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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-14 · 46 (14.11.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
46 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Bloch's Wochonschrifi. Seite 763 sind namhafte Kenntnisse aufzuweisen, schwierige Stellen aus Pentateuch und Propheten werden mit Verständniß übersetzt, Fragen aus der jüdischen Geschichte im hebräischen Idiom beantwortet. Außer den obgenannten Herren bekunden auch andere Personen Interesse für die Anstalt, wie z. 33. Cultusvorsteher Salomon Buber, Dr. Salomon Bund, Rabbiner Director Doctor Guttmann. Möge diese wichtige Anstalt in den Kreisen unserer bemittelten Stammesgenossen reichliche Förderung finden, auf daß die Heranwachsende Jugend in echt jüdischem Sinne erzogen werde. Als im vorigen Jahre nach langem Bitten und Harren der Jugendgottesdienst für die Mittelschüler eingeführt wurde, gaben wir uns der angenehmen Erwartung hin, daß auf diesem Wege die indifferente Schuljugend zur Bethätigung jüdisch-religiöser Gesinnung angespornt werden würde. Leider scheint der Eifer für die gute Sache wieder erkaltet zu sein, da im heurigen Schuljahre diese Andachten nicht mehr stattfinden. Wir zweifeln jedoch nicht, daß die Seelsorge und die neugewählte Synagogen-Berwaltung die Wichtigkeit dieser Institution im Auge behalten und an die Wiedereinführung des Jugendgottesdienstes schreiten werden. Angesichts der geringen Zahl von geeigneten Exhortanten dürfte es jedoch genügen, diese Andachten ein- bis zweimal monatlich abzuhalten. Soll jedoch das Resultat ein ganzes sein, so müßte, zwecks pünktlicher Theilnahme der Schüler, die officielle Oberaufsicht der Schulbehörde erbeten werden. Der am 31. v. M. anläßlich der Recrutenbeeidigung in der fortschrittlichen Synagoge stattgefundene Militärgottesdienst gestaltete sich diesmal überaus feierlich, indem zufolge Stationscommandobefehls die Mannschaft des 30. Infanterie-Regiments von der Regimentsmusik begleitet wurde und letztere im Gotteshause die Volkshymne executirte. Dieser Fall dürfte sich in der ganzen Monarchie das erstemal ereignet haben. Auch wurden diesmal sämmtliche Abtheilungen von Officieren befehligt. Den letzteren wurde die Vorsteherloge eingeräumt, die Mannschaft fühlte alle Räume, die Tempelverwaltung repräsentirte Herr Ephraim Appel. Nachdem Obercantor Holpern das Minchagebet stimmungsvoll zum Vortrag gebracht und der Chor einen Abschnitt aus Halle! abgesungen hat, hielt Rabbiner Dr. Caro eine an den Wochenabschnitt angelehnte, die Wichtigkeit des Tages in treffenden Worten zeichnende Predigt. Es folgten Aushebung der Gesetzesrollen, Kaisergebet und Hymne, und zum Schlüsse der vom Rabbiner gesprochene biblische Segensspruch. Hierauf raillirten sich die Truppen vor dem Tempel und rückten unter klingendem Spiele in die Ubicationen ein. Die seltene Feier hatte in dem durchwegs von Juden bewohnten Stadttheile großes Aufsehen erregt, Hunderte umstanden das Gitter der Synagoge. Das November-Avancement hat auch zahlreichen Officieren jüdischen Glaubens die Beförderung gebracht, u. A. wurden die Hauptleute Herschkowitz, Mandl und Rosenberg zu Majoren, Officiersstellvertreter Salomon Bodek zum Lieutenant ernannt. Tropstau. Am 29. October hielt Herr Dr. Bergmann, Rabbiner in Friedeck, im hiesigen „Jüdisch-literarischen Verein" einen Vortrag über: „Unsere Propheten." Die zahlreich erschienenen Zuhörer, Damen und Herren, folgten den trefflichen Ausführungen des begabten Redners, der durch die vollständige Beherrschung des Stoffes, sowie durch schöne gewählte und fließende Sprache das spannende Thema sehr belehrend und fesselnd wiederzugeben verstand, mit großem Interesse und dankten dem vortrefflichen Redner zum Schluffe des Vortrages durch stürmischen lang anhaltenden Beifall. Es wurde der allgemeine Wunsch laut, diesen tüchtigen, überzeugenden Redner recht bald in unserer Mitte wieder begrüßen zu können. Derartige interessante und belehrende Vorträge sind in der That in unserer gegenwärtigen Zeit von großem Werth, und dem „Jüdisch-literarischen Verein", der in letzter Zeit um das jüdische Leben in unserer Gemeinde sich besonders verdient gemacht, gebührt volle Anerkennung. Pilsen, 10. November 1901. Bezugnehmend auf den Artikel in Ihrem werthen Blatte vom 25. October, aus Krakau datirt, erlaube ich mir, Ihnen noch Folgendes mitzutheilen, um deren Aufnahme ich in Ihrem sehr geschätzten Blatte bitte: „In Ihrem sehr geschätzten Blatte sind einige Orte Galiziens angeführt, wo die Netzarbeit eingerichtet wurde; außerdem wurde die Arbeit noch in den Orten: Sniatyn, Horodenka, Usciecka, Kossow, Jablonow und Zablotow von mir zur vollsten Zufriedenheit eingeführt, so daß im Ganzen 15 Orte mit dem Artikel eingerichtet wurden. Es arbeiten heute in den betreffenden Orten weit über 1000 Arbeiter und kommen täglich mehr hinzu, so daß in einem Jahre die Arbeiterzahl das Vierfache überschreiten kann, und es bleibt nur noch zu wünschen übrig, daß die Unternehmung etwas mehr von Seite der galizischen Bevölkerung unterstützt werde, dann kann man auf eine gesunde und gute Hausindustrie in Galizien rechnen. Nächstens werde ich Ihnen noch andere Details über den Hilfsverein mittheilen. Schliehlich erlaube ich mir, Ihnen mitzutheilen, daß die Einführung der Hausindustrie dreieinhalb Monate in Anspruch genommen hat". Hochachtungsvoll Marcus Läwidt. Reichenberg. Unter äußerst schwacher Betheiligung fand die Generalversammlung der Chewra-Kadischa statt. Die einzelnen Berichte wurden mit großer Befriedigung ausgenommen, besonders der unserer neugeschaffenen Institution der Krankenpflege, welche sich großartig bewährt. Die Neuwahl ergab die Wiederwahl sämmtlicher bisherigen Functionäre mit Ausnahme des Herrn Emil Deutsch, der eine Wiederwahl ablehnte. An deffen Stelle ist Herr Gerson Schnürmacher getreten. Ueber Antrag unseres verehrten Rabbiners Herrn Dr. Hofmann wurde beschlossen, heuer eine Chewra-Sude abzuhalten. Die letzte Sude hat hier vor 36 Jahren stattgefunden. — Ihre Leser wird es intereffiren, daß auch hier sich eine Ortsgruppe des Hilfsvereines zur Unterstützung armer galizischer Juden gebildet hat und gehören dem provisorischen Ausschüsse folgende Herren an: Rabbiner Dr. Emil Hofmann, Cultusvorsteher I. U. Dr. Wilh. Schnürmacher, Ludwig Edelstein, Carl Neumann (in Firma S. S. Neumann), Sigmund Wetter und Adolf Haag. Die hiesige Judenschaft bringt dem neuen Vereine viele Sympathien entgegen. — e— Bischofleinitz. Sehr geehrter Herr Redacteur! Zur Jllustrirnng des unglaublichen Elends der Cultusbeamten Böhmens bitte ich Sie, sehr geehrter Herr Redacteur, folgenden drastischen F^ll in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen und verbürge ich mich mit meinem Ehrenworte, daß ich denselben wahrheitsgemäß berichte. In der Nachbargemeinde R. wurde dem seit neun Jahren zur Zufriedenheit wirkenden Rabbiner aus dem Grunde gekündigt, weil derselbe, im Sinne des Heimatsgesetzes, nach einem Jahre die Zuständigkeit in R erlangt hätte, gegen welche sich aber die Cultusgemeinve sträubte, weil der Rabbiner, der in Galizien heimatberechtigt ist. eine zahlreiche Familie hat. Damit also der Rabbiner die Zuständigkeit in R. nicht erlangt, wurde demselben formell gekündigt und aufgetragen, nach dem nahen Dorfe Metzling auf einige Zeit zu übersiedeln, damit der Aufenthalt in Metzling als eine Unterbrechung betrachtet und sein Anspruch auf die Zuständigkeit in R. dadurch illusorisch werde. Indem ich Ihnen, geehrter Herr Redacteur, für die Veröffentlichung dieser Zeilen im Vorhinein bestens danke, zeichne ich mi vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Moriz Büßgang, Rabbiner^ Zur Schüchtsrage. Aus K a s s e l, 28. October wird gemeldet: Die infolge einer Anregung des Berliner Thierschutzvereines, welcher eine Petition an den Reichstag betreibt, hier abgehaltene Generalversammlung des Thierärztevereines von Hessen war bei der Berathung über ein allgemeines Schächtverbot getheilter Meinung. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, worin eine bestimmte Stellungnahme abgelehnt wurde und wonach den einzelnen Mitgliedern die Wahrung ihres Standpunktes überlaffen bleiben soll. Eine Enqutzte über die Zahl der jüdischen Schöffe» und Geschworenen im Deutschen Reiche wird von jüdischer Seite angeregt. Es soll durch Umfrage festgestellt werden, ob Juden in der betreffenden Gegend zu den genannten Ehrenämtern herangezogen werden nnd ob sich die Praxis in dieser Hinsicht in letzter Zeit zu Gunsten oder zu Ungunsten der Juden geändert hat. Das gesammte Material soll dann gesichtet und eventuell schon bei den nächsten Justizetatsberathungen in den Einzellandtagen zur Sprache gebracht werden. Eydtkuhnen. An den Rabbiner Dr. Königsberger in Pleschen hat der kgl. Forstmeister von Saint-Paul in Raffawen auf eine Anfrage wegen der Zustände in der Bevölkerung Wystitens ein (vom 12. October datirtes) Schreiben gerichtet, welchem wir folgende Ausführungen im Hinblick auf eine Notiz unter Ey dt kühnen, 29. September (Nr. 230 des „Geselligen") entnehmen: Bon den in Mystiken abgebrannten 136 Familien sind zwei Drittel Juden und ein Drittel Christen, Katholiken und Protestanten. Ich habe die von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige für die vom Unglück heimgesuchten Bewohner Wystitens bestimmten Liebesgaben angekauft und vertheitt. .Ich habe

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