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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-25 · 43 (25.10.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 714 Nr. 43 Dr. Blocht Wychenschrist« Dr. A. Reich, M. Rävai, Paul Sändor und Dr. W. Vazsonyi. Paul.Sändor vertritt den V. und Dr. W. Vazsonyi den VI. Bezirk der Hauptstadt. Einzig in ihrer Art gestaltete sich die Wahl Dr. BLzsonyi's, für den sich eine Opferwilligkeit und Begeisterung kundgab, wie sie nur in den seltensten Fällen constatirt wird. Seine Genialität, seine Eloquenz, sein tiefes Wissen, seine Energie und Principienfestigkeit sind Eigenschaften, die ihn zu einer großen Zukunft prädestiniren. Er ist bereits durch seine glänzende Feder im ganzen Lande bekannt und deshalb wurde seine Wahl, die einer von Beginn an siegreichen Schlacht glich, mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen. Was mit hoher Genugthuung erfüllt, ist die Thatsache, daß Dr. Väzsonyi auch ein Jude ist, der für sein Judenthum Herz und Gefühl besitzt und gegebenen Falles für uns eintreten kann und wird, da er sich stets für jüdische Angelegenheiten interessirte und auch an der Bewegung in Sachen der Reception hervorragenden Antheil hatte. Auch Paul Sändor hat sich als Jude bei der Rumänenaction in edler Weise bethätigt und wird hoffentlich, so es nöthig sein sollte, nicht zögern, unsere Ehre zu vertheidigen. Dr. Bakonyi, dem Abgeordneten Debreczin's, rühmt man eine hinreißende Beredtsamkeit und warmes Empfinden für Juden und Judenthum nach. Bezüglich der Uebrigen ist es unmöglich, auch nur muthmaßlich ihre Haltung vorauszusetzen, so es sich darum handeln sollte, für Juden und Judenthum an und für sich einzutreten. Sie dürsten ebenso gut Schmähungen und Angriffe auf ihre Religion und ihre Glaubensgenossen schweigend über sich ergehen lasten, wie dies die Mehrzahl der bisherigen jüdischen Abgeordneten — Ehre den bekannten Ausnahmen — zu thun für gut fand, vielleicht aber werden sie der Ansicht sein, daß es ehrenhafter ist, für seine Brüder mannhaft einzutreten, als durch feiges Schweigen sich selbst verächtlich zu machen. Bon den Juden, die dem neuen Parlamente sernbleiben, bedauern wir besonders Dr. M e z e i und Dr. I. Rosenberg, da wir ihres spontanen Eintretens für unsere gefährdeten Rechte, für unsere Ehre sicher waren. Und daß wir dessen bedürfen werden, dafür wird der agrar-clericale Heerbann, der unter liberaler Flagge manchen Schlag gegen Freiheit und Gleichheit zu führen gedenkt, schon reichlich sorgen. Budapest. (JnstallationdesOfenerRabbiners.) Die Ofener israelitische Gemeinde feierte den Amtsantritt des neuen Rabbiners Dr. Arnold K i ß. eines hochbegabten, von echter Frömmigkeit durchdrungenen und poetisch veranlagten Seelsorgers, auf den die Ofener Israeliten schon heute stolz sind. Der Jnstallationsfeier wohnte nebst der ganzen Ofener Cultusgemeinde eine Schaar illustrer Gäste bei, darunter der Reichstagsabgeordnete des Bezirks, Ackerbauminister Dr. Ignaz Daränyi, die Abgeordneten der beiden anderen Ofener Bezirke Dr. Max F a l k und Joseph V 6 ß i, Staatssecretär Michael Zsilinßky in Vertretung des Cultusministers, Ministerialrath Bela Romy in Vertretung des Ministerpräsidenten, der Präsident der Pester israelitischen Cultusgemeinde Sigmund Kühner, der Präsident der israelitischen Landeskanzlei Martin Schweiger, Präparandiedirector Dr. Joseph B ä n o c z i, der Ofener ref. Seelsorger Benö Haypäl, die Rabbiner Dr. Julius W e i ß b u r g (Pest), Dr. Jlles Adler (Ofen). Dr. Venetianer (Neupest), Dr. Edelstein, Sectionsrath C s o r b a, Bezirksphysikus Dr. Moriz Sipos (Spitzer), Consul Birnbaum, Secretär der Pester „Chewra - Kadischa" Doctor M e z e i, Mittelschuldirector Georg Duma, Sigmund L. Breitner, Deputationen von Neupest, Waitzen, Stuhlweitzenburg, Veßprim, Altofen, zahlreiche Stadtrepräsentanten der Ofener Bezirke rc. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Dem neuen Rabbiner waren Deputationen nach Vehprim und Stuhlweißenburg entgegengefahren. Im Südbahnhof begrüßte der Präsident der Ofener israelitischen Cultusgemeinde Dr. Isidor Szabolcsi den in Gesellschaft seines Vaters, des Großbecskereker Rabbiners Dr. Moriz Klein, eingetroffenen Rabbiner, während die Präsidentin d es Ofener israelitischen Frauenvereines Frau Moriz Steiner in Begleitung von zwölf weißgekleideten Mädchen die Gattin des Rabbiners bewillkommnete. Zunächst wurde der Rabbiner in das Gemeindehaus geleitet, in dessen Prunksaal Rabbiner Dr. Bernhard Edelstein den -neuen Seelenhirten begrüßte. Dann begab sich die ganze Gesellschaft in den Tempel, wo sich inzwischen die Festgäste eingefunden hatten. Mit einem stimmungsvollen Chorgesang unter Leitung des Obercantors Eduard Weiß begann die Feier, dann wurde der 118. Psalm gesungen, und nun betrat Rabbiner Doctor Moriz Klein die Kanzel, um die Jnstallationsrede zu halten. Er begann mit einem ergreifenden Gebete und wandte sich dann au seinen Sohn, den neuen Rabbiner, den er in zu Herzen dringenden Worten ermahnte, er möge iemer Gemeinde und seinem Vaterlande zum Segen gereichen. Nun wurde vom prächtig eingeschulten und viel frische Stimmen aufweisenden Tempelchor der 150. Psalm gesungen und hierauf betrat Dr. Arnold K i ß die Kanzel, um seine Antrittspredigt zu halten. Auch er begann mit einem Gebet, aber mit einem Gebet von einer Innigkeit und einem poetischen Schwung, wie nian es in diesem Saale kaum noch gehört haben mag. Es war ein Gedicht in Prosa, in einer Prosa, wie sie einem Dichtergenins ersten Ranges zur Ehre gereichen würde. Andächtig lauschte Alles auf den Wohllaut, welcher dem kräftigen, überaus sympathischen Organ des Redners entquoll. Schön wie das Gebet war dann auch die Darlegung der Art und Weise, wie der Redner seine Pflichten auffaßt, wie er ihnen nachzukommen gedenkt. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte Alles dem oratorischen Meisterwerke, und als Dr. Kiß seine Predigt beendet hatte, beeilten sich die illnstren Gäste, Allen voran Minister D a r ä n y i, dem Redner ihre Glückwünsche darzubringen. Die Absingung des „Himnusz“ bildete den würdigen Schluß der Feier, welche Allen, die ihr anwohnten, unvergeßlich bleiben wird. Oedenburg. Ueber die Oedenburger Bau- und Boden credit bank wurde vor wenigen Tagen der C o nc u r s verhängt. Wie hoch die unbedeckten Passiven sind, läßt sich noch nicht feststellen. Im Publicum spricht man von mehr-als drei Millionen Gulden. Es läßt sich denken, daß die allgemeine Aufregung ungeheuer groß ist, da sowohl die Einleger als auch alle anderen Committenten befürchten, daß sie gar nichts von ihrem Gelde bekommen. Man denke nur, was geschehen würde, wenn Juden die Hauptpersonen bei diesem Institute gewesen wären! — Nun, zum Glücke ist weder in der Direktion, noch im Verwaltungsrath, noch im Beamtenkörper irgend ein Jude. Vor einer solchen Verunreinigung wußte sich die rein christliche Bank weislich zu hüten. Diese Thatsache ist verlockend, über die ungarischen Verhältuiffe im Allgemeinen und die in diesem Comitate im Besonderen herrschenden Verhältnisse ausführlich zu berichten. Doch lassen wir das und begnügen wir uns mit der Constatirung, daß die erwähnte christliche Bank durch volle 19 Jahre schwindelte und betrog und daß kein einziger Jude dabei seine Hand im Spiele hatte. Die Toleranz des Erzbischof Samaffa in Erlau hat sich jüngst folgendermaßen manifestirt. In der Nähe von Erlau hat eine Üeberschwemnrung viel Schaden angerichtet, namentlich einem Glaubensgenossen, Moriz Kohu, nahm sie sein ganzes Hab und Gut. Der hochherzige Erzbischof ließ sich über die Katastrophe ausführlich berichten und begab sich in das Dorf, um den Einwohnern Hilfe zu bringen. ~ Unter Andern suchte er auch Kohu auf. dessen Haus ganz ruinirt war. Dieser und sein Weib bemühten sich einen Sitz für den illnstren Gast zu finden. Wie überrascht waren sie jedoch, als er erklärte, er und sein Secretär seien gekommen, um an ihrem Mittagmahle theilzunehmen. „Frau Kohn, haben sie ein gutes Mittagmahl vorbereitet? Wir sind deshalb gekommen." „Eminenz", antwortete die Frau, „was ich gekocht habe, ist für einen solch großen Herrn nicht gut genug." „Was haben sie denn gekocht?" „Ein wenig Bohnensuppe." „Warum kochten sie nicht etwas Fleisch?" „Wir sind arm, Eminenz, nur am Sabbath kommt ein wenig Fleisch auf unfern Tisch." Der Erzbischof wünschte von der Bohnensuppe zu essen und als er seinen Teller geleert hatte, gab er dem armen Weibe eine ansehnliche Summe und verschwand so rasch, daß sie dem edlen Kirchenfürsten nicht einmal zu danken vermochte Krakau. Wie bekannt, hat der Wiener Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien in seinen Statuten sich Vorbehalten, in allen Städten der österreichischen Reichshälfte Ortsgruppen (Zweigvereine) zu gründen. In Krakau trat nun eine solche Ortsgruppe zusammen und hielt bereits am 17. September unter Vorsitz des Herrn Dr. Hermann Brum er, Präses der Bne Bris-Loge, die constituirende Versammlung ab. Der Vorsitzende erörterte eingehend den Zweck der Versammlung und verlas einen Bericht der Centrale in Wien. Aus diesem für die armen Juden in Galizien hoffnuligsvollen Berichte entnehmen wir Folgendes: Der Vorstand des Hilfsvereins in Wien ist zur unumstößlichen Kenntniß gelangt, daß nur die Verschaffung von Arbeitsgelegenheit durch H a u s i n d u st r i e e n das Wichtigste zur Linderung des jüdischen Elends in Galizien wäre. Der Vorstand bemüht sich daher, um Exporteure namhaft zu machen, welche großen Waarenbedarf haben und deren Erzeugnisse lediglich aus der Hausindustrie hervorgeheu. Und es fand sich glücklicherweise ein Exporteur in Wien, der in großen Massen Haar- und Seidennetze in viele Länder verschickt, bisher in Niederösterreich, Böhmen und Mähren Factoreien besitzt undeinige Tausend Familien durch die Ertheilung von Arbeit (die Ausarbeitung von Netzen) beschäftigt und in der Lage ist, weitere 10.000 Arbeiter und Arbeiterinnen dauernd zu beschäftigen. Dieser Exporteur schickte vor 2 Monaten seinen Oberfactor, Herrn Lewith, nach galizischen kleinen Orten mit 11 Lehrerinnen, um

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