Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 42 (18.10.1901)
- Date
- 1901-10-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 698 Nr. 42 ä, Bwrh S Wochenft^M in Erinnerung gebracht, wie wir ihn erhebender und ergreifender noch nicht zu hören bekamen. Bei aller Verehrung für Ihre meisterhaften, unsterblichen Vorgänger im Mute, haben Sie es verstanden, die altjüdische Weise, die Sie Ihrem Bortrage zu Grunde legen, wieder zu Ehren zu bringen. JeneWeise, die uns an das traute,echt jüdische Familienheim, an die alten, schönen Bräuche der Jugend inniglich gemahnt und so mächtig zu bewegen vermag. Möge die Vorsehung weiters über Ihnen gnadenreich walten und möge es Ihnen beschieden sein, Ihres hehren Amtes lange, lange in dieser großen Gemeinde zu walten, Gott zur Ehr', den Tausenden von Andächtigen zur Erhebung und Erbauung/ Ein Gemeindemitglied, Herr David Braun, welcher verhindert war, dieser intime», herzlichen Feier beizuwohnen, sendete aus Baden bei Wien nachstehendes Telegramm: »Verhindert, persönlich dem sowohl Sie als die lieben Freunde selbst ehrenden Acte der- Pocalüberreichung beizuwohnen, rufe ich auf diesem Wege: Heil Ihnen, Heil den lieben Freunden, die Sie zu schätzen und würdigen verstehen/ Diese Sympathiekundgebungen aus dem Schooße des Publicums sind ein Beweis» daß wir über den Künstler und M e n s ch e n Guttmann nicht zu viel gesagt haben, und daß die Wiener Cultusgemeinde zur Acquisition dieses hervorragenden Sängers zu beglückwünschen ist. Dr. Hermann Fischer Budapest. In Ihre Mittheilungen über die jüngsten Wahlen haben sich mehrere Jrrthümer eingeschlichen, die ich freundlichst zu berichtigen bitte. Dr. Veszi wurde nicht gegen einen Antisemiten, hindern gegen den Liberalen Doctor Nagy Dersö gewählt. Ein weiterer jüdischer' Abgeordneter ist auch Dr. Nagy Sandor. Ferner entspricht die Darstellung der Bajaer Wahl nicht genau den Thatsachen. Für den Candidaten Justizminister Ploß stimmten sämmtliche jüdische Wähler, während die Christen ihre Stimmen auf Dr. Reich Aladar vereinigten. Bei seiner Candidatur vor fünf Jahren hat Herr Ploß die Ueberbrückung der Donau bei Baja seinen Wählern versprochen; dies und noch ein anderes Versprechen, das er nicht einlösen konnte, haben seine Wiederwahl verhindert. Bisher sind im Ganzen 16 jüdische Abgeordnete gewählt, von denen 2 der Ungarischen Partei, 3 der Kossuth-Partei und 12 der liberalen Partei angehören. Die Wahl des Dr. Molnar Jenö, bisheriger Abgeordneter in Szentos (Ungarische Partei), ist in der Stichwahl gesichert. J. K. Ein jüdisches Opfer antisemitischer Wahlexceffe in Ungarn. Budapest, den 10. October. Unter dem Titel: »Die Mörder des-Moriz Günzberg" veröffentlicht die heutige Nummer des »EgyelertLZ", das amtliche Organ der Kossuth-Partei, ein offenes Schreiben an den Führer 'der clericalen Volkspartei Grafen Ferdinand Z i ch y, in welchem der Briefschreiber, ein hervorragender ungarischer Publicist, an der Bahre des Opfers der Wahl im Raczalmaser Bezirk, Moriz G ü n s b e r g, ein Bahrgericht provocirt. Das Aufsehen erregende Schreiben, welches ein nicht gewöhnliches Nachspiel haben dürfte, lautet in seinen wesentlichen Stellen: »Ew. Excellenz! Ich rufe Ew. Excellenz vor das Bahrgericht, vor den blutigen Leichnam des am Abend der Raczalmaser Wahl als Opfer eines volksparteilichen Meuchelmordes gefallenen unglücklichen Moriz Günsb e r g! Die Gendarmerie fahndet nach dem unbekannten Mörder .... Ich suche den Mörder gar nicht, sondern ich erkläre und verkünde hiemit, daß Sie, Herr Graf Ferdinand Z i ch y, Ritter des goldenen Vließes, wirklicher Geheimrath und Führer der Katholischen Volkspartei, und Ihr Raczalmaser H e tzcaplan, der römisch-katholische Caplan Stefan Csucs die Mörder dieses unschuldigen Mannes sind! Sie haben die gute, rechtschaffene Raczalmaser ungarische Bevölkerung zum Morde aufgehetzt. Ihr Hetzcaplan Stefan Csucs war es, der, mit dem Crucifix in der Hand von Haus zu Haus pilgernd, den Weibern mit der Hölle drohte, wenn ihre Männer für die In d e n p a r t e i stimmen werden. Als Judenpartei habt Ihr die Kossuth-Partei bezeichnet, und Judenbräten nanntet Ihr das meuchlings ermordete Opfer. »Heute werden wir noch Judenvraten essen", das war die Parole für den Wahlkampf in Raczalmas. »Die Seelen Jener, die für die Judenpartei stimmen, werden nicht in den Himmel und die Körper derselben nicht in die Erde gelangen, denn ich werde sie nicht einsegnen", rief der römisch-katholische Caplan Stefan Csucs den Wählern zu. Caplan Csucs ließ es hiebei nicht bewenden. Er war es, der als Fahnenstangen nicht dünne Fichtenstäbe, sondern dicke Eichenknüppel vertheilte und seinen Henkersknechten die erforderlichen Gebrauchsanweisungen für diese Knüppel gab. Die mörderische Waffe war also keine gewöhnliche Fahnenstange, sondern ein in eine Fahne gehüllter Knüppel. Diese Knüppel waren für den Todtschlag vorbereitete Werkzeuge, welche von dem Diener des Herrn zu diesem Zwecke vertheilt worden waren. Berlin. Der hiesige »Verein für jüdische Geschichte und Literatur" eröffnete gestern Abend seine Winter-Saison mit einer Gedenkfeier für Zacharias Frankel, für welche die hundertste Wiederkehr des Geburtstages des ersten Directors des Breslauer Rabbiner-Seminars den Anlaß bildete. Nachdem der Männer- Chor der Lindenstraße-Synagoge Jerem. It., 2 rc. vorgetragen, ergriff Herr Professor Dr. Schwarz, Rector der Israelitisch- Theologischen Lehranstalt in Wien, das Wort, um in nahezu eineinhalbstündiger Rede ein Bild des Lebens und Wirkens seines Lehrers zu zeichnen. Der Vortrag des 150. Psalms beendete die Feier, zu welcher sich ein zahlreiches Publicum von Damen und Herren eingefunden hatte. Der Konitzer Mord. Berlin, 14. October. Der Proceß, der zur Zeit gegen die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" wegen Beleidigung der Konitzer Behörden und der Berliner Criminal-Polizei schwebt, wurde vertagt, da die Beklagten den Antrag gestellt hatten, ein Gutachten der Ober-Medicinal-Behörde darüber einzufordern, ob Ernst Winter vermittelst des »Schächtschnittes" g e t ö d t e t worden sei, da sie (die Beklagten) vom Vorliegen eines Ritualmordes im Falle Winter fest überzeugt seien. Den Gerichten ist jetzt dieses Gutachten der Ober- Medicinal-Behörde zugegangen, und zwar dahin lautend: »Ernst Winter ist nicht durch den sogenannten »S ch ächtschnitt" getödtet worden". Die völlige Blutleere des entseelten Körpers ist vom medicinischen Standpunkte aus leicht erklärlich, da durch Abtrennung sämmtlicher Gliedmaßen und Oeffnung der Venen das Blut freien Abfluß hatte und durch das Liegen im Wasser vollständig ausgelaugt worden war." Das Medici na l-Collegium in Danzig ist zu folgenden Schlußergebniffen gelangt: Ernst Winter ist den Erstickungstod gestorben; der' Halsschnitt ist k e i n Schächtschnitt, sondern nach dem Tode beigebracht in derselben Weise wie die übrigen am Körper befindlichen Schnitte zum Zwecke der Beiseiteschaffung der Leiche; die auf Rock und Weste des Ernst Winter Vorgefundenen Blutflecke sind nachdem Tode Winter's mittelst geronnenen Blutes angewischt worden. Dieses Gutachten des Ober-Medicinal-Collegiums erregt großes Aufsehen. Die »Vossische Zeitung" erklärt es für unbegreiflich, daß die Behörden von Könitz, welche die Untersuchung in der Winter'schen Mordsache geführt haben, nicht sofort nach Entdeckung der Leichentheile ein solches Gutachten der höchsten Medicinal-Behörde eingefordert und durch diese Unterlassung den Ritualmord-Hetzern die Möglichkeit gegeben haben, die Bevölkerung zu erregen und die Spuren des Thäters zu verwischen. Die algerische Judenfrage. Paris, 5. October. Der kürzlich veröffentlichte Bericht der französischen parlamentarischen Enquötecommission über die Judenfrage in Algerien kommt zu dem Schluffe, daß es sich dabei in erster Linie um politische, durch das Decret Cremieux (das 1870 den Juden das Recht der Naturalisation verlieh) hervorgerufene Unzuträglichkeiten handelt. Alle übrigen. Beschwerden, die die von den Delegirten des Parlaments Vernommenen gegen die Juden vorbrachten, hielten einer ernsten Prüfung keinen Stand. Daß die Juden das Land durch Wucher und Betrügereien ausbeuten und ruiniren und daß sie sich den Franzosen nicht zu assimiliren vermögen, wurde sofort als Uebertreibung und Verdrehung der Thatsachen festgestellt. In Algerien blüht der Wucher und die Juden haben gewiß ihren-Antheil daran; aber sie haben ihn keineswegs monopolisirt und die Reichthümer des Landes aufgesogen. Die große Masse der jüdischen Bevölkerung der Colonie ist blutarm; in Tlemcen gibt es unter 6000 Inden nur 10, die mehr als m