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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-11 · 41 (11.10.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41 Pr« Moch's WochLnzchrM Seite 687 hockend. Hier gab es viele Hilfsbücher, deren er oft bedurfte, hier stand ihm ein kenntnißreicher, wohlwollender Mann hilfswillig zur Seite, hier durfte er sich ganz feinen Studien hingeben, ohne Ueberraschung und Störung besorgen zu müssen. Es ging aber auch viel rascher vorwärts, so daß der arme Lutwack weit hinter seinem jüngeren Friunde zurückblieb, der siegesstrahlend den Lehrstoff nahm und rüstig ausgreifend die Bahn stürmte. Immer lichter wurde es vor seinem geistigen Auge; die Nebel fielen und er blickte in ein weites, ihm bis sitzt verschloffenes Gebiet, in dem das Wissen und die Weisheit von Jahrtausenden aufgehäuft lagern. Inzwischen breitete sich im Hause Sender's ein großes Ereigniß vor. Esther stand vor einer Entbindung und die nahende Krisis erfüllte sie mit abergläubischem Schrecken; ihre Mutter starb, als sie das jüngste Kind zur Welt brachte; sie zitterte daher vor einem Acte, der zuweilen in einem Momente Leben brachte und.,Tod gab. Selbstverständlich wurden die Wunderrabbis angerusen, auf daß sie Fürsprache halten da droben, wo über das Leben der Menschen die Entscheidung getroffen wird, dann wurden an den Thüren und Fenstern und den Bettpsosten jene Beschwörungen angeheftet, welche den bösen Geist bannen, der Mutter und Kind gefährdet. Die Tobten wurden in ihrer Ruhe aufgestört und gebeten, vor dem Throne Gottes eine gnadenreiche Stunde für die arme Esther zu m flehen und ihr einen Sohn zu schenken, würdig der frommen Mutter und ihrer Fürsprecher. Jeden Tag wuchs die Angst und jeden Tag, jede Stunde fiel ihr eine neue Präventivmaßregel ein, die sie nnterlaffen und deren Ausführung sie dem armen Sender auftrug. „Wie herzlos gleichgiltig Du bist!" jammerte sie ihm täglich vor. „Dir habe ich ja Alles zu danken und Du kümmerst Dich so wenig um das, was bevorsteht. Du denkst wohl schon an eine zweite Frau!" Aber sie starb nicht, sie genas eines Knäbleins, war ganz wohl, bei gutem Appetit und wie gewöhnlich bei schlechter Laune. Sie keifte den ganzen Tag und sogar einen Theil der Nacht; ließ ihren Mann nicht einen Augenblick von ihrer Seite und machte ihm das Leben sauer und hart. Er knurrte still wie ein Hund an der Kette und hütete die Bude. Während am Beschneidungsfeste geladene und ungebetene Gäste ihrer theilnahmevollen Freude durch Essen, Trinken, Singen und Poltern überlauten Ausdruck gaben, wandelte der Vater des jungen Weltbürgers still und niedergedrückt wie ein armer Büßer umher, so daß seine Stimmung allgemein auffiel. „Du siehst ja aus, als ob Du den Anlaß zu diesem Feste bedauern würdest", sagte ihm schneidig die liebenswürdige Frau. „Es ist die Erinnerung an meinen jung verstorbenen Vater", erwiderte Sender, „deffen Namen wir heute auf unfern Sohn übertrugen." Es war dies eine Nothlüge. Nicht die Erinnerung an seinen Vater, den er nie kannte, hat seine Stimmung getrübt, sondern das neue Band, das ihn an diese Frau, an dies Haus, an diese Umgebung fesselte. Er hatte das Gefühl eines in einen engen Käfig gesperrten Vogels, der das arme Thier an jeder freien Bewegung hindert — draußen, außerhalb dieses Gesängmsses ist die Welt so schön, so weit, tummeln sich lebensfroh und lebenskräftig Millionen Geschöpfe im Genüsse eigenen Willens und persönlicher Freiheit, während er, der Arme, ohnmächtig an den Drahtstäben rüttelt. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. N. S-. Sambor. Die Berichte über das Verhalten Ihres Gymnasial-Directors und neuen Landtagsabgeordneten gegen verschiedene jüdische Schüler und speciell gegen den Studenten K. scheinen so unglaublich, daß wir diese Berichte ohne Bestätigung durch maßgebende Persönlichkeiten zu publiciren Anstand nehmen. M. Horowitz, Kozlow. Ihre Empfehlung einer erhöhten Pflege der Geschichtswissenschaft durch Gründung von Literaturvereinen in Galizien ist durchaus vernünftig. Der Gedanke wurde in der „Oesterreichischen Wochenschrift" bereits einmal eindringlich behandelt. Berichtigung. Herr Johann Reuter, Restaurateur zum „Goldenen Schiff", 1., Schottenring, berichtigt die Bemerkung im Briefkasten dieses Blattes Nr. 37 dahin, daß in seiner Restauration niemals jüdische Gäste beschimpft worden wären. Der berichtete Vorfall hat sich unter zwei fremden Gästen zugetragen zu einer Zeit, da er von Wien abwesend war und somit unmöglich interveniren konnte. P. Der 10. Kislev 5623 war Sonntag am 2. December 1862. Maz. in Wien. Wenn die „Deutsche Zeitung" Theodor Mommsen gerne citirt, so sollte sie sich in der That an seine Charakteristik des Antisemitismus erinnern, die in dem Satze gipfelte: „Der Antisemitismus ist die Gesinnung der Canaille." Er nannte ihn an einer anderen Stelle „eine ansteckende Seuche" und eine „nationale Schmach". Warum vergißt daran die „Deutsche Zeitung", wenn sie Theodor Mommsen gerne citirt und sein Zeugniß gegen die Juden anruft. L. Koloman Kozma, Priester und Semiuardirector in Veszprim, lange Zeit Redacteur des antisemitischen „Veszprämi Hirado", hat eine Unterschlagung begangen und ist flüchtig geworden. K. in Wien. Sie irren gewaltig, wenn Sie den Bürgermeister Dr. Lueger zu den Duellgegnern zählen. Er ist blos vorsichtig. Sobald er die Gewißheit hat, daß sein Gegner einem Zweikampf ausweicht, sendet er ihm sofort eine Herausforderung zum Duell. So hat er an den Abgeordneten W r a b e tz, der sich kurz vorher als Duellgegner bekannt hat, eine Herausforderung ergehen lassen. F. in Wien. Herr v. Ofenheim hat zweifellos den Vice- Bürgermeister Strobach sich zum Vorbild gemacht, von dem der Dr. Lueger in öffentlicher Sitzung erklärt hat: „Es hat sich unser Freund Strobach wegen einer Mehrverbrauchs-Gebühr beieinem W a s s e r m e s s e r klagen lassen. Wenn er das gethan hat, so hat er seine P f l ich t erfüllt, weil es nicht angeht, daß die Commune den Hausbesitzern eine x-beliebige Wassermehrverbrauchsgebühr anrechnet. Freund Strobach hat vollständig correct gehandelt." G. G. m Wien. Der 8. Jänner 1889 war Dienstag den 6. Schewat 5619. Derselbe fällt in diesem Jahre auf Dienstag den 14. Jänner 1902, Die Haftorah finden Sie in jedem Kalender. r. in Virovitica. Ihre Mittheilung über das excessive Benehmen und die antisemitischen Auslassungen des dortigen Gastwirthes Üeleda und seines Fiakerkutschers seien zur Kenntniß der Reisenden hiermit notirt. In Virovitica ist ein anderer Gastwirth, Namens Straßberger, welcher allen Personen gegenüber gleich zuvorkommend ist. Notix. Ein altes bewährtes Kleiderrecept. Alte Recepte werden mit Vorliebe befolgt, sowohl in der Küche, im Hause, wie in der Wirtbschaft. Und ein solches altes Recept, sich auf bequemen und billigen Weg gute, moderne Kleider zu verschaffen, ist die bewährte, auf der uralten, einfachen Grundlage des Tausches beruhende Methode, die seit Jahren beim Hoflieferanten Rothberger auf dem Stefansplatze eingeführt ist. Man gibt die getragenen Kleider daselbst ab, sie werden gewissenhaft geschätzt, und gegen eine zumeist kleine Aufzahlung erhält man dann moderne und gute Kleider, wie sie eben die Saison erfordert. In der Kleiderschwemme, dieser volksthümlichen Abtheilung des Hauses, findet sodann der Anspruchslosere Kleider zu den denkbar billigsten Preisen.- Jetzt, zu Beginn der Wintersaison, sei das alte, bewährte Kleiderrecept unseren Lesern ins Gedächtniß gerufen. Zur gefälligen Beachtung I Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um recht:eilige Einsendung der laufenden Abonnrmenlsgeüühr, damit die Zuwendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Dir Administration Dr. Max FrirÄliindcr'sche Hcirats-Ausftattuugs- Stiilung für ein armer Waiseamädche«. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bringt zur Kenntniß, daß ans den Zinsen der genannten Stiftung zwei Stiftplätze ä Kronen LSv an arme verwaiste Mädchen jüdischer Confession als Brautausstattungsbeiträge zu verleihen sind. Die Bewerberin», n haben ihre mit einem Geburts- und Armuths-, einem Sittenzeugnisse, ferner dem Nachweise, daß sie verwaist sind und sich im Brautstande befinden, versehenen Gesuche bis 31. Oktober 1S«1 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien, I., Seltenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden von v—12 Uhr Vormittags, woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, zu überreichen.

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