Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 49 (6.12.1901)
- Date
- 1901-12-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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bette 810 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 49 mitgliede des Vereines ernannt. Der Antrag, den Statutenentwurf en bloc anzunehmen, wird gleichfalls einstimmig zum Beschlüsse erhoben; desgleichen auch der Zusatzantrag des Herrn Dr. Heinrich Schreiber, dem Vorstande sei das Recht eingerämnt, nach eigenem Ermessen vorzugehen, falls seitens der Bereinsbehörde oder der Cultusgemeinde etwaige Aenderungen an dem Statute für nöthig erachtet werden sollten. Herr Josef Kohn, von allseitigem Beifall begrüßt, dankt für die außergewöhnliche Ehrung durch seine Ernennung zum Ehrenmitgliede. Bei der hierauf vorgenommenen Ergänzungs-, bezw. Neuwahl in den Vereinsvorstand wurden mittelst absoluter Majorität gewählt: die ausgetretenen Vorstandsmitglieder Herren: Heinrich Mayer, David Pollatschek, Heinrich Weiner und Dr. Max Weißen stein; neugewählt Herr David Spitz. Zum letzten Punkt der Tagesordnung meldete sich Herr S. D ub zum Worte und richtete an den Vorstand unter Beifall der Mitglieder den Appell, Herrn Cultusvorsteher Salo Cohn, welcher in so überaus munificenter Weise dem Bethausvereine Brigittenau sein Wohlwollen zugewendet und sich hierdurch ganz besondere Verdienste um den Verein erworben hat, durch eine schriftliche Kundgebung den Dank und die Anerkennung des Vereines zu manifestiren, was der Vorsitzende bereitwilligst zu erfüllen erklärt. E. B. Wie«. (Leopold st ädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein und Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchenhort.) Die Chanukafeier, verbunden mit der Ausstellung und Betheilung der nahezu 70 Zöglinge des Lehrmädchenhort mit vollständiger Garderobe findet am 8. December d. I. im Vereinslocale, II., Obere Donaustroße 65 von 3 bis 6 Ubr Nachmtttags statt, wozu an die P. T. Vereinsmitglieder. Gönner und Förderer des Vereines die höfliche Einladung ergeht. Bon Herrn Eduard Beer sind uns 4 Kronen zugekommen als Aequivalent für die Abnahme einer EntreSkarte für die entfallene Beneficevorstellung, welche wir dem bestimmten Zwecke zuführen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Trotz des abnorm schlechten Wetters war der große Festsaal des Niederösterreichischen Gewerbevereines bei der am 1. d. M. abgehaltenen Plenarversammlung ziemlich gefüllt, und Damen aus den besten Wiener Kreisen ließen sich nicht abhalten, der Einladung dieses Vereines in gewohnter Weise zu folgen. Sehr belehrend und hochinteressant war der Vortrag des Schuldirectors Simon über das Thema: „Me erziehen wir unsere Töchter zur Erwerbsfähigkeit", dem auch ungetheilter Beifall sowie der Dank des Präsidenten in vollem Maße nachlolgte. Sodann ergriff die Präsidentin des „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchenhort" Frau kaiserl. Rath Dr. Bertha Kohn das Wort, lieferte in gewohnter überaus geistreicher Rede den Nachweis, wie wenig in Stadt und Land für L e h r m ä d ch e n gesorgt sei, und beschrieb das von ihr ins Leben gerufene Heim in der Donaustraße des ll. Bezirkes, welches bereits glänzende Erfolge aufzuweisen in der Lage ist. Nach ihr nahm die Präsidentin des Arbeiterinnen-Erholungsheim, Frau Stadtbaumeister Rosa Zifferer, das Wort. Sie ging bei der Schaffung ihrer zeitgemäßen Institution von dem humanen Standpunkte aus. Mädchen und Frauen, die in Fo ge ihres Berufes, meist an der Nähmaschine sitzend, leidengeworden, hinaus in die Sommerfrische für einige Wochen zu schicken, von wo sie genährt und gestärkt wieder ihrem Berufe zu'ückzegeben werden. Der Präsident Herr B r o d dankte im Namen des Gewerbevereines den beiden Stifterinnen und meinte, daß wohl selten Menschenfreunde in der Ausübung ihrer edlen Werke ohne vorheriges Einverständniß so wohlthuend sich ergänzt haben, wie die beiden Rednerinnen, indem die erstere eine Institution geschaffen, um dre Menschen vor Armuth, die zweite eine solche, um die Menschen vor K r a n k h e i t zu schützen. Jntereffant waren die Berichte, die sie über die er zielten Erfolge zur Verlesung brachten. Beide Präsidentinnen wurden allseitig beglückwünscht. Unter vielen anwesenden Gästen bemerkte man fast sämmtliche Präsidentinnen und Borstandsdamen der Frauen-Wohlthätigkeits-Bereine, den Landtagsabgeordneten Dr. Krönaweiter, Regierungsrath Kulka, die Vorsteher E l t b o g e n, Oberingenieur v. Mises, Docent Dr. Grünfeld, Adolf Stiaßny, ferner kais. Rath Dr. Kahn. Prediger Dr. T a g l i ch t, Ortsschulrath S. H e i t, Prof. Dr. K a n i tz, Prof. Stiaßny, Redacteur Dr. B l o ch, Commercialrath Stiaßny, Fabrikant Q u i t t n e r u. A. m. Der Verein, der seit circa 11 Jahren Vortragsabende iascenirt, die von den besten Wiener Kreisen mit Vorliebe besucht werden, kann auch mit diesem Abend und seinen Erfolgen recht zufrieden sein. Es wäre nur wünschenswerth, daß diesem mit bewunderungswerthen Eifer thätigen Vereine alle Kaufleute, Industrielle, Gewerbetreibende und Angehörige gebildeter Stände als Mitgliederbeiträten, um den Verein, der die wirths ch a f t l i ch e n Agenden aller Stände zu besorgen die Aufgabe sich gestellt, noch würdiger nach Außen repräsentiren zu können. Die Heimatsberechtigung des Rabbiners. Der Rabbiner Moriz Büßgang wurde von der Gemeinde Hartmanitz im Jahre 1898 auf dreieinhalb Jahre als Rabbiner und Religionslehrer angestellt und in dem Vertrage bestimmt, daß. wenn nicht ein halbes Jahr vor Ablauf der Anstellung die Kündigung erfolge, der Vertrag für weitere dreieinhalb Jahre zu gelten habe. Die böhmische Statthalterei bestätigte die Bestellung Bußgaug's als Rabbiner und bestellte ihn auch als Matrikenführer. Büßgang schritt nun bei der Politischen Gemeinde Hartmanitz um Ausfertigung eines Heimatsscheines ein und berief sich auf § 10 des Heimatsgesetzes, wonach Seelsorger mit Antritt des Amtes das Heimaisrecht in der Gemeinde erlangen, in welcher sie ihren Amtssitz haben. Die Gemeinde Hartmanitz verweigerte jedoch die Ausfertigung des Hrimatsscheines unter Berufung auf den Umstand, daß Büßgang nicht definitiver Angestellter sei, wie es das Gesetz verlange. Auf Recurs des Rabbiners hob die Bezirkshauptmannschaft Schüttenhofen diesen Bescheid auf. Die Statthalterei für Böhmen und das Ministerium des Innern bestätigten jedoch den Bescheid der Gemeinde unerklärten, daß die Anstellung auf dreieinhalb Jahre keine definitive sei, daß Büßgang daher nicht in Hartmanitz, sondern in Czernowitz, wo er bis dahin heima^sberechtigt war, die Heimatsberechtigung besitze. Der Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Grafen Schönborn beschäftigte sich am 28. November mit der Beschwerde des Rabbiners gegen die Entscheidung der böhmischen Statthalterei und des Ministeriums des Innern. Als Vertreter des Beschwerdeführers erschien Dr. Ludwig Bendiener aus Prag. Der Verwaltungsgerichtshof gab der Beschwerde statt und hob die angefochtenen Entscheidungen. mit welchem dem Rabbiner Büßgang das Heimatsrecht in der Gemeinde Hartmanitz abgesprochen worden war, als ungesetzlich auf. Definitiv — heißt es in der Begründung — müsse Derjenige als angestellt betrachtet werden, dessen Anstellung nicht widerrufen werden könne, wenn die Anstellung nicht als unsicher oder schwankend erscheint. Wer auf dreieinhalb Jahre fest angestellt werde, muß als bleibend und definitiv angestellt erscheinen. Dieser Grundsatz muß umsomehr bei einem Rabbiner gelten, weil bei ihm schon gesetzlich die Anstellung auf längere Zeit vorgeschrieben ist. Wien. (S u l t a n f e i e r.) Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid ll. fand Mittwoch den 27. v. M., halb 12 Uhr Vormittags, im Tempel der türkischen Gemeinde ein Festgottesdienst statt, an welchem der kaiserlich türkische Botschafter Mahmud Bey sammt den Botschaftsräthen, der türkische Generalconsul Dirzstay, Polizeileiter Kende, Bezirksvorsteher Niebauer, der Präsident der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" Maximilian Paul-Schiff, Cultusvorsteher Architekt Fleischer, kaff. Rath Dr. Lieben. Polizeiarzt Dr. E h r m a n n und viele Andere theilnahmen. 'Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde. Herr kais. Rath Heinrich K l i n g e r, hat schriftlich seine Abwesenheit mit beruflicher Verhinderung entschuldigen lassen. Die Präsidenten Marcus Russo und Licco Adutt begrüßten den Botschafter und die anderen Würdenträger und geleiteten dieselben auf ihre Ehrenplätze in den Tempel. Mit Vortrag des „Matowu" unter Orgel-, Harfen- und Chorbegleitung wurde der Gottesdienst eingeleitet. Rabbiner Papo hielt die Festrede und Obercantor Bauer rccitirte das Gebet für den Sultan. Mit Absingung der tmkffchen Hymne durch den Chor unter Leitung des tüchtigen Dirigenten L ö w i t schloß die erhebende Feier. Nachmittags wurden der gesammte Vorstand, sowie Obercantor Bauer und Chordirigent L ö w i t vom Botschafter in seinem Palais empfangen, wobei Se. Excellenz Gelegenheit nahm, seine vollste Anerkennung über den großartigen und würdevollen Verlauf der gottesdienstlichen Feier auszusprechen. Herr Marcus Russo erschien bei dem Botschafter in doppelter Eigenschaft, sowohl als Präses der türkffch-israelitischen Cultusgemeinde, als auch in seiner Eigenschaft als Ehrenpräsident der türkischen Handelskammer in Wien, um die ehrfurchtsvollen Glückwünsche der tüiklscheii Kaufleute aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Sultans hohenorts gelangen zu lassen.