Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 49 (6.12.1901)
- Date
- 1901-12-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 818 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 49 Ausschuß des Vereines beschlossen, ein Wohlthätigkeitsfest zu veranstalten, welches jedoch mit Rücksicht auf die augenblicklich ungünstige Geschäftslage nur in kleinerem Maßstabe ausgeführt werden soll. Dieses Wohlthätigkeitsfest ist für Sonntag den 5. Jänner 1902 in den Festräumen des Deutschen Hauses in Aussicht genommen. Dasselbe soll in einem Concert der hiesigen Bergcapelle besteben, welches im großen Festsaale abgehalten werden wird, während in sämmtlichen Nebenräumen Buffets aufgestellt werden, an welchen die Damen des Bereinsaüsschusses und die Töchter der Bereinsmitglieder den Dienst versehen werden. Die zum Verkaufe gelangenden Speisen und Getränke sollen in ähnlicher Weise wie bei früheren Anlässen durch Spenden der Bereinsmitglieder aufgebracht werden. .(Ein abgewiesenes Gesuch.) Der hiesige Gemeinderath hat das Gesuch der israelitischen Cultusgemeinde um Bewilligung einer Subvention zum Baue eines Tempels in der U n t e r st a d t abgewiesen. Die Abweisung wird damit motivirt, daß die in der Unterstadt lebenden Israeliten keineswegs so zahlreich sind, daß sie in dem dortigen Tempel keinen Platz hätten und daß auch die in der O b e r st a d t lebenden Serben kein eigenes Gotteshaus besitzen und an Festtagen einfach jenes in der Unterstadt aufsuchen, was viee versa die dortigen Israeliten auch thun können. Hingegen wurde beschlossen, der dortigen Cultusgemeinde einen Baugrund unentgeltlich abzutreten. Troppau. Ueber Einladung des hiesigen jüdisch-literarischen Vereines hielt am 21. v. M. dessen verdienstvolles Ehrenmitglied Herr Dr. S. Kulka aus LeipM einen Vortrag über ^Wissenschaft und Judenthum". In gewohnter gediegener Weise verstand es der Vortragende, in einein halbstündiger freier Rede den lehrreichen Stoff eingehend zu behandeln und die vielfachen Berührungspunkte der jüdischen Lehre mit der Wissenschaft überzeugend darzuthun. An der Hand vieler Bibel- und Talmudstellen wies der über eine erstaunliche Gelehrsamkeit und ein seltenes Gedächtniß verfügende Redner nach, daß die Wiffenschaft vom Zudenthume zu allen Zeiten hochgehalten und aufs Eifrigste gepflegt wurde. Welche Fülle von lichtvollen Abhandlungen auf den verschiedensten Gebieten der Wiffenschaft: der Astronomie, Arzneikunde, Anatomie. Botanik, Geometrie, Rechtslehre u. a. m. in den jüdischen Schriftwerken, insbesondere im Talmud, enthalten ist, hievon entrollte der einen riesigen Fleiß und eine fast unübertreffliche Gründlichkeit bekundende Bortrag ein anschauliches Bild. Lebhafter Beifall und Anerkennung wurde dem greisen, mit einer bewunderungswürdigen Geistesfrische begnadeten Bortragsmeister seitens der zahlreichen Zuhörerschaft zutheil. Tyruau. (Bekleidung armer Schulkinder.) Aus Hellern werden Kronen und eine hübsche Menge solcher Kronen dürste wohl hinreichen, der nothleidenden Menschheit einen gottgefälligen Dienst erweisen zu können. Also dachten vor fünf Jahren einige hochherzige Mitglieder der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde und gingen daran, einen „Hellerverein" ins Leben zu rufen. Diese Idee prosperirte auch und in kürzester Zeit verfügte der Verein über nahezu 200 Mitglieder, welche allmonatlich v0—50 Heller pünktlich einzahltcn. Die Hauptaufgabe dieses Vereines besteht dann: alljährlich beim Herannahen der strengen Winterszeit arme Schulkinder mit wannen Winterkleidern und Schuhen zu beschenken, und zwar in so discrctcr Weise, das; weder die armen Kinder, noch deren Eltern einer Beschämung ausgesetzt werden. Nachdem die angefertigten Kleidungsstücke einige Tage früher zur allgemeinen Besichtigung im Berathnugssaalc der 'Cultusgemeinde ausgestellt sind, werden sic dann durch den Vereinsdiener den Kindern ins Haus geschickt. Die Leitung des Vereines befindet sich seit seiner Gründung in den kundigen Händen der Frau Therese Leßler und ihr zur Seite steht mit Rath und That Herr Samuel Diamant, Malzfabrikant, als Schriftführer. Alljährlich verfügt der Verein über eine Einnahme von 700 - 800 Kronen, wovon der größte Theil dem genannten humanen Zwecke zugeführt wird. Am 24. November, um 4 Uhr Nachmittags, fand die diesjährige Bekleidungsfeier im Berathungsfaale der Cultusgemeinde statt. Nebst der Vereinsleitung und dem Ausschüsse waren anwesend Vertreter des Cultus- und Schulvorstandes, des Frauenvereines und der Lehrkörper der Schule und sonst noch zahlreiche Gäste. Die Vräsidentin begrüßte' in herzlichster Ansprache die zahlreich erschienenen Gäste und berichtete, daß der Verein in der angenehmen Lage war. 41 arme Schulkinder anständig zu bekleiden, und daß hiezn ein Betrag von circa 050 Kronen verwendet wurde. Sie erstattete zugleich ihren Jahresbericht und dankte schließlich den Ausschuß Mitgliedern für deren thätige Mithilfe und den Mitgliedern für deren Beiträge zur Förderung dieses humanen Werkes. In meisterhafter Rede lobte hierauf Se. Ehrw. Herr Rabbiner Stein das edle Werk der Nächstenliebe, welche hier in eclatanter Weise zum Ausdrucke kommt, mit entsprechenden Citaten ans der heiligen Schrift belenchlete er diese eckt humane Institution, ermunterte den Verein zum wttterm Wirken auf dem Gebiete der reinen Menschenliebe und erflehte schließlich den Segen Gottes auf die Vereinsleitung' und Vereinsmitglieder und dessen Gönner. Herr Samuel Diamant dankte namens der Vereinsleitung sämmtlichen zu dieser Feier erschienenen Corporationen und Gästen, welche nun Zeugen der Vereinsthätigkeit sind, und bat um fernere Unterstützung des Vereines, sowie um Anwerbung neuer Mitglieder, die das Werk der Nächstenliebe fördern helfen. Nach Schluß der Festsitzung wurden die beschenkten Kinder in den Berathungssaal geführt, wo sie an den für sie aufgestellten Tischen Platz nahmen und wo ihnen eine für sie bereitete Jause servirt wurde, diesie mit gutem Appetit und fröhlichen Gesichtern verzehrten. El6 moadi adouai. Dieses sind die Festtage Israels, seinem Gotte geweiht! H a m a s k i r. Lemberg. Die „Wiener Zeitung" vom 29. v. M. brachte uns die Nachricht von ber Ernennung des Finanzsecretärs Dr. Rudolf F l e ck e r zum Finanzrathe. Es ist dies der erste Jude, der nach langjährigem Warten im Bereiche der galizischen Finanzdirection die VII. Rangsclasse erreicht hat. Dr. Flecker, ein ebenso tüchtiger Beamter, als auch ein treuer Anhänger und Bekenner des Judenthums, erfreut sich in den weitesten Knisen unserer Gesellschaft der lebhaftesten Werthschätzung. Im Anschlüsse an den interessanten Leitartikel in der letzten Nummer unter dem Titel „Das Elend de>- galizischen Juden" kann ich Ihnen heute berichten, daß schon in nächster Zeit eine über das Niveau der localen Humanitätsvereine hinausragende Institution entstehen soll, die, wenn gehörigen Händen anvertraut,, dem galizischen Judenthum zum Segen gereichen dürfte. Ungefähr zwei Jahre sind es, daß auf Initiative der „Bne Brith"-!-ereinigung der jüdisch-gaUzische Hilfsverein in Wien gegründet wurde. Kaum waren die Vorarbeiten zu der einzuleitenden Hilfsaction begonnen, als die rumänische Massenauswanderung die Aufmerksamkeit der maßgebenden Factoren auf diese unerwartete Volkskatastrophe lenkte, die das grenzenlose Elend der galizischen Juden für eine Zeit, jedoch nur scheinbar, in den Schatten stellte. Nunmehr ist der Faden wieder ausgenommen, die hiesige Loge, insbesondere deren Präsident Samuel v. Horovitz. bringt dieser den Lebensnerv der jüdischen Massen tängirenden Frage großes Interesse entgegen, und ist die Gründung einer galizischen Ortsgruppe des Wiener Hilfsvereines unmittelbar bevorstehend. Es gilt nun, im ganzen Lande Umschau zu halten und zunächst alle wahrhaft ehrlichen, leistungsfähigen und willigen Elemente heranzuziehen. ans daß sich Alle, getragen von einem heiligen Willen, in der Arbeit' für das jüdische Volk zusammenfinden, mögen sie dieser oder jener religiösen oder partei-politischen Strömung huldigen. Eine schlichte, ergreifende Feier hat am letzten Freitag in der fortschrittlichen Synagoge staitgefunden Die galizische Statthalterei hat dem an dieser Synagoge mehr als 40 Jahre bedien steten, nunmehr im 86. Lebensjahre stehenden Diener. Chaim Axelrad, die „Ehrenmedaille für 40jährige treue Dienstleistung" verliehen Aus diesem Anlässe erschienen zurZeit des Abendgottesdienstes nebst vielen Sitzinhabcrn die Mitglieder des Cultusvorstandes Oberingenieur Emil v. Mises und James Landau, die Cultnsräthe A. David Maschler, Jgn. Fried, M. Wein, L. Rosenfeld, Jacob Beiser, Gemeindcsecretär Dr. Pesches, Schuldirector Rabbiner Dr. Guttmann, Stabsarzt Dr. Schorr und Andere im Gotteshause. Nach dem Minchagebete versammelten sich die Mitglieder der Synagogenverwaltung, die Functionäre und der Jubilar vor dem Altäre; Präses Dr. Diamand richtete an Letztere» herzliche Worte der Anerkennung für vieljabrige treue Dienste, heftete ihm die Medaille an die Brust und schloß mit einem Hoch aus de» Kaiser, hierauf hielt Gemeinderabbiner Dr. Caro eine ergreifende Ansprache an den Jubilar, die in einem Segensspruche ausklang. Der Cbor li-tonirte nun die Volkshymne, worauf der Abendgottesdienst vom Obercantor Halpern in gewohnter, vollendeter Weise celcbrirt wurde.'Nach Ende der Andacht wurde Herr Axelrad von den zahlreichen Honoratioren auf das Herzlichste beglückwünscht. Czernowitz (Bukowina). (Aus der Gesellschaft.) Am 17. November 1901 fand im hiesigen Tempel die Trauung des Bankbeamten Herrn Heinrich S ch u l in a n n mit Fräulein Hilda Schiffer, Tochter des Secretärs der hierortigen israelitischen Cultusgemeinde Herrn Meschulem Schiffer, statt. Das an sich prächtige Gotteshaus war aus diesem Anlasse festlich geschmückt und bot einen geradezu bewundernswerthen Anblicke Blumenschmuck und sonstiger Zierrat, der bei solchen Gelegenheiten den Festcharakter des Raumes zu bilden pflegt, wurden diesmal verdunkelt '.von der Fülle illustrer Gäste, die den Tempel in allen Räumen füllten, um Zeugen der Trauungsfeierlichkeit zu sein und zugleich den Mann zu ehren, dessen allgemeine Beliebtheit ihm einen großen Kreis von Freunden erwarb, die ihm Achtung und Sympathie entgegenbringen. In der That, in stiller, emsiger, die Interessen der Gemeinde nnermüdet wahrender Arbeit hat sich Herr Meschulem Schiffer in der ganzen Bevölkerung, ohne Unterschied der Confession und Nationalität, eine Werthschätzung gesichert, die aufrichtig die lobenswerthen Charaktereigenschaften dieses Mannes »„erkennt. So ist es gekomnicn, daß nicht blos der Cultnsvorstand und der Cultusrath, sowie eine sehr große Anzahl von Honoratioren der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bei der Trauung anwesend waren^ sondern daß auch viele hervorragende Christen sich die Ehre gaben, zum Feste zu erscheinen. So waren von den Letzteren. erschiene» : Consistorialrath v. Bejan und andere Herren der griechischorientalischen Geistlichkeit, Magistratsdirector und Bezirkshauptmann