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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 696 Nr. 42 Dr. Mvch's sich und sein väterliches Haus vor Gott nennt, der muß aus sehr vornehmen Hause sein. Sein väterliches Haus war aber, wie aus dem ganzen Tenor des Bußgebetes mit hoher Wahrscheinlichkeit h-rvorgeht, nicht nur ein vornehmes, sondern das vornehmste, ja das höchste in Israel, nämlich das königliche. Ja, Nehemias war von königlicher Abkunft. Der weitere Verlaus der Unterredung mit dem König bestätigt diese Annahme. Der Großkönig fragt ihn um die Ursache seines Herzensgrams, worauf er die Antwort gibt: „Die Stadt, der Ort der Gäberstätte meiner Väter ist verwüstet." Im Munde eines noch so sehr verwöhnten Günstlings von gewöhnlicher Herkunst würde eine solche Erwiderung lächerlich erscheinen. Denn die verwüstete Gräberstätte obscurer Ahnen gibt nirgends eine Berechtigung, ihretwegen eine zerstörte Hauptstadt eines besiegten Volkes aufzubauen, zu verlangen. Denn nichts Geringeres als dieses fordert er vom König: „Wenn es dem König wohlgefällig ist, und wenn Dein Diener wohlgefällig ist in Deinen Äugen, so mögest Du mich schicken nach Juda in die Stadt der Gräberstätte meiner Väter, daß ich sie wieder aufbaue." NA2U1 vtck nrap btf, (Nehemias 2, 9). Nur ein königlicher Prinz, der an einem Hofe gütig behandelt wird, kann solche Reden führen. Die „Grabstätten der Väter" sind daher nichts anderes, als die Königsgräber der Dynastie Davids, die in Jerusalem sich befanden, das sind die m“)2p II. Chronik 2. 20 Könige 24 25.) Ihretwegen bestürmt er das Herz des Herrschers, und dieser fühlt sich veranlaßt, der Ruhestätte seiner verstorbenen fürstlichen Ranggenossen seine Gunst pietätvoll zuzuwenven. Als ein Reflex einer liebe; lieferunq von der königlichen Abkunft Nehemias mag vielleicht eine im Talmud sich befindende, sonst ganz unverständliche Behauptung gelten: „Serubabel das ist Nehemias der Sohn Chachaljas. nrri S222 jnwrc ^22121 rr^an p rraro ivv (Synhedrin Siehe Juchasiin Art. Esra.) Damit soll vielleicht angedeutet werden, daß Nehemias dem Serubabel dem Sohn Schaltiels. dem Enkel des Königs Jehojachin gleichzustlllen ist, daß sie Familiengenoffen sind. Auch eine andere Nachricht kann als eine B stärkung der Vermuthung, daß Nehemias von königlicher Abstammung mar, gelten. Im Traktat Synhedrin (Siehe Juchaffin Artikel Nehemias) wird Hillel als ein Ab kö nmling des Nehemias bezeichnet. Hillel galt aber allgeniein als ein Davidide, in Folge dessen er auch als Naisi (Fürst) des jüdischen Landes angesehen wurde. Dieses Nafsiat war von der allgemeinen öffentlichen Meinung dem Hause Davids freiwill'g zugestanden worden, weshalb di-se Würde später im Hause Hillels erblich verblieb. Es war ein schwacher Abglanz der königlicher; Majestät. „Die Noch und Schmach", in der die von der Gefangenschaft Zurückgebliebenen sich befanden, das waren die Leiden, die die zuruckgekehrten capitalskräftigen Herrenstämme durch B raewaltigung und Wucher auf die Kleinbauern häuften. Es war wirklich bittere Noth und empörende Schmach! Aber Nehemias scheint nicht nur am Hof des Königs, sondern auch in der Mitte seiner Stammes genossen in Persien-Baly^onien eine fühlende Stellung inner,ehabt zu haben, denn nur so ist es zu verstehen, incnu Berichte über den Zustand der Juden in der alten Heimat aa ihn erstattet werden und daß er eingehend über die Verhältuiffe in Judäa sich erkundigt. Denn was als ein einmaliger Vorgang geschildert wird, ist nach Art anderer Vorgänge, die ,.i der Bibel berichtet werden, als ein mehrfach wiederkehrend^s Vorkommniß zu denken. Er scheint mit einem Amte bekleidet gewesen zu sein, welches ihm eine Aufsicht über seine Volksgenossen im Exil einräumte, wozu Rundreisen im Lande erforderlich waren, wo ^eine Glaubeusgenoffen ihre Wohnsitz: hatten. So ein Olt war auch Susa, wo er währnd der erhaltenen Nachricht über die Heimatszustände sich aufhielt. .Ich befand mich danials in Susa der Residenz". sL»'.v2 -rrn -3Ki Der Ausdruck zeigt d utlich auf eine temporäre Äniveftnheit hin. Für eineu beständigen S tz ist die Redeweise im Hebräischen ungebräuchlich. Wenn Grätz's Muthmoßung fick bistätigen sollte, daß schon der von dem Großkönig (lllodrodamus) Eowel Merodach in Gnaden wieder aufgenommenen König Jchojachin die Würde eines Fürsten der Gefangenschaft, Resch Gelutbo, bekleidet hatte, (Grätz, Geschichte der Israeliten, 2. B, 2. Heft., Seite 6.) so könnte man aunehmen, daß Nehemias als ein Mitglied der jüdischen königlichen Familie den Rang eines Exilarchen hatte, welche Würde Serubabel höchstwahrscheinlich ebenfalls eingenommen hatte, wie überhaupt die Oberhäupter der babylonischen Juden aus dem Hause David; berorqingen, wie dies die bezeugt. rs2V *vc* x'7, bv V52 •» rbn pass pppe«, b-22© nrb; -©tn nnn-a Wochenschrift Nicht wird weichen das Scepter von Juda — das sind die Exilarchen in Babel (Synhedrin 5, 3), das Amt eines Mundschänkes .-ipVv, welches er beim Groß-König bekleidete, mar keine Bürde, sondern eine Würde, welche nur Personen mit Fürstenrang zufiel. Ungefähr so wie in später Zeit die Rangordnung der deutschen Ehurfürsten die Speisen der Pfalzgraf des Rheins trug und der Böhme des perlenden Weines schänkte. D'ese Auszeichnung verlieh ihm einen großen Nimbus in den Augen der Juden wie der Nichtjuden. Sie war von so großer ungewöhnlicher Bedeutung, daß er sich nach ihr benannte, daß sein eigener Name vor dieser Benennung zurücktrat, «in rröru «nunnn Nehemias, d. i. der Dirschata. Denn Krmnn welches ein semitischer und kein persisches oder arisches Wort ist, ist wahrscheinlich ein einem aramäischen oder babylonischen Dialect angehörender Terminus, welcher KBHTi lautete, ähnlich dem hebräischen Ausdruck wn welcher Wein oder geistiges Getränk bedeutet. Denn die Peschito übersetzt die Wörter p und ©yvn gleichmäßig mit *nön d. d. geistiges Getränk ©pTi 2^n bs 4. B. Mi. 18, 12 übers-tzt O ckelos nvn 2p ^2-, Peschito tnpjn KDö© n*?2i den Satz “]büb run^ p*n na übersetzt die Peschito rv>bp©} n2,Ti man Sowie Tirosch-Ghamra dem Ausdruck Maschkah, d. i. Getränk gleichkommt, so dürfte das Maschkeh dem aramäisicten T'rmi"us Dirschata, welcher Mundschänk bedeutet, entsprechen. *) Der Titel, der ursprünglich ein epitheton ornans war, ist später fast zum Namen proprium geworden, unter dem er allgemein bekannt war. Außer dem Titel war es auch ein großer Reichthum, der ihm ungewöhnliches Ansehen verlieh. Daß er über ein großes Vermögen verfügte, beweist der enorme Aufwand, den . er später in seiner Haushaltung und bei der Tafel entwickelte. „Bei all' dem", so schreibt er, „habe ich das Brot des Pascha (d. h. die gebührenden Staatsbezüge eines Statthalters) nicht.verlangt." (Forisetzung folgt.) Correspondenzen. „Oesterreichifch-Jfraelitische Union". Samstag den -12. d. M. fand in Khuner's Restauration eine außerordentliche Generalversammlung der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt, welche überaus stark besucht war. Der Vorsitzende, Professor Dr. S. E h r m a n n, begrüßte die Versammlung und die erschienenen Repräsentanten der israelitischen Cultusqemeinde und gab sodann bekannt, daß der Zweck der Versammlung die Wahl eines Präsidenten sei, da der bisherige Präsident, k-iserucher Rath Adolf Rnzicka, sein Mandat zurückgelegt habe. Redner gedachte in ehrenden und anerkennenden Worten der V rdienste, die sich der abtretende Präsident um die Oesterreichisch-Jiraeliiische Union erworben bat. Er rühmte dessen hervorragende organisatorische Thäügkeit, welche in der Steigerung der Mitgliederzahl und des Vweinsvermögens ihren Ausdruck finde. Seit der letzten Generalversammlung habe der Verein um mehr als 1000 Mitglieder zngenommen und sich über alle Länder der österreichischen Reichshälfte verbreitet. Das Rechtsschutzbureau habe sich die Achtung der Behörden und das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung durch energisches Auftreten und eine lange Reibe von Erfolgen erworben.- Der Dank für diesen Aufschwung gebühre der Lntung des Rechtsbureaus und in gleichem Maße dem Präsidenten. Da kaiserl. Rath Ruz'vka auf seiner Demission beharrte, obwohl sich der Vorstand alle erdenkliche Mühe gab. ihn von seinem Entschlüsse abzubringen, so mußte sich der Vorstand der schweren Aufgabe unterziehen, eine geeignete Persönlichkeit für die Präsidentenstelle zu finden. Ein dem Verein günstiges Geschick habe es gefügt, daß ein Mann gewonnen wurde, der in sich jene Fähigkeiten vereinigt, welche seine Wahl zum Präsidenten der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union in hohem Grade wünschensw:rth erscheinen lassen, und daß derselbe die Stellung anzunehmen bereit ist. Der Vorstand und Beirath der Union bringen somit den Industriellen Herrn Maximilian Paul-Schiff in Vorschlag. (Beifall.) Zuvor jedoch sei Herrn kaiserl. Rath Ruzieka nochmals *) Meyer a. a. O S. 60 meint Kn©*Tfl sei ein persische? und Wort dürfte Excellenz bedeuten. Dieses widerspricht dem Erzählerton der Schrift, wo es heißt 12 mtnnn önb nvtp den wie eigenthümlich wäre cs zu berichten. Und es sprach zu ihnen die Excellenz, daß sie (die Priester) vom Allerheiligsten nicht essen sollen. (Esr« 2, 13, Nehemias 7, 65).

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