Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 49 (6.12.1901)
- Date
- 1901-12-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 808 Dr. Bloch's Wochenfchrrfl. Nr. 49 bilden, aber vor allem anderen werden die Juden auf sich selbst angewiesen sein und aus sich selbst eine Macht machen müssen. Uno sirdsie nicht schon h ure eine Großmacht in allen Künsten, in W ffenschaft und Literatur aller Länder der Welt? Der Jude ist der Gehirnmensch, der großen Theil hat an der Verwaltung und Führung aller Nationen. Nach einer Ansprache des Archidiaconus von London Sinclair sprach Chief-Rabbi Dr. Moses ©öfter im Namen der Zionisten. Er wies auf die zionistische Arbeit hin, die er vor zwanzig Jahren mit Sir Laurence Oliphant durchführte und deren Ergebniß die erste jüdische Colonie in Samaria war. „Lassen Sie mich nun fragen", fuhr er fort, „was bedeutet die Sehnsucht der Juden nach Palästina?" Es ist nicht lange her, daß man, kurze Zeit nach dem Tode des Marquis of Bute, in seinem letzten Willen fand, sein Herz möge herausgenommen und aus dem Oelberg begraben werden. Das Herz der Juden war die letzten zweitausend Jahre hindurch in Palästina begraben. Wir sehnen uns darnach, dorthin zurückzukehren, denn dieses Herz ist noch lebendig, und wir wollen uns dort als einen compacten, einheitlichen und unabhängigen Körper erkennen, ohne daß wir andere zu bitten brauchen, uns zu helfen oder uns zu bemitleiden oder uns zu beschützen. Die rumänischen Juden, die vor 20 Jahren noch Palästina, gingen, erkiärien: „Wn wollen den Boden mit unseren Fingernägeln schürfen! Wir wollen unser Blut fließ >n losten und die Scholle lrä kcn, zum Heile unserer Kinder, die nach uns kommen werden". Ich st he noch a >f dem alten Standpunkte und glaube an die ELta it der alt n biblischen Ji-sp ration. Ich glaube, daß ein Fach über dem H rlrgen Lande lastet, seit seine Knder aus ihm v rstoß'n wurde,., und daß es wieder sruchlbar sein wird, wenn die Juden zurückkehren werden. Wir sind nicht dazu solange am. L den gebl'eben. um getreten zu werden. Wir haben eine Weltmistion zu erfüll n, und wir hissen, daß wir aus Palästina der M^nschbeit unsere große Botschaft schenken können werden. I tzt aber danken wir Euch für Alles, was Ihr uns gethan habt." General Wilson sagte unter Anderem: „Meine tiefsten Sympathien gehören allen Zielen der zionistischen Bewegung. Palästina ist eine sehr fruchtbare Gegend, und der Reichthum der alten Tage wird wiederkehren." Der serbische Staatsminister Dr. Milicevic schloß sich diesen Anschauungen an. Colonel Goldsmid schilderte in farbenreichen Worten das palästinenfische Land, wie er es im Frühjahr 1883 gesehen. „Unter den jüdischen Colonisten," sagte er, „hat das dürre Land Ungeheures vervorgebracht. Eine Million von Cognac-Gallonen liegt in den Kellern von Rischon-Lezion. und dieser Cognac ist besser als irgend ein französischer . ... Ich bin Zionrst vom Scheitel bis zur Sohle, und Niemand wird behaupten, daß ich meine Pflicht gegen Britannien deshalb mit geringerem Elfer erfülle." Lord Suffield, dem der Dank der Versammlung ausgesprochen wurde, verlas hierauf ein Telegramm Herzl's, der bedauerte, der Einladung nicht Folge leisten zu können. Um dreiviertel zwölf Uhr war die Versammlung zu Ende Nehemias und leine social-politische» Bestrebungen. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner in Wien. (Fortsetzung.) Obgleich aber die Steuerstipulationen den Aharoniden und Leviten zugute kamen, so waren dieselben nicht nur keine warmen Anhänger Nehemias, sondern nahmen'ihm gegenüber eine nichts weniger als sympathische Haltung ein. Denn die Einführung der Umlagen geschah seinerseits einzig und allein aus besonderer Gesetzestreue und aus dem Princip, die aus der Zeit seiner Vorfahren stammenden nationalen Einrichtungen wiederherzustellen.* *) Sympathie für die Priester besaß er durchaus nicht. Im *) Kosters, wenn er auch von einem anderen Geschäftspunkt ausgeht, kommt daher dem Sachverhalt naher, wenn er behauptet, daß die Judärr Abgaben zu entrichten erklärten, für welche keine Verpflichtung vorhanden war. Er schreibt: „Die Worte, mit denen die Auftählnng dieser Verpflichtungen beginnt". Wir legten uns selbst Gebote auf. geben denn auch deutlich genug zu erkennen, daß diese Gebote als nicht im Gesetze stehend erachtet wurden, sondern außer- Gegentheile, er stand ihnen kühl und unfreundlich gegenüber, weil er ihren Einfluß fürchtete und besorgt haben mochte, daß derselbe seiner Autorität und seinen dynastischen Intentionen hinderlich sein könnte, wie dies im Exil der Fall war. Denn in Babylonien und Persien waren es wohl die Priester, die trotz des Unterganges des jerusalemischen Tempels großes Ansehen bei ihren Glaubens- und Volksgenossen besessen haben, indem sie doch die einzigen Repräsentanten der Religion der Väter waren. In den Zeiten des Glanzes des jüdischen Glaubens waren sie gewiß die würdigsten Vertreter desselben. .Aber selbst in Epochen des religiösen Niederganges hielten die Aharoniden, abgesehen von unrühmlichen Ausnahmen, an den alten Institutionen fest. Schon ihr eigener Vortheil wies die Diener des Altars auf conservative Wege hin. Aber auch ihre Erziehung, ihre Familieneinrichtungen haben bei ihnen solche Grundsätze befestigt. Dazu kam noch, daß die letzten jüdischen Könige sich durchaus nicht bewährt haben,*) indem sie sich weder durch persönlichen Muth, noch durch Frömmigkeit auszeichneten. 'In ihrer schlechten Regierung und Führung erblickte da- Volk, die Optimaten, wie die großen Masftn die Ursache der nationalen Katastrophe. Das Vertrauen zu dem Hause Davids war verschwunden. Die lebenden Glieder der alten Dynastie haben sich hie und da die Gunst der babylonischen und persischen Großkönige, aber nicht die ihrer eigenen Nation erworben. Es wird auch während der ganzen Z-it des Aufenthaltes im fremden Lande kern einziges Zechen von Anhänglichkeit des Volkes an das angestammte jüdische Herrscherhaus gefunden. Hingegen waren die Priester selbst in der Gefangenschaft, die Besitzer der Glaubenskenntnisse, die sie im Volke, auch auf fremden Boden, verbreiteten und den Funken der Religion, der noch unter der Asche glimmte, immer von Neuem anfachten. Daher ist auch der große „Schriftgelehrte" Esra, der sein Herz daraufgerichtet hat, die Thora Gottes zu erforschen, sie auszuüben und in Israel Gesetz und Recht zu lehren, aus ihrem Stande hervorgegangen. (Esra, C. 7, 6 u. 10.) Die Davidischen Tynasten sahen die Priester mit scheelen Blicken an, hielten ihre Autorität für eine Beeinträchtigung der ihrigen. Und als die Rückkehr in die Heimat erfolgte, wurde dieses eifersüchtige Berhältniß nicht besser. Nehemias beräth sich bei seinen Unternehmungen mit den Großen, mit den Optimaten, Oligarchen, zieht aber bte Priester zu keiner Consultation herbei, obwohl sie ihn aufs Wirksamste in allen seinen Unternehmungen unterstützten. Die Priester ihrerseits betrachteten sich, da das Land unter einer Fremdherrschaft stand, als die alleinigen berufenen Repräsentanten des Volkes und hatten durchaus keinen Wunsch, nach einem persischen Statthalter aus dem Davidischen Hause. Ein Davidide sollte, ihrer Meinung nach, ein Gesalbter des Herrn auf einem mächtigen jüdischen Throne sein, aber kein Diener eines fremden Herrschers. Das Erscheinen und das ganze Gebühren Tirschatas, sein herrisches Wesen erregte ihren Unwillen und brachte sie der Partei der Unzufriedenen näher. Bei der feierlichen Proceffion, bei der Mauereinweihung führte Nehemias die eine Hälfte des Volkes, die andere Esra, der priesterliche Schriftgelehrte, aber den Hohepriester Eljaschib, der der Erste war, welcher mit den anderen Priestergenossen den Bau in Angriff nahm, ignorirte er vollständig und beehrte ihn mit keiner Weihfunction. Dieses hat wohl den Zorn der Altarsdiener noch mehr gereizt. Dazu kam noch folgender Umstand. Nehemias forderte von allen aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Priestern schriftlich beglaubigte Stammlisten. Die Priester aus den Häusern Chabaja, Hakoz und Barsilai konnten aber solche Stammdocumente nicht Nachweisen. Diese erklärte Tirschata ihres Priesterthums für verlustig. Er gab ihnen den Befehl, vom Heiligen der Heiligthümer nicht halb desselben, und daß sie noch neben demselben von den Israeliten angenommen wurden. Israel nimmt zur Instandhaltung des Tempeldienstes allerlei Verpflichtungen auf sich, die vom Gesetze nicht ausdrücklich vorgeschrieben sind, aber duxch den Zustand, in dem sich die Gemeinde befindet, gefordert werden", (a. a. o. S. 76.) *) Nach Josephus ist König Jehojachin zwar nur deshalb ins feindliche Lager übergegangen, weil er dadurch die Schonung Jerusalems bewirken wollte. „Sein Vater", so schreibt er über Evilmarodach „hatte ja Jechonios die Treue nicht gehalten, als dieser sich ihm, wie oben bemerkt, mit seinen Frauen, seinen Kindern und seiner ganzen Verwandtschaft freiwillig auslieferte, um seine Hauptstadt bei der Einnahme vor Brand und Plünderung zu bewahren." (a. a. O X. II. 2.) Allein da die Hauptstadt doch verbrannt wurde und seine Abmachungen mit Nebukadnezar nicht Allen bekannt waren, sah man in seinem Vorgehen einen Verrath an dem Volke und an dem Vaterlande.