Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021434--11339-3035871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Serke 798 II., Pazmanitengasse 22, X 1.—; L. Oplat, IX., Rothe Löwengasse 17, K 1.—. Zusammen X 5.—. Anläßlich der Beerdigung des seligen Herrn Adolf S t e r n:s Von Herrn Dr. Julius Münich, IX., Türkenstraße 8, X 10.—; August Münich, IX., Türkenstraße 8, X 10.—; Dr. Fritz Hochsinger, I., Neuthorgasse 12, X 10.—; Emil Grünwald, IX., Kolingasse 6, X 10.—. Zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Carl Bamberg e r: *) Von Herrn Karl Salzmann, VJI., Schottenfeldgasse 76, X 4.—; Ignaz Adler, II., Asperngasse 3, X 5.—; Berthold Unger, V., Margarethengürtel 8, X 4.—; Leopold Hutter, k. k. Commercialrath, I., Habsburgergasse 8, X 10.—; Alfred Bamberger, VI., Mariahilferstraße 89, X 5.—; S. Heit, I., Rudolfs- Platz 10,. X 5.—; Dr. Ladislaus Szivessy, Szegedin, X 10.—; Wilhelm Ungar, VI., Stumperg. 49, X 3.—. Zusammen X 46.—. Wien. Geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir nach langer Zeit wieder einmal ein wenig Raum in Ihrem geschätzten Blatte. „Unser Herr Bürgermeister hat vor Kurzem angeordnet, daß bei allen Straßentafeln eine Erläuterung beigegeben wird, weshalb die Straße so benannt, und die Verdienste erwähnt werden mögen, die sich die durch solche Straßenbezeichnungen Ausgezeichneten erworben haben — der Judenplatz, die Judengaffe, können da „schön" zum Theil kommen. Aus der sogenannten liberalen Aera haben wir aber auch sporadisch einige Gassen mit Namen zum Andenken ausgezeichneter jüdischer Mitbürger, und welche Ironie! Im Wahlbezirke des berüchtigten Mechanikus Schneider finden wir eine Wertheim st eingasse, benannt nach Heinrich von Wertheimstein, dem Vater der Baronin Charlotte Königswarter. An derselben Stelle wohnte zur Sommerszeit die Familie Wertheimstein Jahrzehnte lang, in einer bescheidenen Billa, eine wahre Wohlthätigkeitsanstalt für die Vorfahren der jetzt dort hausenden Antisemiten. Tag für Tag konnte man dort die Gattin Wertheimstein's, Louise geborene Gomperz sehen, wie sie mit offener Hand Männer. Weiber, Kinder mit Wohlthaten überschüttete. Vielleicht wird Schneider dazu auserkoren, die historische Namensbegründung dieser Gasse festzustellen. Noch einige hervorragende Juden, die theils als Wohlthäter, theils ihrer Verdienste wegen um Land und Stadt, würdig befunden wurden, sind durch Gassennamen — vorläufig, verewigt, u. zw.; Kompert, Ladenburg und Mosenthal. Ferner Männer, die nicht mehr Juden waren, aber auf die das Judenthum auch stolz sein kann, wie der Judenstämmling Sonnensels, Arnstein, Dr. Brecher, Flesch, Leidesdorf, Mauthner, Zappert, sind ebenfalls dieser Auszeichnung würdig befunden worden. Diese Liste kann auch unter dem jetzigen Regime fortgesetzt werden, eine Porzergasse, Dr. Löwgasse, und falls die Deutschnationalen einmal ans Ruder kommen, eine Schmul-Leb-Kohn-qasse. B. Marcus. Wien. (Die Leitung des Leopold st ädter jüdischen Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines und Kaiserin Elisabeth Lehrmädchenhortes) hat in der letzten Vorstandssitzung den Beschluß gefaßt, in der heurigen Saison von der Abhaltung einer Wohlthätigkeitsveranstaltung abzusehen. Dieser Entschluß mag für den Augenblick wohl befremdend erscheinen, insbesonders wenn bedacht wird, daß die bisherigen Veranstaltungen sich nicht nur großer Teilnahme seitens des Publicums erfreuten, sondern auch nicht unwesentliche Erträgnisse für die Vereinszwecke abwarfen. Die verehrten Freunde werden aber diesen Entschluß gewiß billigen, wenn sie den Grund kennen lernen, der zu demselben veranlaßt hat. Wie bekannt, hat der Verein vor einigen Jahren den Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort ins Leben gerufen und sich hiemit die Aufgabe gestellt, arme, hauptsächlich verwaiste jüdische Mädchen gewerblichen Berufen zuzuführen und diesen Mädchen während der ganzen Dauer ihrer Lehrzeit unentgeltlich Unterkunft, Kleidung und gänzliche Verpflegung im Horte zu gewähren. Dit Anforderungen, welche in dieser Hinsicht an die Vereinsleitung gestellt werden, wachsen von Tag zu Tag — die ursprüngliche Zahl der Hortzöglinge ist bereits auf das Doppelte gestiegen. — und tritt nunmehr an die Vereinsleitung die dringende Pflicht heran, an die Ausgestaltung dieser im wahrsten Sinne des Wortes segensreich wirkenden Institution zu schreiten. Soll diese Arbeit von Erfolg begleitet sein, so bedarf es der vollen, durch nichts beeinträchtigten Thätigkeit; daß aber die *) Wiederholt aus der vorigen Nummer wegen eines Druckfehlers, der sich eingeschlichen hat. Abhaltung einer Wohlthätigkeitsveranstaltang die Kräfte zerplittern und von der auf die Festigung und Ausgestaltung des Hortes gerichteten intenfiven Thätigkeit ablenken müßte, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Es darf wohl nicht gezweifelt werden, daß die verehrten Mitglieder und Gönner, die ja gewiß mit regstem Interesse das Wirken des Vereines verfolgen und an der Verwirklichung der humanen Bestrebungen desselben regsten Antheil nehmen, die vorerwähnte Entschließung gutheißen werden, und man darf sich der sicheren Hoffnung hingeben, daß durch den Entfall einer Veranstaltung die Opferwilligkeit der Gönner und Freunde keinen Abbruch erleiden wird, sondern daß dieselben anstatt durch Abnahme von Karten, lieber durch Zuwendung von Spenden, welche die „Oesterreichische Wochenschrift" zu übernehmen und auszuweisen sich bereit erklärt hat, das Aufblühen des Vereines nach besten Kräften zu fördern bestrebt sein werden. Ist es ja doch ein Ziel, das Alle verfolgen, dem Alle vom Herzen zustreben , die traurige Lage der armen, unglücklichen Witwen und der verwaisten Kinder zu erleichtern und die bedauernswerthen, oft dem größten Elende preisgegebenen Lehrmädchen zu ehrlicher Arbeit heranzuziehen unv ihnen hiedurch den Weg zu selbstständigem, ehrsamen Erwerbe zu eröffnen. Möge dieser Appell an das edle Herz der Mitglieder und Gönner des Vereines nicht ungehört verhallen, sondern Jeder nach besten Kräften sein Scherflein zur Erreichung dieser unserer Aufgabe beitragen. Für die Vereinsleitung: Bertha K o h n, Präfidentin, Lina Weiß Schriftführerin. Wien. Aus der Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Wieden und Margerethen vom 17. d. M. ist zunächst zu berichten, daß sich der Stand der Mitglieder seit vorigem Jahre um 40 erhöhte, was ein erfreuliches Resultat ist. Neu in den Vorstand wurden gewählt: Herr Julius F ekete und Herr Jacob H e r l i n g e r. Bei der am 20. d. M. stattgefundenen constituirenden Vorstandssitzung wurden die bisherigen Functionäre Herr Adolf Hofmann als Obmann, Herr Adolf Lichtblau als Obmann-Stellvertreter, Herr Franz Frankl als Schriftführer, Herr Sigmund W i e s n e r als Caffier. Herr Max Spitzer als Controlor wiedergewählt. Die Petition des Tempelvereines im IX. Bezirke um Activirung der Bezirkscomissionen wurde mitunterfertigt und eine dringliche Eingabe an die Cultus gemeinde um Beistellung eines bestätigten Gemeinde- Rabbiners für unseren Bereinstemvel, bezw. Bestellung des derzeitigen .Vereins-Rabbiners als bestätigten Gemeinde-Rabbiner einstimmig beschloffen. - Wien. Der unseren Lesern rühmlichst bekannte Maler D. K o h n, welchem im Vorjahre die allerhöchste kaiserliche Anerkennung zu Theil wurde, erregt mit seinen beiden Porträts auf der diesjährigen Herbstausstellung im Künstlerhause berechtigtes Aufsehen. Das eine der beiden in Rothstift ausgeführten Porträts stellt Se. Excellenz den Herrn Unterrichtsminister Dr. von Hartl dar, zu welchem .derselbe dem Künstler wiederholt geseffen hat. Das andere zeigt uns in frischer flotter Behandlung die vornehme Erscheinung Sr. Excellenz des Grafen Hans Wilczek sr. Beide Zeichnungen sind wahre Meisterwerke der lebendigen vornehmen Auffassung und wuchtigen Charakteristik. Mit Recht werden diese beiden Arbeiten von der gesammten Kritik besonders lobend hervorgehoben. Troppau. (70jähriges Jubiläum.) Eine würdige und erhebende Feier fand am vergangenen Samstag in unserem Tempel anläßlich des 70. Geburtstages unseres allverehrten Rabbiners Herrn Dr. Abraham Blüh statt, die dem ehrwürdigen Jubilar, wie nicht minder unserer geschätzten Gemeinde zur größten Ehre gereichte. Denn eine Gemeinde ehrt fich selbst, wenn sie ihre Beamten ehrt. Donnerstag, den 21., am Geburtstage des Herrn Rabbiners, erschien der Cultusvorstand unter Führung der beiden Vorsteher Herren Dr. Sonnenschein und S. Spitzer in der Wohnung des Jubilars, um ihm die herzlichen Wünsche der Gemeinde zu überbringen, und überreichte ihm einen prachtvollen Pocal und ein ansehnliches Ehrengeschenk. — Am Samstag wurde ein Festgottesdienst im Tempel veranstaltet, bei dem der Gesammlausschuß und eine sehr große Anzahl Gemeindemitglieder anwesend waren. Der Herr Rabbiner wurde von den beiden Vorstehern aus seiner Wohnung abgeholt und in den Tempel geleitet. Als der Jubilar zur Thora gerufen wurde, stimmte der hiefige Damen- und Herrenchor mit Orgelbegleitung einen Psalm an. in dem Herr Obercantor Singermann ein sehr schönes Solo sang. Nach der zweiten Brocho sprach der Herr Rabbiner ein in schönem fließenden Hebräisch verfaßtes Dankgebet, worauf der Chor wieder „Der Herr segne und behüte Dich" sang. Darauf sprach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.