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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-14 · 46 (14.11.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
46 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Blvrh^s Wochenschrift. Seite 759 bestimmt^ daß jede Naturalisation dem Senat und der Deputirtenkammer unterbreitet werden muß. .Auf diese Weise werden alle ihre Forderungen systematisch unbeachtet gelassen. In Rumänien kann kein Jude Rechtsanwalt (Verfügung vom Jahre 18h4), oder.Apotheker (18ö9), oder Eisenbahnbeamter (1871), oder Tabakshändler (1872) werden. Er darf sich nicht an der Bewerbnng um öffentliche Arbeiten betheiligen (1868). oder vom Staate verkaufte Ländereien erstehen (1869). Ein Gesetz vom Jahre 1881 untersagt jedem Fremden den Beruf als Handelsagenten. Am 15. März 1884 beraubte ein Gesetz, das den Hausirhandel untersagte, mit einem Schlage 20.000 Juden ihres Lebensunterhaltes. Ein Gesetz vom 12. März 1887 schloß die Juden von der Verwaltung der staatlichen Cigarreufabriken aus. Im Jahre 1893 verschloß eine Reihe von Gesetzen den Juden die öffentlichen Schulen Schließlich schrieb noch ein Gesetz jüngeren Datums vor, daß auf jedem Bauplatz, in jedem Bergwerk und in jeder Fabrik 75 Perceut der Arbeiter und Beamten rumänischer Nationalität fein müssen. - Dieses Gesetz ist gegen die jüdischen Arbeiter gerichtet. Alle diese..wirthschaftlichen, politischen und socialen Calamitäten hatten Tausende von Juden in solche Verzweiflung versetzt, daß im Monat April 1900' ein großer Auszug nach Deutschland, Holland und England vorbereitet wurde. Unterstützungen wurden von dem Central-Comite der ^.llianee I8rs.6lit6 vertheilt. Zu jener Zeit mußten ungefähr l<-0 0< 0 Personen unterstützt werden?) Die Emigranten wurden durch zionistische Agitatoren veranlaßt, sich nach Palästina zu wenden, doch die ottomanische Regierung untersagte ihnen den Zutritt zu diesem Lande. Die Emigranten wandten sich nun nach A n a t v l i e n, um sich hier dem Ackerbau zu widmen. Doch dies war ein beklagenswerther Schritt. Fieber, Hungersnrth und verschiedene Krankheiten decimirten die Ausgewanderten. Der Sultan selbst hatte Mitleid mit ihnen und tieß Lebensmittel unter sie vertheileu. Am 28. Mai 1900 schrieb A st r n e, der Leiter der Schule in Rustschuk, von Gal atz Folgendes: „Ich mache mir keine Illusionen über die Folgen einer wirthschaftlichen Krisis ohnegleichen, aber in Galatz übertrifft die Wirklichkeit Alles, was man sich an Erschütternden! und Herzzerreißendem denken kann. Es sind nicht Arme, Arbeitslose oder Müßiggänger, die ich im Auge habe, sondern U n g l ü ckliche, die buchstäblich „Hunger" schreien, Kinder, die aus Mangel an Brod umkommen, ja selbst, man kann es fast nicf)t. glauben, aus Mangel an Wasser. Eine der ersten Gruppen der Elenden, die ich besucht habe, ist diejenige, die in einigen Tagen nach Cypern abreist. Sie setzt sich aus 52 Familien zusammen und besteht aus 220 Personen. Man hat sie in einem ekelhaften Hofe eingepfercht und sie befinden sich dort znsammengedrängt schon seit zehn Tagen. Sie werden wahrscheinlich noch eine Woche dort bleiben müssen.". Herr Astruc schrieb über Jassy am 12. Juni 1900: „In dieser Stadt, die mehr als 35.000 Juden in ihren Mauern birgt, müßten wenigstens 20.000 unterstützt werden. Die an Entkräftung gestorbenen Personen zählen nach Dutzenden, und auf dem Friedhof hat die Zahl der Gräber in diesem Winter eine erschreckliche Höhe erreicht. Tritt man in das erste beliebige Haus ein, so hört man, daß das Brod seit mehreren Tagen auf dem Tische fehlt und daß die Einwohner sich seit zwei Wochen von den unreifen Flüchten nähren, die sie in der Umgebung der Stadt gesammelt haben. Steigt man die wurmstichige Treppe, die verdächtig knarrt, hinauf, so trifft man unbewegliche, stumpfsinnige, abgezehrte Greise an, die unseren Worten zuhören, ohne etwas zu verstehen und die Thränen vergießen, wenn *) Von Mai bis Februar 1901 hat die Alliance Israelite in Rumänien etwa 500.000 Francs ausgegeben. sie einen Laib Brod erhalten. Kommt man in den Keller hinab, wo an den Mauern das Wasser herabsickert, wo die Athmung unmöglich scheint, wo die Atmosphäre dumpf und stinkend ist, so muß man sich der Thränen erwehren beim Anblick der zahlreichen Kinder» die zu verschiedenen Familien gehören und die nur mit einem einfachen erdfarbenen Hemd bekleidet sind, magere durchscheinende, fast leblyse Geschöpfe, die fortwährend jammern und klagen und sich erst beruhigen, wenn sie ein Stück-Brod in ihren Fingern fühlen." Kürzlich noch schrieb Herr A st r u c, der von der Alliance mit der Vertheilung der Hilfsgelder beauftragt worden war, über L es p e zi: „Es ist eine armselige Stadt und fast ausschließlich von Juden bewohnt. Man sieht hier nur Schattenbilder von Menschen, die die Gaffen der Länge und Quere nach durchmessen. Welchen anderen Beruf, als Schneider, Schuhmacher und Flickschuster sollen 2500 Juden in einem kleinen Orte ergreifen, wo weder Handel, noch Industrie, noch Ackerbau getrieben wird. Es ist ein wissenschaftliches Problem, wie so viel Hungerleider, die sich doch gegenseitig so viel Concurrenz machen, überhaupt bestehen können. Fragt mich nicht darnach, worin die Nahrung aller dieser Faniilieu besteht: Aus Brod und Maismehlbrei, aus Maismehlbrei nnd Brod. Das ist die gewöhnliche Speisekarte der Unglücklichen." (Bericht der Alliance Israelite, Mai-Juni 1901.) Von der geheimnißvollen angeblichen Solidarität der Juden handelt folgender Satz: „Die Concurrenz, die die Juden sich gegenseitig in Lespezi, in Frumosica, in Burdujeni nnd in Stefanesti machen, ist verhängnißvoll. Arbeit fehlt und das daraus sich ergebende Unheil ist nicht zu schildern. Man kann sich ein Bild von dem niedrigen Stande der Löhne machen, wenn ich sage, daß in den vorerwähnten Städten ein Arbeiter sich glücklich schätzte, wenn er für 4 bis 5 Francs Wochenlohn überhaupt Arbeit bekam." In Botvfani find von 17.000 Juden 15.000 aus Mangel an Arbeit zum Betteln gezwungen. Eine Volksküche, die von der Alliance eingerichtet wurde, reicht lange nicht für die Zahl der Bedürftigen aus. Vom December 1900 bis April l9oi sind mehr als 50.000 Gratisportionen und mehr als 35.000 bezahlte Portionen vertheilt worden. Hier folgt eine kurze Uebersicht über die Summen, die dem Hilfscomite in Botosani übergeben wurden: 27. November 1900. Für Küche und Unterstützungen . . 3.000 Mk. 27. November 1900. Für Schuhwerk . ..100. „ 27. November 1900. Dem Frauen-Verein.100 „ 27. November 1900. Vorschüsse. . . . . 400 „ 27. November 1900, Medicamente.• 250 „ 27. November 1900. Dem Hospital „Filantropia" . . ■ ' .000 „ 8. December 19no. Für Küche und Unterstützungen 3.500 „ 8. December 1900. Dem jüdischen Hospital. 2.000 „ 21. December 1900. Verschiedenes 100 „ 8. Jänner 190 >. Für Küche, Unterstützungen und Holz 3.000 „ 8. Februar 19ui. Küche . . 1.800 „ 5. März 1901. Medicamente. ... 120 „ 27. März 1901. Für Küche und Miethen .... 5.c00 „ 16. April 1901. Dem Hospital. ... . 1.000 „ 14. Mai 1901. Für Küche u. verschiedene Unterstütz. 5.700 „ Summe . . . 26.070 Mk. Wir können aus Mangel an Raum nicht alle Ausgaben anführen. Während diese Parias die Opfer nicht allein der wirthschaftlichen Krisis, sondern auch der Gesetze der Boycottirung und des Exils sind, hetzen die rumänischen Professoren die antisemitischen Studirenden auf, indem sie in ihren Vorlesungen von jüdischen „Blutsaugern" und „Vipern" sprechen. Es kommt auch, allerdings sehr selten, vor, daß die jüdischen Proletarier an Empörung denken. Man ist sogar überrascht, daß alle diese Hungerleider, die von Elend und Jammer niedergedrückt werden, die keine Hoffnung auf ein besseres Los haben und die der Mildthätigkeit der Alliance überlassen sind, sich nicht durch eine individuelle oder gemeinsame Empörung Genugthuung verschaffen. Ein Aufruhr fand

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