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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-06 · 49 (6.12.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
49 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 806 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 49 Die rowwerrielle Zukunft Palästinas. Im Londoner Article Club fand am 20. November ein D ner statt, nach dem Israel Zangwill über die commereielle Zukunft Palästinas und den Zionismus sprach. Lord Suffield, Präsident des Clubs, leitete die Versammlung, über deren Verlauf das hiesige Zionistenorgan ausführlich berichtet: Wir entnehmen demselben nachstehende Mittheilungen: .Anwesend waren u. A.: Lord Suffield. Präsident des Article Clubs, der den Vorsitz führte, ferner Admiral F r e em a n t l e, General Charles W. Wilson, Archidiaconus S i ncl air. Schriftsteller H all Cain e, Sir William Robins o n, Ex-Gouv^rneur von Hongkong, I. H. Turner, Generalagent*) für Bcitisch-Columbien. A. D o b s o n, Generalagent für Tasmanien, H. B. Lesroy. Generalagent für West-Australien, Hen' y A. G r a i n g e r, Generalagent für Süd-Australien, Se. Excel! nz Dc. Milicevic, königl. serb. Staatsminister, Chevalier G. S h a d d i ck, Generalagent für Venezuela, Major Thirlevall, Vicomte de la Chapelle. Baronet Sir George Cornwall, Capitän Melvrlle Boynton, George Bernard Shaw (eines der hervorragendsten Mitglieder des socialpolitischen Fabier-Clubs), Laurence Co wen, Schriftführer des Article Club, Sir Henry Morton Stanley (der berühmte Afrikareisende), F. A. Dunssord, Mayor von Southampton, Sir Philipp Magnus, Colonel Goldsmid, Chief-Rabbi Dr. M. Ga st er, Salomon I. Solomon, Herbert Bentw i ch, Arthur Cohen, Beirath der Cambridge-Universität, John Cutler, Professor am Kings College in London, Alderman' Sir Georg H u s s e y. Lord Suffield's einleitende Worte. Bevor der Vorsitzende Mr. Zangwill das Wort ertheilte, sagte er: Nicht allein unsere Session und die Räume, in denen wir diesmal tagen, sind neu. sondern neu ist auch der Gegenstand unserer heutigen Discussion, und ich bin überzeugt, daß er die Mitglieder dieses commerciellen Clubs interessiren wird. Mr. Zangwill hat es gewiß nicht nöthig, einer Zuhörerschaft von Engländern erst vorgestellt zu werden, wohl aber erscheint es mir nothwendig, zu begründen, warum gerade er mit dem Referat über diesen Gegenstand betraut worden ist. Es ist ein Thema, von dem ich nicht viel weiß, obgleich es ohne Zweifel mit der zionistischen Bewegung im Zusammenhang steht, von der wir Alle gehört haben, einer Bewegung,, die auf eine Wiederbelebung des heiligen Landes durch das alte Volk abzielt, welches neunzehn Jahrhunderte lang den Traum bewahrt hat, in dieses Land zurückzukehren. Mit diesem königlichen Traume habe ich immer sympathisirt (obgleich ich ihn eigentlich nur in seinen Umrissen kenne), ohne daß ich mich bisher mit den Praktischen Mitteln genügend vertraut gemacht hätte, die zur Umwandlung dieser Vision, in Wirklichkeit nothwendig sind. Mr. Zangwill wird uns über diesen Punkt ohne Zweifel vollständig aufklären, und ich lade ihn hiermit vertrauensvoll ein. die Debatte zu eröffnen. Mr. Israel Zangwill setzte auseinander: Manche religiös veranlagte Naturen sträuben sich gegen den Gedanken eines commercrelleu und industriellen Aufschwunges von Palästina, und erst neulich schrieb mir Mr. Augustin Birrel: „Die commercielle Zukunft Palästinas? Ich hoff-, es hat keine." Mr. Birrel fürchtet wohl, Jeremias würde seine Wehklagen einstellen; aber diese Eventualität müsse gewagt werden. Denn wenn Palästina, wie die monotheistische Welt glaubt, einer glorreichen Zukunft entgegensieht, so >st es nicht denkbar, daß diese Zukunft einer industriellen Basis entbehre. In der heiligen Schrift ist nirgends bezeugt, daß das heilige Land ein Land der Unthätigkeit sein müff-. Der heilige Sabbath selbst hat sechs Werktage zur Vorausictzu-'g. ll ad Palästina ist nicht blos ein Traumland. Die Ruinen darin sind nicht, wie manche glauben, Reste einer primitiven Hirtengesittung, sondern Ruinen eines großen civilisirten Staatswesens.. Um die Straßen wiederherzustellen, wäre es nur nothwendig, die großen römischen Straßenzüge vom zweiten vorchristlichen Jahrhundert in Stand zu setzen. Die Forschungen des „Palestine Etploration Fund“ haben uns das alte Jerusalem gezeigt, „ruhmreich mft seinen Palästen, seinen Gärten, seiner Burg, seinen Höfen und Billen", zum Passahfeste zwei Millionen willkommen heißend. Und es ist nicht blos das römische Jerusalem, das unter dem Boden des gegenwärtigen vergraben *) General-Agenten heißen in England die in London residierenden Vertreter der Cotonien vor dem Colonialamte und der Regierung. liegt, sondern es gibt außer dem herodianischen, dem byzantinischen, dem sarazenischen und dem Jerusalem der Johanuisrittcr noch drei jüdische Jerusalem. Und auch die übrigen Städte und Landschaften wurden von den Juden hoch cultivirt. „Das Land", sagt Walter Besant, „war dicht bevölkert. Schulen gab es in jeder Ortschaft. Es gab eine wohlhabende Gesellschaft. Es gab eine judaisirende und romanisirende Partei. Es gab überall Schriftgelehrte, Kaufleute, Centurionen, Städter und Landleute." Aber wo sind heute die schönen Fruchtgärten um Caesarea, von denen Joiephus Wunderdinge erzählt? Wo sind die Oliven des. Oelbergs? Jericho, die Palmenstadt, hat keine einzige Palme mehr, und in Gilead gibt's mehr keinen Balsam. Die kunstvollen Bewässerungsanlagen sind verfallen, die Quellen sind verschüttet, die Bäume sind gefällt, arabische Weiber verwüsten die Baumkronen, Schwärme von Ziegen nagen die ganze Waldvegetation ab. „Im Lande meines Volkes werden Dornen und Disteln blühen, der Libanon trauert, Saron gleicht einer Wildniß, Basan und Karmel schütteln ihre Früchte ab", wie der Prophet sagt. Unter diesem Fluche hat Palästina jahrhundertelang geschlafen. Aber jetzt muß es erwachen. Die Großmächte wecken es, nicht blos Rußland und Deutschland, sondern die noch größeren Mächte Dampf und Elektricität. Kann denn Palästina von der allgemeinen Entwicklung ausgeschlossen bleiben, Palästina, der wahre Mittelpunkt der Erde, um das sich Europa, Asien und Afrika gruppiren? Wir können sicher sein, daß die Politiker alsbald die Wichtigkeit Palästinas erkennen werden. Nach einer eingehenden Betrachtung des gegenwärtigen Standes der orientalischen Frage, ihrer Beziehungen zu Palästina und des Verhältnisses der einzelnen Mächte zur Türkei kam Zangwill auf den Ausfuhrhandel Palästinas zu sprechen. Der größte Exportartikel Palästinas sei merkwürdigerweise die Seife, die im Jahre 1899 mehr als ein Drittel sämmtlicher zur Ausfuhr gebrachten Waaren ausmachte. Diese Seife wird hauptsächlich in Nabulus, dem alten Sichem, erzeugt. Außerdem werden exportirt: Orangen, Wassermelonen, Sesam, Lupinen, Mais, Wolle, Häute, Coloquinthen, Knochen rc. Der beste Kunde Palästinas sei England, danach folge Frankreich. Den besten Beweis dafür, daß der Handel Palästinas stetig fortschreitet, liefert die Thatsache, daß im vorigen Jahre um 148 Schiffe mehr in den palästinensischen Hafenplätzen verkehrt haben als im Jahre vorher. Zu den landwirthschastlichen und gewerblichen Verhältnissen des Landes übergehend, sprach der Redner seine Meinung aus, es sei trotz des Optimismus der Consularberichte und der goldenen Medaille der jüdischen Colonien zweifelhaft, ob Palästina als weinbauendes Land eine Zukunft habe. Die Concurrenz sei zu groß. Es mag wohl aussichtsvoller sein, Rosinen zu erzeugen. Die Araber selbst bereiten solche in Massen. Neuestens sei in den jüdischen Colonien ein Versuch gemacht worden mit der Anpflanzung von Tabak. Es sind damit bedeutende Erfolge erzielt worden. Sollten diese günstigen Ergebnisse von Dauer sein, so werden Fabriken errichtet werden, in denen die arme Bevölkerung von Saffed lohnenden Erwerb finden dürfte. Aehnliche Erfolge ließen sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit Zuckerrohr im Jordanthale und mit Kampher an den Abhängen von En-Gedi erzielen. Zucker könnte auch aus Feigen und wilden Cactussrüchten gewonnen werden. Die Olivencultur könnte rationeller betrieben und die Abfälle voll ausgeuützt werden. Felle werden jetzt nach Frankreich exportirt, um später als Sattler- und Riemerarbeit reimportirt zu werden. Dieses Leder könnte im Lande selbst verarbeitet werden. Ferner gibt es mineralische Schätze: Die neuentdkckten Erzlager an beiden Seiten des Jordans und des Todten Meeres, sodann die Erdharzquellen von Nelic-Musa, enthaltend 30 bis 40 Percent Asphalt. Auch gibt es Petroleum in großen Mengen, aber das wichtigste von allen Lagern sind die Phosphatablagerungen. Alle diese Naturreichthümer verbürgen eine großartige industrielle Entwicklung des Landes, vorausgesetzt, daß Arbeit und Capital in den Dienst dieser Entwicklung werden gestellt werden können. Es ist bekannt, wie sehr der Mangel an Arbeitskräften auch bei reichlichem Vorhandensein von Capital die Entwicklung selbst solcher Länder wie Canada oder Rhodesien hemmen kann. Wie verhält es sich nun damit in Palästina? Ist bei der geringen Bevölkerung von Fellachen und nomadisirenden Beduinen die Möglichkeit gegeben, daß Arbeitskräfte in genügender Menge herangezogen werden können? Der Redner könne diese Frage zuversichtlich bejahen. Es gebe ein Volk, auf dessen große Masse Palästina eine gewaltige Anziehungskraft ausübt und das dem Tage sehnsüchtig entgegensieht, an dem es. erlöst von den schrecklichen Verfolgungen, die es jahrhundertelang erleidet, in seiner

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