Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 50 (13.12.1901)
- Date
- 1901-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021436--11373-3035907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Nr. 50 Sette 825 Dr. BLoch's Wochenschrift. Wer aber vollendete dasselbe? Nehemias, der Sohn Chachaljas. n'f73n p n'öW n’pDN pvi (ibidem) (Siehe ibidem Raschi zur Stelle.) Hier wird Nehemias blos als Herausgeber bezeichnet. An einer anderen Stelle wird er aber direct als der Verfasser des unter dem Namen Esra bekannten Werkes erklärt. Alles, was im Buche Esra steht, hat Nehemias, heißt es, der Sohn Chachalja's, verfaßt, »nrns« .vfon p rvena tnr;n *vo f?a (Chelek 31. b. Vergl. Ben sew Einleitung zu Esra.) Es geht mit Sicherheit hervor, daß Nehemias diese Berichte. wobei vielleicht Aufzeichnungen oder mündliche Mittheilungen Esra's benützt wurden, niedergeschrieben hat. Aber das Werk Tirschata's ist nicht vollständig auf die Nachwelt gekommen, es sind nur Fragmente desselben, die wir besitzen. Nicht nur der Schluß desselben ist verloren gegangen, sondern es fehlen offenbar ganze Stücke, welche die Mitte bildeten, die von seinem Schicksal am persischen Hofe nach seiner ersten Absetzung und von seinem Verhältnis zu Esra's Thätigkeit handeln. In den Stürmen der Zeiten sind auch diese wie viele andere jüdische Literaturdenkmäler untergegangen. Hingegen sind andere Stücke von einer unbekannten Hand in das Buch hineingetragen worden. Ueber den Charakter und die Persönlichkeit Nehemia's sind aus dem jüdischen Alterthum zwei Urtheile erhalten, die von einander abweichen. Das eine ist das des Josephus FlaviuS und lautet: „Er war ein von der Natur höchst begabter und dabei gerechter Mann, voll glühender Vaterlandsliebe", (o. a. O.) Das andere findet sich im Talmud, wo es heißt: „Da doch Alles, was im Buche Esra steht, Nehemias berichtet hat, weshalb wurde das Buch nicht nach ihm benannt? Dieses geschah deshalb, so berichtet R. Jermijah, der Sohn Abba's weil er von einem allzu großen Selbstgefühl erfüllt war, denn sein Eigenspruch war: Möge Gott es mir zum Guten gedenken. Rab. Joseph sagt: Weil er das Ansehen seiner Vorgänger herabwürdigte und selbst Daniel, der doch größer als er war, nicht schonte: denn er sprach: Die Paschas, die vor mir waren, haben das Volk bedrängt." sS 88P8 "88 .ia '*138 'b nur .ruw laxy1? naia p»rnn» 838 na rr8V -irr .tö«* .8)L> o'iitwn bw fnuaa naa» »ja» ias spv an -naia*? mf?8 by .nya fr; vraan .'ja*? nt?8 B'Ji»8n.n mnani mn 1)88 ^NJI (Chelek ibidem). Die verschiedenen Urtheile sind aber keine contradirenden, ein jedes derselben ist das Resultat der Betrachtung einer Seite seines Wesens, eines Theiles seiner Thätigkeit und beide können nur dazu dienen, uns einzelne Züge dieses edlen Mannes vor die Seele zu führen. Einen Ausblick auf sein ganzes Wesen und auf seinen Gesammtcharakter bietet eine alte Ueberlieferung, die sich im Niäraseb Leboober Tob, C. 19, findet und die von einer historischen Versammlung handelt, die unter dem Namen „Die große Synode" bekannt ist. Diese Letztere hat kein Anderer als Nehemias ins Leben gerufen. Alle großen, in das Volksleben tief eingreifenden Einrichtungen des Judenthums wurden auf seine Initiative von ihr geschaffen. Er war während seiner Statthalterschaft das Oberhaupt, der führende Geist und die Seele der Xenesetb Hadolah. Als ein Ausspruch, der all' ihr Thun. Sinnen und Trachten zusammenfaßt, gilt eine Gebetformel, die sie in Anwendung gebracht hat. Sie wendete sich zu ihrem Schöpfer mit den Worten: „O Gott, du Großer, Mächtiger und Furchtbarer." R. Pinchas, der Sohn Chama's, berichtet darüber wie folgt: Moses setzte fest die Formel des Gebetes, denn es heißt, er sprach: Er ist Gott der Götter, der Herr der Herren, der Gott, der groß, mächtig und furchtbar ist. Als der Tempel unterging,' gebrauchte Jeremija in seinem Gebet blos die Ausdrücke „groß und mächtig" ließ aber die Bezeichnung „furchtbar" aus. Denn so sprach er: Feinde zertrümmern sein Haus, wo ist seine Furchtbarkeit? Es kam Daniel und ließ in seinem Gebet den Ausdruck „mächtig" weg, denn er sprach: Seine Kinder gehen in Ketten einher, wo ist seine Gewalt? Als die Männer der großen Synode erstanden, so verliehen sie der Krone die alte Herrlichkeit wieder, denn sie riesen in ihrem Gebete vor dem ganzen versammelten Volke in Jerusalem: O Gott, du Großer, du Gewaltiger, du Furchtbarer. (Nehemias 9.) Weshalb werden sie Männer der großen Synode genannt? Es spricht R. Jakob, der Sohn Elieser's: Weil sie ihren Gott kannten und erkannten, daß er der Wahrhaftige ist, und ihm niemals schmeichelten." pai.ia ♦ n^ann nnv jpr1 npa pan anja -n» imp) na^i .,njt»i'*? n^mn na inm nfrnjn nvJa nw» noy® arrmSsa an a'nr nTy*?8 na apy .n» *ia n^mn naaa nws •if> pawto p'8i Kirr »na»» Ja, die Männer der großen Synode wußten, daß Gott wahrhaftig ist, deshalb waren auch sie wahrhaftig, und von diesem Bewußtsein und von diesem Gedanken war auch ihr Mitglied und geistiges Oberhaupt Nehemias durchdrungen. Und dieses bildet auch das Wesen seines Charakters. Er war rücksichtslos, aber aufrichtig, er war stolz auf seine dynastische Abkunft, aber ohne Hochmuth, er war gottesfürchtig, aber ohne Heuchelei, er war gesetzestreu, aber am strengsten gegen sich selbst, er verlangte Opfer von Anderen, war aber selbst opferwillig und opferfreudig, er forderte nationale Gesinnung von den Großen in Israel, war aber selbst erfüllt von glühender Liebe für sein Volk, für sein Vaterland und für seinen Gott, weil die Wahrhaftigkeit sein Lebensideal war. Darum glänzt sein Name wie ein hellleuchtender Stern am Himmel des Judenthums durch die Jahrtausende. Und das Wort, das sich jedem Israeliten beim Gedenken seines Namens und seiner Werke auf die Lippen drängt, ist sein Eigenspruch: Möge ihm Gott Alles zum Heile gedenken! Correspondenzen. Wien. Am 5. d. M. fand die feierliche Installation des für den X. Bezirk in Wien neugewählten Rabbiners Herrn Dr. A. L. Mandel statt. In dem festlich beleuchteten und geschmückten Tempel fanden sich die Vertreter der Wiener Cultusgemeinde, der gesammte Lehrkörper des Wiener Seminars, mit dem Präsidenten Herrn Moriz K a r p e l e s an der Spitze, sowie zahlreiche Festgäste ein. Während der trefflich geschulte Chor einen Choral sang, wurde der zu installirende Rabbiner vom Vorstande des Tempelvereines feierlich eingeholt und dann vom Obmanne der Tempelsection, Herrn I. Straßberg in Vertretung des erkrankten Vereinsobmannes Herrn Carl Seligmann, mit einer kurzen Ansprache in sein Amt eingeführt. Nach Anzünden des Chanuka-Lichtes bestieg der neue Rabbiner die Kanzel und hielt eine großangelegte Rede, welche unter Hinweis auf das eben stattfindende Chanukafest, den Einfluß des Rabbiners auf Schule, Tempel und Haus, zum Gegenstände hatte. Die Rede erntete allgemeinen Beifall. Hoffentlich wird Herr Dr. Mandel das Werk, welches er als Leiter des „Jüdischen Schulvereines" im X. Bezirke in kraftvoller Weise begonnen, auch in seiner neuen Stellung als Rabbiner in gedeihlicher und für das Judenthum segenbringender Weise fortführen. E. B. Wien. (D ie Chanukafeier im „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort") fand letzten Sonntag unter lebhafter Theilnahme von Gönnern und Freunden des Vereines statt. Eingeleitet wurde die Feier mit Anzünden der Chanukalichter durch den vielgefeierten Obercantor Herrn Bela G u t t m a n n, der mit seiner klangvollen, silberhellen Stimme alle Anwesenden in eine weihevolle Stimmung versetzte. Hierauf wurde von den Hort-Zöglingen im Chorus das Moaus Zur abgesungen und von einem Zögling ein Festgedicht mit besonderer Verve declamirt. Die Feier schloß mit der Betheilung der Festgaben an die Bereinszöglinge, von welchen ein jeder reichlich beschenkt wurde. Die Vorstandsdamen, Frau Präsidentin kais. Rath Dr. Bertha Kohn an der Spitze, und die Borstandsherren machten in liebenswürdiger Weise die Honneurs. Um das Gelingen des Festes haben sich auch die Verwalterin Fräulein Schulmann und der Secretär Herr Schulmann besonders verdient gemacht. Zu erwähnen wäre nun noch, daß die ausgestellten Arbeiten der Zöglinge viel Beifall und Anklang gefunden haben und Zeugniß geben, daß die Zöglinge rationellen Gewerben zugeführt werden, die ihnen die Möglichkeit bieten, sich selbstständig in Ehren fortzubringen und auch die Noth und das Elend ihrer Familienangehörigen zu stillen. Das Fest wird Allen, die daran theilgenommen, eine freudige Erinnerung sein und wird hoffentlich auch dazu beitragen, dem „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort" neue Bereinsmitglieder. Gönner und Förderer zuzuführen, damit demselben die Mittel geboten werden, seinen schönen Zwecken gerecht zu werden und den enormen Anforderungen zu genügen. Hunderte von Mädchen bewerben sich um die Aufnahme, aber wegen unzureichender materieller Mittel müffen sie abgewiesen werden.