Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 44 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 724 Dx. Bloch's Wochenschrift. Nr. 44 wett es eben die spärlichen Mittel gestatten, vollständig bekleidet, verköstigt und mit Geldmittet versehen. Sowohl die Internisten, als auch die Exteruisten. zusammen 60 an der Zahl, erhalten eine gewerblich? Ausbildung. Während der kurzen Zeit des Bestandes dieses Kaiserin Elisaberh-Lehrmädchen-Horts wurden bereits 22 jüdisch? Mädchen gewerblich vollständig ausgebildet und hiedurch in die Möglichkeit gesetzt, nicht allein sich, sondern auch ihren in Roth schmachtenden nächsten Angehörigen ein menschenwürdiges Dasein schaffen zu können. Diewohltbätig wirkende Vereinsleitung begnügt sich aber nicht damit, die ihrerObhut anvertrauten Zöglinge, Internisten sowohl wie Externisten, während ihres Aufenthaltes im Lehrmädchen-Hort gewerblich auszubilden und gewissenhaftest zu beaufsichtigen, sondern sie ist auch darauf bedacht, dieselben nach vollendeter Lehrzeit stets im Äuge zu behalten und denselben durch Schaffung voitheilhafter Stellungen das Fortkommen zu erleichtern und zu sichern. Es ist daher auch nicht übertrieben, wenn gesagt wird, daß der Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen-Hort, der unter der Patronanz ocs Leopo'.dstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereines steht, einen ausgezeichneten Ruf weit über die Grenzen unseres Vaterlandes erlangt hat. was wohl am Unzweifelhaftesten daraus hervorgeht, oaß zwei dieser jüdischen Zöglinge, von denen die Eine zur Kunststickerei, die Andere im Modistenfache ausgebildet wurden, von der Israelitischen Allianz als Lehrerinnen in einer Sckule in Coustantinopel zu wirken engagirt worden sind. Man wird es wohl begreiflich finden, daß die Gesuche um Aufnahme in den Hort zahllos einlaufen, allein schweren Herzens abgewiesen werden müffen, aus Gründen, die schon wiederholt ins Treffen geführt worden, sind. Der Raum dieses Blattes gestattet nicht, in alle Details einzugehen und das segenbringende Schaffen und Wirken des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkettsvereines ins richtige Licht zu setzen. Es wird sich wohl noch Gelegenheit finden, darauf in nächster Zeit wieder zurückzukommen. Es erübrigt uns daher noch, den Appell des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereines an das gute Herz unserer Glaubensgenossen zu erneuern und es unseren mtt Glücksgütern gedachten Glaubensgenossen wärmstens ans Herz zu legen, die höheren Ziele und edeln Zwecke dieses Vereines nach Thunlichkeit zu fördern und uach jeder Richtung hin zu ' unterstützen. Der Segen des Allmächtigen wird ihnen dafür zutheil werden und jedes gute Werk zur tausendfachen Vergeltung bringen. Wir können aber nicht schließen, ohne der hingebungsvollen und aufopfernden Thätigkeit der Functionäre des Leopoldstäoter Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, der Vorstandsdamen, mit der nimmermüden Präsidentin Frau kais. Rath Dr. Bertha Ko h n an der Sp.tze, und des Beirathes in dankbarer Weise zu gedenken. Mögen diese Functionäre für ihren rastlosen Eifer, für die unentwegteste Förderung der Bereinszwccke reichlichen Lohn finden in dem Bewußtsein, ein gutes golt- und menschengefäll g?s Werk vollbracht zu haben. Allen Gönnern und Förderern des Vereines aber empfehlen wir das im II. Bezirke, Obere Donaustraße 65 befindliche Internat d?s unter der Patronanz des Leopoldstädter Frauen - Wohlthätigkeitsvereines stehenden Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen-Hort zu besichtigen. Sie werden sich an dem Anblicke erheben und erquicken und allen Denen reiches Lob spenden, die in irgend welcher Weise Mitwirken, eine derartige, musterhaft verwaltete und geleitete Institution geschaffen zu haben. Eduard Beer. Vom Lstzrmarkt des Lebens. Die Hetze gegen die Frucht- und Mehlbörse. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Die jahrelange Hetze gegen die sogenannten „ungarifchenKörndljuden" trägt ihre Früchte. Während man in Deutschland zu begreifen anfängt, daß die Aufhebung des Getreide-Terminhandels die landwirthschaftliche Production schutzlos der amerikanischen Concurrenz preisgegeben hat und den Fehler wieder gut macht, geht man in Oesterreich daran, der Börse für landwirthschaftliche Producte lediglich aus purem Haffe gegen deren jüdische Besucher das Lebenslicht auszublasen. Denn das Verbot des Terminhandels kann keine andere Wirkung als die gänzliche Vernichtung dieser Institution nach sich ziehen. Warum es so gekommen ist und die Regierung trotz besserer Einsicht den Ohrenbläsereien der 'antisemitischen Bauernapostel und der brotwuchernden Müller Gehör schenkt, ist ein langes und breites Capitel, das ich hier nicht ausspinnen möchte. Aber es soll ausgesprochen werden, daß die Börsekammer nicht frei von jeder Schuld ist, indem sie dem Treiben jener Hetzer nur zu lange mit verschränkten Armen zusah. Ich erinnere mich da an die Episode, die sich vor einiger Zeit an der Fruchtbörse abspielte. Eines Tages erschien daselbst der Handelsminister zu Besuch. Er wurde vom Präsidium der Börse empfangen und in den Saal geleitet. Dort trat ihm ein bekannter antisemitischer Agitator, der seit Jahren seine Zugehörigkeit zur Börse dazu mißbraucht, um gegen diese zu hetzen, entgegen. Der Minister reichte ihm die Hand und ließ sich von ihm nicht nur geleiten, sondern auch alle gewünschten Ausklärungen geben. Die officiellen Functionäre der Fruchtbörse mit dem Vicepräsidenten an der Spitze durften hübsch hinterdrein traben, und keinem dieser Herren fiel es ein, dem Minister zu sagen, daß Herr F. sich eine ihm nicht gebührende Rolle anmaße und daß sie sich höflich empfehlen müßten, wenn der Minister die Führung dieses Herrn jener der officiellen Persönlichkeiten vorziehe. Unter solchen Umständen ist es begreiflich, wenn die Regierung der Willensmeinung der berufenen Repräsentanz in dieser Lebensfrage der Börse kein Gewicht beimißt. Für die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend, hochachtungsroll I. Sch. Ein judenreiner Bank-Scandal. Wir haben bereits erwähnt, daß sämmtliche, an dem Zusammenbruche der „Oedenburger Bau- und Bodencreditbank" mitschuldigen Persönlichkeiten racenreine Arier sind. Sie gehören der obersten Gescllschastsschichte der gut antisemitisch gesinnten Oedenburger Bürgerschaft an. Nicht nur die Angestellten der Bank, vom Director Schladerer bis zum letzten Bureaudiener, auch die Dircction und der Aufsichtsrath waren durchaus.judenrein. Mehr oder weniger betheiligt sind folgende Persönlichkeiten, hinter deren Namen das „Deutsche Vvlksbiatt" gewiß nicht das ominöse Rufzeichen setzen wird: Director Adolf Schladerer, Hmptcassier Julius Wrchowszky, Oberbuchhalter Arthur Prohaska,. Präsident I. P. R u ß, Vicepräsident .August. Friedrich, Fabrikant Gustav Zettl, Baumeister Martin Schneider, Ziegeldecker Josef F e l k l, Bürgermeister Josef v. Gebhardt, Eisenhändler Ferdinand T h i r r i n g, Gemeinverath Dr. Josef v. K a n i a, Kaufmann Josef M e ch l e. Magistratsrath Dr. Alexander K r e t s ch y. Auch unter den Clienten der Bank befand sich kein Jude. Die arischen „Edelmenschen" haben den ganzen Schwindel unter sich allein abgemacht und dabel mit stolzem Hochmuth auf die Mischen Bewohner Oedenburgs herabgesthen, die inmitten ihrer antisemitischen Mitbürger mühevoll aber redlich ihr Brot verdienten. Der Schaden, den die saubere Gesellschaft anrichtete, beträgt ca. 10 Millionen Kronen. Sowohl die Oberbeamten als auch der Präsident und Vicepräsident wurden in Verwahrungshast genommen. Der Letztere fragte bei der Verhaftung höchst ipdignirt den Untersuchungsrichter, ob ein solches Vorgehen einem Oedenburger Bürger gegenüber gerechtfertigt sei. Nach der Ansicht des Herrn Vicepräsidenten darf ein Antisemit wohl stehlen, eingesperrt aber darf nur der Jude werden. Antisemitische Bubenstücke. Eines jener Blätter, welche sich die Aufgabe gestellt haben, die Lüge, den Aberglauben und den Bildungshaß zu verbreiten, ist die in Olmütz erscheinende „Mährisch-schlesische Post". In der Nummer vom 18. October erzählt sie ihren Lesern an leitender Stelle die wiederholt von uns gebrandmarkte Lüge, daß Montefiore angeblich im Jahre 1840 seine Glaubensgenossen aufgefordert hat, sich der Presse zu bemächtigen, um die Welt zu betäuben und zu täuschen. Wir haben diese gemeine Lüge ausführlich entlarvt in Nr. 33, Jahrgang 1885, und in Nr. 3,- Jahrgang 1889 unter „Literarische Bübereien" und hatten seitdem wiederholt Gelegenheit, die Verbreiter dieser Lüge zu brandmarken. Das Alles hälr die schwarze Bande nicht ab, diese blöde Lüge neuerdings zu wiederholen und im Geschäftsinteresse neuerdings auszubeuten. Die antisemitischen Tintenculis betreiben offenbar die Lüge als ihren Cultus. Die saubere „Mährisch-schlesische Post" rühmt sich, in mehr als 500 katholischen Klöstern, Pfarrhöfen und Gesellenvereinen aufzuliegen. Besten Appetit zu dieser Lügensuppe.