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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 Seite 745 Dr. Blvch's Wochonschrift. nommene Organisation schaffen soll. Am Abend bewirthete der Vorstand der Breslauer Synagogengemeinde die Delegirten in einem der Festsäle des neuen Verwaltungsgebäudes mit einem vorzüglichen Mahle, bei welchem der Vorsitzende Herr Stadtrath Pringstein einen Toast auf die auswärtigen Gäste ausbrachte. Die Herren Martin Simon (Berlin) und Dr. Kaminka (Wien) dankten in ihren Trinksprüchen den Vorständen von Breslau und Hamburg für die durch sie ergriffene Initiative. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal trank auf das Wohl des Vertreters der Alliance Israelite, Herr Dr. Geiger auf die Einigkeit des Judenthums. rnaa np-ix Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I. Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Motto: „Blumengewinde und Kränze, sie welken spurlos dahin, Gottgefällige Werke sichern jedoch ein ehrendes dauerndes Andenken." Der Vorstand der altehrwürdigen „Chewra-Kadischa" in Wien, I Seitenstettengasse 4 hat im Interesse der vielen bedürftigen Glaubensgenossen, welchen sie mit Medicamenten, Bandagen, Curbeiträgen und sonstigen Unterstützungen nach Maßgabe ihrer Mittel aushilft, eine Einrichtung getroffen, welche sich schon lange in Budapest, Prag und anderen Städten segensvoll eiugelebt hat. Der erwähnte Wohlthätigkeitsverein schickt in jedes Trauerhaus ein Buch, worin sowohl die Trauerfamilienmitglieder, als auch deren Freunde Geldspenden anstatt Kränzen ernzeichnen können, welche Beträge später bei jedem Einzelnen eincassirt werden. Wenn berücksichtigt wird, daß Blumenspenden gegen die herkömmliche jüdische Sitte verstoßen, daß sogar Angehörige anderer Confessionen in ihren Traueranzeigen öfters bemerken: „Kranzspenden werden im Sinne des Verblichenen dankend abgelehnt", wenn ferner bedauerlicherweise constatirt werden muß. daß die Mittel der „Chewra-Kadischa" viel zu ungenüg-nd sind, um bei der zunehmenden Roth allen an sie gestellten Anforderungen nur theilweise Nachkommen zu können, muß jeder Menschenfreund diese Einführung von Geldspenden anstatt Kränzen bei Trauerfällen mit großer Sympathie begrüßen und die Bestrebungen der „Chewra-Kadischa" im Interesse kranker Glaubensgenossen die besten Erfolge wünschen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Mathilde Rosauer sind der „Chewra-Kadischa", I., Seitenstettengasse 4, zugekommen: Anstatt eines Kranzes von: Frau Regine Singer, I., Schottenring 2, K 20.—; H rrn Eugen Brüll, IX., Maria Theresienstraße 5, K 20.—; Herrn Dr. Julius Monath, l., Jasomirgottstraße 4, L 10.—; Herrn S. Heit, 1., Rudolfsplatz 10, Zusammen L 70.—. Wien. Freitag den 1. November, Morgens, bot die sonst von idyllischer Ruhe erfüllte Seitenstettengaffe ein prachtvolles Bild echten und bewegten Soldatenlebeus. Schon um halb 8 Ugr hörte man laute Commandoworle ertönen, unter denen SoldatencolonNen der verschiedensten Waffengattungen im strammen Paradeschritt heranrückten, um allesammt vor dem bereits offenen Thore der Seitenstetten-Synagoge Posto zu fasten und sich in das hell und festlich erleuchtete Gotteshaus zu begeben. Es waren jüdische Soldaten, die, wie alljährlich, bevor sie ihren allgemeinen Eid für den Waffendienst angeloben, je nach ihrer Confession, durch eine religiöse Andacht für diese ernste und heilige Handlung vorbereitet werden. Das festlich hell, erleuchtete und in allen Räumen von Soldaten gefüllte Gotteshaus und die mannigfachen, farbenprächtigen Uniformen der Officiere, Unterofficiere und Mannschaften gewährten ein ungewohnt ergreifendes Bild. Punkt . viertel 9 Uhr setzte die Orgel ein — Öbercantor Singer bestieg die Estrade und trug in zarten mezzo voce- bis zur dramatischen Kraftentfaltung aufsteigenden Tönen das Mali towu-®ebet in der ihm eigenen, oratorisch wirkungsvollen Weise vor; andachtsvoll lauschte das vielhundertköpfige Auditorium der Stimme des Sängers und des ihn begleitenden Chorgesanges, nach deffen Verklingen Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n die Kanzel betrat, um in kurzer, aber blendender Rede an der Hand des Wochenabschnittes die zweifache Aufgabe des Soldaten: Bereitwilligkeit und Opferfreudigkeit, zu schildern, zu welch' allg-meiner Pflichterfüllung für den jüdischen Soldaten die besondere Aufgabe erwächst, durch Heilighalturig seines Soldateneides und strengster Erfüllung seiner angelobten Soldatenpflicht die Ehre des Judenthums zu heben und nach Auß.u hiu kund zu thun. Die treffliche Ansprache machte auf die anwesenden jungen Krieger wie auf das Gesammtpublicum einen mächtigen Eindruck, und die andachtsvolle Stimmung hielt an, als bei der hierauf folgenden Absingung der Volkshymne sich das gesammte Auditorium wie auf Commando erhob. Mit dem üblichen Olenu und Kaddisch schloß die heilige Feier, die im Herzen der jungen Krieger sowie. aller Anwesenden noch lange nachklingen dürfte. Nach Beendigung der Feierlichkeit verfügte sich der Hauptmann, als Sprecher der Officiers-Deputativn, zu den dem Acte beiwohnenden Herren Vorstehern.Oberbaurath T a u s s i g, Adolf S t i a ß n y. S. W a s s e r v o g l, um den Herren Functionären seinen Dank mit den Worten auszusprechen, die heilige Feier habe ihn tief ergriffen und er verlasse andächtig bewegt das Gotteshaus. Beraun. Aus den vielen Berichtigung-n meiner Zuschrift in Nr. 42 durch einige Vorstandsmitglieder der Cultusgemeinde Horovic könnte die löbliche Redaction vermeinen, ich hätte dieselbe mit diesem Berichte mystificiren wollen. Ich ließ mir also die Mühe nicht verdrießen, nochmals an Ort und Stelle genaue Informationen einznziehen und kann meinen diesbezüglichen Bericht bis auf den Ohnmachtsanfall des Rabbiners U.. aufrecht halten. Uebrigens war mein Bericht nicht dazu bestimmt, die pecuniären Leistungen der Cultusgemeinde Hokovic einer Kritik zu unterziehen (der Umstand, daß ein Rabbiner außer der Predigt noch alle cantoralen Functionen am Bersöhnungstage für eine Remuneration versieht, spricht deutlich genug), ich wollte blos den Umstand rügen, daß an diesem heiligen Tage in der Synagoge eine Sammlung für den Rabbiner veranstaltet wurde und daß dieser den heiligsten Tag durch einen solchen Vorgang entweihen ließ. Und diesen Umstand dürfte keiner der berichtigenden Herren, auch nicht Herr Münz, der doch recht tief in die Tasche griff, in Abrede gestellt haben. Prag. (Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten.) In der am 3. d. M. unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn kais. Rath Falkowicz abgehaltenen. Generalversammlung wurde Herr Hermann Schütz mit Rücksicht auf seine langjährige verdienst olle Wirksamkeit einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Dem vom Geschäftsleiter Herrn Dr. W e l t s ch vorgetragenen Geschäftsberichte, der mit einem Nachruf insbesondere für die verstorbenen Ausschußmitglieder Dr. Fr. D u s ch e n e s und S. Weltsch eingeleitet wurde, entnehmen wir, daß der Verein auch heuer bei Anregung und Lösung socialer und cultureller Fragen der Juden in Böhmen thätig war und bei der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" in Wien dankenswerthe Unterstützung fand. Der Bericht erwähnt ferner des in jeder Beziehung erfolgreichen Vortrages des Herrn Dr. C. Werner aus München, sowie der Bereinsabende, um die sich in erster Reihe die Herren Prof. Dr. A. Kisch, kais. Rath Falkowicz und S. W e l t s ch als Vortragende verdient gemocht. An größeren Widmungen sind die des Herrn Hermann Schütz von 1000 L und die des Herrn Dr. N. R o b l t s ch e k von 2000 K zu bemerken. Der Geschäftsleiter dank auch noch zum Schluffe den Redactionen der Prager Tagesblätter, sowie der „Oesterreichischen Wochenschrift" in Wien für die bereitw llige Aufnahme von Vereinsnachrichten. Hierauf wurden der Cüssa- und Rtvisionsbericht genehmigt und die Berichte der einzelnen Sektionen zur Kenntniß gebracht. Herr S. Lieb ers referirt namens der Handwerkerabtheilung ausführlich über die Thätigkeit'und die erfreulichen Resultate in diefer Sektion, die g«ge»wärtig 38 Lehrlinge in Obsorge hat. Das Lehrlingsheim bewährt sich aufs Beste und viele der Zöglinge haben eine lohnende Selbstständigkeit gefunden, und nicht selten find die Dankbriefe, die dem Verein sogar von Amerika zugehen. Der von Frau Julie L e i p e n verlesene Bericht der Krankenpflegerinnensection betont die befriedigende Fortentwicklung, aber auch manche Hemmnisse. An Pflegen wurden im Ganzen 80 geleist t, wovon 53 auf Prag, die übrigen auf das Land entfielen. Auch die Studeutenabtheilung (Referent Herr G. Utitz) hat heuer, trotz der ungünstigen Verhältnisse, 47 Bewerbern lohnende Stellungen verschafft und seit ihrem Bestände schon nahezu 800. Alle Berichte wurden beifällig ausgenommen. Bei den zum Schluffe stattgefundenen Ecgänzungswahlen in den Ausschuß wurden die Herren S. A b e l e s (Kuttenberg), Wilh. Adler, Commercienratb Ben. Böhm, JüDr. Jal. Brandeis, Ad. Braun (Raudnitz), L opold Buchbinder, Jac. Fischl, I. Glücksmann, Ruo. Grab, Commercienrath Ludwig Klatscher, JUDr. N. L. Kohn e r, JUDr. Ad. Oppenheim er, Hofoptike.

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