Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 50 (13.12.1901)
- Date
- 1901-12-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 824 Dr. Bloch's Wochrnschrifk. >Jtr. 50 den gegen ihn von früher herrschenden Haß und Erbitterung ins Unermeßliche. Und war er schon während seiner ersten Amtszeit vielfach auf die großherrliche militärische Macht, die in Abar Nehara sich befand, angewiesen, so bildete sie jetzt ausschließlich seine Stütze. Diese war aber in dieser Zeit sehr schwach geworden, indem im persischen Reiche große Stürme sich erhoben. Zn Egypten entstand eine Revolution, deren Zweck es war, sich von Persien loszumachen. Die persische Regierung zog alle ihre Truppen aus dem Innern der Provinzen zusammen, um die Aufstände niederzuwerfen. Judäa war von persischen Söldnern entblößt und ein jüdischer Landpfleger konnte zn seiner Erhaltung auf keine, wenn auch noch so kleine militärische Macht sich stützen. Nehemias, von vielen Feinden bedrängt, auf sich selbst angewiesen, konnte sich unmöglich behaupten und er mußte höchstwahrscheinlich das Feld räumen. Dieses geht daraus hervor, daß das Buch, das seinen Namen führt, beim Bericht seines rücksichtslosen Vorgehens abbricht, nichts von seiner weiteren Thätigkeit erzählt, was es gewiß nicht Unterlasten hätte, wenn er in Jerusalem geblieben wäre. Auch Josephus weiß davon nichts zu berichten, daß er in Jerusalem oder auch nur in Judäa gestorben ist. Während er über Esra berichtet: „Er starb in hohem Alter, vom ganzen Volke verehrt und wurde unter großer Theilnahme in Jerusalem begraben", (Jüdische Alterthümer 7. B. XI. 5) heißt bei ihm von Tirschata: .Nach vielen ähnlichen und ebenso zweckmäßigen Einrichtungen starb Nehemias im hohen Alter." (ibidem 8). Dieses Stillschweigen bestätigt die Muthmaßung, daß er dem Schauplatz seiner Wirksamkeit jetzt für immer Lebewohl gesagt hat. Denn der zwischen Nehemias und Eljaschib entbrannte Zveikampf war, wie Kosters (ä. a. S. 73) treffend bemerkt, derart, daß der Eine oder der Andere das Feld räumen mußte. Aber daß keineswegs (nicht, wie derselbe meint) der Letztere es war, der von dem Platze verdrängt wurde, beweist, daß die Chronik, die zur Zeit der Seleuciden abgefaßt wurde, (siehe Zunz, Gottesdienstliche Borträge, S. 32 und De Wette-Schrader, Lehrbuch der hist.-krit. Einleitung. S. 367) und welche die zu ihrer Zeit bestehenden 24 Priesterabtheilungen aufzählt und diese Einrichtung in ihrer Art auf David zurückführt, als die elfte Claffe das Haus Eljaschib ansührt. nts»? ’fliyy 2'V'^>rr^> (IL Chronik 24. 12.) Aber auch Josephus berichtet ausdrücklich, daß die Hohepriesterwürde seit Eljaschib von dem Vater auf den Sohn in ununterbrochener Folge sich vererbte, und führt bis Eleasar alle Namen an. In den jüdischen Alterthümern Xl. 7. 12. schreibt er: Bei dem Ableben des Hohepriesters Eljaschib erhielt sein Sohn Judas die hohepriesterliche Würde, und als auch dieser gestorben war, folgte in derselben sein Sohn Joannes rc. Als nun auch Joannes mit dem Tode abgegangen war, folgte ihm in der hohepriesterlichen Würde sein Sohn Jaddus. In jener Zeit starb Jaddus und sein Sohn Onias folgte ihm in Pontificat (ibid. XL 8. 7.) Nach dem Tode Onias' des Hohepriesters folgte ihm in der Hohepriesterwürde sein Sohn Simon, welcher wegen seines frommen Lebenswandels der Gerechte genannt wurde. Da bei seinem Tode sein Sohn Onias noch klein war, so wurde sein Bruder Eleasar zum Hohepriester ernannt, (ibid. XL. 2. 4.) Und in seinem Ueberblick über die Geschichte des Hohepriesterthums berichtet er, daß die Nachkommen des Hohepriesters Josua fünfzehn an der Zahl waren und daß sie während der Dauer von 412 Jahren den Staat regierten, (ibid. XX. 10 1.) Auch der Seder Hadorot Artikel Schimon Hazaddik trab ixt nach Raschi eine Ueberlieferung, wonach die Nachkommen des Hohepriester Josua, deffen Enkel Eljaschib war, in ununterbrochener Abfolge bis zu Simon Justus Hohepriester waren: O^VM C'tfD '221 vja "N jjwit NVV "M8*) Es geht daraus hervor, daß Eljaschib blieb und daß Tirschata von dannen ziehen mußte. Trotz seiner dargebrachten persönlichen Opfer ward er von Dieser Annahme steht die rücksichtslose Strenge der Strafen, die er an denjenigen vollzog, die Mischehen eingegangen waren. „Ich fluchte ihnen", heißt es, „ich schlug unter ihnen angesehene Männer, ich riß ihnen die Haare aus." (Nehemias 18, 26.) Auch bezieht sich im Hebräischen der Ausdruck: d,t»^ bstim unn DK ect. nicht blos auf die Zukunft, sondern auch auf die Gegenwart, was gerade die Vertreibung des Sohnes Tojada'S bestätigt. ') Die in Nehemias 12.10 sich befindende Genealogie Josua's beziehungsweise Eljaschib's differirt in manchen Namen mit den Angaben josephus. Dieses rührt nach der Ansicht Abrabanel's davon her, weil in jener Zeit hervorragende Persönlichkeiten doppelte Namen führten. (Vergl. (De Roffi a. a. O. C. 22.) (Raabid Sepher Hakobala II. Epoche.) (Abrabanel zu Chagai Anfang.) Jsak Israeli Jesod olam C. 18.) (Rappaport Erech Milin, Artikel Alexander Makedoniens.) seinen Zeitgenossen nicht geliebt, trotz seiner Liebe für sein Vaterland, für seinen Glauben war er keine populäreJ) Persönlichkeit. Seine reinen Bestrebungen waren verkannt, seine edlen Absichten wurden nicht gewürdigt. Dem Volke blieb er immer der Tirschata, der großkönigliche Würdenträger, der Pascha von Juda. Seine dynastischen Belleitäten, die aus der reinsten Vaterlandsliebe entsprangen, wurden von den Menschen mißgedeutet und mißverstanden. Nur Gott allein, der in die Tiefe des menschlichen Herzens blickt, hat sein edles Streben gekannt. Dieser Stimmung verleiht er ergreifenden Ausdruck in dem 139. Psalm, den er gedichtet haben dürfte, als er Judäa verließ und den Weg in die unbekannte Welt antrat: „Gott Du erforschst mich und kennst mich. Du kennst mein Sitzen und Ausstehen. Du verstehst meine Gedanken von Ferne. Du hast meinen Wandel ausgemeffen, kennst alle meine Wege. Ich brauche keine Worte auf meiner Zunge, denn Du, o Gott, kennst sie alle. Du schaffest, was ich vorher und nachher thue und legest Deine Hand auf mich. Mir ist es verborgen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor Deinem Geist und wohin soll ich fliehen vor Deinem Antlitz. Steige ich in den Himmel, so bist Du da, gehe ich in die Unterwelt, so bist Du dort, schwinge ich die Flügel der Morgenröthe und weüe am Ende des Meeres, auch dort ergreift mich Deine Hand und fasset mich Deine Rechte. Und spreche ich: die Finsterniß soll mich umhüllen, so wird die Nacht um mich zum Licht. Die Finsterniß ist bei Dir nicht dunkel und die Nacht leuchtet wie der Tag. Dunkelheit ist wie Licht, denn Du hast meine Nieren gebildet, im Mutterschoß mich geschaffen. Ich danke Dir, daß Du mich auf so wunderbare Weise geschaffen hast, unbegreiflich sind Deine Thaten, das weiß meine Seele gar wohl. Dir ist mein Wesen unverhohlen, daß ich im Verborgenen geschaffen wurde, gewebt in der Tiefe der Erde. Meine Umriffe sehen Deine Augen, die kommenden Tage sind in Deinem Buche ausgeschrieben, als noch, keiner derselben da war. Wie theuer sind mir, o Gott. Deine Gedanken, wie groß ist ihre Anzahl. Wenn ich sie zähle, so sind sie mehr als der Sand. Wenn ich erwache, so bin ich noch bei Dir. Mögest Du, o Gott, den Bösewicht tödten, daß doch die Blutgierigen von mir weichen sollen, denn sie reden von Dir mit Lästerzungen. Deine Feinde schwören meineidig bei Deinem Namen. Ich Haffe, o Gott, Deine Haffer, verabscheue Deine Widersacher, grenzenlos hasse ich sie, darum sind sie mir feindselig. Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz, prüfe und erkenne meine Gedanken. Siehe, ob Unlöbliches in meinem Innern ist, und geleite mich auf meinem Weg in die weite Welt"!^ Die Begebenheiten Nehemias und seiner Zeit sind in dem Buch enthalten, welches seinen Namen führt. Die neueren Geschichts- und Bibelforscher sind der Ansicht, daß diesem Buche, .sowie dem Buche Esra Memoiren zugrunde liegen, welche die Beiden verfaßt haben und die von dem Verfasser der Chronik verarbeitet wurden. Wir schließen uns dieser Conjunctur nicht an, sondern sind der Ansicht, daß Nehemias der Autor respective der Verfasser und Redactor der beiden letztgenannten Schriften ist. Dieses ergibt sich aus der zum großen Theil in der ersten Person geschriebenen Darstellung und stützt sich auf die rabbinische Ueberlieferung, welche bei dem völligen Mangel anderer Traditionen desto schwerer ins Gewicht fällt. Diese Tradition trägt alle Spuren der Echtheit an sich, da sie nicht die geringste Tendenz hat, sondern einzig und allein eine überlieferte Kunde berichtet. Nach ihr bildendie Bücher Esra und Nehemias nur ein Opus, welches den Namen Esra führt. Denn in der Aufzählung der Kelhubim* 2 3) fehlt Nehemias. Esra aber, heißt es, schrieb sein eigenes Buch und die Generalogie der Chronik invv 3n3 miy m b& Oivn ncpl (ibidem).' *) In. keinem Gebete in alter Zeit findet er Erwähnung. Selbst in der Litanei nach den Selichot: «NVV 'v* in der alle hervorragenden Persönlichkeiten genannt werden, wird er übergangen. (Siehe die Gebetsammlung Seder R. Amram Gaon II. S. 21). Nur ein sehr später Selichotautor gedenkt seiner am Schlüsse einer Andachtspiece. Selichot zum 4. der 10 Bußetage Anfangswort tniK 2) Die Grabstätte Nehemias' ist unbekannt, ebenso das Jahr seines Todes. Der Tag seines Dahinscheidens wird jedoch, allerdings durch eine sehr späte Kunde angegeben. In Megilat Taanit wird der 9. Tebet als ein Fasttag bezeichnet mit dem Bemerken, daß der Grund dafür von den Lehrern nicht angegeben wurde (E. ls) In den Halochoth gedoloth f. 39. b. heißt es: An diesem Tage starben Esra der Priester und Nehemias der Sohn Chachalja's. Dieselbe Tradition find.t sich auch im Lol bo. (Siehe Zunz a. a. O. S. 128.) (Tosephot Chadascbim zu Megilat Taanit f. 20.) 3) In Baba Rathra 14b. heißt es: rvn D'DiDD bw p*iD ♦TTTI 'iTlDK nb'OÖ bK'n HITO L'NV BYW B'bfl