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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-13 · 50 (13.12.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
50 (13.12.1901)
Date
1901-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. BO Dr. Blvch's Wochen schrifk. Seite 827 Steiner erhob deshalb gegen Hommer durch Dr. Leopold R o s e n s e l d die Ehrenbeleidigungsklage bei dem Bezirksgerichte Matzen. Inzwischen hatte die ausgestrente Nachricht von der Ermordung des Dienstmädchens die Gendarmerie bewogen, Erhebungen zu Pflegen, und diese ergaben, daß das Mädchen in der Zuckerfabrik in Dürnkrut, als Taalöbnerin arbeite. Aus Antrag Dr. Leopold Rosenfeld's beHkoß nun der Strafrichter Dr. W a n e k, mit Rücksicht auf die bereits als Consequenz erhobenen amtlichen Recherchen, den Strafact dem- Kreisgerichte Korneuburg wegen Verbrechens der Verleumdung zu übermitteln, vor welchem sich nun Hommer zu verantworten haben wird. Jungbunzlau. Am 8. December Nachmittags fand anläßlich des Chanukafestes ein prächtiges und allen Theilnehmern unvergeßliches Kinderfest statt, wobei auch die armen Schulkinder sämmtlich mit warmen Kleidern bedacht wurden. Eine nach Hunderten zählende Zuschauermenge erfreute sich an den Präcise zur Ausführung gebrachten Kinderspielen und Vorträgen, welche das Fräulein Hedwig A d l e r mit bewunderungswürdiger Geduld und Aufopferung eingeübt hatte. Besonders erhebend war der Anblick der 40 jüdischen Knaben, als sie am Schluffe des Soldatenspieles ein Hoch auf Seine Majestät ausbrachten, in das alle Anwesenden begeistert und mit Thränen der Rührung in den Augen einstimmten. Herr Rabbiner Dr. Hoch hielt eine Begrüßungsansprache. Lehrer H o f m a n n dankte den Arrangeuren. Eine Jause vereinigte dann an 100 Kinder in Lust und Freude — ein Bild der altjüdischen Familienfreude. Zn diesem Feste erschien auch nebst den Damen des Officier-corps der höchste Officier der hiesigen Garnison, Oberst Ritter v. T a s ch, welcher auf unseren Herrn Rabbiner zuschritt und ihm sagte: »Ich habe wohl keine Kinder an Ihrer Schule, komme aber als höchster Officier hieher, um zu documentiren. daß das Officierscorps der israelitischen Cultusgemeinde Sympathie entgegenbringt. " Der Herr Rabbiner dankte und die beiden Herren unterhielten sich fast ausschließlich miteinander. Der Herr Oberst blieb bis zum Schluffe des Festes und drückte wiederholt seine Freuds aus. — Ueber die hier nunmehr ins Leben tretende Glogestiftung, welche 13 Familien freie Wohnung im Stiftungshause bietet, erhalten Sie nächstens ausführlichen Bericht. — h Ung.-Brod. Der langjährige Kampf in unserer Gemeinde zwischen der orthodoxen und freisinnigen Partei, der geeignet war, den Frieden und Wohlstand der Gemeinde zu untergraben, geht nun augenscheinlich seinem Ende entgegen. Unser neuer Vorsteher Herr M. H. B r a m m e r, ein junger, energischer, zielbewußter Mann, der die Interessen der Gemeinde nach Außen hin trefflich vertritt und in der städtischen G'meindevertretung, der er als Mitglied angehört, für Juden und Jndenthum als nie ermüdender Kämpfer wirkt, hat es auch verstanden, im Innern der Gemeinde den Zwiespalt zu beseitigen, der so lange die gedeihliche Entwicklung hemmte. Aus seine Anregung ist nun auch die orthodoxe Partei im Vorstande vertreten und deren Wünsche werden, soweit es möglich und dem allgemeinen Wohle förderlich, gern gehört und erfüllt. So sind bereits Reformen im rituellen Badehaus und in der Chewra-Kadischa durchgeführt worden, dem hebräischen Unterrichte wurde besondere Aufmerksamkeit zugeweudet und manches Andere steht noch in Aussicht. Bei der am Samstag gehaltenen Rede wandte sich auch unser Herr Rabbiner an Herrn B r a m m e r und pries ihn als den „Vorstand der Thal". Und mit dem Herrn Rabbiner zollt die ganze Gemeinde ihrem Vorstände Dank und Anerkennung. Unter seiner Leitung wird hoffentlich unsere Cultusgemeinde zu ihrem alten Glanze und bekannter Bedeutung zurückkehren. g. Bisenz. (Chanuka-Feier.) Aus Anregung unseres rührigen und alloerehrten Herrn Rabbiners Sr. Ehrwürden Dr. Joses Hoff fand hier am 1. Chanuka-Abeud et»e solenne Feier für unsere Schuljugend statt. Die in der Schule versammelten Kinder wurden von ihren Lehrern um 4 Uhr Nichmittags in den festlich beleuchteten Tempel geleitet, wo sie einem dem Anlasse höchst würdigen Gottesdienste beiwohnten. Nach vollendetem, durch Ca tor Schulz vorg^tragenen Miucha-Gebete, zündete ein Schüler der HI. Claffe das Chauukalicht an, welchen Act der vom Cantor S. W e i ß wohleinstndirte Chor mit dem Absingen des Chanukaliedes begleitete. Den Glanzpunkt der % 'w bildete aber unstreitig die begeisterte Predigt unseres Rabbiners Dr. Hoff, in der er rs so vortrefflich verstand, den Kinde » die Bedeutung des Festes auseinanderzusetzen, das Licht a's Symbol des Glaubens und des Wissens zu bezeichnen und bfff n Heilighaltung der Jugend besonders ans Herz zu legen. MC dem Verrichten des Maariv-Gebetes fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Vivat segusutes! Pilsen. Ein Chanukafest im schönsten Lichte und in der edelsten Form wurde am 8. December l. I. hier gefeiert. Eine Schaar von siebzig Kindern beiderlei Geschlechtes, denen es an der nöthigen Kleidung für die harte Zeit des Winters mangelt, erhielt je einen vollständigen Anzug. Die Veranstaltung dieser erhebenden Festlichkeit geschah auf Initiative des hiesigen Frauenvereines, dessen Wirksamkeit innerhalb der hiesigen Cultusgemeinde im vollsten Sinne des Wortes sehr ersprießlich und hervorragend ist. Seit vielen Wochen haben diese verehrten Damen des Vereines unter Leitung der Präsidentin Frau Sobotka Spenden gesammelt, um ja recht viele arme Kinder mit Geschenken erfreuen zu können, da ihnen die Nächstenliebe als das wichtigste Gebot der Religion gilt. Es war aber auch ein erhebender Anblick, als um drei Uhr Nachmittags die Damen des Vorstandes in dem kleinen Betiaal neben dem neuen Temvel eintraten, wo die Geschenke bereits vorbereitet und bezeichnet lagen, um sie den im Tempel versammelten Knaben und Mädchen zu verabreichen. Auch der Vorsteher der Gemeinde Herr Dr. S ch a n z e r, der Tempelvorsteher Herr Burg und mehrere Mitglieder des Vorstandes und der Chewra-Kadischa waren erschienen, um den Damen bei ihrem schönen Werke behilflich zu sein. Herr Rabbiner Dr. P osnansky hielt an die Kinder eme Ansprache, in welcher er sie daraus aufmerksam machte, daß sie sich auf zweifache Weise der empfangenen Geschenke würdig beweisen können und sollen; zunächst dadurch, daß sie ihren Pflichten in der Schule durch Fleiß und Aufmerksamkeit Nachkommen, nm sich hiedurch frühzeitig zu brauchbaren Menschen in der Gesellschaft heranuzbilden. Ferner aber auch dadurch, daß sie die Satzungen der Religion Hochbalten und zu religiös-moralischen, sittlichen Menschen heranwachsen mögen, wodurch sie der Gemeinde und der Gesammtheit des Judentlmms zur Ehre gereichen werden. Zu den Damen gewandt, drückte der Redner denselben namens der armen Jugend und namens der Gemeinde den Dank aus, daß sie mit so großen Opfern und Mühen dieses herrliche Werk des Wohlthuns zu Stande gebracht, das ihnen den besten Lohn in dem schönen Bewußtsein geübter Wohlthätigkeit bietet; denn wenn schon zu allen Zeiten arme Leute vorhanden waren, kl Io jechilal ewjor bekerew hoorez, so ist dies gegenwärtig in dieser Zeit der Bedrängniß umsomehr der Fall, da der einzelne Jude in den verschiedenen kleine» Ortschaften sich nicht zu erhalten vermag und daher in die größere Stadt zu ziehen gezwungen ist, so daß hier die Zahl der Armen immer mehr zünimmt. Der Frauenverein bildet darum innerhalb der Gemeinde die schönste Stütze der Armen, der Waisen und der Witwen. Auch dem Vorstände der Gemeinde drückte der Rabbiner den Dank aus für dessen Mitwirkung und Verherrlichung des schönen Festes. — Nun wurden die Geschenke vertheilt, welch ' die Kinder mit großer Freude entgegennahmen, worauf im Tempel das Gebet verrichtet und die Chanukalichter angezündet wurden. L. O-Beese. Zwei katholische Pfarrer, der O-Becseer Pfarrer Franz Koväcs und der Steinbrucher Katechet Paul Fonyö, einst die besten Freunde standen vor dem hiesigen Bezirksgerichte als die erbittertsten Feinde einander gegenüber. Koväcs hatte das Gerücht verbreitet, daß Fonyö noch zur Zeit, als er Pfarrer in O-Becse war, die Kirchengemeinde beraubt, ja sogar „ Christusgelder " defrandirt habe. Bei der hieraus entstandenen Ehrenb leidigungsklage wurde, nachdem sich auch der Staatsanwalt für die Klage einfltzte, der Wahrheitsbeweis zugelassen. Dieser gelang dem Angeklagten in solch' glänzendem Maße, daß Letzterer freigesprochen wurde und die Angelegenheit wahrscheinlich noch ein Nachspiel vor dem Strafgericht haben dürfte. Interessant ist es nur, daß gerade derselbe Pfarrer Koväcs, der jetzt die Beweise für die Unterschleife Fonyö's so glänzend zu erbringen versuchte, es war. der vor nicht allzulanger Zeit, als die kirchliche Behörde Fonyö wegen derselben Malversatwnen in Untersuchung zog, dieselbe im größten Maße verurtheilte und das ganze Borgehen als eine durch nichts begründete Verfolgung eines Unschuldigen kennzeichnete. Zur Charakteristik dieser par nobile kratrurn diene die Thatsache, daß Beide dem Regimente der Hetzcapläne der antisemitischen Volkspartei angkhören. Graz Um 3 Uhr versamm.lten sich in dem großen Sitzungssaale der Cultusgemeinde, welcher mit den Bildern Sr. Majestät und des verewigten, um die hiesige Gemeinde verdienstvollen Präses Herrn Benedict Biller s. A., Vater des jetzigen allgemein geachteten und hochgeschätzten Präses Herr Bernhard Biller, geschmückt ist, sä-nmtliche Volksichüler und Schülerinnen, wo sie von dem der Sympathien der Gemeinde sich erfreuenden Lehrer Herrn Anton Ungar nach Größe und Classen aufgestellt wurden. Unter den vielen Anwesenden, welche den Saal und die angrenzende Kanzlei der Cultusgemeinde füllten, waren zu bemerken, Se. Chrwürden Rabbiner Herr Dr. S. Mühsam, Präses Herr Bernhard Biller, Ausschußmitglieder die Herren Jg. Pollak und Adolf Stern. Cultusrath und Cassier der Chewra-Kadischa Herr Jg. Adler, Schulvorsteher Herr Armin Birmann und eine Vertretung des akademischen Vereines „Charitas". Punkt halb vier Uhr setzten die Kinder, verstärkt durch Chorknaben, mit dem Mendelssohn'schem Liede „Großer Gott wir loben Dichein; nachdem die Accorde dieses weihevollen Liedes verklungen Ware

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