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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-06 · 49 (6.12.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
49 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 814 Nr. 49 Dr. Blmtz's Wochrnschrrfk. Wie». (T o d e S^f a l t) Die 100jährige Frau Oru A lbahary, die Mutter des bekannten Vorstehers der tücklschisraelitischen Cultusgemeinde und Chef der Firma S. Albahary u. Comp. Herrn S. Albahary, ist Samstag den 30. v. M. eines sanften Todes verschieden. Der angesehenen Familie sind aus diesem Anlässe zahlreiche Kundgebungen der Therlnahme zugekommen. Bei der am 2. d. M. stattgefundenen Becrdigungsfeierlichkeit haben zahlreiche Mitglieder der türk.-israel. Cultusgemeinde unter Führung des Gesammtvorstandes lheilgenommeu. Unter den Anwesenden bemerkte man Herrn Cultusvorsteher Dr. Berger, Ortsschulrath S. Heit und viele Andere. Die Familie hat aus Auslaß dieses Tooesfalles in ihrem bekannten Wohlthätigkeitssinne namhafte Spenden den Armen gewidmet. Wie«. Der seit 33 Zähren bestehende Allgemeine Krankeu- Uaterstützungs-Berein „Nächstenliebe" 1i., Pralerstratze 50, hat den Beschluß gefaßt, in der heurigen Wintersarson zum erstenmale seit seinem Bestände ein Wohlthätigkeltsfest, und zwar ein Coftümkränzchen (ohne Costümzwang) abzuhalten, und wird das» selbe am 11. Jänner 1902 in den Pracht-Sälen des „Bayrischen Hofes" IL Taborstraße 39, stattfinden. Das Reinerträgmß dieser Veranstaltung wird dem außerordentlichen Unterstützungsfonde des Vereines zugewendet, welcher es sich zur Ausgave gemacht hat, hilfsbedürftigen, insbesondere erkrankten Bereinsmitgliedern außer den statutenmäßigen Krankengeldern Unlerstützuligen und Curbeiträge zu gewähren. In Anbetracht dieses yumanltären Zweckes ist dem Vereine eine rege Betheiligung zu wünschen. Wien. Dienstag den 10. d. M. findet in der Lese- und Redehalle jüdischer Studenten ein Vortrag des Herrn Dr. Jacob Kohn: „Die Grenzen der Judenfrage" statt. Gaste willkommen. Wien. In der Plenarversammlung vom 31. October hat die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien den Beschluß gefaßt, ein Count« mit der Aufgabe der Lectionenvermittlung zu betrauen. Wir sind sofort an die Arbeit gegangen und richten daher auch an alle jüdische» Familien, besonders an unsere Förderer und Gönner, den Appell, unser Werk nach Kräften zu unterstützen. Unsere Aufgabe ist es, den jüdischen Familien kostenlos tüchtige und verläßliche Jnstructoren (Techniker und Uluversirätshörer) namhaft zu machen und auf diese Weise einerseits den jüdischen Familien leistungsfähige Lehrkräfte aus der Reihe ihrer Glaubens brüo« zu vermitteln, anderseits dem mittellosen jüdischen Hochjchüler die Fortsetzung semer Studien materiell zu erleichtern. Zuschriften und Anfragen sind zu richten an das „Lectionsvermfttlungs-Eomit«" der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, IX. Hahngasse 10, 1L Stiege. Wien. Am 12. December begeht Herr Joses Rausnitz seinen 70. Geburtstag. Herr R a u s n i tz steht seit fast 25 Jahre» im Dienste der israelitischen Cultusgcmeinoe und ist wegen feines ehrlichen, rechtschaffenen Charakters, Arbeirsfreudigkett und Treue bei seinen Vorgesetzten sehr beliebt. Aus diesem Anlässe wurde dem Jubilar vom Cullusoorstande eine Ehrengabe und seitens des Beamtenkörpers der Cultusgemeinde ecn Geschenk überreicht.?. Kattowitz. Unser rühriger „Verein junger Kaufleute unter der ausgezeichneten Leitung seines Präsidenten des Herrn M. Wiener brachte uns als erste Veremskundgebung oreser Saison eine Vorlesung des Kunsthistorikers Herrn Professor M u t h e r über Böcklin'sche Gemälde, welch' letztere iu Lichtbildern vorgesührt wurden. Nach Anordnung des Herrn Vortragenden sollte die Vorführung eines jeden Bildes durch eine entsprechende musikalische Piöce illustrirl werden und ivurde mit dieser ehrenvollen, jedoch schwierigen Aufgabe unser neuengagirtcr Herr Obercantor Singer betraut. Herr Singer, der als synagogaler Functionär in unserer Gemeinde und über dieselbe hinaus ungetheilte Werthschätzung genießt, entledigte sich aucv dieser Aufgabe in solch' künstlerisch vollendeter Welse, daß Herr Professor M u t h e r nach persönlicher Kundgebung seiner oollsten Anerkennung, Herrn Singer auch noch ersuchte, öte von itym am Harmonium executirten musikalischen Vortrage durch den Druck zu veröffentlichen. Der „Verein junger Kaufleute" stattete Herrn Obercantor S. Singer seinen Dank tn Form eines Ehrengeschenkes ab, welches von einem schmeichelhaften und auerkeunensreicheu Schreiben begleitet war, m welchem der Vereinspräses Herr Wiener der Hoffnung Ausdruck verleiht, Herr Singer möge auch fernerhin sein musikalisches Wissen den Verelnsveraustaltimgen weihen und seinen Bestrebungen alle Zeit ein wohlwollender Freund und Gönner bleiben. .n Groß-Kanizsa. Man schreibt uns aus Groß-Kanizsa: Am 1. December d. I. fand hier die Trauung des Fcl. Therese H alp Heu, Tochter des Herrn Moriz Halphen, mit Herrn Karl Gero statt. Das festlich beleuchtete große Gotteshaus konnte die Zahl der Freunde und Bekannten kaum fassen. Herr Oberrabbiner Dr. Reumann hielt eine formvollendete Rede und Herr Obercantor Leon Kartschmaroff entzückte die Zuhörer durch seinen weihevollen Gesang und den musterhaft geschulten Chor. Zur Gratulation im Hause der Brauteltern waren die besten Kreise der jüdischen und christlichen Gesellschaft erschienen und gaben Zeugnitz' für die große Beliebtheit der Braut und der allgemeinen Sympathie und Hochachtung, deren sich Herr und Frau Moriz Halphen hier erfreuen. Das Präsidium der Gemeinde ließ durch ihren Secretär, Herrn Barta, ein sehr schineichelhafres Glückwunschschreiben überreichen, worin der Verdienste des Herrn Moriz Halphen als. langjähriges Mitglied des Tempeivorstandes uno als Präses des Talmud-Thora-Vereines lobend und anerkennend gedacht wird. Mehr als 200 Depeschen liefen aus der Ferne ein, und war es besonders erhebend, den christlichen Standesbeamten gemüthlich an einem Tische mit dem Herrn Oberrabbi plaudern zu sehen. Möge dem jungen Paare auch in seiner neuen Heimat die ungetheilte Sympalhe entgegengebracht werben und ihm unser Segenswunsch glückbringend sein, das walte Gott! 8. L, Feuilleton. Kichterfest und Kchtgestalten. Bon Rabbiner Dr. I. Niemirower-Jaffy. -. Das Chanukafest bringt uns Licht in dieser dunklen Zeit. An den Tagen der Weihe schwinden die Wolken vom Himmel Israels, und wir schauen hoffnungsvoll in die Zukunft. Wir erinnern uns. daß unsere Bjfter kühne Kämpfer uno gewaltige Sieger, Helden der Slammesireue und Meister der Glanbensirmigkeit gewesen. Beim Ehanukalichte sehen wir die Geistesheroen der Makkabäer-Zeit und die Malkaväer aller Zeiten. Besonders zwei Lichtgestalten thronen in unserem Bewußlsein: der biblische Heros Joseph, mit dessen Lebensschicksal sich der Wochenabschnitt besaßt, und der Hasmonäerheld Juda Matkabi. Welcher Gegensatz zwischen dem jüdischen Egypter Joseph und dem Eiferer des Judenthums Jehuda, zwischen dem Friedensfürsten, der in der Fremde eine neue Heimat gefunden, und dem Kämpfer, der in feiner heißgeliebten Heimat nicht Fremdartiges gellen taffen will. Diese beiden Vertreter entgegengesetzter Rtchlungen rm Judenthume reichen sich doch versöhnlich dre Hand am Eingänge des Levenstempels, den man am Ehanuka wieder einweiht, und aus dem Leven Beider strömt Llchtstoff in unsere Seele. Eine B e r v i n d u n g der Ideale dieser Repräsentanten des Judenthums, eine Bereinigung der Anpassungsfähigkeit Jofeph's mit dem S t a m m e s v e w u ß t f e i n Juoas kann uns vor Einseitigkeit bewahren, den Anforderungen des Judenthums und den Bedürfnissen Israels entsprechen. Der tolerante Jude, der Egyptens Wohl gefördert, und der rücksichtslose Kämpfer gegen Hellentsmns und Vertherdiger der jüdischen iLlgeuart ergänzen einander. Joseph, den sein Vater mit einem Prachtgewand geschmückt, sah auch seinen Geist in einem Ehrenkleid. Er strebte vorwärts und fchauete zu den Gipfeln des Daseins empor. Seivft in feinen Träumen rang er nach Großem und Erhabenen. Er wollte mehr haben und mehr fein als die Anderen, darum träumte er, daß feme Garbe herrschen wird, uno daß ihm Sonne, Mond und Sterne huldigen werden! Solche Hoffnungen und Ziele erweckten Neid, Mißgunst, Haß. Die Einen wollten ihn vernichten, die Andern blos demütylgen, sie machten ihn zum Sclaven. Sein Glaube an seine Zukunft, sein Vertrauen zur Macht der Träume verliehen ihm Kraft im Gefängnisse uno im Kampfe mit der Sünde. Er erklomm die von ihm ersehnte Höye und wurde egypuscher Würdenträger, weil er in semem Herzen einen Schlüssel für die Zeichensprache der Träume und in seinem Verstanoe emen Maßftab für wirtyschaftliche Fragen besessen, «ein Geist arbeitete für dre Egypter, sein Herz blieb jedoch seinem Ursprünge treu. Er fühlte mit seinen Brüdern und ließ seine Kilioer oei seinem alten Vater lernen. Auch unser Stamm hat vom himmlischen Vater ein ausgezeichnetes G e i st e s g e w a n o religiösen Genies erhalten. Israel dachte auch gleich allen anderen Völkern an seme Garbe, aber auch an eine Hulolgnug seitens der Gestirne, an einen Triumph seiner religiösen Foeen uno nloralischen Ideale. Die Völker haßten unfern Stamm, suchten ihn za demüthigen, zu vernichten und machten ihn zum Sclaven. Da er aver träumen gelernt, an den prophetischen Traum der Religion glaubte, überwand er Alles. Er setzte es durch, zu Würden und Aemtern in der Welt der Freihett zu gelangen und diente der Menschheit theils durch seine Traumdeuterei der Ideale, Iheils durch seine realistische Wirthjchaftlichkeit. Der Jude verkroch sich nicht in einen Winket, sondern arbeitete, wo freie Kraftentfaltung möglich war, mit oer Menschheit und für die Menschheit. Er fühlte aber doch mit seinen Brüdern, und ihr Jammer ergriff ihn. Seine Kinder ließ er in der Schule des alten Vaters Jakob erziehen. Das Letztere

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