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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 744 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 45 Nach der am 9. Juni d. I. erfolgten Einweihung der zur Erinnerung an das 50jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät neu erbauten Siechenabtheilung wurden die letzten Vorbereitungen zur Aufnahme der Siechen getroffen, die innere Einrichtung beschafft, die Instructionen für die ärztlichen Functionäre, für das Wärterinnen- und das Dienst-Personale erlaffen, der Verwaltungsdienst, Pflege- und Wartedienst neu organifirt. Am 16. Juli konnten bereits die ersten Betten belegt werden. Gegenwärtig sind 45 Sieche untergebracht und werden demnächst die noch verfügbaren 5 Betten belegt werden. Außer den derzeit eingerichteten 50 Betten ist im dritten Stockwerke der Siechenabtheilung noch Raum zur Aufstellung von weiteren 16 bis 18 Betten, doch kann an die Einrichtung beziehungsweise Belegung derselben mangels der hiezu erforderlichen Mittel derzeit noch nicht geschritten werden. Der Stand im Altersversorgungshause blieb unverändert und beträgt seit der im December 1900 erfolgten Erweiterung constant 170 Insassen. Einttetende Bacanzen werden sofort wieder besetzt. Seit dem Bestände des Hauses 1890 wurden insgesammt 460 Personen ausgenommen. Hievon sind 231 gestorben, 13 Personen haben die Anstalt freiwillig verlosten, ein Insasse wurde wegen Renitenz entlasten; gegenwärtig befinden sich in beiden Abtheilungen der Versorgungsanstalt zusammen 215 Personen, u. zw. 101 Männer und 114 Frauen. Ein eigenes Aufnahms-Comitä unter dem Vorsitze des Vertreters Herrn Baurath v. Goldschmidt prüft die eiulangenden Gesuche um Aufnahme und erstattet Vorschläge hinsichtlich der Besetzung frei gewordener Plätze an den Cultusvorstand. Leider genügt auch das -erweiterte Haus lange nicht den Bedürfnissen unserer großen Gemeinde und müssen zahlreiche Gesuche höchst würdiger und dürftiger Petenten unberücksichtigt bleiben; trotzdem die unterste Altersgrenze für die Aufnahme in das Altersversorgungshaus mit 60 Jahren festgesetzt ist, wurden in den letzten Jahren fast nur 70-, 80- und mehrjährige Personen ausgenommen. Der dermalen älteste Insasse zählt 92 Jahre. Für die Aufnahme in die Siechenabtheilung ist nicht das Alter, sondern die Schwere und absolute Unheilbarkeit der Krankheit maßgebend. Mit der Leitung des Altersversorgungshauies und der Siechenabtheilung ist ein Berwaltungs-Comite unter dem Vorsitze des Cultus-Vorstehers Hern Sa.lo Cohn betraut. Ein Comitä von Ehrendamen unter der Führung der unermüdlichen Frau Jda Diamant leitet die außerordentlich umfangreichen Haus- und Wirthschaftsgeschäste. Die unmittelbare Verwaltung der Versorgungsanstatt besorgt der Verwalter Herr Koditschck; dessen Gattin führt die Wirtschaft. Als Wäschebewahrerin fungirt Fräulein Pollak.Z Den ärztlichen Dienst versieht der Anstaltsarzt Herr Dr. Löbl mit den beiden Hilfsärzten Dr. Gerber und Dr. Frisch, die Alles aufbieten, um den Jnsaffen des Altersversorgungshauses die schwere Bürde des Atters zu erleichtern und den unheilbaren Kran'en der Siechenabtheilung ihre schweren Leiden zu mildern. Der G'sundheitszustand im Altersversorgungshause ist derzeit ein sehr günstiger; in der Siechenabtheilung ein relativ guter, wenn das zumeist hohe Atter und die schweren Krankheitsfälle berücksichtigt werden. Sechs Wärterinnen besorgerr den Wartedienst, das Küchen- und sonstige Dienstpersonale besteht aus 15 Personen. Die Kosten der Erhaltung eines Siechen stellen sich selbstverständlich bedeutend höher als die eines Jnsaffen des Altersverfo.gungshauses. Während ein Insasse des Altersversorgungs- Vailits nach dem Durchschnitte der letzten Jahre täglich circa 1 K 32 h, das ist per Jahr 485 K kostet, dürften die Kosten eines Siechen, so weit unsere bisherigen Erfahrungen reichen, täglich 2 K 20 h, das ist per Jahr circa 800 K betragen. Auf Grund der bis zum 15. October 1901 tatsächlich erwachsenen Erhaltungskosten der Bersorgungsanstalt wurde für das Jahr 1902 ein nach den einzelnen Erfordernissen detaillirtes Budget aufgestellt und vom Berwaltungscomite nach eingehender Prüfung mit dem Gesammtbetrage von 132.000 K genehmigt. Dieser sehr beträchtlichen Ausgabe stehen leider bei weitem geringere Einnahmen aus den Zinsen von Stiftungen, aus den Legaten und laufenden Jahresspenden in der präliminirten Höhe von rund 52.000 X gegenüber. Es muß daher zur Bedeckung d?r ErhattuugSkoste» der Bersorgungsanstalt aus den Gemeindemitteln, das ist aus den Steuergeldern, ein Zuschuß von rund 80.000 K geleistet werden. Doch geben wir uns der Hoffnung hin, daß die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit dieser Anstalt in immer weitere Kreise dringen und der oft bewährte Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen uns in den Stand setzen wird, allen bedürftigen Greisen und Greisinnen, sowie allen unheilbaren Kranken unserer Gemeinde den Segen einer gesicherten Zufluchtsstätte zu bieten. Namens des Berwaltungscomitös ersuche ich diesen Bericht zur geneigten Kenntniß zu nehmen. Der Bericht des Herrn Oberingenieurs Edlen v. M i s e s wird zur Kenntniß genommen. Ueber die einzelnen Anträge wird der Vorstand noch Beschluß zu fassen haben. Herr Vicepräsident Dr. Gustav K o h n beantraqt namens drr Schulcommission die Subventionirung des Vereines leülas 8anorim mit einem Jahresbeiträge von Kronen 300.— gegen dem, daß dem Cultusvorstande die Bestätigung der Functionäre und die Genehmigung der Gebetordnung Vorbehalten bleiben müsse. Redner hebt hervor, daß die Thätigkeit dieses Vereines, welche in gottesdienstlichen Veranstaltungen für die erwachsene Jugend anden hohen Feiertagen bestehe, alle Anerkennung verdiene. Subventionsantrag und Bericht werden hierauf einstimmig genehmigt. Ein weiterer Antrag der Schulcommission (Referent Bicepräsident Dr. Kohn) auf Ertheilung einer Subvention von jährlich Kronen 1000 zur Förderung des Bibel- und Talmudunterrichtes an Frequentanten von Mittelschulen durch Bestellung einer zweiten Lehrkraft neben Herrn Lector Friedmann wird an das Vertretercollegium zur nochmaligen Berathung und Beschlußfassung rückverwiesen. Auf eine Interpellation des Cultusvorstehers Dr. Spitzer, betreffend die Fertigstellung der neuen Geschäftsordnung für den Cultusvorstand, bemerkt der Präsident, daß das diesbezügliche Comitö in den nächsten Tagen zur Berathung zusammentreten werde. Auf eine von Herrn kaiserl. Rath Pollack gestellte Anfrage, betreffend die Geschäftsordnung für die Bezirkscommissionen, bemerkt der Präsident, daß für die Berathung dieses Gegenstandes ein Counts eingesetzt sei und daß diesbetreffenden Anträgen entgegengesehen werde. Behufs Abhaltung einer vertraulichen Sitzung zur Berathung von Steuerangelegenheiten und Personalien schließt der Präsident die öffentliche Sitzung. Wien. (Congreß zur Schaffung einer Organisation für Rückwanderer.) Ueber Einladung des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde in Breslau und des Vereines zur Unterstützung von Obdachlosen in Hamburg fand in Breslau am 4. d. M. eine Versammlung von Vertretern zahlreicher jüdischer Gemeinden und humanitärer Corporationen behufs Schaffung einer Organisation für bedürftige Rückwanderer, und Besprechung der Auswandererfrage statt. Es hatten Delegirte entsandt die Gemeinden Berlin, Hamburg, Bremen, Posen, Beuthen, Kattowitz u. a., ferner waren die Alliance lsraeüte in Paris durch ihren Seccetär Herrn Jacques Bigart, die Wiener Israelitische Allianz durch Rabbiner Dr. Kaniinka und die Cultusgemeinde Lemberg durch Advocat Dr. Geiger vertreten. Ueber Antrag des Herrn Hermann Gompertz aus Hamburg wurde die Frage der Auswanderung von der Tagesordnung abgesetzt, da jede öffentliche Beschäftigung mit der Emigrationsfrage die Be-, wegung nur verstärke. Nach Anhörung eines Ref. rates des Herrn Paul L a s k a r aus Hamburg wurde beschlossen, die Rückwanderer i uf kürzestem Wege in ihre Heimat zu schicken und, um die Grenz- Comites in den Stand zu setzen, die Repatriirung wirksam durchzuführen, einen Aufruf an die durch die Durchreisenden nicht berührten größeren Gemeinden in Deutschland ergehen zu lassen, sich am Hilfswerke zu betheiligen. Herr Dr. Kaminka referirte über den Antheil der Wiener Allianz an dem seit eineinhalb Jahren ununterbrochenen fortdauernden Hilfswerk für Rumänien, für welches die Allianz allein bereits circa 330.000 Kronen ausgegeben, so daß sie nach Abzug des durch Specialsammlungen aufgebrachten Betrages gegenwärtig mit einem Deficit von circa 105.000 Kronen belastet ist. Er verlangte dementsprechend, daß die Mittel für die Repatriirung von deutschen Grenzorten aus über Galizien durch die deutschen Comitss aufgebracht werden und die Wiener Allianz nicht in Anspruch genommen werde. Dr. Geiger Kemberg) schloß sich diesen Ausführungen an, und indem er das Elend in Galizien schilderte, forderte er auch daß Lemberg mit Beiträgen für Repatriirungszwecke nicht belastet werde. Es wurde hierauf der Antrag angenommen, ein Comits von sechs Mitgliedern zu wählen, welches die in Aussicht ge-

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