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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 42 Seite 697 Vr. s Wochensdsctft. in feierlicher Weise der Dank für fein aufopferndes und ersprießliches Wirken im Dienste der Union durch Erheben von den Sitzen ausgesprochen. (Unter andauerndem Applaus wird die Ehrung vollzogen.) In längerer Rede begründete sodann der Vicepräsident, Herr Sigmund Mayer, den Wahlvorschlag. Redner sei es gewesen, welcher den Candidaten in dessen Thätigkeit als Präsident des galizischen Hilfsvereines, seine Arbeitsfreudigkeit und Umsicht kennen gelernt habe. Herr Paul-Schiff habe, trotzdem er seiner Geburt und Stellung nach den ersten Kreisen der jüdischen Gesellschaft angehöre, ein warm fühlendes und verständnißvolles Herz auch für den letzten seiner Glaubensgenossen und. habe das auch jederzeit bewiesen. Nach eingehender Entwicklung der Verdienste, welche sich Herr Paul-Schiff um die derzeitige Gestaltung der Dinge im galizischen Hilfsverein erworben hat, gelangte Herr Mayer zum Schluffe, daß dieser Mann der geeignete Präsident für die Oesterreichisch-Jsraelitische Union sei und bittet, den Vorschlag anzunehmen. Der Vorsitzende, Prof. E h r m a n n, entschuldigte sodann das Fernbleiben des Candidaten von der Versammlung, da derselbe — wie sich aus einem zur Verlesung gelangten Brief ergibt — sich in Vertretung eminent jüdischer Interessen in Frankfurt befindet. Herr Dr. Alexander K o h n stellte nunmehr den Antrag, die Wahl des vorgeschlagenen Präsidenten durch Acclamation vorzunehmen, da er sich überzeugt habe, daß alle Schritte, Herrn kaiserl. Rath Ruzieka zur Zurückziehung seiner Demission zu bewegen, vergeblich sein würden. Auch Herr kaiserl. Rath Ruzieka. lebhaft begrüßt, trat in warmen Worten für die Wahl des Her rn Paul-Schiff ein und unterstützte den Antrag des Vorredners. Der Antrag wurde angenommen und bei der hierauf erfolgten Wahl Herr Maximilian Paul-Schiff e i n st i m m i g zum Präsidenten gewählt. Anhaltender Beifall begrüßte das Resultat des Wahlactes. Der Vorsitzende erklärte im Na . eu des abwesenden Candidaten, daß dieser dankend die Wahl annehme. Herr Vicepräsident Sigmund Mayer beantragte nunmehr mit einer überaus herzlichen Begründung die Ernennung des abtretenden Präsidenten zum Ehrenmitgliede der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union. Unter wiederholtem Beifall gab die Versammlnng acclamativ diesem Anträge statt, worauf Professor Ehrmann den Gefeierten als neues Ehrenmitglied begrüßte und an ihn die Bitte richtete, die Arbeit der „Union" auch weiterhin mit Rath und That zu unterstützen. Kaiserl. Rath Ruziöka dankte für die Verleihung der höchsten Auszeichnung, bie. ein Verein zu vergeben habe; er besprach die schweren Aufgaben, welche dem Vorstände zur Last fallen, rühmte die schätz nswerthe Thätigkeit der beiden Bicepräsidenten, des Herrn Prof. Ehrmann, sowie des Herrn Mayer und des ihm unterstellten Rechtsbureaus, und schloß mit dem Wunsche, daß die „Union" gedeihen und wachsen möge. (Beifall.) An den geschäftlichen Theil der Tagesordnung schloß sich ein ebenso lichtvoller wie instructiver Vortrag des Bezirksrathes Herrn Dr. Oscar Hein über das Heimatsrecht, die Bedeutung des neuen Gesetzes für die Wahlen in Wien, über die neuen Aufgaben, welche mit demselben für die „Union" erwachsen. Dr. Oskar Hein führte aus, daß die Heimatsgesetzgebung solange hinreichte, als die Wanderbewegung in Oesterreich keine so intensive war, wie in den letzten Jahrzehnten. Damals konnte man durch zehnjährige Ersitzung die Zuständigkeit erlangen. Spätere Verordnungen machen den Erwerb des Heimatsrechtes von einem Verleihungsact der Gemeinde abhängig. Diese ziemlich an das freie Ermessen der Gemeindevorstehung fallende Auffaffung ist durch die weitgehende Gemeindeautonomie gegeben, welche in Oesterreich seit dem Jahre 1862 existire. In anderen Staaten ist das nicht so. Die Bürgermeister von Paris und Berlin unterstehen dem Seinepräfecten, bezw. dem Oberbürgermeister, welche nicht gewählt, sondern ernannt werden. Und in Oesterreich ist der Bürgermeister eine Person mit autonomem Wirkungskreis. Daher kommt es, daß Diejenigen, welche das Heimatsrecht in Wien erlangen wollen, auf ungeheuere Schwierigkeiten stoßen, wenn sie Juden sind, während Denjenigen, welche vermuthlich zur christlich-socialen Fahne schwören, das weitestgehende Entgegenkommen gezeigt wira. Redner bespricht die Vortheile der Heiinatsberechtigung, welche hauprsächlich in Wahlrecht und Altersschutz bestehen, und bedauert die Indolenz zahlreicher Glaubensgenossen, welche aus Ungarn e-ng«--n^rrt sind, ihr ungarisches Heimatsrecht verloren und daschst;rrnchi:che nicht erworben haben. Das räche sich dann an den Kindern, welche einen gewählten Beruf oft nicht ausüben dürfen, weil dazu die Heimarsberechtigung erforderlich ist. Dr. Hein erörtert sodann das neue Heimatsgesetz in Bezug auf die Landtags- und Gemeinderathswahlordnung und schließt mit einem Appell zur Agitation, deren Zweck die Erwerbung des Heimatsrechtes der in Wien lebenden Juden sein soll. Obercanlor Guttmann Seit jener Zeit, da der unvergeßliche Josef Gold st ein durch seine einzig in ihrer Art gebotenen, gottesdienstlichen Leistungen das Publicum entzückt hat, rief noch kein cantoraler Vortrag solch' hohen Enthusiasmus bei den Besuchern des großen Tempels in der Leopoldstadt'hervor, als der von unserem bereits durch seinen berühmten Sabbatgottesdienst populär gewordenen Obercanlor Guttmann an den verflossenen hohen Festtagen und am Laubhüttenfeste geleitete Gottesdienst. Die Weichheit des Tones in der dennoch kraftvollen Stimme, verbunden mit verständnißvoller Innigkeit des Ausdruckes — namentlich bei jenen Gebetstellen, wo die herkömmliche Recitation in echt traditionellen Weisen ein unsichtbares Band um Cantor und Gemeinde schlingt — versenkte die zahlreiche Versammlung in die tiefste Andacht und eine von dem mächtig gehobenen Gesänge des gottbegnadeten Sängers Guttmann ausgehende, weihevolle Stimmung beherrschte die Menge, welche von feiner grandiosen Leistung geradezu im Banne g-halten wurde. Im „Unesanne Tokef“ und in der großen „Keduscha“ zeigte sich Obercantor Guttmann nicht blos als einer der kunstsinnigsten Interpreten Sulzer'scher Muster-Compofitionen, sondern er bewies aufs Glänzendste seine meisterhafte Vertrautheit mit der altsynagozalen, poesievollen, „chafanifchen" Vortragsweise, in welcher er die figurale Manier wundervoll beherrscht. Das sanfte Adagio zauberte uns Sphärenklänge der Seraphim vor, während das gewaltig ausklingende k'ortissirne die Allmacht auf dem Richterthrone nicht wirksamer zu manifestiren vermochte. Welche Glanzleistung Meister Guttmann bei R:citation der „Malchios“, „Sicbronos“ und „Schofros“ schuf, entzieht sich geradezu der Schilderung durch die Feder. Diese vermag wohl den mächtigen Eindruck zu beschreiben, den die Meisterleistung auf alle Anwesenden ausübte, nicht aber den hohen Schwung des Gesanges, die volle Kraftentfaltung der gewaltigen Stimmmittel und die bezaubernde Coloratur in der Ausführung wahrhaft zu veranschaulichen. Einstimmig lautet das anerkennende Urtheil über die seltene Begabung Guttmann's, den alten, illustrativen Synagogeng> sang mit dem modernsten cantoralen Thema innig und melodisch zu verflechten. Bei diesem Anlasse fei die spontane Ovation erwähnt, welche eine Deputation von 12 Gemeindemitgliedern unter Führung der Herren A. Weiß und Anton Löw dem Herrn Guttmann als Beweis ihrer Sympathie und Verehrung darbrachte, indem sie ihm einen prachtvollen, silbernen „Kidusch“- Brcher überreichte. Herr A. Weiß richtete dabei an den Gefeierten folgende Ansprache: „Geehrter Herr Obercantor! In der verhältnißmäßig kurzen Zeit, in der Sie hier fungiren, haben Sie es meisterhaft verstanden, sich Freundschaft und Sympathie zu erwerben, und ich gestehe Ihnen hier offen und ohne jeden Rückhalt, daß Sie uns mit Ihrer Kunst ans Herz gewachsen sind und daß Ihre Persönlichkeit, Ihr ganzes Wesen uns lieb und werth geworden ist. Als sichtbares Zeichen dieser Werthschätzung und Liebe, die wir für Sie, geehrter Herr Obercantor, aufrichtig und wahr empfinden, bitten wir Sie, ein kleines Geschenk von uns entgegennkhmen zu wollen. Möge der Helle Stern des Glückes st.ts auf ihrem Wege leuchten und mögen die inirigsten Segenswünsche von mir und Ihren zahllosen Verehrern die treuen Begleiter Ihres Lebens sein!* Nach einigen herzlichen Daukesworten des Herrn Obercautor Guttmann ergriff Herr Anton Löw das Wort und hielt nachstehende geistreiche uns warmempfundene Rede: Hochgeehrter Herr Obercantor! „Vorüber sind die schönen Festtage, verklungen die herrlichen Gesänge, mit denen Sie uns erbaut und begeistert haben, doch lange noch klingen die schönen Weisen in unS nach, und es war uns ein Bedürfniß, Ihnen hier feierlichst zu danken und diesem Dankgefühl einen sichtbaren Ausdruck z>l geben. Indem wir Ihnen, hochgeehrter Herr Obercantor, diesen Pocal überreichen, wird uns zunächst Ihr „Kidusch“

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