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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-13 · 50 (13.12.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
50 (13.12.1901)
Date
1901-12-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 830 Dr. Bloches WvchenfchrM Nr. 50 Bezedek. (Todesfall.) Allgemeine Theilnahme erweckt hier das Hinscheiüen des Herrn Emanuel Schwarz, dessen Begräbniß Sonntag den 8. d. M. unter großer Betheiligung stattfand. Der Verblichene, der im 64. Jahre nach langem schweren Leiden verschieden ist, erfreute sich zahlreicher Sympathien, und seiner Familie wurden herzliche Beileidskundgebungen' von Nah und Fern zutheil. Strakorntz. (Goldene Hochzeit.) Am 17. December d. I. feiert das Ehepaar Herr Marcus B e n i s ch, Präses der Chewra-Kadischa, und Frau Anna Benisch im Atter von 81 resp. 76 Jahren, im Kreise der Angehörigen in vollster Rüstigkeit in seiner Wohnung das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Feuilleton. Mein Enget. Aus dem Polnischen. (Entnommen dem in Warschau erscheinenden „Israelita"). Uebersetzt von Malvina Blumberg. Ich war meiner Eltern einziges Kind. Als meine Mutter mich das erstemal in den Cheder führte, sagte sie mir, wenn Kinder fleißig lernen, würfen ihnen Engel Rosinen und Mandeln vom Himmel hinab. Meine Mutter hatte die Wahrheit gesprochen. Wenn ich etwas gut begriffen hatte, übergab mir der Rebbe >me Düte Zackerwerk und sagte: »Nimm, Chaimchen, das hat Dir ein Engel vom Himmel hinuntergeworfen . . .* Ich hatte mich so an diese Belohnung gewöhnt, daß ich sie als mein gutes Recht betrachtete, und blieb sie einmal aus, so fragte ich danach, der Rebbe wandte sich an den Engel, und die Düte mit Süßigkeiten wurde mir ein gehändigt. Etwa Tin halbes Jahr besuchte ich den Cheder. als meine Mutter starb. Ich wußte damals nicht, was der Tod bedeutet. Still, mit einem schwarzen Tuch bedeckt, lag meine Mutter auf der Erde; zweiK.-rzen brannten ihr zu Häupten. Dann fuhr ein Wagen vor, der ebenfalls mit einem schwarzen Tuch bedeckt war und in dem meiue Mutter fortgeführt wurde. Die anwesenden Frauen brachen in lautes Schluchzen aus- »Weine!", flüsterte mir Jemand zu. Aber ich konnte nicht weinen, die Thränen, mit denen man ein großes Unglück beweint, kommen, wie es scheint, erst mit der Erkenntniß des Unglücks. Als ich nach dieser Unterbrechung den Cheder wieder besuchte, sagten die Kinder daselbst, ich sei ein »Jussem",*) und man dürfe mich nicht schlagen . . . Aber das war eine Unwahrheit. Im Gegentheil. Früher hatte man mich nicht schlagen dürfen, jetzt schlug mich der »Belfer" immer häufiger ... Ich lernte sehr eifrig, o, bedeutend eifriger als ehemals, aber der Engel hatte aufgehärt, mir Düten mit Rosinen und Mandeln hinunterzuwerfen, und ich meinerseits hatte aufgehört, danach zu fragen. Aronchen hingegen . . . Aber ihr wißt nicht, wer Aronchen ist? Das ist mein Bruder. Ich war meiner Eltern einziges Kind, und doch war er mein Bruder. Eines Tages nämlich brachte ihn der Vater zu uns ins Haus und sagte: »Chaimchen! ich bringe Dir einen Bruder. . . und das ist deine Mutter!" fügte er hinzu, auf eine etwas starke Frau, die gleichzeitig mit ihm eingelreten war, hinweisend. Daß ich eine neue Mutter bekam, das wunderte mich nicht im Geringsten; sobald jene Mutter gestorben war, mußte ich anstatt ihrer eine andere haben. Kann man denn ohne Mutter sein? Aber was mir ein Bruder nützen sollte, das zu begreifen, war ich außer Stande! Aronchen besuchte den Cheder zugleich mit mir. Aber er wollte nicht lernen und hatte auch sehr mittelmäßige Fähigkeiten. Einmal jedock, als er etwas rascher als sonst begriffen hatte, rief der „Belfer": »Rebbe, heute kann Aronchen Alles ganz vorzüglich; sagt es dem Engel, damit er ihm etwas hinunterwirft." Und der Rebbe ging in das Nebenzimmer, kehrte bald darauf mit einer großen, mit allerhand guten Dingen gefüllten Papierdüte zurück und händigte sie Aronchen ein. Mit Appetit verzehrte nun mein Bruder die rothwaugigen Aepfelchen, Rosinen, Mandeln, lange, rothe Bonbons, ganz kleine Zuckerkugeln, und werweiß, was noch Alles! Ich sah ihm *) Eine Waise. zu, und das Herz krampfte sich mir zusammen vor Weh'! Endlich konnte ich nicht länger an mich halten und fragte: „Rebbe! Ich kann ja immer Alles ganz vorzüglich; warum denkt der Engel nicht an mich?" »Dein Engel ist gestorben!" erwiderte der Rebbe, nachdem er eine kleine Weile nach gedacht. Da hallte im Cheder mein leises, schmerzerfülltes Schluchzen wieder ... Es war ein Weinen der erwachten Erkenntniß. Hohr Feiertage. Von Paula Eisnev, Wien. Aus dem Erslaufplatze hatten sie einander kennen gelernt. Jda wollte einen schönen Bogen auf der glitzernden Fläche beschreiben, als sie plötzlich — die Ursache ist bis heute, noch nicht aufgeklärt — das Gleichgewicht verlor und gestürzt wäre, wenn er sie nicht in seinen Armen aufgefangen hätte. Es blieb nicht bei kurzem Danke, sondern man kam ins Gespräch und fand nach einer knappen Viertelstunde, daß man seltsamerweise so ähnliche Anschauungen und Ideen hatte, überhaupt vortrefflich harmonirte. Wenn aber ein statrlicher junger Mann und ein blühend schönes Mädchen miteinander sympathisiren, dann wird in ihnen in der Regel ein Gefühl erweckt, das von Liebe kaum zu unterscheiden ist. Warum sollten die Beiden eine Ausnahme machen? Es war ein recht strenger Winter und sie kamen daher oft auf der Eisbahn zusammen. Als die wärmere Jahreszeit heranrückte und das Eis zu schmelzen begann, waren beide auch ■ schon aufgethaut und hatten einander ihre Liebe gestanden. Ihrer Verbindung stellte sich aber ein großes Hinderniß entgegen — der Glaubensunterschied. Jda gehörte einer frommen jüdischen Familie an; Richard war katholisch und Staatsbeamter, erklärte mit Rücksicht auf seine Carriere einen Uebertritt seinerseits für ganz unmöglich und bezeichnete als einzigen Ausweg die Trauung auf dem Standesamte. Confessionslos! Vor diesem Worte graute ihr, der so streng religiös Erzogenen; lieber noch wollte sie katholisch werden. Aber ihre Eltern würden es ja nimmermehr zugeben! Vorläufig wußten sie noch gar nichts von ihrem Verkehr und man beschloß, es ihnen so lange als möglich zu verheimlichen. Unterdessen war es Sommer geworden. Jda fuhr mit ihren Eltern auf das Land, unterhielt jedoch mit Richard einen lebhaften Briefwechsel, natürlich poste restante. Nach ihrer Rückkehr zu Anfang des Herbstes eröffnete er ihr, daß seine Beförderung, zugleich aber Versetzung in seine Geburtsstadt, wo seine Eltern noch wohnten, bevorstehe und sie. nun eine Entscheidung treffen müsse. »Ich kann es meinen Eltern nicht sagen, ich kann nicht", rief sie. »Wenn ich das liebe, ernste Gesicht meines Vaters sehe, habe ich nicht den Muth, ihm etwas zu sagen, was ihn so unendlich schmerzen würde. Und meine Mutter! Du ahnst ja gar nicht, wie schwer es mir wird, etwas vor ihr zu verheimlichen; ich komme mir fast wie eine Verbrecherin vor und traue mich kaum, sie anzubluken! Ihr aber Alles sagen — unmöglich!" »Dann bleibt uns nichts übrig, als ohne ihre Einwilligung unseren Bund zu schließen; dann mußt Du, ohne Abschied zu nehmen, mit mir reisen. Ich bringe Dich zu meinen Eltern, die ich während meines vierzehntägigen Urlaubes, welchen ich morgen antrete, auf Deine Ankunft vorbereiten werde. Ich bin ihr Lieblingssohn, daher überzeugt, daß sie trotz ihrer kleinen Abneigung gegen — gegen Deine bisherigen Glaubensgenossen, Dich als Schwiegertochter und neubekehrte Christin mit Freuden begrüßen werden." Das Ende dieser Unterredung, welche Jda viele Thränen kostete, war schließlich eine Zusage; ja, sie wollte mit ihm gehen und wäre es auch »bis an das Ende der Welt." — — — — Die großen Feiertage standen vor der Thür. Das Neujahrsfest und der Bersöhnungstag, dazwischen die Bußetage. Jda war immer sehr religiös gewesen; dahin hatte sowohl die Erziehung, als auch ihr für alles Schöne und Gute empfängliches Herz gewirkt. Diesmal fühlte sie sich nicht in gehobener Stimmung, wie sonst, sondern recht beklommen, als sie das Gotteshaus betrat. Nicht oft mehr sollte sie in diesem Raume wei/en, bald mußte sie ja doch in die weihraucherfüllte Kirche g"hen, wo Alles fremd und niederdrückend auf sie einwirken würde, Gebete murmeln, die nicht aus dem Herzen kämen, ihr Knie beugen vor einem Gotte und vor Heiligen, an die sie niemals glauben könnte. Hier aber, in dem wohlbekannten Tempel,-

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