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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-14 · 46 (14.11.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
46 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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I Sette 760 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 46 letzthin in Jassy statt. Doch wurde er auf die Bitten und Vorstellungen Astruc's hin noch einmal beigelegt. „Die Zahl der in diesem Jahre erbauten Häuser", schreibt dieser Correspondent am 10. Juni von Jassy aus, „ist gerade fünf gewesen und dabei zählt man an diesem Orte mehr als 5000 jüdische Maurer und Zimmerleute. Das Gesetz scheint dazu da zu sein, um 1000 jüdische Arbeiter aus den Werkstätten und Fabriken zu vertreiben. Hunderte von jungen Mädchen fallen der Prostitution anheim, weil sie nicht Hungers sterben wmlen. Zahllose junge Männer sprechen davon, den Glauben ihrer Vorfahren zu verlassen, um sich eine Existenz gründen zu können." Ein Theil des jüdischen Proletariats wendet sich gegenwärtig dem Socialismus und selbst dem Anarchismus zu. Drumont selbst würde nicht wagen, sie deshalb zu tadeln.* **)) Besonders in Jassy und im Moldaubezirk gibt es viel socialistische Arbeiter. (Leonty Soloweitschik: „Ein verkanntes Proletariat.") Uehernms und seine social-politischen Kestrelmngen. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner in Wien. (Fortsetzung.) In der diesen Gegenstand behandelnden Mischnah wird dieses ausdrücklich hervorgehoben. „Zehn Familienarten", heißt es, „gelangten von Babel nach Judäa. Priester, Leviten, Israeliten, Entweihte, Proselyten, Freigelassene, Uneheliche, Tempelsclaven, Kinder unbekannter Väter, Findlinge rc. Israeliten, Leviten, Proselyten dürfen miteinander Ehebündnisse eingeben", 'pinw wo töö '“vnm Ta ’bbn 'binar "ib "ins b22ia iby D-cnr* ♦nn m sab pnia Ta "ib 'binar. 'Bidki Blos den Priestern war dieses nicht erlaubt. Die Bemerkung Gratz's: „Dieses Verbot (der Mischehen) bezieht sich indeß lediglich auf Moabiter und Amonniter. Esra wußte also dieses Vorgehen zu verallgemeinern" (G. d. I., 2. Bd., 2. Heft, S. 131) kann auch von Nehemias gelten.?*) Diese Maßnahme war ein das Gefüge des ganzen Gemeinwesens erschütterndes Ereigniß, denn die Familie, die Grundlage jeden Staatswesens war dadurch erschüttert. Einrichtungen, die seit Jahrzehnten bestanden, wurden zerstört, innige Bande zerrissen. Der Mann mußte sich von seiner Lebensgefährtin, der Sohn und die Tochter von dem Vater trennen. Diese Maßregel konnte nur mit dem Auswande aller Drohungen des Gesetzes durchgesührt werden, wobei die rücksichtsloseste Strenge angewendet werden mußte. Aber dieses Vorgehen, welches die größten Opfer deS Herzens seitens der Betroffenen erheischte, fand nicht nur keine allgemeine Zustimmung, sondern stieß in maßgebenden Kreisen auf offenen Widerspruch, der sich nur gegenüber der Gewalt des mächtigen Statthalters nicht hervorwagte. Die Priester, die Lehrer des Gesetzes, standen dem Vorgehen Nehemias'feindlich gegenüber und der Hohepriester *) Drumont ist fast der Einzige gewesen, der die Jüdin Goldmann, die angeblich Czolgosz inspirirt haben soll, vertheidigt hat. **) Die Reinheit und strenge Scheidung der Stammbäume wurde nur in Babylonien aufrechterhalten. In Judäa ist dieser Versuch mißlungen. So heißt es im Talmud. „Es spricht R. Elieser, Esra ging nicht von Babel fort, ehe er es so rein gemacht hat, wie feingesiebtes Mehl". (Kidduschin 71 a) Palästina hingegen wird als ein Land bezeichnet, wo eine gemischte jüdische Bevölkerung lebt. „Es spricht Rab. Jehuda im Namen Samuels: Alle Länder sind wie ein gemischter Brei gegenüber Palästina, Palästina aber ist wie ein gemischter Brei gegenüber Babel" (ibid) Selbst in späterer Zeit, in welcher eine größere Reinheit der Stammbäume in Judäa vorhanden war, konnte es sich mit Babylon nicht meffen Es heißt: „In den Tagen Rabbi's wollte man Babel dem Lande Israels nachstellen, da sprach er zu ihnen: Ihr wollet mir Dornen zwischen die Augen werfen. rtc'P bis nwpb itt>p2 '2N T2 ♦'3'r J'2 D'BTMa DDK D'Dp;nb “iöK brnw p«b (ibidem) Und sogar ein später lebender Referent sagt: „Beim Tempel! Wir haben (die Urkunden der Stammbaumvermischung) in Händen, aber was soll man thun, die Hervorragendsten der Jetztzeit sind nicht unangetastet" (ibidem). Man mußte deshalb über diesen Uebelstand ein Auge zudrücken, sich ins Unvermeidliche fügen, indem man den Grundsatz aufstellte: Man nimmt jede Familie fiir das, für was sie sich ausgibt, für das, was sie allgemein gilt. desavouirte dieselben direct bei sich darbietender Gelegenheit. Aber auch von prophetischer Seite scheint man dieselbe Mißbilligung erfahren zu haben. Im Buche Maleachi, welches Prophetien audieser Zeit enthält, äußert sich ein Seber auf die wiederholte Entfernung der fremden Frauen sich beziehend, wie folgt: „Dieses thut Ihr schon zum zweitenmale, mit Thränen bedecket Ihr den Altar des Ewigen, Weinen und Klagen werden vernommen, so daß er sich nicht wenden will zur Opfergabe und keine wohlgefällige Darbringung aus euerer Hand amckhmen will. Und Ihr fraget, warum? Weil Gott Zeuge war zwischen Dir und der Frau, Deiner Jugend, an welcher Du treulos handelst, sie ist doch Deine Gefährtin und das Weib Deines Bundes. Hat denn das nicht der Einzige eingerichtet, welcher der vielumfaffende Geist ist, und was wünscht der Einzige? Kinder Gottes. Darum nehmet Euch in Euerem Gemüthe in Acht und keiner handle treulos gegen das Weib seiner Jugend" (Maleachi 2. 13). Die Mißbilligung der gewaltsamen Frauenscheidung findet noch in späterer Zeit einen Widerhall. Denn ein talmudischer Lehrsatz lautet: „Wer sich von seiner Frau scheidet, über den vergießt der Altar heiße' Thränen, denn es steht geschrieben: Mit Thränen bedkcket Ihr den Altar des Ewigen, mit Weinen und Klagen. Denn Gott war Zeuge zwischen Dir und dem Weibe Deiner Jugend gegen das Du treulos bist", vm m nun bs .121 npiKi '22 n ri2Tö n« nwn 711221VMV 711PLN 1'bp TV N21V ib'BX Zu den Völkerschaften, mit denen man nach der Ansicht Nehemias' in keine eheliche Verbindung treten durfte, rechnete man auch die Samaritaner, welche die Bewohner des ehemaligen Landes Israel waren und die sich als die echten unverfälschten Nachkommen der israelitischen Urbewohner des nördlichen Reiches fühlten. (Siehe meine Schrift: Eine absterbende Rebe am Weinstocke Israels, S. 11—21.), was sie wirklich im Großen und Ganzen waren. Diese, schon früher dadurch verletzt, daß man ihnen die Theilnahme an dem Tempelbau in Jerusalem verweigerte, wurden aufs Aeußerste gereizt und verbittert, als man ihnen die Schmach und Kränkung zufügte, ihre an Juden rechtmäßig verheirateten Töchter als götzendienerische Fremde davonzujagen. Sie waren ja Anbeter desselben Gottes, den die Juden verehrten, beobachteten strengstens die Vorschriften der Thora, wenn auch ihre Religions- und Gesrtzesanschauungen in mancher Richtung von denen der Ersteren sich unterschieden, (ibidem S- 5—7.) Sie - suchten anfänglich soweit als möglich eine Annäherung zwischen sich und Tirschata herbeizuführen, trachteten mit allem Aufgebote ihrer Kraft den gewaltsam herbeigeführten Bruch unschädlich zu machen. Als aber Nehemias und sein Anhang nicht zu den geringsten Concessionen zu bewegen waren, so vereinigten sie sich mit den feindlichen, beleidigten Völkerschaften und Parteien in Judäa und suchten Nehemias' Pläne geheim und öffentlich zu vereiteln. Den geeigneten Vorwand bot ihnen die Lieblingsidee Tirschata's, eine nationale Repräsentanz in Palästina zu etabliren, zu welchem Ende er nicht blos Stadtmauern und eine Stadt ohne besondere Nothwendigkeit errichtete, sondern sich auch wahrscheinlich ein eigenes Haus, einen imposanten Palast erbaute, wozu er sich schon vor seiner Abreise aus Susa die Erlaubniß des Großkönigs erbat und erhielt.*) Denn wie eine Königsstadt ohne König nur Grund zu übler Nachrede gab, so mußte ein Fürstenpalast ohne Fürsten ein den Feinden willkommener Anlaß gewesen sein, Tirschata verrälherische Pläne zu insinuiren, welche in den Worten ihren Ausdruck fanden: „Unter den Völkern wird vernommen und Gaschmu sagt es, Du und die Judäer wollen sich empören, deshalb baust Du die Mauern, denn Du willst König werden." Sowie die Mauer, an der Nehemias mit seinen Leuten vom Aufgang des Morgenrothes bis zum Erscheinen der Abend st erne unermüdlich arbeiteten, gegenüber den Mauern des alten Jerusalem nur ein Zerrbild war, wie die neuerbaute Stadt gegenüber der Stadt, in der David gethront und in der Salamon seinen glänzenden Hof hielt, wie ein Zwerg zu einem Riesen sich verhielt, so konnte auch das erbaute Haus Tirschata's mit dem Palast jüdischer Könige keinen günstigen Vergleich aushalten. Es zog ihm. nur den Haß und den Spott der vereinigten Feinde zu. Nehemias ist damals höchstwahrscheinlich kinderlos gewesen. Dieses geht daraus hervor, daß er überall, wo er von der Mitarbeiterschaft und Mithilfe seiner nächsten Verwandten spricht, er von seinen Brüdern und Leuten, aber nicht von seinen Kindern redet, was er gewiß gethan hätte, *) In welchem Verhältnisse sein Haus zur Birah stand, ist nicht genau zu. fixiren.

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