Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Date
- 1901-11-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 780 Dr. Bloch's Wochenfttzrifi. Nr. 47 Minsk. (Der Club jüdischer Tischler), dessen Gründung, wie wir seinerzeit berichtet haben, in einer von der Polizei genehmigten großen öffentlichen Versammlung jüdischer Tischler beschlossen wurde, ist nun ins Minsk ins Leben gerufen worden. Die Statuten desselben sind von einer am 29. September stattgefundenen zweiten Tischlerversammlung genehmigt worden, worauf der Club, vorbehaltlich der bestimmt zu erwartenden polizeilichen Bestätigung, provisorisch ins Leben gerufen worden ist. Die Aufgabe des Clubs ist nach diesem Statut, den in Minsk wohnenden 900 jüdischen Tischlern, sowie den zahlreichen jüdischen Holzarbeitern daselbst die Möglichkeit zu verschaffen, ihre materiellen Interessen wahrzunehmen, ihr geistiges und moralisches Mveau zu heben und das Bestreben nach Selbsthilfe bei ihnen zu steigern. Die Einnahmen des Clubs bestehen aus den auf l'/r Rubel jährlich normirten Beiträgen der ordentlichen Mitglieder, aus den Beiträgen der „Förderer", sowie aus den Ueberschüffen der öfter zu veranstaltenden Festlichkeiten rc. Der Club hat bereits einige Sitzungen abgehalten, in welchen über alle das Gewerbe betreffenden Fragen lebhaft, und zwar in jüdischdeutscher Mundart (Jargon) discutirt wurde. In der Sitzung vom 20. October wurde unter Anderem zur Kenntniß gebracht, daß zahlreiche Arbeitgeber den gesetzlich festgesetzten 12stündigen Moximalarbeitstag überschreiten. Es wurde beschlossen, solche Fälle den Behörden zur Anzeige zu bringen. London. (Die jüdische Frauenconferenz), welche, wie wir bereits mitgetheilt haben, von einigen vornehmen jüdischen Damen für den nächsten Frühling geplant war, wird nun am 13. und 14. Mai 1902 stattfiaden. Wie Mrs. Nathaniel Cohen in der Sitzung des General-Comit6s vom 7. November mittheilen konnte, haben auf das an alle hervorragenden jüdischen Frauen Englands gerichtete Circulär nicht weniger als 224 Damen ihr Erscheinen auf der Conferenz bestimmt zugesagt. Als Aufgabe der Conferenz bezeichnete Rednerin die Heranziehung der jüdischen Frauen zur Mitarbeit an den jüdischen Angelegenheiten. Sämmtliche „jüdischen Angelegenheiten" lassen sich entweder unter den Begriff „Religion" oder unter den der „jüdischen Wohlthätigkeit" rubriciren. Unsere jüdische Religion, für welche wir schon so viel erduldet haben und auch in der Zukunft noch zu erdulden bereit sind, ist unser unvergängliches Eigenthum, das uns Niemand rauben kann und welches wir unseren Kindern vermachen werden. Dieselbe zu kennen und ihren Geist unseren Nachkommen einzuimpfen, ist die größte und edelste Aufgabe jedes jüdischen Weibes und jeder Mutter in Israel. Daher muß der Frage des Religionsunterrichtes ein wichtiger Platz auf der Conferenz eingeräumt werden. Der zweite Theil der „jüdischen Angelegenheit" ist die jüdische Wohlthätigkeit. Wohlthätig soll der Jude sein, nicht nur weil er Mensch ist und ein weiches jüdisches Herz besitzt, sondern vorzüglich weil er Jude ist und als solcher die schwere Pflicht mit übernommen hat, der ganzen Welt zu zeigen, daß die göttliche Inspiration allein genügt, um die Menschen durch alle Lebenslagen als sichere Führerin zu leiten. Das praktische Judenthum soll auf der Conferenz einen breiten Raum einnehmen. Wir wollen die von uns auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen uns gegenseitig mittheilen. Bedürfnisse, die an einem Orte früher vielleicht als an einem anderen Orte aufgetaucht sind, werden wir so rechtzeitig kennen lernen, neue Ideen und Einfälle sollen auf der Conferenz, soweit es die beschränkte Zeit gestatten wird, discutirt werden. Um jedoch schon jetzt und rechtzeitig eine gewisse Auswahl der zur Verhandlung stehenden Gegenstände treffen zu können, werden alle jüdischen Frauen brieflich und durch Bekanntmachung in der Presse aufgefordert werden, Alles, was sie auf der Conferenz besprochen zu sehen wünschen, rechtzeitig an das Bureau der Conferenz einzusenden. Weit wichtiger als die neuen Ideen, welche wohl schwerlich von erschütternder Bedeutung sein werden, sind die neuen und zahlreichen Mitarbeiter, die die Conferenz dem englischen Judenthume zweifellos zuführen wird. Das jüdische Weib hat bisher in England ebensowenig wie auf dem Continent sich am öffentlichen Leben des Judenthums betheiligt. Daher ist der jetzt gemachte Versuch, auch die Kraft der Frau in den Dienst des an „Leutenoth" leidenden Judenthums zu stellen, als ein kaum hoch genug zu veranschlagender Fortschritt zu begrüßen. Vermischtes. Wien. (Silberne Hochzeit.) Am 28. d. M. begeht der bekannte Operateur Herr Dr. Adolf Herzfeld, Armenrath des II. Bezirkes, mit seiner durch ihren wohlthätigen Sinn ausgezeichneten Gattin Julie, geb. ,W e inberg er, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (Goldene Hochzeit.) Am 24. November d. I. feiert das Ehepaar Herr Hermann Bauch und Frau Amalie Bauch, geb. Katz, im Alter von 80, resp. 70 Jahren, im Kreise der Angehörigen in vollständiger Rüstigkeit in seiner Wohnung, I., Grashofgaffe 4, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. E. B. Wien. (Trauung.) Im Tempel der Skitenstettengasse findet am 1. December d. I. die Trauung des Ingenieurs Herrn Ottokar Stern mit Fräulein Sylvia Tirin g, Tochter des Großindustriellen Herrn Victor Tiring, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 17. November d. I., um 3/44 Uhr Nachmittags, fand im israelitischen Tempel l., Seitenstetten gaffe, die Trauung des Fräulein Malvine Schnabel, Tochter des Herrn I. Schnabel, mit Herrn Moriz Fleischer statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 24. November d. I., um 3j/4 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengaffe, die Trauung des Fräulein Olga Beck, Tochter des Hoflieferanten Herrn Hermann Beck, Vorsteher des israelitischen Tempelvereines im VUI. Bezirke, mit Herrn Sandor Geist statt. Wien. (Spenden.) Wir erhielten für den Verein zur Unterstützung armer jüdischer Brustleidender auf dem Lande von Frau Cäcilie Beer aus Holleschau X 10, von Frau Johanna H a a s K 4, für den Verein „Frauenhort" von Herrn Dr. H. Vorzimmer im Strobnitz X 6, für den Leopoldstädter Frauenwohlthätigkeitsverein von Herrn L. Beer aus Brünn X 6. Wien. (Todesfall.) Am 16. d. M. starb hier im 70. Lebensjahre Frau Marie Fleischer, geb. Reich, eine durch vortreffliche Eigenschaften des Geistes und des Herzens ausgezeichnete Dame. Um ihren Verlust trauern eine Tochter und zwei Söhne, deren einer der Schriftsteller und erste Secretär der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" Herr Siegfried Fleischer ist. Das Leichenbegängniß fand am 18. d. M. unter zahlreicher Betheiligung statt. Wien. (Legatfürdie „Oe st erreicht sch-Jsraelitische Union".) Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, Herr kais. Rath K l i n g e r, hat den Vorstand der „Oesterreichisch - Israelitischen Union" verständigt, daß Frau Pauline B o n d y. dft Witwe und Universalerbin nach dem kürzlich verstorbenen Herrn Philipp B o n d y, in Ausführung eines von ihrem seligen Gatten letztwillig ausgedrückten Wunsches dem Rechtsschutzbureau der „Oesterreichisch - Israelitischen Union" K 500 zuzuwenden erklärt hat. — Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Würdigung der erfolgreichen Thätigkeit des genannten Vereines auch anderweitig durch Zuwendung von Legaten, Spenden rc. Nachahmung fände. Wien. Der langjährige Obmann des Bethausvereines im lll. Bezirke, Herr Dr. Ludwig S t r a ß e r begeht Dienstag den 26. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit, gleichzeitig mit seinem 25jährigen Doctorjubiläum. Der Jubilar, der dank seiner aufopfernden, gemeinnützigen Thätigkeit weit über die Grenzen des UI. Bezirkes bekannt und geachtet ist und durch mehr als zwanzig Jahre sich um das Judenthum und besonders um seinen Tempelverein als Obmann bedeutende Verdienste erworben, will sein Jubiläum nur im Familienkreise feiern, doch werden es sich seine zahlreichen Freunde und Verehrer gewiß nicht nehmen lassen, ihm anläßlich dieser Doppelfeier ihre Sympathien zum Ausdrucke zu bringen. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter d en inländischen Israeliten.) Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie um Aufnahme an den Verein wenden und die bedeutenden Auslagen, welche die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von über 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu dem Beschluffe genöthigt, die Aufnahme von Knaben während der Monate December und Jänner zu sistiren. Effegg. (GemeinderathsundAbgeordnetenwahl. Abschied des Obergespans Dr. Theodor G r a f P e j a c s e v i ch.) In jüngster Zeit waren auch hier die verschiedenen Wahlen an der Tagesordnung, an welchen die Mit-