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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-25 · 43 (25.10.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 M» Bloch's Wochenschrlf? Seite 711 merkwürdiges Gedächtniß, er war vertraut mit den Verhältnissen eines jeden Mitgliedes unserer Gemeinde, er konnte dem Vorstande mit seinem Rathe zur Seite stehen, er war dabei ein Mann der Gewissenhaftigkeit, der das Kleinste wie das Größte wahrnahm — denn das ist das Wichtigste in der Führung eines Haushaltes — und so hat er sein Gebiet beherrscht, er hat es verwaltet und geordnet, mit haushälterischem Ueberblicke, gewissenhaft, treu und redlich. Die Angehörigen und Freunde des Dahingeschiedenen, sie müssen, werden und können einen Trost finden in der Anerkennung, welche der Dahingegangene gefunden hat bei unserem geschätzten Vorstände, bei dem verehrten Präsidenten, der selbst das Wort nehmen wird, um dem Dahingeschiedenen einen Nachruf zu halten, und bei dem ganzen Kreise unseres würdigen Vorstandes, denn das, was Einer selbst gewesen und aus sich selbst geworden ist, das ist immer der beste Trost, ein unversieglicher Quell der Erhebung. — Er ist das Höchste gewesen und aus sich geworden, was ein Mensch sein kann, das heißt ein Mann aus dem Platze, ein Mann, der seine Pflicht erfüllt hat> und so kann er am Vorabende des Sabbath, wo er zum ewigen Sabbathe eingeht, hintreten frei und offen vor den König aller Könige. Ec ziehe hin in Frieden! Umgeben von den Mitgliedern des Vorstandes, hielt der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kais. Rath Heinrich Kling er ddm Dahingeschiedenen folgenden Nachruf: „Tief erschüttert, schmerzlich bewegt, stehen wir vor der entseelten Hülle unseres, leider so früh seiner Familie und der Gemeinde entrissenen Gustav Wiener, des wackeren Mannes, der durch 18 Jahre seine Kräfte dem Dienste unserer Cultusgemeinde gewidmet, mit an der Spitzeunserer achtbaren Beamtenschaft stehend, durch seine Berufstreue, durch seine hervorragende Begabung, durch sein über Pflichterfüllung weit hinausreichendes, thatkräftiges Wirken, zu den Zierden unserer Oberbeamten zählte; und ich entspreche einer Pflicht, ja einem Herzensbedü-.fniffe, indem ich, so wie während des Lebens dieses Mannes ihm unsere hohe Achtung und stete Anerkennung gewidmet war, an dieser Stell? im Namen des G e s a m m t v o r st a n d e s Worte des Dankes, des innigen, herzlichen Dankes au unseren unvergeßlichen Gustav Wiener ausspreche. Wer das Wicken und die rastlose Thätigkeit des so früh Verblichenen wie wir mitangesehen, hat ihn lieben gelernt und mußte ihm hohe Achtung zollen. Gerecht und bei aller Strenge für Unterbeamte, hat es ihm immer Freude bereitet, wenn er wie ein Vater für dieselben eintreten konnte. Nicht allein in den Ressorts, die ihn« unterstanden, hat er mit seltener B e r u f s f r e u d i g k e i t geschaffen und gewirkt, sondern auch im A r m e n a m t e war er seit Langem segensreich thütig, und welche hohe Genugthuung hat es ihm bereitet, wenn er für Stipendien oder für Unterstützung von Studierenden oder Rigorosanten wirksam eintreten konnte. Gustav Wiener! Empfange nochmals unseren herzlichen Dank! Du hast zu kurz, aber nicht umsonst gelebt. Dein Name und Dein Wicken in unferec Gemeinde bleiben unvergessen; und wenn nach Jahren der Vorstand, der berufen sein wird, diese unsere Cultusgemeinde zu verwalten, einem Beamten das Bild der Rechtlichkeit und der Pflichttreue und der genialen Auffassung vor Augen wird halten wollen, dann wird er ihm zurufen: Werde, wie G n st a v W i e u e r w a r!" Nnl! trat der Secretär-Stellvertreter Herr Dr. Emil Adler an den Sarg, um namens der Beamten der Cultusgemeinde von dem Dahingeschiedenen mit folgenden Worten Abschied zu nehmen: „Gustav Wiener! Theurer Freund! In Vertretung unseres Ersten Seccetärs, Deines Dich treu liebenden Freundes Dr. Theodor Lieben, der heute durch Krankheit verhindert ist, an dieser Stätte zu erscheinen und Dir das letzte Geleite zu geben, bringe ich Dir namens der Beamtenschaft letzte Grüße. Unser Schmerz ist zu wahr, zu überwältigend, als daß ich in diesem Momente des Abschiedes schildern könnte, was Du uns, Deinen College» —, was Du der von Dir herangebildeten jungen Beamtenschaft gewesen. Doch Dir brauchte man auch im Leben nicht viel zu sagen, Deinem klugen Sinn, Deinem weisen Herzen genügte stets ein kurzes Wort — ein leiser Hinweis. Du warst unser treuer College, unser aufrichtiger Freund, unser vortrefflicher, väterlicher Berather. Hab' Dank, innigen Dank für all' Deine Freundschaft! Wir wollen Dir ein treues Gedenken bewahren". Namens der Beamten der Caffa und des Steueramtes sprach Herr Official Adolf Popper den folgenden Nachruf: „Deine Dir treu ergebenen Beamten sind es, die verzweifelt an Deiner Bahre stehen, um Abschied zu nehmen von ihrem väterlichen Freunde. Gustav Wiener, unser Amtsvorstand, ist nicht mehr! — W i e Du warst, das können nur wir ermessen, die wir täglich und stündlich in Deiner unmittelbaren Nähe weilten. Du warst uns ein Vater; hingebungsvoll und aufopfernd bist Du für das Wohl Deiner Beamten eingetreten, und so beklagen wir nicht den Verlust unseres Chefs, nicht den Heimgang unseres Vorgesetzten, sondern wir trauern um einen Vater. Du hast uns geführt und geleitet, Du warst das Sinnbild strengster Pflichterfüllung, ein Edler im wahrsten Sinne des Wortes. Hier an Deiner letzten Ruhestätte geloben wir, in Deinen» Geiste und in Deinem Sinne weiter zu wirken und Dein Andenken hochzuhalten auf ewige Zeiten. Ruhe sanft!" Von den Beamten seines Bureaus wurde der Sarg, der die sterbliche Hülle Gustav Wiener's barg, zu Grabe getragen. Alsbald deckte die Erde einen ihrer besten Söhne. Sein Andenken aber wird unauslöschbar bleiben, wie sein verdienstvolles Wirken für unsere Gemeinde. Uehemias und seine soeial-politischen Bestrebungen. Von Dr. S. Gelbhans, Gemeinde-Rabbiner in Wien. (Fortsetzung.) Dieser Reichthum war das Familienvermögen des Davidischen Königshauses, welches bei der Deportation confiscirt wurde. Wie aber die confiscicten Güter in Palästina, die weggeführten heiligen kostbaren Tempelgeräthe, das mit Beschlag belegte bewegliche Vermögen der Herrenstämme bei der Rückeinwanderung zurückerstattet wurde, so dürfte das prinzliche Privatvermögen bei einer Versöhnung der besiegten jüdischen Dynastie mit der herrschenden den rechtmäßigen Prätendenten restituirt worden sein. So ausgerüstet mit Titel, Reichthum, hoher Stellung und von königlicher Abkunft stammend, war er berufen, die Restauration des jüdischen Gemeinwesens zu leiten. Denn die Wiederherstellung nationaler Ordnung in Judäa war nicht etwa ein aus der Laune eines Groß-Königs entsprungener Einfall, oder das Werk, welches von einem unumschränkten Despoten auf das Bitten eines Günstlings auSgeführt wurde. Man müßte harmlose, wunderliche Ansichten von der Organisation, von der Staats- und Völkerpolitik der alten Weltreich: haben, um solches zu denken. Nebukadnezar der Große, der Begründer eines an Weltherrschaft reichenden Imperiums, müßte ein wilder, an Blutvergießen sich berauschender wüster Barbar gewesen sein, wenn» er, wie manche moderne Historiker es varstellen, die Vernichtung des jüdischen Volkes, daihm oder seinem Volke schon der Entfernung wegen nie etwas zu Leide gethan oder thun konnte, in sinnlosem Taumel befohlen hätte. Der Prophet Jeremias würde auf Befehl Gottes seinen Volksgenoffen nicht gerathen haben, mit einem solchen Unmenschen Frieden zu schließen und unter seine Botmäßigkeit sich zu begeben. Nein! Die Niederwerfung der jüdischen Nation war für den babylonischen Eroberer, wie wir gesehen haben, keine That des Uebermuthes und der unnatürlichen zwecklosen Grausamkeit, sondern sie war ihm von den Verbältniffen aufgezwungen, sowie die Deportation für ihn ein Act der Staatsnothwendigkeit war, um den Trotz des jüdischen Kriegsadels endgiltig zu brechen, indem er es einer späteren Zeit vorbehielt, bei Beruhigung der Gemüther das jüdische Gemeinwesen unter babylonische Oberherrschaft, wahrscheinlich sogar mit einem jüdischen Köilig an der Spitze, wiederherzustellen, um das jüdi'ch? Land dem großen Reichskörper anzugtiedern.

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