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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 42 ■'am Dr. Vloch's WochrnschrM« Seite 693 reuther, heute eine der »Leuchten" unter den Alldeutschen. Es liegt vor uns-eine Rede, die Dr. Bareuther am 1t. September 1886 vor seinen Wählern gehalten hat. In derselben sagte er u. A.: »Auf einen Weg werden wir uns allerdings nicht begeben, auf den Weg der R a c e n h e tz e, speciell der Hetze gegen die Juden. Als Prügelknabe, als Sündenbock für alles Unheil, das auf der Welt geschieht, wer eignet sich besser dazu, als immer Und immer wieder der ewige Jude? -Die Minorität ist so klein, die Majorität so groß, das Agitationsmittel so gemeinverständlich. Auch unter uns, die wir hier versammelt sind, ob Christ oder Jude, wird es kaum Jemanden geben, der nicht schon einmal in seinem Leben in mehr oder minder kräftiger Weise seinem Unmuthe Lust gemacht hätte gegen die oder gegen diesen oder jenen Juden. Es ist ja wahr, im Judenthum tritt die Gier und Sucht nach Geld und Einfluß, der Wechsel der Gesinnung, je nach dem Domicil, dem Land, der Ziffer der Bevölkerung, verhältnißmäßig viel häufiger zu Tage als bei den anderen Stämmen, die unseren Staat bewohnen; es schickt so manches schmutzige Gesindel in Börsensäle, zu Gründertischen, in Zeitungsstubeu, das aus dem Verluste Anderer Gewinn erzielt. Mit vollem Recht herrscht darüber in der Bevölkerung Verbitterung. Sollen wir aus dieser Verbitterung auch Capital, politisches Capital schlagen? Sollen wir, weil die Einen verwerflich und schlecht, die Anderen von uns abstoßen, wenn sie auch noch so treu und ehrlich zu uns stehen wollen? Sind wir Deutschem in Oesterreich, in den sprachlich gemischten Ländern zumal, denn gar so sicher gebettet, daß wir uns den Luxus erlauben dürfen, Ahnenproben darüber anzustellen, wer mit uns gehen darf, wer nicht? Sollten wir der Juden halber uns zerzauken, vielleicht gar Ausnahmsgesetze schaffen, wir, die stets als eine der werthvollsten Errungenschaften in unseren Staatsgrundges-tzen den Grundsatz angesehen: »Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich?" Nein. Im privaten Verkehr mag jeder nach seinem Geschmacke umgehen, mit wem er will; für denjenigen aber, der berufen ist zur Mitwirkung an der Gesetzgebung und an dem Gesetzvollzug, dürfen Anti- und Sympathien nicht ausschlaggebend sein." So sprach Dr. Bareuther, diese politische Modedame, im Jahre 1886 und heute zählt derselbe zu den eifrigsten Anhängern einer Partei, welche aus der Hetze gegen die Juden politisches Capital schlägt, welche Ausnahmsgesetze gegen die Juden statuirt sehen möchte, welche »Ahnenproben" darüber anstellt, wer als Deutscher gelten darf und wer nicht. Er, der einst als eine der werthvollsten Errungenschaften in unseren Staatsgrundgesetzen den Satz bezeichnete: Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich, der es einst streng verurtheilte, den Weg der Racenhetze zu betreten — er ist heute einer der eifrigsten Vertreter dieser von ihm früher verpönten Judenhetze! Lesefrüchte. In dem alten S ch l o ß K r o n b e r g, das sich hoch auf dem Bergkegel über dem gleichnamigen Städtchen erhebt und auf Friedrichshof, den herrlichen Landsitz, herabblickt, denn die Kaiserin Friedrich mit kunstfreudiger Hand geschmückt hat, um dort fern vom Getriebe der Welt ihren künstlerischen Neigungen zu leben, hat in vergangenen Zeiten ein Geschlecht gesessen, das mehr als einmal in die Geschichte des Maingaus und des Taunus-Gebietes mit starker Hand eingegriffen hat. Dasselbe tritt zum ersteumale im XII. Jahrhundert auf und erlosch im Mannesstamm erst im Jahre 1704 mit Johann Nikolaus Kronberg. In weiblicher Linie sind die regierenden Häuser von Preußen, England, Sachsen-Coburg durch die Häuser von Braunschweig, Mecklenburg-Strelitz und Sachsen-Weimar mit den Kronbergs verknüpft. Unter den Angehörigen des Gesck lechtes hat im XVI. Jahrhundert H a r t m u t Xll. „der Bekenner", ein treuer Anhänger Franz v. S i k k i n g e n's und Luthe r's, die politisch hervorragendste Rolle gespielt. Aus dessen Leben erzählt Ludwig von O m p t e d a in seinem Buche „Die von Kronberg und ihr Herrensitz" eine Episode, welche auch für Ihre Leser von Interesse sein dürfte Am 6. September 1535 schreibt Luther an Spalatin, den Hofcaplan und Geheimschreiber Friedrich's des Weisen: „Hartmut von Kronberg ist in Wittenberg und sucht seine Schwester. Diese, eine bis dahin ehrbare Frau und Witwe, ist von einem Juden geehelicht und entführt worden". Diese Schwester Hartmut's, Walpurga Lorichia, war um das Jahr 1500 geboren und als ganz junges Mädchen an den viel älteren Wolfgang von Dalberg, genannt „der Schüler", verheiratet' worden. Dalberg starb, als seine Gattin 27 Jahre alt war, und ließ sie mit drei Kindern zurück. Acht Jahre nach dem Tode ihres Mannes begab sich Lorichia nach Köln, um dort den Rath eines Arztes einzuholen. Sie erreichte aber Köln nicht und blieb verschwunden, bis ihre Schwester Katharina, eine Klosterfrau in Liebenau, und ihr Schwager Friedrich Dalberg durch Briefe davon in Kenntniß gesetzt wurden, daß sie sich in Erfurt befinde, sich heimlich wieder verheiratet habe und ihrer Entbindung entgegensehe. Die Verbindung sei allerdings nicht ganz standesgemäß, doch wolle sie die Thatsache nicht verheimlichen, da ihr die Verheiratung freistehe. Sie sei bereit, gegen einen ziemlichen Pfennig alle Staatskleider und Kleinodien auszuliefern, und empfehle ihre Kinder dem Wohlwollen ihrer Verwandten. Tie Dalbergs und Hartmut verlangten darauf, daß ihnen reiner Wein eiugegossen werde und vor Allem zu erfahren, wem Fran Lorichia die Hand gereicht. So kam es heraus, das ein in Groß-Gerau unter dem Landgrafen von Hessen wohnhafter Jude Namens Jakob der Glückliche war. Jakob hatte wohl eine Frau und vier Kinder, jedoch sei es ihm nach jüdischem Gesetze gestattet, seiner Frau einen Scheidebrief zu geben und sich eine neue Frau zu nehmen. Lorichia erklärte, sie habe Niemanden lieber als ihren Jakob und schon drei Jahre mit ihm ein Verhältniß unterhalten. Ans Erfurt ging Frau Lorichia nach Wittenberg, wo Martin Luther sich ihrer sehr freundlich angenommen und als das Kind geboren wurde, bei ihm Gevatter gestanden hat, ohne damals zu wissen, daß er mit einer Schwester seines Freundes Kronberg zu thun habe. Das hat er erst erfahren, als Hartmut Kronberg auf der Suche nach seiner Schwester bei ihm erschien. Luther ist mit der ganzen Macht seiner Persönlichkeit für „Lorchen" bei ihrem Bruder eingetreten und hat es verstanden, diesen zu dem Versprechen zu bestimmen, daß er die Schwester aufsuchen und für sie sorgen werde. Lorichia Dalberg muß ein ganz eigenartiges Wesen gewesen sein und hat auch auf Luther Eindruck gemacht, denn dieser schildert sie als ein ganz „vortreffliches" Weib und bedauert, daß sie sich ihm nicht voll anvertraut hat, denn er wäre dann in der Lage gewesen, sie schon früher ihrer Familie wieder zuführen zu können. Die Ausführung seines Versprechens, für Lorichia zu soraen, wurde Harimut dadurch erleichtert, daß unterdessen der Hauplstein des Anstoßes beseitigt worden war. Die Verwandten Lorichia'» hatten sich auf die Suche nach dem Juden Jakob gemacht und Abgesandte an den Curfürsten Johann Friedrich von Sachsen geschickt, um von ihm die Erlaubniß zu erlangen, auf seinem Gebiet nach Jakob zu forschen. Da kam der „Zufall" den Abgesandten zu Hilfe. Sie trafen den ihnen bekannten Mann irgendwo in Eursachsen auf offener Straße, angethan wie ein Edelmann, hoch zu Roß, mit pelzverbrämtem Rock, an dem Hut einen Federbnsch. Jakob wird gestellt und räumt ein, Lorichia vor acht Tagen in Wittenberg verlassen zu haben. Ohne viel Federlesens zu machen, beschlossen die Talberg-Kronberg'sch»n Leute, die Sache sofort zu regeln. Sie fallen über ihn her, stechen ihn nieder und lassen ihn, nachdem sie ihn kalt gemacht, dann ihm seine Geschmeide und einen silbernen Dolch abgenommen haben, auf der Landstraße liegen. Kein Hahn hat weiter danach gekräht „Lorchen's" Roman hatte sein Ende gesunden. Sie wurde „friedlich zurückgerufen" und von ihren Brüdern irgendwo in der Heimat untergebracht. Spalatin bezeichnete sie aber noch später als „b0U6Äti8r>ima muliör" und Luther erklärte in einem Briefe an Spalatin: „D e r I u d e ist mit vollem Recht getobte worde n." ■f* Em früherer Schnlvorsteher in Prätoria, Job. B o e r s m a, der kürzlich nach Hollaiid zurückgekehrt ist. erzählt in einem Rotterdamer Blatte, daß vor der Uebergabe des B n r e n - F ü h r e r s Cronje mittelst des Heliographen zwischen Krüger, Dewet und C r o n j e Depeschen gewechselt wurden, in denen P s a l m e n - B e r s e eine hervorragende Rolle spielten Am 25. Februar 191.0 ließ Krüger an Dewet telegraphiren: „Melden Sie Cronje, daß große Verstärkungen unterwegs siad, und daß er entsetzt werden wird. Psalm 22, 23 („Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und errette mich von den Einhörnern"). An demselben Tage heliographirte Dewet an Cronje t „Präsident telegraphirt: Aushalten; große Verstärkungen sind nahe; sobald sie kommen, greifen wir am frühen Morgen im Norden an; Psalm 61, 8 („Aber Gott wird sie plötzlich schießen, daß ihnen wehe thun wird"). Cronje an Dewet am v5 Februar Nachmittags : „Mein Proviant nimmt ab. Uebrigens zweifle ich nicht, an der Nordseite durch den Feind ausbrechen zu können; Psalm 20, 8 („Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse, tpir aber denken an den Namen des Herrn unseres Gottes"). Dewet an Cronje am 26. Februar Vormittags: „Verstärkungen heute erwartet; halten Sie aus bis morgen Abend, ich sende sobald wie möglich Vorräthe; Psalm 59, 16 („Laß sie hin und her laufen um Speise und murren, wenn sie nicht satt werden"). Cronje an Dewet, 26. Februar, Vormittags: „Ter Feind hat große Verstärkungen erhalten; ich werde furchtbar in die Enge getrieben; Psalm 3, 2 („Ach, Herr, wie ist meiner Feinde so viel und setzen sich so viel wider mich"). Dewet an Cronje, Vormittags: „Verstärkungen bereits in der Ferne sichtbar, aber ich werde sclbst von der Uebermacht angegriffen; Psalm 60, 3 („Gott, der Tu uns verstoßen und zerstreut hast und zornig warst, tröste uns wieder") Cronje an Dewet, 26. Februar. Nachmittags: „Bombardement schrecklich; große Verluste; die Mehrheit-der Bürger verlangt Uebergabe; Psalm 60, 18 („Schaffe uns Beistand in der Noth, denn Menschenhilfe ist kein Nütz"). Dieses Heliogramm wurde von den Engländern aufgefangen, welche nun an die beiden Buren-Generale heliographirten: „Jeder weitere Widerstand Cronje's ist nutzloses Blutvergießen; er ist von 70.000 Mann mit 120 Geschützen umzingelt. Keiner seiner Leute wird entkommen, wenn die Uebergabe nicht sofort stattfindet; Psalm 63, 11 („Sie werden ins Schwert fallen nnd den Füchsen zu Theil werden"). Wäre Cronje in der Strategie ebenso gut beschlagen gewesen, wie in der

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