Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Date
- 1901-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. Kl Dr. Bloches Wochsnj'chrift. Seite 775 Spanien war einst ein Reich, in dem die Sonne nicht untergegangen ist; durch die Vertreibung der Juden, als Ausfluß einer specifischen Intoleranz, ist dieses große Reich von Stufe zu Stufe geglitten, hat alleseine überseeischen Besitzungen eingebüßt, ist nun in seinem Mutterlande verarmt und zum Kleinstaate herabgesunken. Die Moral aus dieser Affaire zu ziehen, sollte kein Staatsgebilde «nterlassen, das Anspruch macht auf eine Zukunft und seiner Stimme im Concerte der civilisirten Machte Gehör zu verschaffen, eine Großmacht nicht nur den Namen sondern auch der Wirklichkeit nach zu sein. Ed. Beer. Correspondenzen. Aus der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 17. November 1901 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Aus den Einläufen wird zur Kenntniß gebracht au Spenden: Von Frau Julie Breisach namens der Testamenls- Executoren nach Alfred Biedermann: Für das israelitische Taubstnmmen-Jnstitut . . . K 400.— Für den Theresien-Kreuzer-Verein.. 400.— Für das israelitische Blinden-Jnstitut.„ 400.— Für die israelitische Kinderbewahr-Anstalt ... „ 40o.— Für den israelitischen Waisen-Verein.„ 400.— Für den Verein zur Errichtung von Volksküchen (nach israel. Ritus) . . ... 400.— Für den Mädchen-Unterstützungs-Verein .... „ 200.— Für das israelitische Altereversorgungshaus... „ 200.— Von Herrn Isidor Steiner, für Arme ... „ 6.— Unter „Eine Dame für einen a men Studenten der Medicin". „ 5.— Sammelspenden im Bethause Innere Stadt für die israelitischen Armen der öster.-ungar. Gemeinde in Jerusalem . . . . ,.. 61.73 Von Herrn Bernhard Böhm, Legat für Arme . * 2000.— Von den Erben nach Herrn Naftali Böhm, für Arme 2000.— beide Beträge zu Händen des Präsidenten der Cultusgemeinde, welcher dieselben mit Zustimmung des Testaments Execntors dem überaus in Anspruch genommenen Fonde für Armenbetheilung zuzuwenden verfügt hat. Bon Herrn Rudolf A u s p i tz, für die Ausspeisung armer Schulkinder .K 200.— Von Herrn Adolf Löwy, für Arme.. 50.— Von Frau Bertha Fröhlich, Spende für das israelitische Siechenhaus .„ 50.— Den Spendern wird der Dank voiirt. Weiters wird ein besonders warm gehaltenes Dankschreiben des Herrn Adolf Ritter von S o n n e n t h a l für das ihm aus Anlaß seines 50jährigen Schauspieler-Jubiläums übermittelte Glückwunschschreiben des Vorstandes zur Verlesung gebracht/ Der Beginn der Sitzung war der Berathung und Erledigung von Steuerangelegenheiten und Personalien 'gewidmet. Des Weiteren wurde die mit Rücksicht auf die von 24 auf 36 erhöhte Anzahl der Vorstandsmitglieder nothwendig gewordene Aenderung im Normale für die Haskarah in der Richtung beschlossen, daß nunmehr für die Aufnahme von um das Judenthum und speciell um die Wiener Cultusgemeinde verdienter Männer in das Maskir-Gebet eine qualificirte Majorität im Sinne des § 17 des Statutes der Cultusgemeinde erforderlich sei. Von Stiftungen kamen zur Verleihung: Die Max Marmarosch-Stiftung für Handelsakademiker mit zwei Plätzen im Betrage von je 340 Kronen; die Ignaz Theumann'sche Heiratsausstattungs-Stiftuug mit einem Platze im Betrage von 2000 Kronen; die Siegmund und Regine Kauders-Heirats-Ausstattungs- Stiftung mit einem Platze im Betrage von 240 Kronen. Ueber Antrag des Referenten Herrn Vicepräsidenten Dr. Kohn wird beschlossen, dem „Vereine zur Erziehung jüdischer Waisen in Jerusalem" den im Jahre 1898 bewilligten Beitrag zum Baufond der unter dem Schutze der k. u. k. österreichischen Regierung stehenden Simon Edler von Lämmel-Schule in Jerusalem per 1000 Francs ausznbezahlen. Des Ferneren wird über Antrag des Vertreter-Collegiums (Referent Herr Bice-Präsident Dr. Kohn) für verschiedene Unterrichtszwecke der Cultusgemeinde aus der Reserve ein Credit im Betrag? von 2950 Kronen bewilligt und dem vom Obmanne der Spitalscommission Herrn Wilhelm K u f f n e r namens dieser Commission gestellten Anträge, für Wäsche-Anschaffungen im Spitale der Cultusgemeinde einen Betrag b's 7000 Kronen zu votiren, zugestimmt. Ein von Herrn Dr. Steiner namens des Vertreter- Collegiums erstatteter Bericht schildert die außerordentlich ersprießliche Thäkigkeit des „Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen" und weist auf die diesem Verbände in .zu geringem Ausmaße zu Gebote stehenden Mittel hin, so zwar, daß diese Vereinigung trotz des Beitrages des Cultusvorstandes und der von den einzelnen Vereinen geleisteten Zuschüsse mit einem namhaften Deficite zu kämpfen habe. Sohin genehmigt der Vorstand zur tbeilweisen Deckung dieses Erfordernisses den aus der S. H. G o l d s ch m i d r'schen Verlasseilschast noch verfügbaren Betrag von 2500 Kronen. Wien. (E i n N a ch r u f für D r. E m a n u e l Blum.) Während der dieswöchentlichen Predigt im Tempel der Leopoldstadt bat der greise, allverehrte Rabbiner Herr Dr. Schmied! nach einer herrlichen Rede über den Wochenabschnitt im Hinblick auf die gegenwärtige politische und sociale Situation zum Schluffe dem unvergeßlichen Med. Dr. Emanuel B l u m Worte der Ehrung gewidmet. Seit nahe 14 Tagen — sagte er — wölbt sich ein Grabhügel über eines der edelsten Mitglieder unserer Gemeinde, Herrn Dr. Emanuel B l u m, der frühzeitig von uns geschieden. In sein offenes Grab fielen so heiße Thränen nieder! Warum sollte nian n'cht auch an dieser heiligen Stätte seinen Namen ehren und ihm nicht einen wehmuthsvollen Scheidegruß nachsenden? Eme alte Ueberlieferung erzählt, daß im alten Hriligthume vor der M e n o r a ein Marmorstein mit 3 Stufen sich befand. Solche 3 S ufin sind es, die der Verewigte thatsächlich erstiegen hatte. Er war ein ausgezeichneter Arzt, der seinen Beruf als ein Heiligthum betrachtete, dem er Tag und Nacht mit Hingebung, ja mit Aufopferung seiner Gesundheit seine Kräfte weihte; er war aber zugleich ein ausgezeichneter Mensch von edelstem und feinfühligstem Herzen, so daß er mit größter Uneigennützigkeit seine große Kunst be!ri-b. Der ärmste Kranke fand an ihm einen nimmer ruhenden Arzt, ebenso wie der reichste und vornehmste. Wie rührend war seine Liebe und Dankbarkeit gegen seine armen, alten Eltern, di? er aus Händen trug und über alle Sorgen des Lebens hinweghvb. Und wie er ausgezeichneter Arzt und Mensch war, so war er auch Jude im edelsten Wortsinne, der mit der ganzen Wärme seines Herzens an dem väterlichen Glauben hing. So hat sich der früh Heimgegangene thatsächlich eine Gedächtnißlampe gespendet, die nie in unserer Mitte verlöschen wird. Am Rande seines Grabes wird die Blume Vergißmeiunicht stets fortwachseu; wir werden seiner in unvergänglicher Liebe und Trene gedenken, und wenn wir den Namen Dr. Emanuel Blum aussprecheu, werden wir stets das treue Wort hinzusügen: „Seher Zadik üwrocho!“ Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chcwra-Kadischa" in Wien, l. Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Motto: „Blumengewinde und Kränze, sie welken spurlos dahin, Gottgefällige Werke sichern jedoch ein ehrendes dauerndes Andenken." Der Vorstand der altehrwürdigen „Chewra-Kadischa" in Wien, I. Seitenstetteugaffe 4 hat im Interesse der vielen bedürftigen Glaubensgenossen, welchen sie mit Medicameuten, Bandagen, Cmbeiträgen und sonstigen Unterstützungen nach Maßgabe ihrer Mittel aushilft, eine Einrichtung getroffen, welche sich schon lange in Budap.st, Prag und anderen Städten segeusvoll eingelebt hat. Der erwähnte Wohlthätigkeilsverein schickt in jedes Trauerhaus ein Buch, worin sowohl die Trauerfamilienmitglieder, als auch deren Freunde Geldspenden anstatt Kränzen einzeichnen können, welche Beträge später bei jedem Einzelnen eiucassirt werden. Wenn berücksichtigt wird, daß Blumenspenden gegen die herkömmliche jüdische Sitte verstoßen, daß sogar Angehörige anderer Confessioneu in ihren Traueranzeigen öfters bemerken: „Kranzspenden werden im Sinne des Verblichenen dankend abgelehnt", wenn ferner bedauerlicherweise constatirt werden muß, daß die Mittel der „Chewra-Kadischa" viel zu ungenügend find,