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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Vloch's WochrnfchrUi Seite 701 Budapest. Der „Theologische Verein" der Landesrabbinerschule zu Budapest hielt seine conftituirende Generalversammlung am 11. d. M. ab, in welcher die folgenden Herren gewählt wurden : Präsident: Dr. Julius F r i e d m a n n , Vice-Präsident: Jakob S i l b e r f e l d, Secretär: Michael G u t t m a n n, Vice-Secretär: Moritz Richtmann, Cassier: Carl Schönwald. Ausschußmitglieder: Dr. Isidor Goldberger, Emanue, Hirschfeld, Heinrich Urbach, Sigismund Großmann Josef Horowitz. Czernowitz. Der Kaiser hat dem hiesigen Kaufmann Emanuel R o s e n z w e i g den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Herr R o s e n z w e i g ist Gründer und ständiger Obmann des Czernowitzer Volksküchenvereines, Gemeinde- und Stadtrath und Mitglied mehrerer Wohlthätigkeitsvereiue. Diese Auszeichnung des Herrn Rosenzweig wird in der Bevölkerung gewiß sympathisch begrüßt werden. Tupes bei Ung.-Hradisch. (V e r l o b u n g.) Herr Jakob H e r z o g hat sich mit Fräulein Jetti F i s ch e r aus Kojetem verlobt. Proßnitz. (Eine H u n d e r t z w e l j ä h r i ge.) Vorige Woche verschied hier Frau S p i e l m a n n, die Mutter des Mitgliedes der israelitischen Gemeinderepräsentanz und geachteten Mitbürgers Herrn Ignaz S P i e l m a n n im patriarchalischen Alter von hundertundzwei Jahren. Die alte Matrone war eine gottergebene, biedere, wackere Frau und bildete ein Wuyrzeichen unserer Gemeinde. Mit nur bei Juden vorkommender Zärtlichkeit und Aufopferung wurde die Dahingeschiedene von ihrem Sohne, namentlich von ihrer Schwiegertochter, der Gattin des Herrn Ignaz Spielmann, betraut und gepflegt. An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich die Gemeinde sehr zahlreich. Friede ihrer Aiche. E. B. Proßnitz. (Todesfall.) Unsere Gemeinde beklagt den schmerzlichen Heimgang des Herrn Gerson Back, langjähriges Mitglied der Gemeindereprasentanz der hiesigen politischen israelitischen Gemeinde, des Cultusvorstandes und der Chewra-Kadischa, in welchen Körperschaften er ein eifriger und verläßlicher Patriot gewesen ist. Das Leichenbegängniß des Verewigten, an welchem sich alle Vertretungskörper und Groß und Klein, Hoch und Nieder unserer Gemeinde betheiligten, gab Zeugniß von den Sympathien, die derselbe besessen. Möge ihm die Erde leicht sein, er ruhe in Frieden. Smichow, 15. October. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. David Herzog, der durch seine Kanzelberedtsamkeit und sein uneigennütziges und fleißiges Streben sich so rasch die Sympathien der Gesammtgemeinde erworben, wurde diese Woche vom Unterrichtsminister zum Docenten für semitische Philologie an der altehrwürdigen Carl Ferdinands-Universität in Prag ernannt. Brünn. 'Anläßlich des Ablebens seiner Mutter widmete Herr Ignaz Löv-Beer je 300 K für Arme israelitischer und christlicher Confession, welche Beträge sofort ihrer Bestimmung zugeführt wurden. Hohenems. (Vorarlberg.) In unserer alten, historisch so hervorragenden Jsraelitengemeinde hat sich auf Anregung Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiner Dr. Tänzer ein „Bildungsclub" constituirt, dessen Aufgabe es ist, durch allwöchentliche wissenschaftliche Vorträge, gemeinsame Lectüre und Besprechung literarischer Neuerscheinungen und Lesen diverser Zeitungen im eigenen, allabendlich geöffneten Clublocale allgemeinen Bildungszwecken zu dienen. Die Eröffnung findet Samstag den 19. October statt mit einem Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Tänzer über „Bildung und Gesellschaft". Bei der constituirenden Versammlung wurden gewählt die Herren: Rabbiner Dr. Tänzer zum Vorsitzenden, Siegfried Landauer zum Schriftführer und Louis Weil zum Bibliothekar. Beraun (Böhmen). Welch' eigentümliche Zustände in manchen Cultusgemeinden Böhmens herrschen, möge folgendes Beispiel beweisen: Die Cultusgemeinde H. au der Böhmischen Westbahn, welche einige Fabrikanten, Großgrundbesitzer u. dgl. zu ihren Mitgliedern zählt, zahlt ihrem Rabbiner, der zugleich die Functionen eines Cantors, Koreh, Lehrers, Schächters, Gemeindesecretärs und Matrikenführers versehen muß, einen Gehalt von 1100 Kronen. Für die hohen Feste wurde früher ein zweiter Vorbeter bestellt. Heuer trat jedoch der Vorstand aus Ersparungsrücksichten an den Rabbiner mit der Forderung heran, er möge an den hohen Festen gegen eine Remuneration das Amt eines Borbeters allein versehen. Der arme Rabbiner sagte mit Hinblick auf die Remuneration zu. Doch sollte ihm diese Kraftleistung theuer zu stehen kommen. Nach dem Mussafgebete am Bersöhnungstage wurde er von einer Ohnmacht befallen, aus der er sich nur schwer erholte. Und nun kommt das Schönste!! Während dieses Ohnmachtsanfalles ging das Vorstandsmitglied Herr Bohumil Robitschek mit einem Teller in der Synagoge herum und veranstaltete eine Collecte für den Rabbiner. Als dieser sich nun erholt hatte, wurde ihm der gesammelte Betrag von einigen Kronen eingehändigt und der so entlohnte Mann mutzte nun die Function bis zum Ausgange des Bersöhimngstages versehen. Unglaublich, aber doch wahr! Pilsen. (Freitisch-Verein.) Eine Anzahl wohlthätiger Männer und Frauen hat hier einen Freitisch-Verein ins Leben gerufen, wo armen Schülern Mittag- und Abendmahlzeit unentgeltlich verabfolgt werden. Jedem, der Gelegenheit hat, bas Wirken dieses an sich höchst verdienstvollen Vereines zu beobachten, wird mit besonderer Freude bemerken, in welch freundlicher und liebevoller Weise die Schüler von den Vorstandsmitgliedern behandelt werden und wie wenig man die Kinder empfinden läßt, daß sie Wohlthaten empfangen. Besonderes Verdienst um diesen Verein erwerben sich die Herren Simon Hofm a n n und Adolf Burg, sowie deren Gattinnen, die sich täglich persönlich überzeugen, daß das verabfolgte Essen reichlich uno in gutem Zustande sei. Endlich wollen wir noch hervorheben, wie sehr auf die Erweckung des religiösen Sinnes in den Kmdern bei dieser Gelegenheit gehalten wird. Die Schüler müssen nach Tisch das Tischgebet verrichten, und zwar betet täglich ein Anderer laut vor, während die Uebrigen andächtig folgen. Die edlen Gründer und Förderer dieses segensreichen Vereines verdienen allen Dank und Anerkennung. J. F. Pilsen. Bei dem diesjährigen Gottesdienste an den hohen Festtagen fand ein solcher Andrang des Publicums statt, daß der neue große Tempel zeitweilig zu enge wurde und die Ordnung unmöglich aufrecht erhalten werden konnte. Besonders durch das etwas laute Gebühren der jugendlichen Studenten wurde die nölhige Ruhe oft und empfindlich gestört. Es wäre darum sehr wünschenswerth, wenn an den hohen Feiertagen für die Studenten ein eigener Gottesdienst in dem alten Tempel abgehalten würde, dem je nach Bedarf auch andere Personen beiwohnen könnten. — Am 6. und 9. October fand die Bezirks -Lehrerconferenz für die deutschen Volks- und Bürgerschulen des hiesigen Bezirkes statt, bei welcher der Vorsitzende Bezirksschulinspector Professor I. Steinitz über die im Lause des Jahres bei Jnspectionen gemachten Wahrnehmungen einen Bortrag hielt und in demselben die Bemerkung machte, daß der israelitische Religionslehrer Herr Winkler bei seinem Unterrichte auch den patriotischen Sinn der Schülerinnen zu pflegen sich bemühe, was mit besonderer Anerkennung erwähnt zu werden verdient. Feuilleton. Aus dem gatffische« Hede«. Ein Bild von Leo Herzberg-Frankel. (Fortsetzung.) Als es endlich still im Hause wurde und das alte Einerlei wiederkehrte, nahm Sender seine geheimen Gänge ins Pfarrhaus wieder auf, mit vermehrtem Eifer die unterbrochenen Studien pflegend. Die Gedanken, die ihn auf seinen Wegen begleiteten, waren nicht heiterer Natur. Er fcug sich, was er thuu werde, wenn er in seinen Studien so weit gekommen sein würde, daß er für den Eintritt in eine höhere Lehranstalt die Reife hätte? Müßte er nicht, um sein Ziel zu verfolgen, die Familienbande zerreißen und sich loslösen von Allem, was ihn jetzt umgibt? Und nun das Kind? Ach, das Kind! Der Vater wußte ja, daß er niemals Einfluß auf die Erziehung desselben haben und der Wille der bigotten, finstern Mutter maßgebend sein werde! In dies von Voruriheilen, Aberglauben und Ueberlieferungen dunkler Zeiten verseuchtes Haus wird nie ein Strahl der Sonne, fallen und je eher er es verläßt, desto schneller kann er in eine hellere freundlichere Atmosphäre kommen, und je eher die Krisis eintritt, desto besser! Diese kam ungerufen, unerwartet und entscheidend. Die Frau des Branntweiners, eine Freundin, Bundes¬ und Gesinnungsgenofsin Esthers, rückwärts von der Brennerei in einem kleinen Häuschen wohnend, dessen Fenster auf die Felder gingen, bemerkte eines Tages den jungen Mann vorsichtig und schleichenden Schrittes vorbeikommen und verschwinden, ohne daß sie gewahr wurde, wohin, da. der Obstgarten dcr Pfarrei die Aussicht abschloß. Ein sträfliches Berhältniß mit irgend einem weiblichen Wesen voraussetzend, stellte sich dies: würdige Frau alltäglich hinter ihre Fenster, wie auf dem Anstande, auf und lauerte geduldig und scandalsüchtig auf das Erscheinen des Wildes, dem sie nachstellte. Sender erschien woh: zuweilen in ihrem Gesichtsfelde, war aber bald in unerklärlicher Weise verschwunden. Wohin? Die Neugierde ließ dem armen

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