Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Date
- 1901-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 710 Nr. 43 Dx. Oloch's Wochenschrift, geratheiie Kinder mit Geldmitteln unterstützt, sie mit Kleidern versieht und in anderer Weise mit Wohlthaten bedenkt. Bedauernswerther Weise ist diesem gottbegnadeten Wirken ein Schranken gesetzt durch die knapp bemessenen Mittel, über die der „Frauenhort'' zu verfügen in der Lage ist. Es ergeht daher an das gute, oft bewährte Herz unserer Glaubensgenossen der ebenso warme als eindringliche Appell, den „Frauenhort" durch reichliche Zuweisung von Geldmitteln, Kleidungen, Beheizungsmateriale u. s. w. in den Stand zu setzen, all den großen Anforderungen, die an den „Frauenhort" gestellt werden, auch nur einigermaßen gerecht werden zu können. Es darf wohl der Erwartung Raum gegeben werden, daß dieser warme, eindringliche Appell nicht wirkungslos verhallen wird, daß er vielmehr fruchtbaren Boden sinden dürfte. Den Vorstandsdamen aber, iusbesonders der allverehrten Präsidentin des „Frauenhorts", Frau Donat Z i f f e r e r, und ihren Affilirten gebührt für deren unermüdliche Thätigkeit, für deren unentwegte Aufopferung und nie wandelbare Hingebung im Interesse des Vereins und deren Schutzbefohlenen der wärmste Dank aller Menschenfreunde. Eduard Beer. | Amtsoorstand Gustav Wiener. | Mitten in seinem segensreichen Wirken im Dienste der ersten Gemeinde des Reiches, in der Vollkraft des Mannesalters, wurde der Amtsvorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien, Herr Gustav Wiener, hinweggerafft. Ein edler Mensch! Durchdrungen von einem außergewöhnlichen Pflichtgefühl, beseelt von fast unvergleichlichem Diensteifer, empfand er stets das' Bedürfniß, Gutes zu thun. Mit Rath und That stand er zahlreichen armen Familien hilfreich zur Seite. Gar manche Existenz verdankt ihm die Rettung. Ec, der unermüdlich Arbeitende, scheute keine Mühe, um für die zahlreichen armen Mündel, die er unter seinen Schutz genommen, wie ein Vater zu sorgen. Jederzeit umgab ihn eine Schaar Hilfsbedürftiger, denen er seine karg zugemessene freie Zeit widmete, und an sein Herz bat Niemand erfolglos appellirt. . . Kurz und schwer war das Leiden, dem er zum Opfer fiel. Donnerstag den 17. October schied er aus dem Leben. Vom Trauerhause, UI., Steingasse 18 aus fand Freitag den 18. d. M., um 2 Uhr Nachmittags das Leichenbegängniß statt. Die coloffale Beiheiligung gab ein beredtes Zeugniß von der Liebe und Werthschätzung, deren sich der so früh Dahingeschiedene erfreute. Es hatten sich im Trauerhause eingefunden: Der Präsident der Cultusgemeinde, kaiserlicher Rath K l i n g e r, mit den beiden Bicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. Gustav Kohn und mit den Vorstandsmitgliedern, das Präsidium der „Chewra-Kadischa“ mit den Mitgliedern des Vorstandes derselben, der Bethausvorstand der Gemeinde- Tempel, die Mitglieder der Schätzungscommission, die Beamtenschaft der Cultusgemeinde unter Führung des Secretär-Stellvertreters Dr. Adler, Deputationen confessioneller und humanitärer Institute und eine Unzahl von Freunden und Verehrern, die der Verblichene, wie selten Einer, besessen. Als der greise Seelsorger, Rabbiner Dr. Schmied!, an die Bahre trat, um mit bewegter Stimme den folgenden Nachruf zu sprechen, da blieb kein Auge trocken. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmied! sagte: (Psalm 80, Vers 6.) w'bw „Dreifache W e h muth s th r ä n en". Dreifache Thränen benetzen die Bahre, die wir hier trauernd umstehen. Denn selbst der Fremde und Fernstehende, den weder die heiligen Bande des Blutes, noch die innigen Bande warmer Freundschaft Hieherzogen, kann nicht ohne die im Auge zitternde Thräne der Wehmuth an diesem Sarge weilen. „Die Sonne ist hier plötzlich untergegangen, da noch hellglänzender Mittag war!" Der Mann, den wir noch vor wenigen Tagen in strammer Lebeusfülle in unserer Mitte wandelnd sahen — ein hochragender, fruchttragender Baum, von der Axt des Todes gefällt, liegt er nun da vor uns. „Wahrlich nur ein Schritt ist zwischen dem Leben und dem Tode!" Und wie heiß rinnt nun erst die Thräne all' Derer, die Dir, Gustav Wiener, im Leben nahe gestanden und Deine geistig-sittliche Werthfülle gekannt, Deinen ehrenfesten, mannhaften Charakter, Dein reiches theoretisches wie praktisches Wissen, Deine rastlose, keine Ruhe sich gönnende Arbeitskraft, Deine glänzende stilistische Feder und endlich Deine warme, unentwegte Pflichttreue, mit der Du Deine vertrauensvolle amtliche Stellung so musterhaft ausfülltest, daß der Tod hier eine Lücke riß, die nur schwer wieder auszufüllen sein wird. Darum steht auch wahrlich eine große Trauergemeinde leidtragend hier an Deinem Sarge! Doch die tiefe Wehmuth Aller steigert sich noch durch den Anblick der Stätte, die uns hier versammelt sieht. Denn hier, an dieser Stätte, hatte die beglückend st e Familieninnigkeit Deine Häuslichkeit zu einem Heiligthume geweihet. Hier hattest Du als der zärtlichste Gatte und Vater gewaltet. Und wie schmerzlich mußte Dein Scheiden gewesen sein, da Du das brechende Auge auf den einzigen Sohn richtetest, der Deine ganze warme väterliche Fürsorge ausfüllte, und auf die treuherzige, liebevolle Gefährtin, die nunmehr, nach so vielen Jahren der glücklichsten Ehe, gleich jener tieftrauernden Frau in der Bibel spricht: „Nennt mich nicht mehr Noimi, sondern nennt mich Mara, die Tiefbetrübte!" Doch mitten in der herben Wehmuth, die hier alle unsere Herzen erfüllt, lastet uns glaubens- und demuthsvoll emporblicken in die Höhe, zu dem himmlischen Lenker und Vater, der selber das tröstende Wort uns zuruft, daß er hoch und heilig thront, und dennoch väterlich gütig und liebevoll sich herabneigt zu den Gebeugten und Betrübten, um zu heilen die blutenden Herzen und emporzurichten die Gebeugten und Betrübten! Amen. Obercantor Guttmann executirte unter Assistenz des Tempelchores die Trauergesänge. Dev Sarg wurde nun gehoben, in den vierspännigen Gala-Leichenwagen gebracht und von einer endlosen Wagenreihe gefolgt, ging es zur lctzten Ruhestätte. Die große Zahl der Leidtragenden konnte in der Ceremonienhalle kaum Platz finden. Nachdem Obercantor Bela Guttmann in wirklich ergreifender Weise das „hazur tomim“ vorgetragen hatte, hielt Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Dahingeschiedenen die nachstehende Leichenrede: Schnell und unerwartet hat der Tod den kräftigen Mann aus dem Leben hinweggenommen, von der Seite seiner schwer betrübten, würdigen Gattin und seines einzigen Sohnes, und mit seiner Familie trauern wir Alle, die in jahrelangem Umgänge Gelegenheit hatten, ihn kennen und schätzen zu lernen. . Ich stehe wohl seiner Thätigkeit, welche er im Dienste der Gemeinde entfaltet hat, ferne, aber soweit ich sie beurtheilen kann, möchte ich sie die Stellung eines Mannes nennen, der berufen ist, einen großen Haushalt zu leiten. Es weiß ein jeder Familienvater, es weiß jede Hausfrau, wie schwer und wichtig diese Aufgabe ist. Wie es in einem Haushalte darauf ankommt, über Alles die rechte Aufsicht zu führen, pünktlich auf dem Platze zu sein, alle Pflichten, die das Hauswesen mit sich bringt, wahrzunehmen und getreu zu erfüllen — das hat der dahingegangene Tiefbetrauerte wie selten Einer gethan, so daß Diejenigen, die zunächst im Stande und berufen waren, die Thätigkeit des Dahingeschiedenen zu. beurtheilen und zu würdigen, ihm das uneingeschränkteste Zeugniß der Gewissenhaftigkeit, Redlichkeit und Pflichttreue ertheilen, und wer ein solches Zeugniß im Leben sich errungen hat, auf den ist das Wort des biblischen Dichters anwendbar. “iTifc iv'N mn 2DN' ö’abö iroiatta Wenn Du einen Mann siehst, der tüchtig ist bei seinem Werke, der mit Fleiß und Ausdauer seine Pflicht erfüllt, sich nicht erst aus dem Schlafe äufrütteln lasten muß, die ihm anvertraute^Sache als eine persönliche betrachtet, wenn Du einen solchen Mann siehst — er darf vor Könige hintreten, denn er hat es in seinem Leben verstanden, sein Amt zu übersehen, zu verwalten und zu beherrschen wie ein König, und dieses Zeugniß hat der Dahingeschiedene verdient. Es waren seltene Eigenschaften, die ihm zu Gebote standen. — Der Dahingeschiedene hatte ein