüdischen Gerichtshöfe und Richter. Berlin, H. Jtzkowski, Gipsstr. 9, 1900. Dr. H. Flesch. Vier Reden. Selbstverlag 1901, Preis 1 K, Revue. Lea Ecoles de l’Alliance Israelite, No 8, Octobre- Decembre 1901. Paris Librairie Darlacher. Dr. Heinrich Loewe. Der Liberalismus macht selig und der Sonntaggottesdienst macht liberal. Ein Wort zur Verständigung an Herrn Gustav Levinstein. Verlag von H. S. Hermann. Berlin 1901. Monatsschrift für Geschichte und Wiffenschaft des Judenthums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Professor Dr. H. Graetz. Nene Folge, im Vereine mit Professor Dr. David Kaufmann s. A. ins Leben gerufen und herausgegeben von Dr. -ÄH. Braun, Breslau, Verlag von Wilh. Koebner. Abonnementspreis für den Jahrgang in 12 Heften, 9 Mark. Heft Jänner—Februar 1901. Inhalt: Dr. H. Flesch, Zur Exegese der verschiedenen Namen der Stiftshülle. Doctor I. K r e n g e l. Variae Lectiones zur Tofefta. A. Epstein. Die nach Rafchi benannten Gebäude in Worms. Dr. S. Horov i tz. Das hebräisch persische Wörterbuch des Salomo den Samuel. Heft März-April 1901. Inhalt: Dr. Leo Bäck, Harnack's Vorlesungen über das Wesen des Christenthums. Doctor M. Steinschneider, Saadia Gaons arabische Schriften. Ad. Schmie dl, Randbemerkungen zu Saadia's Pentateuch. Uebersetzung Dr. M. Steinschneider: Zur Literatur der Maimoniden. Dr. Heinrich Berger: Der lÄmmentar des R. Benjamin b. Jehuda zu den Sprüchen. F. H. Wetstein: Noch ein Wort über die jüngst in Krakau aufgefundenen Grabschriften. Dr. Albert Wolf: Ein Amulet der Sammlung Strauß. Dr. Lewinsky: Ein Actenstück zur Geschichte der Juden in Hildesheim aus dem Anfänge des 18. Jahrhunderts. Heft Mai, Juni und Juli 1901. Inhalt: Dr. M. B r a n n: Die Familie Frankel. Dr. Al. Kisch: Prager Notizen zur Biographie Zach. Frankens. Dr. Josef Efchelbacher: Zacharias Frankel. Dr. M. Gü bemann: Zacharias Frankel. Bon ihm und über ihn. Dr. L. T r e i t e l: Zacharias Frankens Verdienste um die Septuaginta-Forschung. Dr. L. D o b f ch ü tz: Zacharias Frankens Emlettungin die Mtfchnah. Dr. A. Schwarz: Die Ehe im biblischen Alterthum. Dr. M. Fried: Das Losen im Tempel zu Jerusalem. Dr. W. Bacher: Die Gelehrten von Cäsarea. Dr. S. Hor ovitz: Analecten. Dr. B. Ziemlich : Die Anlage des Jad ha-chasakah Maimunis. Doctor M. Brann: Berzeichniß der Schriften und Abhandlungen Zacharias Frankel's. Briefkasten. R. in W. Rabbiner Dr. M. Joel.starb am 3. November 1890. — Die Dichterin George Elliot wurde am 22. November 183" geboren. — Daniel Sanders, der berühmte Lexikograph wurde geboren am 12. November 1819 zu Alt-Strelitz. R. in Prag. In dem Feuilleton der „Narodni Politika" vom Sonntag den I. December ist eine interessante Darstellung von der Charakterspecüs des Renegaten als „Krebsschaden am Leibe unterdrückter Nationen". „Für einen Groschen, ein Stück Brod, einen Rock, ein Lächeln verkauft mancher Mensch seine Kmder, sich selbst, verleugnet Vater, Mutter, und ergreift die Keule, damit er in der ersten Reihe der Feinde in den Kampf ziehe gegen seine Geschwister." „Ehrliche Leute, auch als Feinde, werden ihm mit Ekel einen Fußtritt geben. Er meinte es nicht ehrlich mit seinen Leuten, er wird es mit uns auch nicht. Der alte Kriegsmann Mannsfeld nahm keinen Ueberläufer unter seine Soldaten. „Du verriethest Deine Landsleute und wirst auch uns verrathen. Der Schatten des Renegaten fällt auf feine Dienstgeber." M. G. N. Der 3. Februar 1839 war Sonntag der 2. Adar 5640. Derselbe fällt im Jahre t902 als der 2. Adar auf Dienstag den 11. März und der 2. Weadar auf Mittwoch den 9. ApriL Das letztere Datum ist das richtige. Juda L. in Z. >. Der Hilfsverein hat seinen Sitz, L, Tuchlauben 17. 3. Ist uns unbekannt. S. in B Der l 8. Tamus 5594 war am Freitag den 2b. Juli 1834. S. Bremer in O.A. r Hilfsverein, Wien, I., Tuchlauben 17.