Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Date
- 1901-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 776 Dr. Vlach's Wochenschrift. Nr. 47 um bei der zunehmenden Noth allen an sie gestellten Anforderungen nur tbeilwrise Nachkommen zu können, muß jeder Menschenfreund diese Einführung von Geldspenden anstatt Kränzen bei Trauersällen mit großer Sympathie begrüßen und den Bestrebungen der „Chewra-Kadischa" im Interesse kranker Glaubensgenossen den besten Erfolg wünschen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Pauline B amberg e r : Bon Herrn Karl Salzmann, VII., Schottenfeldgasse 76, K 4.—; Ignaz Adler, II.. Asperngasse 3, K 5.—; Berthold Unger, V. , Margarethengürtel 8, K 4.—; Leopold Hutter, k. k. Commercialrath, I., Habsburgergasse 8, K 10.—; Alfred Bamberger, VI. . Mariahilferstraße 89, X 5.—; S. Heit, L, Rudolfsplatz 10, K 5.—; Dr. Ladislaus Szivessy, Szegedin, K 10. —; Wilhelm Ungar, VI., Stumpergasse 49, K 3.—. Zusammen K 46.—. E. B. Wien. (Zur Ausstellung des Vereines „Fraucnhort".) Der „Frauen h o rt", Wohlthätigkeitsverein für den IX. Bezirk, veranstaltete Samstag den 16. d. M. im Saale des Israelitischen Handwerkervereines, Grünethorgasse Nr. 26, eine Ausstellung seiner diesjährigen Kinderbekleidung, zu welcher die Gönner und Mitglieder des Vereines, behufs Besichtigung, eingeladen waren. Letztere hatten sich auch recht zahlreich eingefunden, und sie durften es nicht bereuen, denn es war eine rechte Augenweide, die ihnen geboten wurde. Die Vorstandsdamen, die Präsidentin Frau Gemeinderath Donat Ziffer er, die Vice-Präsidentinnen Frauen Regine Kopstein und Johanna Fröhlich, -die Schriftführerin Frau Clotilde Benedict und die Cassierin Frau Regine Bettelheim an der Spitze, machten in liebenswürdiger Weise die Honneurs. Mit pikanter Coquetterie waren die Gaben und Spenden geordnet, gesichtet und eingetheilt. Trotz der beschränkten Mittel konnten durch weise Umsicht und Ausnützung mehr als 200 Betheilungen vorgenommen werden, bestehend aus warmen Oberkleidern und Wäsche, welchen, um die Freude der beschenkten Kinder voll zu machen, ein Schüsselchen von Leckerbissen, bestchend aus etwas Obst und Kuchen, beigegeben war. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Herzen der beschenkten Kinder beim Anblick all dieser Herrlichkeiten hoch geschlagen haben mögen, wie die Eltern dieser Kinder ihrem Danke in Segenssprüchen zum Ausdrucke gebracht haben werden für alle Diejenigen, die mit Rath und That zu dem Liebeswerke beitrugen. Die Exposition war zahlreich besucht. Wir erwähnen unter vielen Anderen nur die Herren Gvttlieb Bettelheiw, Präses des israelitischen Tempels im IX. Bezirke, Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus, Oberingenieur Arthur Edlen von Mises und k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny in Vertretung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, viele hervorragende Industrielle, weiters die Damen Frau Georg M a u t ner von Markhof, Frau Dr. Mekler und Frau Rosa von G u t m a n n - K l e i n, die Vorstandsmitglieder der bedeutendsten Fraueu-Wohlthätigkeitsvereine Wiens und zahlreiche Gönner und Freunde des Vereines. Wir wünschen diesem so segensreich wirkenden Vereine auch fortan eiu, Gelingen seiner lediglich im Interesse der Armen und Unglücklichen eingeleiteten Humanitären Actioneu. Dem Vorstande des Vereines „Frauenhort" gehören weiters noch an die Damen: Frau Regierungsrath Fanny G i n t l, Frau Cäcilie B u n z l, Frau Philippine D a l m b e r t, Frau Sofie Deutsch, Frau Therese Geisenheimer, Frau Philippine Gelb Haus, Frau Jda Hiller, Frau Anna Hirsch, Frau Leonore K o h n, Frau Paula Landau, Frau Emma Pappenheim, Frau Emilie Quittner, Frau Jeanette Schefftel. Frau Antonie Schnepp, Frau Julia Stiaßny, Frau Martha Stiaßny, Frau Betty Ttzalb e r g und Frau Risa T h a l b e r g. Die Emigration aus Rumänien. Vielen dürfte noch der massenhafte Durchzug rumänischer Emigranten in Frankfurt in lebhafter Erinnerung sein. Ein großer Theil der rumänischen Judenschaft, aller Substistenzmittel beraubt, durch die Landesgesetze von jeder intensiven Betheiligung am socialen und gewerblichen Leben ausgeschlossen, griff zu den verzweifelten Mitteln einer Massenauswanderung. Gleich einer Sturmfluth ergoß sich der Strom der Emigranten, die von Hunger und Existenzsorgen getrieben waren, über Mittel- und Westeuropa, dessen größere Städte von den Flüchtigen belagert waren. Mit seltenem Opfermuthe wurden große Mittel aufgebracht, um den Emigranten nicht nur mit Rath, sondern auch materiell beizuspringen. Alle Mühe und alle Opfer waren jedoch vergeblich, insolange nicht eine Organisation geschaffen wurde, um den wilden Strom der Auswanderung in ein sicheres Bett zu leiten. Da waren es die vereinigten Hilfscomitös, an deren Spitze die Jewish Colonisation Association und die Alliance in Paris stehen, die den richtigen Weg einschlugen, um eine gedeihliche Lösung berbeizuführen. Die Jewish Colonisation Association entsandte ihren Vertreter Herrn Wolfgong Auerbach nach Rumänien; dieser setzte sich mit allen maßgebenden Persönlichkeiten in Verbindung und schuf nach den ihm gegebenen Weisungen eine vorzügliche Organisation. Dank dem unermüdlichen Eifer aller maßgebenden Factoren der Jewish Colonisation Association erhalten die Emigranten ohne Schwierigkeit die nöthigen Pässe und die sonst nicht leicht zu erlangende Erlaubniß, die ihnsn auf dem Wege liegenden Landes grenzen zu passiren. Um den Zug der Emigranten von den Bereinigten Staaten abzulenken, werden dieselben nach Argentinien gebracht und in der blühenden Colonie Möiseville angesiedelt. Vor einer Woche haben 41 Familien, bestehend aus 311 Köpfen, Rumänien verlassen und in circa drei Wochen werden dieselben argentinischen Boden betreten, wo sie voraussichtlich einer besseren Zukunft entgegengehen. Als die Emigranten den rumänischen Boden verließen, war König Carol gerade in Predeal; ob der König diese Landeskinder gerne scheiden sah, läßt sich nicht sagen; möge sie ein gütiges Geschick ihre ursprüngliche Heimat vergessen lassen, in der neuen Heimat, der sie zustreben, liegt ihr Schicksal in ihren eigenen Händen. An ihrem guten Willen. Fleiß und Thätigkeit wird es liegen, ob sie es zu einem gewissen Wohlstände bringen und den rumänischen Machtsactoren beweisen, daß dieselben nutzbringenden Bewohnern das Land unmöglich gemacht haben. Diese 41 Familien haben auf dem Lande gelebt und sich mit Landwirthschast befaßt. Ein Gelegenheitsgesetz, dessen Spitze nur gegen die Juden gerichtet war, hat sie von dort vertrieben. Nun ist es ihnen wieder vergönnt, zu ihrem alten Berufe zurückzukehren; in Ausübung desselben gibt es keinen unlauteren Wettbewerb und Jeder genießt die Früchte seiner Hände Arbeit. Wien. Im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" hielt am Mittwoch den 13. d. M. vor einem zahlreichen, aus Darüen und Herren bestehenden Auditorium Herr Rabbiner Dr. Lazarus aus Göding einen tiefdurchdachten und ebenso inhaltreichen als formvollendeten Vortrag über das „Humanitätsprincip in der socialen Gesetzgebung Israels", welches für unsere Zeit so actuelle und interessante Thema der gewandte Redner in gründlichster Weise, gleichwohl in leicht verständlicher Darstellung ausgeführt hat, indem er die einschlägigen Momente — das Armenwesen, die Agrargesetze, die Sclavenbehandlung, das Schuldner- und Gläubigerverhältniß — auf Grund der Bibel eingehend und in lichtvoller Klarheit darstellte, im Vergleiche zuden entsprechenden drakonischen Satzungen der Griechen und Römer — zugleich sich als bewährter Kenner der bezüglichen Literatur, namentlich der modernen Gesetzgebung einführend und zum Schluffe in einer schwungvollen Apostrophe die düsteren und tristen Verhältnisse der Gegenwart schildernd, zur Förderung der palästinensischen Colonisationsbestrebungen, der landtmrthschaftlichen Cultnr und politischen Organisation behufs thunlicher Lösung der socialen Frage und möglichster Ausgleichung der gesellschaftlichen Gegensätze energisch und überzeugend ermahnte und ermunterte. Der Vorsitzende Herr Dr. Richard Rappaport sprach dem Vortragenden im Namen aller Anwesenden, die lebhaft applaudirten, den besten Dank aus für die so belehrenden Ausführungen, die wohl zur Discussion sich geeignet hätten, doch wegen vorgerückter Stunde mußte man davon diesmal absehen. — n. Baden b. W. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Am 13. d. M starb hier Herr Moritz L evi, k. u. k. Oberlieutenant i. R. und Repräsentant der R o s s i tz e r Bergbau-Gesellschaft. Derselbe verlebte die letzten Jahre in seiner Villa, still und zurückgezogen, da er von schweren Leiden heimgesucht war, er war jedoch eine in den weitesten Kreisen der Finanz- und Kunstwelt bekannte und sehr beliebte Persönlichkeit. Einer spaniolischen Familie in Temesvar entstammend, war er, als Sohn frommer Eltern, seinem Judenthume, trotz der höchsten Verbindungen, deren er sich erfreute, treu und anhänglich. Er hat sich auch ob seiner Wohlthätigkeit und Herzensgüte großer Beliebtheit erfreut und war dabei von einer besonderen Bescheidenheit, der er auch in seinem Testamente dadurch Ausdruck gab, daß er sich in früher Morgenstunde beerdigt wünschte, ohne Angabe der Stunde seines Leichenbegängnisses und sich Blumen und Kränze verbot. Trotzdem fand sich, wohl nur ein kleiner, aber gewählter Kreis von Heidtragen- I