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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-14 · 46 (14.11.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
46 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 46 Seite 761 Dr. Bloch's Wochenschrift. wenn ihm Kindersegen zu Theil geworden wäre. Bei dem hohen Werthe, den leibliche Nachkommen bei den Juden hatten, ist die Nichterwähnung derselben ein indirectes Zeugniß für das Nichtvorhandensein derselben. Der Mangel an Kindern könnte aber als eine Entziehung der göttlichen Gunst angesehen und hingestellt werden. Diesen Umstand ließen sich seine Widersacher gewiß nicht entgehen und versuchten die nicht sehr imponirenden Resultate seiner Bemühungen darauf zurückzusühren, daß Gott mit ihm nicht sei und seine Pläne nicht billige. Auch das Fehlen jedweden göttlichen Eingreifens in die Angelegenheit seines Volkes mußte sehr unliebsam auffallen. Denn Alles, was geschieht, geht natürlich vor sich, wird nach dem Plane von Menschen berechnet und durchgeführt. Kein göttliches Zeichen wird gesehen, kein Wunder will sich einstellen, wozu doch die Noth der Zeit genug Beranlaffung gab. Nur weil die führenden Personen, so müßte man glauben, übernatürlicher Einwirkungen nicht würdig sind, deshalb bleiben dieselben aus. Der Unwille der Priester und der Wunder erwartenden Aristokraten finden ihren Ausdruck in einem Psalm aus jener Zeit. ,,Wenn Gott das Haus nicht bauet, da bemühen sich umsonst die Erbauer. Wenn Gott die Stadt nicht hütet, da wacht umsonst der Wächter. Vergeblich standet ihr früh auf, umsonst verweiltet ihr spät bei der Arbeit, umsonst asset ihr das Brot der Mühseligen. Solches verleiht er (Gott) seinem Freunde im Schlafe. Auch sind doch Kinder Gottes Erbtheil, der Lohn, die Frucht des Leibes. Wie die Pfeile in der Hand des Helden, so sind die jugendlichen Söhne. Heil dem Manne, der mit ihnen seinen Köcher füllet. Nicht braucht man zu erröthen, denn sie werden im Thore die Feinde herausforderu". (Psalm 127.) Indessen setzte Nehemias seine Pläne fort, indem er seinem Grundsätze gemäß das Gesetz in allen seinen Theilen wiederherzustellen suchte. Da sein Bestreben dahin ging, den alten Staat so gut als möglich zu restauriren, so hielt er es für nothwendig, alle alten Institutionen wieder ins Leben zu rufen, ohne zu fragen, ob auch die Grundlage des neuen Gemeinwesens mit der des untergegangenen Reiches eine gleichartige sei. So veranlaßte er die Judäer, alle alten Abgaben an die Priester, die Leviten und den Tempel zu entrichten. „Wir legten uns Gebote auf", sagt er selber, „einen dritten Schekel jährlich für den Dienst unseres Gotteshauses zu geben" re. (Nehemias 10, 33 ff.) Diese Steuerbemessung differirt in manchen Punkten von der, die im Pentateuch angegeben ist, woraus manches moderne Bibelforscher dir sonderbarsten Schlüsse zogen. Das Auffallende und Befremdende verschwindet aber, wenn man die halachischen und traditionellen Momente dieses Vorgehens in Erwägung zieht, ohne welche derartige Materien überhaupt nicht behandelt werden können. Die Basis dieser Abgaben war nämlich eine andere, als die im alten Staate. Im letzteren waren sie eine göttliche Grundbedingung für den Bestand des Landes. „Wenn ihr in. meinen Geboten wandeln werdet", spricht Gott, „so werdet ihr sicher in eurem Lande weilen. Wenn ihr aber mir nicht gehorchen werdet, so werde ich euch zerstreuen unter die Völker und das Land wird verlaffen werden". (Leviticus C. 26, S. 3—43.) Die Gesetze bestanden aus zwei Kategorien: aus solchen, die vom palästinensischen Boden abhängig waren, und solchen, die von diesem nicht abhingen. Und der halachische Grundsatz lautet: „Jedes Gebot, das nicht vom Lande abhängt, gilt im Lande und im Auslande, dasjenige, das vom Lande abhängt, gilt nur im Lande, prai p82 rum' p*a mbn nr8u msa bz p8s runia nra p82 rvfcn k\to bs\ p*6 (Kidduschin C. 1, Mischna 9). Die Abgaben gehörten zu den Gesetzen, die vom Boden abhingen, nud als dieselben nicht entrichtet wurden, ist die Strafe in Erfüllung gegangen, wie es im Midrasch Rabba Ruth C. 4 ausdrücklich heißt: „Denn es sagt R. Berachja, im Namen des R. Kerizpah, wegen der Sünden der Gaben und Zehnten sind sie ins Eril geführt worden". ottn rro-a/t -iötn ♦ibj nnwbi mann pm naatnp Sind sie aber bestrast worden, so hörte für alle späteren Zeiten die Verpflichtung auf, diese Abgaben wieder zu entrichten. Es müßte dann von Seiten Gottes und der Israeliten ein neuer Vertrag, basirend auf denselben Bedingungen, geschlossen werden, weshalb R. Simon Bar Abba im Namen von R. Jochanan auch behauptet, daß sie durch die Exilirung von der Steuerleistung dispensirt wurden. "Q pya® nafta p*D tök pm' “I o®a 828 (Ibidem). Nur wenn die Israeliten freiwillig sich entschließen sollten, die Abgaben zu leisten, dann könnte die Einrichtung wieder eingeführt werden. Dieses ist auch nach der Ansicht R. Eliesers in jener Zeit unter Nehemias geschehen. „Aus freien Stücken nahmen sie es auf sich, die Zehent zu geben". lbsp pbaa nipHn -i töh (Jerusalemischer Talmud Kidduschin C. 1, Hal. 9) irnwarr riK Zwar muthmaßt Kosters mit Recht, daß die im Lande zurückgebliebenen Juden den alten Cultus ausgeübt haben. Allein dieses dürfte nur sporadisch der Fall gewesen sein und dürfte nur von einem sehr kleinen Theil der jüdischen Landesbewohner gelten, welche dieses gedankenlos thaten. *) Nehemias hat aber alle seine Volksgenoffen veranlaßt, aus eigenem Antriebe die alten Institutionen wieder^ zu begründen und einen Vertrag zu restituiren, der von Seite des einen Contrahenten, nämlich Gottes, aufgelöst wurde. Er erwartete die Zustimmung des Himmels zu dieser Entschließung, welche nach der Meinung der Judäer auch stillschweigend erfolgte. Denn R. Tanchuma berichtet im Namen der Rabbinen: Drei Dinge, decretirte der irdische Gerichtshof und fand nachträglich die Zustimmung des himmlischen Gerichtshofes, und zwar: daß man mit dem unaussprechbaren Namen begrüßen soll, daß man die Rolle Esther niederschreiben und daß man die Zehnte wieder entrichten soll", nn anm : -iö8 pm Qua 82in:n *n bwvb p iSki r6ra bv p rra ana? waam naa bv p rva nrwjyai *wdk a®a mb® (Midrasch Rabba ibidem) Es war diese That ein Ausfluß der Geistesrichtung Nehemias', welcher in der Ausübung der Gesetze das Heil des Einzelnen, wie der Gesammmtheit erblickte. Er scheint trotz seiner Gesetzesliebe nicht sehr gesetzeskundig gewesen zu sein. Um aber seiner Ueberzeugung zu entsprechen, plaidirte er bei der Steuerentrichtung lieber für ein Mehr als ein Weniger. Die Abweichungen zwischen den Abgaben des Nehemias und denen der Thora bestehen in Erschwerungen von Seiten des Ersteren, auch kommen ganz neue Steuern, wie die Holzsteuer, dje Erstlinge von jeder Fruchtart rc. hinzu. Eine alte Ueberlieferung berichtet über die Einführung der Holzsteuer wie folgt : Als die Exilirten zurückgekehrt waren, so fanden sie in der Lischcha (Behälter) kein Holz vor, da spendeten sie dasselbe aus ihrem Eigenen. Die Propheten, die unter ihnen waren, machten es aber ihnen zur unerläßlichen Pflicht, daß fürder dieselben die Holzspende entrichten sollen, selbst wenn die Lischcha voller Hölzer wäre". v?jre» mi -pi arwa m-unm iba na? natsba 2-22 182a xb rtburt ♦pbwa paiana ib8 rrr B"a» H8ba re®b ib’28® awaw anraan (Taanith 28a) Das, was früher eine einmalige oder mehrmalige freiwillige Leistung war, wurde dazu benützt, daraus eine dauernde Institution zu machen. Wie mit der Holzspende, so verhielt es sich auch mit den anderen Abgaben. Denn obwohl die Judäer das Heimatland verlaffen hatten und in der Fremde durch den aufgelösten Vertrag von jeder alten Steuerleistung befreit waren, so mag es vorgekommen sein, daß Manche selbst in Babylonien und Persien aus Gewohnheit, aus Verwandtschafts- und anderen Rücksichten den mit ihnen mitgezogenen Priestern und Leviten manche Unterstützung in der Form von Heben zu Theil werden ließen. Und als sie ins Land zurückkehrten, hat sich dieser Brauch nicht nur erhalten, sondern, da die ehemaligen Diener des Altars keinen Grundbesitz besaßen, noch an Umfang gewonnen. Wenn auch für den reichen Judäer keine gesetzliche Pflicht vorhanden war, die Aharoniden und die Leviten zu erhalten, so zwang ihn die sociale Nothwendigkeit dazu. Wohl haben viele Priester und Leviten, wie es scheint, in Ermanglung anderer Subsistenzmittel zum Pfluge gegriffen, allein sie scheinen die Agricultur nicht in umfangreicher und genügender Weise betrieben zu haben und waren auf die Unterstützung der begüterten Bolksgenoffen angewiesen, die sie ihnen, wenn auch nicht in umfangreichem Maße, nicht vorenthielten. Als ein Beweis dieser Annahme kann eine, später noch *)-Kosters schreibt: „Ist es wahrscheinlich, daß der Opferdienst seit der Zerstörung des Tempels vollkommen aufgehört habe, und daß erst zurückgekehrte "Gefangene ihn wiederhergestelll haben? So lange dürsten doch die in Palästina zurückgebliebenen Juden nicht gezögert haben, Jahwe Opfer zu bringen; der heilige Ort war ja geblieben und nicht alle Priester waren weggeführt. Nach der Eroberung Samarias haben selbst heidnische Colonisten sich gedrungen gefühlt, Jahwe, den Landesgott, opfernd zu verehren. (II. Kön. 17. 14—34 a 41.) Sollten denn die zurückgebliebenen Judäer den Opferdienst zur Ehre Jahwe's nicht vorläufig wiederhergestellt haben? Wahrscheinlich ist dies schon kurz nach der Zerstörung Jerusalems geschehen, und es wird schleunig wieder ein Altar auf den heiligen Ort aufgerichtet worden sein. Der Opferplatz, auf den Hagi. 2. 14 angespielt wird, braucht nicht der von Esra 3. 3 zu sein. (Het herstel van Israel deutsch übersetzt von A. Bosodan Seite 13.)

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