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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-25 · 43 (25.10.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 43 Br. Vloch's WochenschrM, Seite 717 hundert Frauen, zumeist von Arbeitgebern, die sich erst seit Kurzem selbstständig gemacht haben und die trotzdem für die nicht unberechtigten Forderungen der Arbeiter kein Entgegenkommen zeigen. Die Arbeiter verlangen eine zehnstündige Arbeitszeit und eine Lohnerhöhung, würden sich aber mit der Bewilligung der ersten Forderung allein begnügen, da sie gegenwärtig in der Saison 15, ja 17 Stunden täglich arbeiten und dafür während einiger Monate im Jahre beschäftigungslos sind. Dieser Uebelstand hängt mit der Thatsache zusammen, daß die meisten Arbeitgeber nur wenig Betriebscapital haben und in Folge dessen gezwungen sind, die auf die hergestellten Modelle eingelaufenen Bestellungen abzuwarten, ehe sie ihre Arbeiter beschäftigen können. Die Arbeiter, die fast durchwegs dem Fachvereine angehören, sind sehr st ramm organisirt und fest entschlossen, ihre Forderungen durchzusetzen, obwohl die anderen Fachvereine der Arbeitsbörse ihnen gegenüber eine Gleichgiltigkeit zur Schau tragen, die unter Proletariern überraschen muß. London. (Rosch-Haschonoh in Johannesburg.) Seit einer Reihe von Monaten darf allwöchentlich eine beschränkte Anzahl von Flüchtlingen aus den südafrikanischen Hafenplätzen wieder nach dem „Rand" zurückkehren, um ihre alte Beschäftigung als Goldgräber, Hoteliers, Materialwaarenhändler rc. daselbst wieder aufzunehmen. Die Erlaubniß wird sehr vorsichtig und nur an höchstens-100 Personen wöchentlich ertheilt, dennoch scheint die Zahl der Juden in Johannesburg bereits wieder sehr erheblich gewachsen zu sein» da am Rosch-Haschonoh sämmtliche fünf Synagogen von Johannesburg mit Betenden vollgepfropft waren. Noch nie und nirgends wurde so heiß und innig gebetet, wie am 13. September 1901 in den Synagogen zu Johannesburg. Die frommen und unglücklichen Flüchtlinge sandten inbrünstige Gebete zum Himmel empor, dieser möge endlich Friede auf Erden werden lassen, damit die Menschen auf derselben sich in Ruhe ihr bischen Unterhalt suchen könnten. Da donnerten mitten in das inbrünstige Gebet die Geschütze hinein und rissen die frommen russischen Juden brutal aus ihrer Andacht. Eine Burenabtheilung hat sich bis vor den Mauern von Johannesburg vorgewagt und nun hieß es für Soldaten und Goldgräber die Stätte der Andacht verlassen und zu den Waffen eilen. Der Lärm war kaum der Rede werth, die Buren- Patrouille dachte nicht darau, das wohlbefestigte und gut bewachte Johannesburg wirklich zu attaquiren. Allein der Gottesdienst in allen Synagogen von Johannesburg war doch gestört. Erst spät am Abend konnte er wieder ausgenommen und erst gegen 1 Uhr Nachts beendet werden. So haben die Juden von Johannesburg den ersten Abend des Rosch-Haschonoh verbracht, der ihnen für den ganzen Rest ihres Lebens wohl unvergeßlich bleiben wird. Vermischtes. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Der Verein ladet zu dem S a m st a g den 26. d. M., 7*8 Uhr Abends, in Khuner's Saal-Localitäten stattfindenden Vortrag des Reichsrathsabgeordneten Herrn Carl Wrabetz ein. Dem Vortrage wird aus kaufmännischen Kreisen mit lebhaftem Interesse entgegengesehen, da das zur Besprechung gelangende neue Gesetz (Abänderung der §§ 59 und 60 der Gewerbe-Ordnung) gerade diese Kreise am empfindlichsten berührt. Gäste willkommen. E.B. Wien. (Vermählung.) Vorige Woche hat sich der Fabriksbesitzer Herr Paul Hirsch, Sohn des im Vorjahre verstorbenen Großindustriellen Herrn Hermann Hirsch und Neffe des Cultusvorstehers kaiserl. Rathes Herrn Moritz Hirsch, mit Fräulein Gisi Lothringer vermählt. Wien. Am Donnerstag den 17. October feierte in aller Stille der Industrielle Herr S. Steiner, Thonwaarenfabrikant, mit seiner Gattin Wilhelmine das Fest der silbernen Hochzeit. Auf dessen ausdrücklichen Wunsch mußte jede Feier unterbleiben. Wer den Jubilar näher kennt, wird den Fleiß, die Rührigkeit und die Ausdauer bewundern, die den bescheidenen Anfänger zu dem Besitzer eines der ersten Etablissements seiner Branche geführt hat. Als Mitglied des Vorstandes im „Verein zur Hebung der Gewerbe" hat er durch 10 Jahre seine praktischen Gedanken zum Wohle der gewerbetreibenden Bevölkerung zur Geltung gebracht. Auch als Menschenfreund und Jude hat er sein reiches jüdisches Wissen und sein angeborenes jüdisches Herz jederzeit humanen Institutionen zugewendet. In gleichem Sinne wirkt auch seine Gattin an der Seite ihres Gemahls. Sie hat als Vice-Präsidentin des Frauen-Vereines im Vlll. Bezirke für Arme und Bedrängte jederzeit offene Thüre. Möge das Jubelpaar das goldene Hochzeitsfest in voller Rüstigkeit erreichen. Wien-Mariahils. Die am 20. d. M. im Mariahilfer Tempel stattgefundene Trauung der ältesten Tochter des verdienstvollen Bicepräsidenten des Tempelvereines für den VI. und VII. Bezirkes, Herrn Dr. Jacob Engel mit Herrn M.-Dr. Moritz Schönfeld, zeigte neuerlich, welch' aufrichtiger Sympathien sich der Brautvater t» den weitesten Kreisen erfreut. Schon Tags vorder hatte sich in seiner Wohnung eine Deputation des Mariahilfer Tempelvereines, bestehend aus dem Präsidenten Herrn Architekt Fleischer, dem Schriftführer Herrn Lieber manu und Vorstandsmitgliede Herrn T o f f l e r, eingefunden und üöerbrachte ihm eine prachtvoll ausgestattete kalligraphische Adresse, die Herr Architekt Fleischer mit einer warm empfundenen Ansprache überreichte. Eine Abordnung des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, dessen Borstande die Brautmutter seit vielen Jahren angehört, überbrachte unter Führung der Bicepräsidentin Frau Strauß eine herrliche Blumenspende. Am Hochzeitstage empfing Herr Doctor Engel die Delegationen jener zahlreichen humanitären und gemeinnützigen Vereine, denen er theils als Obmann, theils in leirender Stellung augehört. Die Trauung selbst gestaltete sich zu einer überaus herzlichen Kundgebung der Verehrung und Werthfchätzung, der sich die Familie Engel seitens ihrer ungezählten Freunde und Bekannten zu erfreuen hat. Das mit exotischen Plauzen und Blmnenschmnck prächtig decorirte Gotteshaus konu e die Zahl der Festthettnehmer nicht fassen und Hunderte mußten im Tempelhofe warten, um wenigstens bei der Abfahrt der Hochzeitsgäste ihre Anhänglichkeit und Theilnahme durch herzliche Zurufe zu mamfestiren. Den Trauungsact vollzog Herr Gemeinderabbiner Dr. Ta glicht, dessen gedankenreiche, fesselnde Ansprache den Mittelpunkt der wahrhaft erhebenden Feier bildete; den cantoralen Theil besorgte in gewohnter Meisterschaft Herr Obercantor Dünmann, der von dem trefflichen Tempelchore in wirksamster Weise unterstützt wurde. Erwähnen möchten wir noch, daß der Familie Engel nicht weniger als 700 schriftliche Gratulationen, darunter fast die Hälfte telegraphische, aus diesem Anlasse zukamen. Wien. (Bei d e n W a h l e n in die E r w e r b st e u e r- C o m m i s s i o n) in der dritten Steuerclasse wurde Herr Doctor Emanuel Blum in die Steuercommission designirt. Wien. (S a ch v e r st ä n d i g e für d as B u ch-, B an ku n d B ö r s e n f a ch.) Die Herren Moritz Reif, in Firma B. Reif u. Sohn, und Jacob Gundelfinger, in Firma Gundelfinger u. Co., wurden zu beeideten Sachverständigen für das Buch-, Bank- und Börsenfach beim Landesgerichte in Wien ernannt. Wien. Am Samstag fand der erste Jugend-Gottesdienst für Mädchen im neuen Tempel in solennster Weise statt und erschienen auch aus diesem Anlasse Herr Direktor S i m o n als Vertreter des Eultnsvorstandes. ferner Herr Jnspector K a n i tz, die Eltern und Verwandten der drei Confirmanden, die mit lebhaftem Interesse die inhaltreiche Exhorte des Herrn Wilhelm Breuer, Sohn des allzufrüh verblichenen Rabbiner Breuer, hörten, und wäre nur noch der Wunsch gerechtfertigt, daß nicht blos bei der Eröffnung, sondern stetig die allseittge Theilnahme für diese modern-religiöse Institution sich documentiren möchte. Wien. (Todesfall.) Der hiesige praktische Arzt Doctoc Eduard F r r s ch a u e r hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Seine einzige Schwester Frau Katharina Koritschoner, Gattin des Gutsbesitzers Herrn Leopold Koritschoner in Unter-Wisternitz, eine Frau von seltenen Herzens- und Geistesgaben, ist am 17. d. zu Grabe getragen worden. Das in Nikolsburg stattgefundene Leichenbegänguiß gestaltete sich auch zu einer imposanten Trauerkundgebung. Die gesammte Einwohnerschaft schloß sich den Leidtragenden auf dem letzten Geleite an. E. B. Wien. (Ordensdecoration.) Der Bicepräsident des Schiedsgerichtes der Wiener Effectenbörse Herr L. N e u f e l d wurde durch Verleihung des Franz Josef-Ordens von Sr. Majestät dem Kaiser ausgezeichnet. Herr Neufeld gehör i dem genannten Schiedsgerichte länger als ein Vierteljahrhundert an. Der Decorirte zählt zu den populärsten Mitgliedern der Wiener Effecteubörse. Wien. Bekanntlich hat Richard Wagner seine Schrift „Das Judenthum in der Musik" der Gräfin Marie Neffelrodc, gewidmet. Eine merkwürdige Ironie der Geschichte will es nun. daß ein Enkel dieser Gräfin Nesselrode jener hochsinnige Gras Heinrich Coudenhove ist, dessen eingehend von Ihnen gewürdigte Schrift „Das Wesen des Anlisemitismus" sich geradezu zu etrnv Verherrlichung des Judenthums gestaltet!

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