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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-01 · 44 (1.11.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
44 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 729 Drei Revisoren werden gleichfalls mit Acclamation gewählt. Ein Redner richtet an die Versammelten den dringenden Appell, dem Vereine nicht nur mit dem Jahresbeiträge beizutreten, sondern auch eine intensive Thätigkeit zur Förderung der Vereinszwecke zu entfalten. Herr Braun ersucht, dahin zu wirken, daß die jüdischen Handwerker beschäftigt werden, was Vorsitzender zusagt, Herr Hof- und Gericktsadvocat Doctor Alexander Kohn beantragt, der nunmehr gewählte Vorstand solle sich mit der Cultusgemeinde ins Einvernehmen setzen und ein besonderes Augenmerk auf die Schule richten puncto religiöser Erziehung und RrVision der Schulbücher. Herr B. Hofbauer erwidert, daß der Verein wohl ohne die Cultusgemeinde werde Vorgehen müssen, um seine Unabhängigkeit zu wahren. Der Cultusvorstand ist weder verpflichtet, noch in der Lage, unsere speciellen Bedürfnisse zu befriedigen, da er für eine Minderheit keine großen Aufwendungen aus Gemeindemitteln machen und auch für die Imponderabilien, die bei altjüdischen Einrichtungen ins Gewicht fallen, kein Berständniß haben könne. Dagegen sind die Orthodoxen auf dem ganzen Erdenrund gewöhnt, für ihre religiösen Mdürfnifse Opfer zu bringen, die weit über die Kräfte jedes Einzelnen hinausgehen. In puncto Schule werde der Vorstand mit Freuden der Anregung des Herrn Dr. Kohn Folge geben. Herr Mandl urgirt die Errichtung von Koscher-Fleischbänken in den Bezirken, da der Bezug des Fleisches aus den notorisch koscheren Bänken schwierig, zeitraubend und dadurch sehr kostspielig ist. Vorsitzender erwidert, er habe in dieser Angelegenheit schon Schritte gemacht und werde selbe energisch verfolgen. Herr Hofbauer dankt den Erschienenen für ihre rege Theilnahme an den Verhandlungen und appellirt nochmals zur eifrigen Förderung des gemeinsamen Werkes. Der Vorstand hat sich constituirt wie folgt: Obmann: Bernhard Hofbauer, I. Obmann-Stellvertreter: Abr. Fischer, H. Obmann- Stellvertreter : Jos. Schadlmann, Cassier: Phil. Back. I. Sbriftftthrer: Wolf-Pappenheim, II. Schriftführer: Simon Buchwald, Controlvre: Dr. Joses Bondi, Adolf Litner, Moritz Felsenburg. Simon Hecht, Phil. Hofbauer, Jacob März, Dav. Robitsek. Bernh. Schiff, Mor. Silberstein, Dav. Stern, Elias Weiß. Revisoren: Dr. Alex. Kohn, Prof. R. S. Salzmann, Phil. Nußbaum. N. Hirschl. Der Sitz des Vereines ist provisorisch II.. -Kl. Pfarr^asse 12, allwo jeden Sonntag von 3—4 Uhr Nachmittags ein Vorstandsmitglied anwesend ist. Zuschriften erbeten an den Obmann Herrn Hofbauer. I., Tuchlauben 26. - Wien. Seit vielen Wochen erscheint in der „Kölnischen Zeitung" eine Serie von Feuilletons, die, den Cvllectivtitel „Oesterreichisch-ungarische Kreuzfahrten" tragend, in äußerst geistvoller Weise Kreuz- und Querzüge eines reichsdeutschen Schriftstellers in unserem dualistischen Baterlande schildern. Man muß neidlos anerkennen, daß der Autor dieser Schilderungen ein hochgebildeter Mann ist, dessen ethnographische Kenntnisse gewiß imponiren müssen. Die Diction ist kraftvoll, der Styl fließend, hie und da ist gesunder Humor eingestreut. Neben viel Wahrem unterläuft manches Falsche, was man aber dem Ausländer zu Gute halten muß. Der Schreiber dieser Zeilen verfolgt diese Grenzfahrten mit hohem Interesse und ist in der XV11I. Folge, welche die Fahrten im Banat schildert, auf eine Stelle gestoßen, welche den Lesern der „Oesterr. Wochenschrift" wiedergegeben werden soll. Man findet hier eine in unseren Zeitläuften seltene und daher umso wohlthuendere Anschauung über die Haltung so mancher österreichischer Politiker den Juden gegenüber. Doch lassen wir den Autor selbst sprechen: „Wie allenthalben in Ungarn, spricht der Deutsche auch ungarisch, mancher kann hier etwas serbisch und rumänisch, da er ja geschäftlich so manche Beziehung nach dieser Richtung hat; sowie, man aber unter sich ist, wird deutsch geredet. Die zähesten hierin sind zweifellos auch hier die Juden; in den Städten A r a d, T e m e s v a r, auf dem Lande haben wir bei j ü d ischen Gastwirthen und bei ihren Gästen zumeist die b eharrlichste Tr e u e für die deutscheSprache gefunden. Eine uns vorher schon historisch bekannte Thatiache haben wir auch durch den Augenschein bestätigt gesehen. Wir sahen öfters Juden da mit höchst germanischen, ja, schwäbischen Gesichtern, die wir niemals für Inden gehalten hätten. Nun. unt-r Maria Theresia und Joseph II. find in Ungarn viele christliche, protestantische Deutsche zum Judenthum übergetreten, weil der Protestantismus vom Jesuitenthum dermaßen offen und heimlich, trotz der schönsten jo epqinischen Ideen, verfolgt wurde, daß viele vorzogen, zum b,sfir geschützten Judenthum überzutreten, das diesen Protestanten religiös weit näher stand, als die damalige jesuitisch-katholische Kirche. Diese C o n f e s si o n sj u d e n find aber bis heute treue Träger der deutschen Sprache geblieben. Wir 'vollen nicht an dieser Stelle den politischen Wahnsinn deutscher Parteien in Böhmen und O e st e r r e i ch erörtern, welche mit dem Kampfe sürdr eüber allgefährdete deutsche Sprache einen Kamps gegen das In d e n t h u m verquicken. Nur. wir wollen dagegen vermerken, daß wir die traulichsten d e u t s ch e n S t u n d e n b e i jüdischen H a u s i r e r n i n A r a d, in d e u t s ch - j ü d i s ch e n W e inkneipen mitten im Serbenviertel zugebracht haben, die sonst kein „Germane" zu betreten wagt, weil er Angst hat, die Juden könnten ihn „schächten" und dann als Kalbscotelett verkaufen. Wir sind aber völlig ungeschächtet aus Ungarn und „Schwaben" heimgekommen, nicht oyne uns zu überzeugen, daß der deutsche Jude auf dem Lande da. wo nicht der Germane dasselbe Beispiel gibt, durch viele wirthschaftliche und häusliche Tugenden besonders unter den slavischen, d. h. slovakischen, serbischen und zigeunerischen, noch zurückgebliebenen Leuten als Bolkser sicher wirkt. Denn er verkauft nicht etwa nur „Schnaps", den ihm höchst germanische Schnapsbrennereien liefern, nm die Völker zu verderben, sondern er lehrt sein slovakisches und se.bisches Gesinde sauber buttern, er schlachtet, baut sein Meirichen und sorgt dafür, daß die Preise nicht zu Hoch anziehen sondern erschwinglich bleiben, wenn etwa die Landgroßherren allzu üppig werde u." Was sagen unsere Bolklichen, Völkischen und wie sie sich sonst noch nennen mögen, zu diesen Aeußerungen eines sicherlich unverfälschten Germanen? Zum Schluffe noch eine bescheidene Anfrage an die vereheliche Kölnische. Wie reimt sich solch unparteiische Sprache in den antisemitelnden Ablagerungen ihres Wiener Dr. Johannes? Wien. (Die Gewerbetreibenden und Industriellen für die Beschleunigung von Bestellungen.) Der Verein zur Hebung der Gewerbe hielt am Samstaa, den 26. October eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Der. Präsident, Herr Brod, theitte mit, daß ein Schreiben Sr. Excellenz des Handels Ministers Call eing-langt sei, in welchem derselbe mit Hinweis aus den beigefügten Gesetzentwurf „Schutz gegen unlauter» Wettbewerb" den Wunsch au?svricht, daß dieser Gesetzentwurf im Vereine zur Hebung der Gewerbe berathen. zu jedem Paragraphen die Meinung abgegeben und ein vollständiges Elaborat am 31. December dem Ministerium überreicht werde. Selbstredend wird dieser ehrenden Aufforderung Folge geleistet und eine diesbezügliche Expertise einberusen werden. Der Vorsitzende erörterte ferner in ausführlicher Weise die ungünstige Lage der ö st e r r e i ch i s ch e n Industrie und empfahl untenstehende Resolution an die hoben Ministerien, welche unter großem Beifalle e i n st i m m i g angenommen wurde: „Nachdem in der letzten Session die beiden Häuser des Reichsrathes mit anerkenne,',swerther Muvific'nz die große Jnvestitionsvorkage für Eisenbahn- und Wasserbauten in der Höhe von 560 Millionen beschloffen, jo g ht die ergebene Bitte des Vereines zur Hebung oer Gewerbe dahin, ...Die hohen k. k. Ministerien geruhen möglichst sofort einen großen Theil dieser erforderlichen Arbeiten und Lieferungen an ausschließlich österreichische Fabrikanten und Gewerbetreibende zur Vergebung gelangen zu lassen'". Durch diese ausgiebige Abhilfe wird die vaterländische Industrie und das darniederliegende Gewerbe auf Jahre hinaus gekräitigt, wieder blühen und gedeihen, und auch die Arbeiterbevölkerung wird dauernden Erwerb erhalten." Sodann hielt Herr Reichsrathsabgeordneter Wrabetz einen sehr ausführlichen und interessanten Bortrag „über Aender u n g der §§ 59 und 60", der mit großem Beifalle ausgenommen wurde und eine lebhafte Debatte hervorrief, an welche sich vorwiegend die Herren Bicepräses L. G u t t m a n n, S t i a ß n y, Dr. E t t i n, Architekt Reiner rc. betheiligten.

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