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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
47 (22.11.1901)
Date
1901-11-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 762 Dr. Bloch's Herrn Dr. Plaezek, und der Schwager des Verstorbenen Herr Arvn Bauer widmeten dem Dabingeschiedenen warme Abschiedsworte, in denen auch seine Ehrenhaftigkeit, Bescheidenheit und Frömmigkeit in beredten Worten hervorgehoben wurde. Tod einer Hunderteinjährigen. Letzten Donnerstag starb in B o s k o w i tz in Mähren die älteste Inwohnerin der Stadt, die Lehrcrswitwe Klara Holländer, im Alter von 101 Jahren. Die Greisin hatte ihren Anverwandten merkwürdigerweise ihren bevorstehenden Tod auf die Stunde genau angekündigt. Troppau. Herr Dr. B e r g m a n n, Rabbiner in Friedeck, hielt im hiesigen „Jüdisch-literarischen Verein" einen Vortrag über das Thema: „Unsere Propheten" und verstand cs, durch die sichere und vollständige Beherrschung des Stoffes, .sowie durch die schöne, fließende Sprache und interessante Vortragsweise die Zuhörer bis zum Schluffe des Vortrages ungemein au fesseln. Mit gespanntem Interesse folgten die zahlreich erschienenen Zuhörer, Damen und Herren, diesem belehrenden und interessanten Vortrag und lebhafter Beifall lohnte den tüchtigen Redner. Dem „Jüdisch-literarischen Vereine", dem wir so manche interessante und belehrende Vorträge, namentlich in den letzten Jahren, zu danken haben, wünschen wir ein ferneres Gedeihen zum Wohle unserer Gemeinde. Denn gerade in jetziger Zeit ist cs von großer Wichtigkeit, daß unsere Juden über ihre Geschichte und Literatur ein wenig belehrt werden und daß der gesellige Verkehrunter den jüdischen Mitgliedern gepflegt werde, und diese Ziele zu erreichen, erstrebt der rührige Verein mit lobenswerthem Eifer an. Prerau. In dem renommirten jüdischen Restaurant des Herrn M. Haas versammelten sich' illustre Gäste bei der Trauung des Herrn Hermann Frisch, Oberofficial in Raigern, mit Fräulein Friedrike Lachs aus Predmost, und des Herrn Benjamin Kuffler aus Rozsahegy mit Fräulein Jda Mautner, Tochter des Bürgerschuldirectors und Schriftstellers Moritz Mautner aus Prag. Den Trauungsact vollzog in sehr erhebender Webe Rabbiner Herr Doctor I. Tauber. Den gesanglichen Theil trug stimmungsvoll Cantor Herr S. Ehre vor. Nikolsburg. Am 12. d. M. schied hier ein Schulveteran, Herr Bernhard Deutsch, Lehrer in Pension, in seinem 72. Lebensjahre plötzlich aus dem Leben. Sein Leichenbegängniß, das am 14. d. M. stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung An demselben betheiligten sich: der Cultusunv politische Vorstand der israelitischen Gemeinde, eine Abordnung der christlichen Nachbargemeinde, der Ortsschulrath und gesummte Lehrkörper der israelitischeu Gemeinde mit der Schuljugend, eine Abordnung des Lehrkörpers der Christengemeinde und der k. k. Bezirks-Schulinspector, Bürgerschuldirector Johann Karger nebst einem großen Theile der Bewohnerschaft, die dem Dahiugeschiedenen das letzte Geleite bis zur Grabstätte gaben. Herr B. Deutsch wirkte durch fast ein Vierteljahrhundert in seiner Heimatsgemeinde Nikolsburg als ein höchst eifriger, gewissenhafter Lehrer, der seinen Beruf vom idealen Standpunkte auffaßte. Er besaß ein seltenes allgemeines Wissen und war - auch in der jüdischen Literatur sehr heimisch. Seine Kenntniß der Bibel in der Ursprache war staunenswerth, dabei war er von höchster Einfachheit und Bescheidenheit. An feiner Bahre entwarf Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang in einer warm empfundenen Rede ein getreues Lebensbild des Verstorbenen und auch Herr Krakauer, ein langjähriger College des Dahingeschiedenen, widmete demselben in tiefbewegten Worten einen ehrenden Nachruf. Chawal al deabdin! Preßburg. Bei der am 14. d. M. hier stattgefundenen Wahl des Municipalausschusses wurden ' trotz heftiger Gegenagitation unsere Mitbürger und Glaubensgenossen, die Herren: Handelskammermitglied Sigmund I a l o v e tz, Drs. Med. Carl Glaser, die Kausleute Jacob M a g e n, H. F. B e t t e l h e i m, Ludwig Wiener in die Stadtrepräsentanz mit großer Stimmenmehrheit entsendet. Sämmtliche Delegirte, mit Ausnahme Bettelheim's, sind neugewählt. Breslau. Der hiesige „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" veranstaltete Montag den 11. d. M. Abends im großen Saale der Leflmgloge, der bis auf den letzten Platz gefüllt war, eine Gedächtnißfeier anläßlich des hundertsten Geburtstages des verewigten Directors Dr. Zacharias Frankel, die einen überaus würdigen Charakter trug. Den gesanglichen Theil übernahm der Chor der Union Synagoge, während Herr Doctor M. B r a n n, Docent am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar, die Festrede hielt. Der Redner, der ein Schüler Frankens war, verfehlte auch nicht, hochinteressante persönliche Erinnerungen vorzubringen. Seine Ausführungen fanden denn auch reichen und wohlverdienten Beifall. Wochenschrift. Nr. 47 Bonn o. Rh. (R a b b i n e r w a h l.) Vorstand und Repräsentanz haben einstimmig Herrn Dr. Kalischer, zur Zeit Rabbiner in Stolp in Pommern, zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Breslau. Herr Rechtsanwalt Dr. S a m u e l s o h n ist zum Notar ernannt worden. Beuthen. Herr Stadtrath Leopold. G utt m an n ist an Stelle des verstorbenen Herrn Lomnitz zum Mitgliede des Stadt-Ausschusses gewählt worden. Frankfurt am Main (Aus der Gemeinde.) Der Prediger am Hamburger Tempel, Dr. Cäsar Seligmann, dessen Anstellung als Rabbiner seitens der Verwaltung der hiesigen israelitischen Gemeinde beabsichtigt ist. hat am Samstag den 2. November in der Hauptsyuagoge gepredigt. Hamm. Herrn Oberlandesgerichtsrath Dr. Litten ist der Cdarakter als Geheimer Just'rzrath verliehen worden. Wiesbaden. Herr Dr.-Med. Noseuthal ist mit der Rothen Kreuz-Medaille ausgezeichnet worden. Aus dem galisische« Kedr«. Ein Bild von Leo Hcrzberg-Frankel. (Fortsetzung.) Ach, welche Gefühle und Erinnerungen überkamen ihn, als er zur frühen Morgenstunde ins stille Dorf fuhr und er an die gewaltigen Veränderungen dachte, die die Zeit hier vollbrachte! der Ort hatte sich nicht geändert; da standen noch wie ehemals die alten, halb verfallenen Hütten, mit den steilen, wetterschiefen Strohdächern, den Lehmkaminen und Storchuestern. Da stand die Kirche mit ihrem Schindelthurm, auf der einen Seite das hölzerne Glockengerüste, auf der änderen das kleine Pfarrhaus. Nur der alte liebe Mann fehlte, der hier gelebt, gewirkt und gelehrt; er träumt den Traum der Ewigkeit unter jener Weißbuche, die er sich selbst vor dem Heimgang gepflanzt. Und nicht weit von da die große Kartschma — die er einst elend und hilflos betrat und elend und hilflos verließ, nachdem er schwer genug an der ehernen Kette einer lieblosen Ehe schleifte. Wie öde lag sie da! Der frühere Besitzer todt. Von den Söhnen war der Eine ebenfalls todt, der Andere heiratete in eine Dampfmühle in Rußland. Die jüngste Tochter lebte als Frau Rabbiner in Przemysl. Die Inhaberin und Leiterin des ganzen großen Anwejeus. Esther, irgendwo im Versteck, ihr Sohn im Gefängniß. Keine Menschenstimmen, kein Hundegebell, kein Rindergeblöcke, kein Pferdegewieher, als der Wagen in den offenen Hof fuhr — still lag Alles da, wie verzaubert; blos der große Kamin der Branntweinbrennerei schleuderte seine Rauchwolken in die Luft und zeigte, daß da drinnen gearbeitet werde. Als man aber eine Beamtenuniform im Wagen bemerkte, da wurde es lebendig; die Leute kamen an die Thüren und der Leiter der Brennerei, der allezeit getreue Simon, näherte sich unter tiefen Bücklingen, die Mütze in der Hand, der Britschka. Das kleine Männchen hatte sich nicht sehr verändert; die Figur ein wenig mehr zufammengefchrumpft, das spärliche Bärtchen etwas grauer, die Züge, sowie die Stirne mehr zerknittert als früher. Alexander erkannte ihn sofort, ohne sich's merken zu lassen; Simon jedoch hatte keine Ahnung, wen er so devot begrüße. Er hat überhaupt jahrelang nicht mehr an den jungen Mann gedacht, der einst in einer Winternacht ins Haus hineingeschneit kam und nach kurzer Zugehörigkeit und einem durch die Frau dieses Brenners verursachten Scandal wieder verschwunden. Aber über den Mann in der kaiserlichen Uniform stürzten beim Eintritt in dieses Haus die Erinnerungen an die vergangenen Zeiten ein. Seine freudelose Jugend, seine unglückliche Ehe, seine schweren Kämpfe, sein harter Weg, sein mühselig erreichtes Ziel und seine jetzige so peinliche Aufgabe, in der der Vater mit dem Richter ringt! Damals ein armseliger Junge, ein Bettler an der Thüre des Onkels, heute ein vornehmer Mann, ein Staatsbeamter, ein unabhängiger Richter, durch eigene Kraft und. eigenes Ringen. Der Ausspruch Napoleons des Ersten, daß jeder Soldat in seinem Tournister den Marschallsstab trägt, ist weniger wahr als das Wort: daß jeder Mensch der Schmied seines Schicksals sei.

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