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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-25 · 43 (25.10.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 712 Dr. Bloch's Wochrnschrift, Nr. 43 Grätz hat mit seiner Vermuthung Recht, daß schon Ewil Merodaib den König Jehojachin zum Basallkönig erhoben hätte, wenn ihn nicht der Tod ereilt hätte (a. a. O.) Die Wiedereinsetzung entthronter Dynastien in ihre Fürstenwürde, nachdem sie sich dem Großherrscher angeschloffen hatten, gehörte zur Völkerpolitik der babylonischen Könige. Wie Jvsephus berichtet, hat der Großkönig Navonit I. einen phönizischen Großen, Merbal mit Namen, zum König von Tyrus eingesetzt und nach dessen Tode übertrug er die Regierung seinem Bruder Hirum. Diese Politik haben die persischen Herrscher acceptirt und suchten sie schrittweise durchzuführen. Cyrus machte den Anfang mit der Erlaubniß des Tempelbaues. Darius der Erste erneuerte die Privilegien. Einwanderungen folgten in auseinanderfolgenden Zeitabschnitten, und wenn Artaxerxes einen jüdischen Prinzen, der ihm ergeben war, mit einer neuen Expedition nach Judäa betraute, ihn als Pascha, Fürst oder Vasall einsetzte, so that er nur das, was, wie Herodot berichtet, die Achaemeniden als ihr Regierungsprincip hinstellten und auch durchführten, in allen ehemaligen selbstständigen Reichen ihnen treu ergebene depofsedirte Fürsten als Könige unter persischer Patronanz zu installiren. Tirschata war ein solcher Vasall und die Wahl des Großkönigs ist auch auf den Würdigsten gefallen. Denn große und herrliche Eigenschaften zierten sein Wesen. Glühende Liebe für sein Vaterland Judäa, Hingebung für sein Volk, für Gott, für den Glauben seiner Väter bilden die Hauptzüge seines Charakters. Dazu gesellte sich Opierwilligkeit, Uneigennützigkeit, Gottesfurcht und ein stolzes Standesbewußtsein, welches er niemals in allen verschiedenen Verhältnissen, in denen er sich befand, auch nur einen Augenblick verleugnete. Tief ergreifend und erschütternd ist das Gebet, in welchem er sein Herz vor Gott ausschüttet, rührend und imponirend sein Betragen vor dem Großkönig, stolz und würdevoll sein Aufbruch in das Land seiner königlichen Ahnen. Denn nicht wie Esra pruuklos und jede Begleitung ablehnend, war sein Abschied von Persien. Ein großer militärischer Cortöge mit königlichen Obersten und Equitation umgab ihn auf seiner Statthalterfahrt. Unter diesem glänzenden Geleite erscheint er in den Gebieten seiner zukünftigen Verwaltung, übergibt feierlich die großköniglichen Sendschreiben an die Satrapen, kündigt Jedem, der es hören will, daß er als Organisator und Wohlthäter in den nothleidenden verwüsteten Drstricten erscheine. Dieses Aufsehen erregende Auftreten lenkt die Aufmerksamkeit von weit und breit auf ihn, „denn es hörten die Machthaber der Gegend und es mißfiel ihnen sehr, daß eine Persönlichkeit gekommen ist. uni Gutes zu erweisen den Kindern Israels". (Nehemias 2—10.) Ebenso feierlich war der Einzug, den er in Jerusalem hielt (idiäeni 11). Nach dreitägiger Rast begann er an seine Aufgaben heranzutreten. Das Erste, was er unternahm, war die Erbauung einer Mauer um Jerusalem. Welchen Zweck wohl dieses Unternehmen haben sollte, das ist die Frage, die hier aufgeworfen werden muß. Eine Mauer als Schutz hätte nur dann eine Bedeutung, wenn sie eine Stadt mit zahlreichen Häusern und Inwohnern umgeben würde. Nun war aber Jerusalem verwüstet, so gut wie menschenleer die Häuser waren der Erde gleich gemacht. Der Altar, der Torso eines Tempels bedurfte nicht eines so mächtigen Bollwerkes. Ueberdies hat sich ein Prophet mit dem Thema, ob Jerusalem eine Mauer haben soll, beschäftigt. Er sieht die Nothwendigkeit einer Mauererrichtung nicht ein. Wenn auch die Stadt sich ausbreiten und viel Menschen und eine große Viehmenge in sich beherbergen sollte, meint er, so ist doch eine Mauer, da sie nicht zu Schutzzwecken errichtet wird, überflüssig. Der etwaige nothwendige Schutz wird vom Himmel kommen. „Eine offene Stadt wird Jerusalem sein, wenn auch viele Menschen und Vieh in ihr sich befinden werden. Ich werde sie mit einer feurigen Mauer umgeben, spricht Gott", so ruft der Seher Zacharias. (C. 2. 8. 9.) Die Mauer wurde durchaus nicht zum Schutze des Heiligthums oder der Bewohner errichtet. Das Ziel, das Tirschata anstrebte, muß daher ein anderes gewesen sein. Es bestand nämlich darin, den Grundstock zu einer nationalen Repräsentation zu schaffen, um nach Außen würdig zu erscheinen. Nicht wegen der gefährdeten öffentlichen Sicherheit, sondern um eine Art Hauptstadt zu creiren, wurden die Mauern errichtet, wodurch der Schein einer nationalen Selbstständigkeit entstehen konnte, weshalb auch die nichtjüdischen Nachbarn dieses als eine Auflehnung gegen die Regierung ansehen konnten, indem sie den Juden zuriefen: „Sie wollen sich gegen den König empören." (Nehemias 6.7.) So sehr mußte dieses den Eindruck einer Rcvolution machen, daß sie sich als persische Unterthanen für verpflichtet fühlten, mit Waffengewalt dem Unternehmen entgegenzutreten, in der sicheren Voraussetzung, die Anerkennung des Großkönigs sich zu erwerben, indem sie anstatt der persischen Truppen die Sache des Herrschers vertraten. Denn da das Land wenig Einwohner besaß, so erhielt es keinen eigenen Satrapen, dem gewöhnlich eine militärische Hilfstruppe zur Seite stand, sondern es stand unter dem Statthalter von Abar Nahara, der seinen Sitz in Tyrus hatte. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Israelitische Cultusgemeinde Wien. Eingelaufene Spenden: Von Herrn Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern für Arme.Kr. 300.— Von Herrn Sigmund Mandl für verschiedene Wohlthätigkeits-Institute.„ 200.— Von Herrn Karl Goldmark für den Armenfond der Cultusgemeinde............. # 5 Von Herrn Professor Julius Epstein für wohlthätige Zwecke. # 5 Von Herrn Alfred Philipp für Arme, aus Anlaß des Ablebens der sel. Frau Hermine Philipp Kr. 50.— Bon Herrn Emanuel Fischer für Arme . . . . „ 20.— „ Frau Rosa Neuern für Arme.. 11.13 „ „ Jda von Herzfeld, Utensilien für die israelitische Versorgungsanstalt Bon Frau Jnlie Schlesinger, Bettgeräthe für die israelitische Versorgungsanstalt Von Herrn Moritz Bramer, Kuchen für die Insassen der israelitischen Versorgungsanstalt Von Herrn Wilhelm Kuffner, aus Anlaß des Ablebens seines Sohnes Erwin, zur Vertheilung an Arme, nach Vorschlägen der Armenanstalt und Genehmigung durch den Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde ....... 1000.— Unter „Kaiserhof", zur Vertherlung an arme, .religiöse, in Wien seßhafte gewerbetreibende Familienväter . . '.„ 1200.— Unter „K" für Arme, anstatt eines Kranzes auf den Sarg des sel. Herrn Erwin Kuffner . ... „ 50.— Wien. In der Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 13. October 1901 wurden die von der israelitischen Armenanstalt in Vorschlag gebrachten Herren Julius Wolf und Heinrich Teltscher in den Vorstand dieser Körperschaft berufen. Ueberdies wurden aus der Mitte des Cultusvorstandes auf Grund des vom Vertreter- Collegium gestellten Antrages der Obmann der Wohlthätigkeits- Commission Herr Baurath Theodor Ritter von G o l d s ch m H) t, der Obmann-Stellvertreter der Wohlthätigkeits-Commission Herr Salo Cohn, Herr Dr. Maximilian Steiner und Herr Salomon Rosner in die Leitung der israelitischen Armenanstalt entsendet. Wien. Sonntag, den 20. d. M., halb ll^Uhr Vormittags, fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde unter dem Vorsitze des Präsidenten der Cultusgemeinde eine im Grunde des § 35 des Gemeindestatuts einberufene Vertrauensmänner-Verfammlung statt, zur Abgabe einer Aeußerung über die geplante Berufung eines Gemeinderabbiners, zunächst Hilfspredigers. In der zahlreich besuchten Versammlung wurden über das Bedürfniß zur Anstellung eines Hilfspredigers verschiedene Meinungen laut. An der Debatte betheiligten sich die Herren: M e i s e l s, Rector Schwarz. Gemeinderath Z i f f e r e r, kais. Rath L i ch t e n st a d t, Dr. Marcell H o s f m a n n , Professor D. H. Müller, Octsschulrath Heit, Dr. Schreiber, Dr. Fi alla, Professor Ehrm ann, Dr. Trietsch, Straßberg, Lichtblau, Dr. Emanuel Spitzer, Samuel Steiner, Commercialrath S t i a ß n y. Nach längerer Debatte wurde der combinirte Antrag des Gemeinderathes Zifferer und des Dr. Fialla, lautend: „Die statutengemäß berufene Versammlung der Vertrauensmänner erwartet seitens des geehrten Vorstandes mindestens einen Terna-Borschlag zur Anstellung eines Rabbiners und Predigers in der Wiener Cultusgemeinde" fast einstimmig angenommen. ch ch *

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