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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 748 Dr. Bloch's Wochsnfchrifk. Nr. 45 Strakonitz. Die Chewra-Kadischa hat auf Veranlassung ihres im Interesse des Vereines stets thätigen und verdienstvollen Obmannes Herrn Marcus Benisch wieder einen Schritt nach vorwärts gethan. Es wurde nämlich das alte hölzerne, häßliche Thor zum Friedhofe durch ein neues, prachtvolles, eisernes ersetzt. Gewiß wird jeder Besucher des Gottesackers, wo wir ja unsere Liebsten und Theuersten zur ewigen Ruhe gebettet, dem löblichen Verein für die geübte Pietät dankbar sein, denn die Verschönerung des »Feldes der ewigen Ruhe" beweist Pietät gegen die Todten und ist ein Achtungsbeweis gegen die Lebenden. U»gar.-Oftra. (Jubiläum.) Am 16. d. M. feiert unser allgemein beliebter und verdienstvoller Obercantor Herr Sigmund Gold stein in seltener geistiger und körperlicher Frische das Jubiläum seiner 25jährigen segensreichen Amtswirksamkeit in unserer israelitischen Cultusgemeinde. Der rüstige Jubilar blickt zugleich auf eine fast 50jährige Berufsthätigkeit zurück, in welcher er als Cantor in Wien, Losoncz und Großwardein, besonders als Sänger des klassischen Ritualgesanges, geschätzt wurde. Herr Obercantor Sigmund Gold st ein ist ein Bruder des verstorbenen Obercantors der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Josef G o l d st e i n, mit dem er auch Kunstreisen in ganz Oesterreich-Ungarn und Deutschland in den Vierziger-Jahren mitgemacht hat. Die zahleichen Freunde und Verehrer des Jubilars werden dessen Jubiläum zum Anlässe solenner Sympathiekundgebungen benützen. Oberhollabruun. In einigen Wochen wird Oberhollabrunn eine selbstständige Cultusgemeinde werden und bereits ist ein Provisorium thätig. das durch eine einschneidende informatorische Wirksamkeit allgemeine Anerkennung findet. Diesem Provisorium gehören u. A. die Herren Max W a l l i s ch, Jacob König. Max Kurz an, die sich vor Allem den »Schutz der Cultusbeamten" zur Aufgabe stellen. Wien. Dienstag den 12. November wird im Tempel zu Temesvar-Josefstadt die Trauung des Herrn Sigmund Spiegel, Prokurist der Firma Glogau u. Gutmann in Wien, mit der Tochter des Zuckerfabriks-Directors Herrn Max Weiß, Fräulein Mathilde Weiß, stattfinden. Seletin (Bukowina). Herr Bernhard Katz hat sich mit Fräulein Rosa Meininger aus P i a t r a - N. (Rumänien) verlobt. Gleiwitz. (C a n t o r e n - T a g.) Sonntag den 3. November fand in dem Sitzungssaale der hiesigen Gemeinde, der in liebenswürdiger Weise von dem Präsidium zur Verfügung gestellt war, der I. schlesische Cantoren-Tag statt. Die Anregung ging vom Cantoren-Vereinin Wien aus, der sich nach Gründung der anderen Zweigvereine in ganz Deutschland in einem »Allgemeinen Cantoren-Bund" verwandelt. Es waren fast sämmtliche Cantoren der größeren Gemeinden erschienen, viele entschuldigten chr Fernbleiben durch Amtsthätigkeit. Die gesammten anwesenden Cantoren erklärten, dem allgemeinen Contoren-Bund beizutreten und wählten aus ihrer Mitte zum Vorsitzenden Obercantor David sohn (Gleiwitz), zum I. Stellvertreter Obercantor Singer (Kattowitz), zum II. Stellvertreter und Schriftführer Obercantor De Beer (Beuthen). Feuilleton. Aus dem galixischen Hede«. Ein Bild von Seo Herzberg-Frankel. (Fortsetzung.) Zwischen der Verlobung und Hochzeit wurde ein Intervall von zwei Monaten vereinbart, welche erforderlich waren, die Ausstattung der Braut zu beschaffen und die von dem Bräutigam gewünschte Namensänderung durchzuführen, auf die er, mit Rücksicht auf seinen künftigen Beruf, ein großes Gewicht legte, sowie amh seine Aufnahme in den österreichischen Unterthanenverband zu bewirken. Bei der Gönnerschaft, die Moses Zweig in der Statthalterei besaß, ging es ohne sonderliche Schwierigkeit, und als man vor dem Hochzeitstage stand, war Sender Pereles aus Dubno in Alexander Perlowski aus Lemberg übertragen. Die Hochzeitsfeier war bürgerlich schön und feierlich. Mehrere höhere Beamte mit ihren Frauen wohnten der Ceremonie bei, die sie intereffirte und deren Einzelheiten sie sich erklären ließen, so das Bedecken der Braut, ihr siebenmaliges Umkreisen des Bräutigams, das Zerbrechen des Glases, das Verlesen des Vertrages. Alexander machte auf die vornehmen christlichen Gäste einen sehr günstigen Eindruck und sie gratulirten sowohl der Braut als ihrem Vater aufrichtig zu ihrer so glücklichen Wahl. Aber auch Alexander durfte mit seiner Wahl zufrieden sein; Sofie sah sehr vortheilhast aus, benahm sich mit Anstand und Tact, und der Schwiegervater war ein einfacher, aber biederer Mann, der gewissenhaft erfüllte, was er versprach. So vollendete sich denn ein zweiter, bedeutungsvoller Abschnitt im Leben des jungen Mannes, der sich durch eisernen Fleiß und unbeugsamen Willen aus engen Verhältnissen und mißlicher Lage herausgerungen und raschen Schrittes seinem Ziele zuschritt. »Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ewiger Bund zu flechten und das Unglück reitet schnell." Der Schöpfer und Erhalter dieser jungen, von einer intelligenten und verständnißvollen Frau verschönten Häuslichkeit, Herr Moses Zweig, erlag rasch einer typhösen Krankheit, Jammer und Roth hinter sich lassend. Mit der Trauer um den guten, opferwilligen Vater zog die Sorge in die früher so freundliche Wirtschaft ein und der Mangel trat an die Stellender Behaglichkeit. Nach und nach verließen alle Werthsachen der braven Frau das Haus, obschon sie sich der größten Sparsamkeit befleißigte und sich die möglichsten Entbehrungen auferlegte, während ihr Gatte j-de Stunde, die er seinen Studien abkargen konnte, durch Unterricht und Schreiberdienste zu verwerthen suchte. Die schwere Atmosphäre, welche das Leben des Paares verdunkelte, verdichtete sich noch mehr, als ein Kind in dasselbe trat und die Bedürfnisse vermehrte, um die so hart gerungen wurde. Aber all' dies Ungemach störte nicht die Harmonie der glücklichen Ehe, trübte nicht das Vertrauen auf eine bessere Zukunft und lenkte nicht den eisernen Fleiß Alexanders ab, der seinen Weg weiter schritt, über alle Hindernisse hinweg. Er war im Kampfe gestählt, seit er sich aus der Unwissenheit und Unthätigkeit aufzuraffen begonnen. Endlich, endlich schlug die Stunde der Erlösung und mit dem Diplom unterm Arm lief der junge Doctor in den lang ersehnten Hafen ein. Ein früherer Gönner seines Schwiegervaters, der auch Zeuge seiner Trauung war, empfahl ihn in wohlwollender Weise seinem Bruder, dem Landesgerichtspräsidenten, der ihn nach relativ kurzem, mit Recht belobtem Dienste als Auscultant, zum Adjuncten befördern und znm Bezirksgerichte in S. versetzen ließ. „Gehen Sie hin, sagte ihm der Präsident bei der Abschiedsaudienz; Sie sind ein gewissenhafter Mensch und eine gute Arbeitskraft, dort gibt es viel zu thun und nachzuholen. Der Gerichtsvorsteher in S. ist ein bequemer Herr, der lieber auf die Jagd geht, als an dem Schreibtisch zu sitzen. Der eine Adjunct ist ein hoher Aristokrat, der sich denkt, er sei blos zur Decoration des Gerichtes und nicht zur Arbeit da, und der zweite ist halb unzurechnungsfähig und faul. Es gilt, für Beide u arbeiten, und dies darf man von Ihnen erwarten." Alexander Perlowski übersiedelte nun nach dem Städtchen. Die Gerichtsämter in den an Rußland grenzenden Districten sind mit Criminalsachen überlastet, die der internationale Verkehr ergibt. Vor Allem blüht der Schmuggel, der förmlich organisirt und durchaus nicht zahmer Natur ist, so daß oft zwischen Grenzwache und Schmugglerbande blutige Schlachten geschlagen werden. In mondlosen, besonders in stürmischen Nächten werden von verwegenen Kerlen Waaren hinüber und herüber geschmuggelt, wobei es an Rencontres mit russischen Kosaken und österreichischen Finanzsoldaten nicht fehlt. Aber nicht nur Waaren, sondern auch Thiere, die dem Zoll oder der sanitätspolizeilichen Controle unterliegen, und Menschen, welche einer drohenden Strafe, der Verfolgung seitens ihrer Gläubiger oder der Einstellung in den Militärdienst, entrinnen wollen, werden über stille Waldwege herübergeleitet und zuweilen erwischt. Da gibt es Deserteure, Defraudeure, Bankerotteure, welche die Gefängnisse füllen und den Gerichtsbehörden viel zu schaffen machen. In ein solches, hart an der Grenze gelegenes Amt kam nun Adjunct Perlowski, um die Rückstände aufzuarbeiten, die vornehme College» häuften während sie dem Weiber- und Jagdsport fröhnten. Der Gerichtsvorsteher war ein älterer Mann von schwachem Wissen und noch schwächerem Charakter, der sich zu Hause von Frau und Töchtern beherrschen und im Amte von jedem Schreiber

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