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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-01 · 44 (1.11.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
44 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 731 Breslau. Anläßlich des hundertsten Geburtstages Zachar. Frankel's, des verewigten ersten Direktors am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar und Meisters der jüdischen Wissenschaft, fand am 27. October, Vormittags um 11 Uhr, in der hiesigen Seminar-Synagoge eine sehr erhebende und würdige Feier statt. Unter dem zahlreichen und distinguirten Publicum bemerkten wir u. A. die Curatoren der Frankel'schen Stiftungen, die Herren Professoren Dr. Badt, L. Cohn und Freudenthal, die hiesigen Herrn Rabbiner Dr. Guttmann und Rosenthal, wie den Herrn Rabbiner Dr. Zuckermandel. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Chorgesang, indem der 24. Psalm zum Vortrage gebracht wurde. Hierauf bestieg Herr Seminar-Rabbiner Dr. I. Lewy die Kanzel und hielt die durch Gründlichkeit und Schwung der Sprache gleich ausgezeichnete Festrede. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten alle Anwesenden auf die Ausführungen des Redners, und es hatte Jeder das Gefühl, daß hier kein Wort zn viel und keines zu wenig gesprochen wird. Mit Ehrfurcht schauten die Zuhörer zu dem greisen Gelehrten hinauf, der als Schüler von seinem großen Lehrer sprach, von seinem Lehrer, den er so gut kannte und in dessen Geistesleben er so tief zu blicken verstand. Jedoch würde es dem Bilde, das der eine oder der andere Leser dieser Zeitung von der genannten Rede sich machen könnte, nur Eintrag thun, wollten wir hier einige Sätze desselben aus dem Gedächtnisse wiedergeben. Diese Rede müßte ganz dem Drucke übergeben werden, und sie möchte dann einen sehr nützlichen Beitrag zu einer ausführlichen Biographie Frankel's liefern. Mit einem Chorgesang des 16. Psalms wurde die in jeder Beziehung gelungene Feier geschloffen. — Diese Centennarfeier sollte bereits am 24. Tischri, also am eigentlichen Geburtstage Frankel's, stattfinden, wurde aber mit Rücksicht darauf, daß an diesem Tage, der Ferien wegen, blos ein geringer Bruchtheil der Seminarzöglinge hierorts anwesend war, auf den 27. October verschoben. Jedoch galt auch die Predigt, die am vergangenen Schemini-Azereth in der Seminar-Synagoge gehalten wurde, zumeist dem Andenken Frankel's. Berlin. Vor zahlreichem Auditorium sprach am 17. October in den vereinigten Berliner U. O. B. B. Logen der Schriftsteller Fritz Stahl über die Beziehungen der bildenden Kunst und dem Judenthum. Der Redner ging von der bekannten Thatsache aus, daß es eine jüdische Kunst im eigentlichen Sinne nicht gebe und auf Grund des Gesetzes Moses nicht geben könne, das zwar nicht kunstfeindlich sei, aber den Götzendienst durch das Gebot „Du sollst dir keinerlei Bildniß machen u. s. w." habe verhindern wollen. Es könne sich also nur um die Beantwortung der beiden Fragen handeln, welche Stoffe und welche Künstler das Judenthum der bildenden Kunst der Welt gegeben habe. Eine überraschende Fülle von Material trete bei Untersuchung dieser Frage zu Tage. In allen Ländern und zu allen Zeiten hätten hervorragende christliche Künstler ihre Stoffe der jüdischen Geschichte entlehnt, ja. der biblische Stoffkreis der Juden hätte sich sogar Rom, den Vatican und die sixtinische Kapelle erobert. Bon einem Mitbewerb jüdischer Künstler habe natürlich erst von der Zeit an die Rede sein können, als die Bahn frei geworden sei für die Betheiligung der Juden am Culturleben im Allgemeinen. Redner nennt unter den Koryphäen der Kunst, von denen allein in dem engen Rahmen eines Vortrages natürlich nur die Rede sein könne, Philipp Veit, ein Enkel Moses Mendelssohn's. Munkacsy, Israel, Antokolsky, Ury, Becker, Louis Korinth, Max Liebermann u. v. A. und gibt in außerordentlich intereffanter Weise einen Ueberblick über die von ihnen geschaffenen hervorragenden Kunstwerke, die ihnen einen bleibenden Namen in der Geschichte der Kunst sichern. Viele von diesen Kunstwerken sind erst ganz verständlich, wenn man die Zugehörigkeit der Künstler zum jüdischen Glauben kenne. Denn aus dem Nationalitätsgefühl heraus, dem Gefühl der unbewußten Sehnsucht und dem Gefühl, bedrückt, unterdrückt, verfolgt und gequält zu sein, hätten sie namentlich bei Motiven aus dem jüdischen Leben. Typen geschaffen, die eine ergreifende Sprache zu dem Beschauer redeten. Auf die Gegenwart übergehend, betont der Redner, daß die Antheilnahme der Juden an der bildenden Kunst erfreulicherweise eine immer größere werde, und daß jüdische Gelehrte sich der Pflege der deutschen Kunst widmen. Von einer national-jüdischen Kunst lönne aber erst die Rede sein, wenn unseren jüdischen Künstlern Gelegenheit geboten würde, ihre Kunst an großen nationalen Motiven zu erproben. Der Vortrag fand alls-itig lebhaften, wohlverdienten Beifall. Darmstadt. Der Abgeordnete Lehrer Backes beantragt, die zweite Kammer der Stände wolle die großherzogliche Regierung um möglichst baldige Vorlage eines Gesetzentwurfes ersuchen, der die Ausbildung der israelitischen Religionslehrer, deren Anstellung und Besoldung zeitgemäß regelt. Die Begründung des Antrages lautet: „Die israelitischen Religionslehrer in den israelitischen Gemeinden auf dem Lande haben theilweise nicht die Ausbildung, die sie befähigt, einen Religionsunterricht mit Erfolg ertheilen zu können". Deren Stellung ist in Folge der völligen Abhängigkeit von den betreffenden Cultusvorständen eine unwürdige und unhaltbare, ihr Gehalt geradezu ein erbärmlicher. Der Staat muß ein Jntereffe daran haben, daß auch der jüdische Religionsunterricht veredelnd auf die Gemüther der Kinder einwirkt und ist daher eine staatliche Aufsicht für diesen Unterrichtsgegenstand dringend geboten. In unseren Nachbarstaaten Württemberg und Baden sind die Verhältnisse der israelitischen Religionslehrer gesetzlich geregelt, und ich erachte es als zeitgemäß, daß solches auch in Hessen geschieht. Baden, 15. October. Seit gestern tagt zum dritten Male (1895, 1898. 1901) in dem Ständehaus in Karlsruhe die israelitische Landessynode des Großherzogthums Baden. Bor Beginn der Sitzung wurde ein Festqottesdienst mit Predigt in der Syngoge abgehalten. Die Eröffnung d^r Synode geschah im Aufträge der Regierung durch den Geheimen Oberregierungsrath Bech erer. Zum ersten Präsidenten wurde Rechtsanwalt Dr. Hachenburg- Mannheim und zum ersten Bicepräsidenten Rechtsanwalt Dr. Friedberg - Karlsruhe gewählt. Zu Secretären wurden ernannt Dr. Hannes- Konstanz und W e r t h e i m e r in Bühl. Der Präsident theilte mit. daß aus der Mitte der Versammlung die Anregung ergangen sei. an den ehemaligen Staatsminister. Se. Excellenz Dr. Nock, eine Adresse abzusenden, in welcher dem langjährigen bewährten Leiter des Cultusministeriums der Dank ausgesprochen wird für die Förderung und Unterstützung. die derselbe den Cultusangelegenheiten der israelitischen Gemeinden hat angedeiben laffen. In der heutigen zweiten und letzten Sitzung der israelitischen Synode wurde eine Reihe interner Angelegenheiten und nach kurzer Debatte auch das Budget erledigt, bei dem Mark 45.750 jährlich durch Umlage zu decken sind. Mit besonderer Genugtbuung wurde die Einstellung von Mark 9000 für sociale Zwecke begrüßt, die besonders datür verwendet werden sollen, ein Lehrlingsheim zu gründen. Nach Wahl des Synodalausschuffes wurde die Tagung 'gegen 2 Uhr geschloffen. Posen. Die von vielen Seiten anqezweifelte Meldung, daß in der Stadt Posen viele russische und österreichische Juden, darunter der Wiener CafStier H a j e k, 'ausgewiesen seien, wird jetzt in der „Posener Zeitung" und im ..Posener Tagblatt" ausdrücklich für völlig unzutreffend erklärt, insbesondere sei der Cafätker Hasek weder ausgewiesen worden, noch stehe dessen Ausweisung bevor. Es sind überhaupt weder Juden noch Christen in größerem als dem bisherigen Umfange ausgewiesen worden, d. h. es wird nur solchen Ausländern, die sich wirklich lästig machen, die Aufenthaltsberechtigung entzogen. Sosnowice. Gonv. Pfetrokoff (Rußland). („Ochronka" Kinderschutzanstalt.) — In Sosnowice hat die Witwe Frau Antonie Oppenheim zum Angedenken ihres verstorbenen Mannes, des Herrn Adolf Oppenheim, der eine angesehene Persönlichkeit in der ganzen Umgebung von Sosnowice war, ein Asyl für arme Kinder gegründet und zu diesem Zwecke ein schönes zwei Stock hohes Haus aufgebaut. Es ist dies umso lobenswerther, als sich in der Gegend viele verwahrloste Kinder befinden, welche sich bisher den ganzen Tag aus der Straße aufhalten mußten und nunmehr im Heim der Frau Oppenheim liebevolle Aufnahme finden. So werden dort Kinder armer Eltern, die sonst ganz ohne Aufsicht oft dem schrecklichsten Elend preisgegeben sind, von Früh bis Abends im Handarbeiten, Lesen. Singen, im Hebräischen u. s. f. von bewährten Kräften unterwiesen. Sie bekommen dort auch warme Speisen, werden bekleidet, gereinigt, gewaschen und ist überhaupt für alle Bedürfnisse bestens gesorgt. Frau Oppenheim haben sich die angesehensten Damen, und zwar Frau Heinrich Reicher, Leopold Henschel, Stanislaus Reicher, Max Reicher, Josef Berlinerblau. Dr. Neufeld. Dr. Hekiernik und noch andere angefchloffen, welche den humanen Zweck theils durch eigene Spenden, theils durch Werbung von Mitgliedern unterstützen. Die „Ochronka" steht auf dem schönsten Platz von Sosnowice. von guter Luft umgeben, in sanitärer Hinsicht auf das Vollkommenste eingerichtet, hat prachtvolle Lehr-, Speise- und Badezimmer und alle anderen nothwendigen Räume. Es befinden sich vorläufig 100 Mädchen in der Anstalt, und mit Erlaubniß der Behörde dürften auch bald Knaben ausgenommen werden.

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