Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 49 (6.12.1901)
- Date
- 1901-12-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 811 Wien. (Humanitär-geselliger Verein „Zwanglos" zur Bekleidung armer Schulkinder in Wien) Sonntag, den 1. December d. I.. 5 Uhr Nachmittags, fand im Festsaale des Wiener kaufmännischen Vereines die Bekleidung von 150 armen Schulkindern statt. Die Feier wurde durch eine Begrüßungsansprache an die Versammelten seitens des Obmannes Herrn Julius Ehrlich eröffnet, der gleichzeitig die Bekleidungsfeiör für die Kinder nicht als Geschenk, sondern als Darlehen erklärte, und dem Wunsche Ausdruck gab, daß es den Kindern, sobald sie gereifte Menschen sind, möglich werde, dieses Darlehen an ihre Mitmenschen durch Erweisung von Wohlthaten abzustatten, und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät dem Kaiser, in welches die Kinder begeistert einstimmten. Das Fest wurde durch eine Ansprache an die Kinder seitens des Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Ferd. Kronawetter, sowie durch Danksagung an die Protectorin Frau Gräfin Anastasia Kielmansegg für ihre Unterstützung dem Vereine gegenüber gewürdigt. Die Auszeichnung ihres Besuches ließen dem Feste zu Theil werden: Ihre Excellenz Frau Anastasia Kielmansegg. Protectorin des Vereines, Herr Dr. Ferd. Kronawetter, Landtagsabgeordneter; Herr Anton Picker, Bezirksvorstand des l. Bezirkes; Herr Commercialrath Jos. Mayer, Obmann des Kaiserin Elisabeth-Denkmal-Comites; Herr Bezirksrath Ludwig Waldstein; Herr Bezirksrath Jacob Mensch; Herr Dr. Samek und Herr Adolf Hupka als Vertreter des Vereines „Leopoldstädter Kinderschutz", Herr Dr. Leop. Brady, Obmann-Stellvertreter des Vereines „Rudolfsbund" und noch viele andere Gönner des Vereines Nach der Bekleidung wurde sämmtlichen 150 Kindern vom Vorstandsmitglied Herrn Ludwig Riedl eine opulente Jause gratis verabreicht. Frau Dr. Bernstein hielt eine kurze, auf die Bekleidung hindeutende Rede, außerdem sprachen 2 Kinder Dankgedichte. Um 9 Uhr fand ein gemüthlicher Vortragsabend statt und wurden die ausgezeichneten gesanglichen und humoristischen Leistungen der Damen Frl. Niklas und der Frls. Paula und Julie Kaufmann, Frau Ehrenstein und der Herren I. Brandt, Oscar Ehrenstein und Deutsch in anerkennendster Weise belobt. Um das Fest haben sich besondere Verdienste Frau S. Auspitz, Frau Rosa Fuchs und Frau Guttmann, sowie die Herren Carl Beck und Julius Fuchs erworben. Wien. Die humanitäre Tischgesellschaft zur Bekleidung armer alter Männer israelitischer Confeffion hat Sonntag den 1. December, Vormittags, in Sohr's Restauration, II. Circusgasse ihr diesjähriges Bekleidungsfest veranstaltet, unter zahlreicher Betheiligung der Gesellschaftsmitglieder und vieler geladener Ehrengäste. Unter den Anwesenden bemerkte man: deniCultusvorsteherund Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Emanuel Spitzer, den Obercantor Guttmann u. A. Eingeleitet wurde die Feier mit einer Festhymne, vorgetragen vom Obercantor Guttmann, und einem Chore unter Leitung des H-rrn Chordirigenten Löwit. Der Obmann der Gesellschaft, Herr Isidor Schwarz, der sich durch sein philanthropisches Wirken viele Ber- - dienste erworben, begrüßte die Versammlung und die alten Männer, welchen die Betheilung gewidmet ist, mit einer rührenden, herzlichen Ansprache, welche alle Anwesenden tief ergriffen hat. Er dankte seinen eifrigen Mitarbeitern, vor Allem dem Obmannstellvertreter, Herrn Carl D. Boskowitz, dem Schriftführer der Gesellschaft, Herrn Isidor Löwit, sowie dem Herrn S. Gerstel für ihre thatkräktige, aufopferungsvolle und erfolgreiche Arbeit im Dienste des Humanitären Unternehmens. Es sei eine Ehrenschuld Derer, die vom Glücke mehr begünstigt sind, gegenüber Jenen, welche ein traurigeres Los getroffen hat. Diesen gebühre der Dank, daß sie uns Gelegenheit geben, unsere Pflichten gegen die Vorsehung abzutragen. Wir fühlen uns gemeinsam durch diese gegenseitige Beziehung als Glieder der gleichen Menschenfamilie zusammen verbunden. Nach Absingung des Segens richtete der Obmann an das Mitglied der Tischgesellschaft, Herrn Michael B a ck, Kaufmann in Wien, welcher durch sein vielfaches, den Armen und Nothleidenden gewidmetes Wirken in weiteren Kreisen hohe Anerkennung und durch sein bescheidenes Auftreten aufrichtige Sympathien sich erworben, eine besondere Ansprache. Die Gesellschaft hat Herrn M. Back, welcher ihr jederzeit ein hingebungsvolles und opferwilliges Mitglied war, zum Ehrenmitglied ernannt und durch Ueberreichung eines Ehrendiploms ausgezeichnet. Der Obmann begleitete die Ueberreichung des Diploms mit herzlichen Glückwünschen zu dieser Sympathiekundgebung seiner Mitbürger. Der solcherart Ausgezeichnete, Herr M. Back, dankte mit schlichten Worten und konnte seine Rührung kaum bemeistern angesichts dieser unerwarteten Kundgebung seiner Freunde. Hof» und Gerichtsadvocat Herr Dr. Emanuel Spitzer rühmte in einer Ansprache das Wirken des Vereinsobmannes, Herrn Isidor Schwarz, der jederzeit bereit ist, nicht blos für Arme und Nothleidende, sondern auch für jeden Freund, der seiner bedarf, und an ihn appellirt. Herr Cultusvorsteher und Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer spricht in beredten Worten der Tisch» gesellschaft für ihr seit ihrem Bestehen den Hilfsbedürftigen der israelitischen Cultusgemeinde gewidmetes Wirken den Dank und die Anerkennung aus. Nach Bewirthung der 33 armen Alten, welche die G-sellschaft in diesem Jahre bekleidet hat, hat Herr Obercantor Bela Guttmann mit der ganzen Meisterschaft seiner wunderbaren Gesangskunst in altjüdischer Form das Tischgebet vorgetragen, womit die erhebende Feier ihren Abschluß fand. Um das Arrangement des Festes hat sich nächst dem Herrn Obmann der Schriftführer der Gesellschaft, Herr Isidor Löwit, die meisten Verdienste erworben. Verarm. Hochverehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir einige Zeilen der Aufklärung zu der Correspondenz aus „Beraun", die zu so vielen Berichtigungen Anlaß gegeben hat. Nachdem der Schreiber der betreffenden Notizen fast Alles, selbst den angeblichen Ohnmachtsanfall widerrufen hat, bleibt mir nur zu constatiren, daß auch die Behauptung, .es wäre im Tempel während des Gottesdienstes eine Sammlung eingeleitet worden, durchaus nicht auf Wahrheit beruht. Thatsächlich wurde eine Sammlung in der Pause von 3—4 Uhr, in welcher das Betlocal wegen Lüftung geräumt wurde, außerhalb der Synagoge von jungen Leuten veranstaltet, deren Ertrag mir nach dem Gottesdienste mit dem Ausdrucke der Anerkennung für meine Leistungen überreicht wurde. Es ist weder der Gottesdienst gestört, noch die Synagoge entweiht worden. Ich habe sämmtliche Functionen nicht wegen der in Aussicht gestellten Remuneration übernommen, sondern wollte lieber selbst vorbeten, als einen Unberufenen vorbeten zu lasten. Zum Schluffe rathe ich dem'Correspondenten aus Beraun, mich und meine geehrte Gemeinde, die für mich in jeder Beziehung sorgt, obwohl sie nicht aus Millionären besteht, in Ruhe zu lassen. Indem ich für Ihr freundliches Entgegenkommen bestens danke, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Adolf Urbach. Rabbiner. $ o t o Die, 23. November 1901. Teftlitz. Die hiesige jüdische Cultusgemeinde hat durch den frühzeitigen Tod ihres früheren Oberhauptes einen schweren Verlust erlitten. Advocat Dr. Oskar Willner war ein Mann von vielen trefflichen Eigenschaften und blankem Charakter, auf den niemals ein Stäubchen von Unlauterkeit fiel. Kaum 58 Jahre alt. wirkte er schon seit Decennien im öffentlichen Leben mit vielem Erfolge. Die Gemeinde Teplitz dankt seiner kräftigen Initiative den schönen Tempel mit seiner Orgel und brillanten Beleuchtung, die Ceremonienhalle im Friedhofe und einige humanitäre Institutionen, die vortrefflich prosperiren. Der Mann mit reichem Wiffen, oratorischer Begabung, dem freundlichen, durchgeistigten Gesichte, war kein Streber und Stellenjäger. Die vielen Ehrenposten, die er inne hatte, kamen ihm zu, weil er die geeignetste, prädestinirte Persönlichkeit zur Führung eines Gemeinwesens war und ihm seine hervorragenden Eigenschaften von keinem Neid geschmälert wurden. Auch der hiesige Verein „Bne Brith" verlor in Dr. Willner seinen Obmann, wie die ganze Gemeinde ihre Leuchte. Der Schmerz, der den Verstorbenen begleitete, drückte sich in der großen Zahl der Trauergäste aus, d^ trotz der Ungunst des Wetters den Entschlafenen bis zur letzten Ruhestätte folgten, wo Herr Rabbiner Dr. Kurrein die Eigenschaften und die Verdienste desselben in wärmster Betonung Hervorbob und durch seinen beredten Nachruf die Zuhörer ergriff. Dr. Willner, früher von wetterharter Constitution, kämpfte säst ein Jahr lang gegen eine tückische Krankheit, die ihn leider doch besiegte, obschon ihm in treuer, unermüdlicher Liebe und Pflege seine treffliche hingebungsvolle Gattin beistand. Der gute Mensch hätte wahrlich ein längeres Leben oder ein kürzeres Sterben verdient! Außer der schwergeprüften Witwe, einer geborenen Thorsch, ließ Dr. Willner fünf hoffnungsvolle Söhne und eine Tochter zurück, deren Trauer viele Freunde theilen. L- H. F. Mährisch-Ostra«. Wie alljährlich läßt der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein während des ganzen Winters eine große Anzahl von Kindern täglich bespeisen und hat circa 60 Kinder der hiesigen Volksschulen mit vollständiger Winterkleidung beschenkt. Um die bedeutenden Kosten dieser Unterstützungen, welche aus den gewöhnlichen Mitteln des Vereines nicht gedeckt werden können, hereinzu bringen, hat der