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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 794 Dr. Bloch's Wochenschrift« Nr. 48 Herr Obercantor Singermann einen von ihm verfaßten schönen hebräischen Mischeberach über den Jubilar und über die ganze Gemeinde. Nach der Haftora bestieg der Jubilar die Kanzel und sprach dem Vorstande und der ganzen Gemeinde in innigen, tiefergreifenden Worten feinen herzlichen, tiefempfundenen Dank aus für all die Güte und die Ehren, die ihm erwiesen wurden und fein Gemüth so tief und freudig ergriffen. Am Geburtstage, wie am Sabbath erschienen unzählige Gratulanten beim Herrn Rabbiner und nach Hunderten zählende Briefe und Depeschen liefen ein von Nah und Fern. Herr Doctor Blüh, ein Schwiegersohn des berühmten Profeffor Bloch in Pest, wirkt seit 23 Jahren in unserer Gemeinde und hat sowohl durch sein reiches Wissen, seinen laulern reinen Charakter, wie durch sein liebenswürdiges Wesen sich viele Freunde erworben. 8—nn. Leitmeritz. (Eine Abbitte.) Das „Leitmeritzer Wochenblatt" halte, wie unsere Leser sich erinnern, im October v. I. eine Reihe von Artikeln gegen die Juden und gegen den Rabbiner von Leitmeritz, Herrn Dr. S ch o r n st e i n, publicirt. Nun sieht sich das genannte Wochenblatt in der Nummer vom 16. November 1901 genöthigt, folgende Abbitte zu veröffentlichen: Erklärung. Ich Endesgefertiqter erkläre hiemit, daß ich die in den Nummern 83, 85 und 87 des „Leitmeritzer Wochenblattes" vom 17. October, vom 24. October und vom 31. October 1900 unter den Spitzmarken: „Rabbi Schornstein und der Jom Kippur". „Abgestreifter jüdischer Schlangenbalg" und „Nochmals der jüdische Schlangenbalg" veröffentlichten Artikel nicht verfaßt habe und daß es mir persönlich ferne liegt und ferne gelegen ist, Herrn Phil. Dr. Max Schornstein. Rabbiner und Religionslehrer in Leitmeritz, in dessen religiösen Gefühlen oder in deffen persönlicher Ehre zu verletzen und spreche mein Bedauern über die Veröffentlichung dieser Artikel aus. Leitmeritz, am 15. November 1901. Anton Partes, verantwortlicher Schriftleiter des „Leitmeritzer Wochenblatt". Budapest. (Gegen die Einwanderung rumänischer Juden.) Von den der Regierung nahestehenden Blätter» wird folgendes Communique verbreitet: Das Ministerium des Innern hat, nachdem die Erfahrung gemacht wurde, daß die aus Rumänien auswandernden Juden die Grenzen des Landes maffenhaft überschreiten, und da die Niederlassung vollständig mittelloser Individuen im Lande sowohl vom staatspolizeilichen, als wirthschaftlichen Gesichtspunkte gefährlich erscheint, eine Verfügung getroffen, wonach die Niederlassung, resprctive der längere Aufenthalt solcher rumänischer Auswanderer verhütet werden soll. Zu diesem Behufe wurde ein Ministerialbeamter nach der Grenze entsendet, um an Ort und Stelle Studien zu machen. Ferner wurde constatirt, daß die Auswanderer mit ungenügenden Reisemitteln versehen sind und deshalb von freniden Staaten abgeschvben werden, woraus für die ungarische Staatscasse unmotivirte Mehrauslagen entstehen. Dies veranlaßte die Regierung, im Wege des Ministeriums des Aeußern mit den interessirten Staaten Verhandlungen einzuleiten zwecks Feststellung der Bedingungen, unter welchen die rumänischen Juden ohne Hinderniß das Gebiet der betteffenden Staaten passiren dürfen. Auf Grund des Ergebniffes dieser Verhandlungen verordnte der Minister des Innern, daß blos diejenigen rumänischen Auswanderer über die Grenze gelaffen werden und das Land passiren dürfen, welche zur Deckung ihrer Reisekosten — wenn sie das zehnte Lebensjahr überschritten haben — wenigstens 400 Kronen, wenn sie im Alter von zwei bis zehn Jahren stehen, 200 Kronen mit führen oder über eine von irgend einem Transportunternehmen ausgestellte Fahrkarte verfügen, welche auch für ihre gesammten Verpflegs-, eventuellen Heil- und Begräbnißkosten Garantie bietet. Das neue Waisenhaus des Pester israelitischen Franenvereins. Der Pester israelitische Fcauenverein, welcher seit fünfunddreißig Jahren auf dem Gebiete des Wohlthuns Ersprießliches leistet, beschloß im Jahre 1899 die Gründung eines neuen Mädchen-Waisenhauses, da das bisherige in der Damjanichgasse befindliche Waisenhaus und das an der Ecke der Trommel- und der Gärtnergaffe gelegene, nach dem großen Philanthropen Baron Moriz Hirsch benannte Halbwaisenasyl zur Unterbringung der Bereinsschützlinge sich als ungenügend erwiesen hatten. Die hochherzige Witwe des Baron Hirsch förderte-die Ausführung der Absicht, indem sie zu Zwecken des neuen Waisenhauses den Bettag von 230.000 K spendete. Der Verein kaufte einen 3670 Quadratklafter großen Grund in der Jükaigasse an und ließ durch die Architekten KärmLn und Ullmann die Pläne eines Waisenhauses anfertigen, welches genügenden Fassungsraum für die Bewohner des Waisenhauses und des Halbwaisenasyls haben sollte. Im Herbst 1899 wurde der Bau in Angriff genommen und im heurigen Frühjahre übersiedelten die Waisenkinder aus beiden Häusern in ihr neues prächtiges Heim. Das imposante neue Waisenhaus, ein ansprechender Bau im Seceffionsstile, umfaßt 100 Quadratmeter und wird von drei Gassen begrenzt; die Fatzad? ist der Jükaigasse zugekehrt. Das Gebäude besteht aus einem Mitteltracte und zwei Seitenflügeln. Im Parterre und ersten Stockwerke des Haupttractes befinden sich die Lehrsäle der in der Anstalt untergebrachten sechsclassigen Elementarschule und der in Aussicht genommen-m Erzieherinnen- Präparandie, der mächtige Prunksaal und die Arbeitsräume. In den Seitenflügeln sind die Schlafsäle, die Wasch- und. Baderäume placirt, welche an den 2000 Quadrqtklafter großen Garten stoßen. Um den Hof des Waisenhauses gruppiren sich der Tempel, der Speise- und Turnsaal und die abgesonderten Krankenzimmer. Die Communication in dem Gebäude vermitteln die weiten,, geschloffenen Fluren, eine Haupt- und zwei Nebenstiegeu. Im Souterrain sind die Räumlichkeiten für die Centralheizung, die Küchen und Waschküchen, die Wohnungen des Dienstpersonals, die Garderoben rc. untergebracht. Im ganzen Hause ist im vollsten Maße für Licht und Luft vorgesorgt. Um das Zustandekommen des neuen Waisenhauses, um die Beschaffung seiner zweckentsprechenden Einrichtung haben fick die Vereinspräsidentin Frau Anton Herzl, die Vicepräsidentinnen Frau Max Domouyi-Brüll und Frau Friedrich Gärdonyi-Neumann, ferner die Waisenhausvorsteh rin Frau Anton Deutsch und der Secretär des Frauenvereius Gabriel Forrai große Verdienste erwarben. Das Gebäude ist für 160 Kinder eingerichtet, hat aber, falls die Schlafräume erweitert werden, genügenden Raum für weitere 80 Waisen. Gegenwärtig befinden sich i.20 Mädchen daselbst, der Fcauenverein wird aber im Verhältnisse zu seinen materiellen Kräften auch die noch unbesetzten Plätze ausfüllen. Die 600.000 Li betragenden Baukosten wurden aus dem Verkaufspreise des alten Waisenhauses und der erwähnten Spende der verstorbenen Baronin Hirsch gedeckt; hingegen genügten die zur Verfügung stehenden Geldmittel nicht ganz zur Bestreitung der Einrichtung-kosten, und der Verein hofft nun, daß die Muuificenz des Publicums die Bedeckung der Bauschuld sowohl, wie die Ausnahme weiterer Zöglinge in das Waisenhaus ermöglichen werde. Die grandiose humanitäre Wirksamkeit des Frauenvereins wird durch folgende statistische Daten ins rechte Licht gerückt. Während seines 35jährigen Bestandes hat der Verein an Baargeldunterstützungen mehr als 1,100.000 K verausgabt, für die Verköstigung Armer und Hungernder mehr als 700.000 K, für die Erziehung von Waisenkindern mehr als 1,200.000 K verwendet, auf dem Altar der Nächstenliebe demnach bisher mehr als drei Millionen Kronen geopfert. Unter seinem Schutze befinden sich gegenwärtig 120 interne und 40 externe Waisenmädchen; 280 Mädchen haben bisher das Waisenhaus verlassen. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Sie verkünden den grandiosen Erfolg, den der Pester isra>litische Frauenverein auf dem Gebiete der Nächstenliebe erzielt hat. Seinem edlen Werke hat nun der Verein durch die Schaffung des neuen Waisenhauses die Krone aufgesetzt. Zur Einweihung haben sich eingefunden: Ministerpräsident Koloman S z e l l, Cultusminister Julius W l a s s i c s, Staatssecretär Michael Z s i l i n ß k y, Bürgermeister Johann H a l m o s , Vice-Bürgermeister Alois M atus ka, die Abgeordneten Berthold Weiß, Dr. Armin Neumann, Georg Saeellary, Paul Sandor, Dr. Karl M o r z s a n y i, Kronanwaltsubstitut Bela K a t o n a, Dr. Moriz Jokai und Gattin, Schulinspector Karl Beredy, Frau Alexander H e g e d ü s, die Directoren Sigmund Kornfeld, Adolf Ullmann de Baranyavar, Philipp Weiß, Berthold Goldberger de Buda. Oberphysieus Dr. Adolf S ch e rm a n n, Commercieurath Sigmund L. B r e i t n e r, Ladislaus B e r e b e l y i, die Professoren Berthold Stiller, Johann B o k a y, Johann Baron u. v. A. Ferner seitens der israelitischen Frauenvereins: Präsidentin Frau Anton Herzl, die Bice-Präsidentinnen Frau Friedrich Neumann de Gardony, Frau Max Brüll de Domony, die Vorstandsmitglieder Frau Sigmund Singer, Frau Anton Deutsch, Frau Moriz

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