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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-12-06 · 49 (6.12.1901) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
49 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Blvch's Wochenschrift. «eite «8 3. daß den eingeborenen rumänischen Juden die bürgerlichen Rechte ohne jede Einschränkung zugesprochen werden — auch wenn sie nicht formell Bürger geworden sind; 4. die Zulassung der Juden zu allen Berufsarten und Erwerbsquellen. Gerechtigkeit gegen die Juden wird Gerechtigkeit im ganzen Verkehre zur Folge haben. Denn es ist ja nicht zu verkennen, daß unter der Willkür nicht blos die Juden leiden, daß die Bauern geradeso ein Beuteobject der Beamten sind wie die Juden, und daß daher die Befreiung der Juden die Befreiung des Landes selbst von Raub und Gewaltthaten bedeuten würde. Gerechtigkeit ist wie die Wahrheit nur eine einheitliche. Wer den Juden wie einen Paria ausbeutet und bestiehlt, der ist auch nicht ehrlich und gewissenhaft gegen andere Landeskinder, und der ganze moralische Verfall der Rumänen, ihre elende Finanzwirthschaft, ihre corrupten Gemeindeverhältnisse, ihr Protectionswesen, die Ausbeutung und Verschwendung öffentlichen Gutes durch die Politiker, sie lassen sich alle auf die Verkommenheit des Rechtsgefühls, wie sie sich den Juden gegenüber manifestirt, zurückführen. Erst wenn die Rumänen gerecht sein werden, wird das Land ausblühen! HandwerKerschnle „Cioranul" t« Bukarest. Von D« Rotier. „Handwerk hat einen goldenen Boden" ist ein altes und wahres Sprichwort, das man heute wohl zu discreditiren sucht, indem man allerorten über den Niedergang des Kleingewerbes klagen hört, und es gehört h-ute zu den unerläßlichen Attributen eines volksthümlichen Politikers, den „kleinen Mann" retten zu müssen; daß es sich meistens nur um die Rettung eines gefährdeten Mandats handelt, fühlt jeder Klardenkende heraus! „Wie man's treibt, so geht's", müßte man jenen Volksrettern und auch den ewig klagenden Kleingewerbetreibenden zurufen! Das Handwerk nährt noch immer seinen Mann ganz gut, nur verstehen und ordentlich betreiben muß er es; natürlich, wer sich ohne die nöthigen Kenntnisse, mit ganz unzulänglichen Mitteln und vollständig veralteten Anschauungen selbstständig macht, der wird nur kümmerlich sein Dasein fristen und schließlich zu Grunde gehen. Wer aber mit ordentlichen Kenntnissen, moderner Schulung und zulänglichen Mitteln ausgerüstet ans Werk geht, der wird es bei Fleiß, und Ausdauer, auch unter den heutigen Verhältnissen, zu einem bescheidenen Wohlstand bringen. Von diesen Gedanken ließen sich einige warmfühlende und auf das Wohl ihrer Glaubensgenossen bedachte jüdische Männer leiten und gründeten in Bukarest die Handwerkerschule oder besser gesagt die Musterwerkstätte „Ciocanul"; ich sage Musterwerkstätte, um nicht einmal den Schein aufkommen zu lassen, als ob es sich hier darum handeln würde, den Lehrlingen ein Uebermaß von Theorie beizubringen, ein Uebermaß, das ebenso schädlich wirken würde, wie jegliches Beiseitelassen der Theorie. Zur Gründung einer Schule gehört aber Geld, und dieses zu beschaffen, war unter den mißlichen wirthschaftlichen Verhältnissen, unter denen , unsere rumänischen Glaubensgenoffen schon seit einigen Jahren sehr zu leiden haben, nicht leicht. Es bildete sich ein kleines Counts, an dessen Spitze der Fabriksbesitzer Herr Adolf Salamon gestellt wurde; mit rastlosem Eifer und Unverdrossenheit wurde gesammelt, bis mün endlich in die Lage kam, einen geeigneten Platz ankaufen zu können; mit einer entsprechenden Subvention der „Jewish Colonisation Association" in Paris, konnte das Comits daran gehen, den Bau eines zweckdienlichen Hauses in Angriff zu nehmen. Inmitten eines großen geräumigen Hofes erhebt sich ein stattlicher, zweistöckiger Bau, dessen innere Eintheilung die Hand des gewiegten Fachmannes verräth; überall waltet die größte Ordnung und Sauberkeit, und der Besucher empfängt einen außerordentlich wohlthuenden Eindruck. Eine kleine Treppe führt zu einem EntrSe, welches durchschreitend man in einen großen, geräumigen und luftigen Saal gelangt, aus dem einem der Lärm der Hämmer entgegentönt. Wir sind in der Schlofferwerkstätte; Ein Gasmotor treibt eine Anzahl Transmissionen, die wiederum Blasbälge, Drehbänke, Bohr- und Stanzmaschinen in Bewegung setzen. Hier find Knaben bei der Feueresse thätig, dort wird ge schmiedet, gefeilt und gebohrt, Jeder ist an seinem Platze, Jedem leuchtet die Lust, etwas Nützliches zu schaffen, aus den Augen, und die größte Freude empfindet der Besucher beim Anblick dieser sehnigen, geschmeidigen und kräftigen Lehrlinge, die, ohne sich durch die Anwesenheit Fremder stören zu lassen, ihr Tagewerk fortsetzen. Hier hat man Gelegenheit, zu beobachten, welchen Einfluß die Arbeit auf den Menschen ausübt, wie wohlthätig sie Seele und Körper beeinflußt; kaum würde Jemand glauben. Kinder von Hausirern und schwächlichen Händlern vor sich zu haben, so kräftig entwickelt sind diese Knaben. Eine Wendeltreppe führt uns ins erste Stockwerk in einen dem ersten ähnlichen, geräumigen Saal; es ist die Späuglerwerkstätte. Dasselbe Getriebe, dieselbe Regsamkeit wie in der Schlofferwerkstätte, nicht weniger Lärm, hervorgebracht durch Schlögel und Hämmer, die während des Tages nicht ruhen und zahllose Gebrauchsgegenstände, die des Käufers harren, erzeugen. Eine Treppe höher befindet sich die Tischlerwerkstätte, in der 28 Knaben beschäftigt; es ist die letztgeschaffene Abtheilung, in der wir es mit lauter Anfängern zu thun haben, die gegenwärtig damit beschäftigt sind, die Bänke für eine demnächst zu errichtende Mädchenschule fertigzustellen. Hier möchte ich noch einer originellen Einführung Erwähnung thun. Auf meine Anfrage, ob eine Ausgangstreppe für die im zweiten Stockwerke gelegene Tlschlerwerkstätte genüge, verwies uns unser Führer auf einige Stangen, die an der Außenseite des Hauses angebracht sind und an denen sich die Lehrlinge sehr häufig in den Hofraum hinuntergleiten lassen. In einem anderen Tracte des Gebäudes befindet fich der lichte, geräumige und modern eingerichtete Z-ichensaal. Hier hatten wir Gelegenheit, die correct ausgeführten Zeichnungen und Entwürfe der Lehrlinge zu besichtigen, sowie einige von ihnen verfertigte Arbeiten, die sich durch correcte und stylgerechte Ausführung auszeichnen, zn bewundern. Eben im Begriffe, die Anstalt, wo wir so viel des Schönen gesehen haben, zu verlassen, harrte unser noch eine angenehme Überraschung; sämmtliche 128 Zöglinge waren zum Turnen und Exerciereu im Hofraume angetreten. Es war eine wahre Herzensfreude, den exact ausgeführten Hebungen, die alle Kraftbewußtsein verriethen, beizuwohnen und Niemand hätte in diesen strammen, disciplinirten Turnern Kinder des Ghettos vermuthet. Anfangs waren die Lehrlinge des „Ciocanul" (Hammer), wie man mir erzählte, häufigen Angriffen seitens der Bevölkerung ausgesetzt, allmälig aber zeigten sie, daß sie es nicht nur verstünden, ihre Werkzeuge, sondern auch ihre Fäuste zu gebrauchen und diese flößten derart Respect ein, daß die Angriffe vollständig aufhörten. Es ist wahrlich keine kleine Sache, eine derartige Anstalt zu leiten, den Lehrplan festzusetzen, Theorie und Praxis auf das richtige Maß zu beschränken und harmonisch zu gestalten. Dieser Lehrplan ist denn auch ein Muster; mit Ausnahme des Zeichnens sind alle theoretischen Lehrgegenstände auf die Abendstunden verlegt; der Tag gehört der praktischen Arbeit, der Abend dem Unterricht in verschiedenen Sprachen und Handelsfächern, soweit sie für den Handwerker unerläßlich find. Hauptsächlich auf Sprachkenntnisse wird großer Werth gelegt, denn die Absolventen der Anstalt sollen in die Lage versetzt werden, ihre Kenntnisse im Auslande zu erweitern und wenn sie im Baterlande keinen Erwerb finden, ihn in überseeischen Ländern zu suchen. Aus dem „Ciocanul" werden zweifellos tüchtige und ehren* hafte Männer hervorgehen; das Hauptverdienst wird Herrn Adolf Salamon zufallen, der seine ganze Muße dieser Anstalt widmet und nicht nur den technischen Betrieb überwacht, sondern sich auch um das Gleichgewicht im Budget kümmert, und dies ist leider bei Weitem nicht der kleinere und leichtere Theil der Arbeit. Trotz der bedeutenden Subvention, die die Jewish Kolonisation Association der Anstalt gewährt, hat dieselbe fortwährend mit Schwierigkeiten zu kämpfen, und es wäre sehr wünschenswerth, wenn fich unsere Philanthropen für diese so segensreich wirkende Anstalt interessiren würden. Die für diesen Zweck gewidmeten Gelder werden sicherlich segensreiche Früchte tragen, an denen fich jedes wahrhaft fühlende jüdische Herz erfreuen wird.

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