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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-11 · 41 (11.10.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 41 Seite 685 Br. Vwch's König grätz. Hier hat ein junger Cantor mit 22 Jahren, Herr Moriz Löwinger aus Ungarn, zur Probe vorgebetet und solch hohen Erfolg erzielt, daß derselbe sofort zum Obercantor gewählt worden ist. Während der hohen Feiertage hat derselbe in Prag - Smichow vorgsbetet und ebenfalls reichen Erfolg geerntet. Innsbruck. Am 17. October a. c. feiert das in den weitesten Kreisen bekannte und hochgeachtete Ehepaar Herr und Frau Louis Bauer das Fest seiner Silberhochzeit. Trotz der hervorragenden Stellung, welche dasselbe in der hiesigen Gesellschaft einnimmt, will es in seiner Bescheidenheit diese Jubelfeier nur im engsten Familienkreise vollziehen. Nachdem aber Herr Bauer durch seine unermüdlichen Bestrebungen auf dem Gebiete der Religion und der Humanität eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet, möchten wir diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne ihm und seiner treuen Lebensgefährtin, einer wahren ischoh chaschuwoh, auf diesem Wege unsere herzinnigen Wünsche zu übermitteln. Möge der Allgütige das theuere Jubelpaar segnen und beschützen, er schenke ihm all das Glück, das wir Menschen auf Erden überhaupt finden können, und lasse es im Kreise seiner Lieben und Verehrer rüstig und lebensmunter auch das Fest seines goldenen Hochzeitsjubiläums begehen. Nachod, 3. October 1901. In der am gestrigen Tage abgehaltenen Vorstandssitzung unserer Cultusgemeinde hielt der Vorsteher Herr Jacob Pick dem verstorbenen Ehrenpräsidenten und langjährigen Cultusvorsteher Herrn I s a k Mautner einen warmen Nachruf. Er schilderte mit beredten Worten die großen Verdienste, die der Verblichene sich um die Nachoder Cultusgemeinde und alle ih^e Institutionen erworben, und beantragte, es sei zum ewigen Gedenken das Bild des Verstorbenen von Meisterhand in Oel malen zu lassen und im Sitzungssaale der Cultusgemeinde aufzuhängen. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme und der Nachruf wurde protokollarisch ausgenommen. Nagy - Kanizsa. Anläßlich des 100. Geburtstages R. Sachar'ja Frankel's hat unser Oberrabbiner Herr Dr. Neumann die Sch’mini LLeretd-Festpredigt dem Andenken desselben gewidmet. Die anziehende Schilderung seiner geschichtlichen Laufbahn, sowie die sachlich gelehrte Darstellung seiner theologischwissenschaftlichen Thätigkeit, als Gründer und langjähriger Direktor des Breslauer Rabbiner-Seminars, hatten die zahlreich versammelten Zuhörer ungemein gefesselt. 0. Feuilleton. Aus dem gatistschen Leben. Ein Bild von Leo Herzberg-Frankel. Das große Pächterhaus war blank und weiß getüncht, die Zufahrt mit frischem Kies bestreut, die Fenster hell erleuchiet. Die Thore standen offen und die weite Halle, sowie der Hof waren mit den verschiedenstem Fuhrwerken voll gepropft. Da sah man behäbige, schwerfällige Kutschen, leichte Britschkas. plumpe Bauernwagen, leinwandüberspannte Budkas mit Strohsitzen und russische Tarantasse. In dem Stalle stand Pferd an Pferd an den Krippen und im ganzen Hause herrschte ein ohrenbetäubender Lärm der Diener, Mägde, Fuhrknechte, der brüllenden und wiehernden Thiere und draußen vor den Eingängen und den Fenstern eine johlende Menge neugieriger, schnapstrunkener Bauern, Bäuerinnen und ihrer halbnackten Kinder. In pomphaften, seidenen Kleidern rauschen geschäftige Frauen durch die Zimmer, Anordnungen schreiend,- eindeutige Witze einander zurufend, überlaut lachend und mit ihren goldenen Armketten und Spangen klirrend. Es findet die Trauung Esthers und Senders statt. Wie armselig die Braut mit ihren etwas verdorrten und eingeschrumpften Reizen dasitzt zwischen meist üppigen, tropisch entfalteten Frauen, die ihre Augen und Juwelen lebensfroh spielen lassen! Das spärliche, flachsfarbene Haar hängt aufgelöst auf den spitzen Schultern und die eckigen, dürren Glieder steckten in einem knappen Kleide, das sie mehr verräth als bedeckt. Einsilbig, die Blicke am Boden, wie es einer züchtigen jüdischen Braut geziemt, erwidert sie die Grüße der weiblichen Gäste und hört der lauten Unterhaltung in ihrer Umgebung zu. Zuweilen hebt sie das Auge, um mißtrauischen Blickes den Frauen zu folgen, denen sie die Bor- Wochrnfchrlft' bereitungen zur Bewirthung der Gäste nach der Trauungsceremonie übertrug und die zuweilen Tortenschnitte und Zuckerwerk in die weiten Taschen ihrer Kleider gleiten ließen, um das Reservecapital zu vermehren, das sie sich in irgend einem Winkel des Hauses, bei ihren Effecten, bereits angelegt und zur Mitnahme bestimmt haben. Abgesondert von den Frauen, in eines-entfernten geräumigen Stube, befanden sich die Männer, alle in schwarzen Talaren, mit Pelzmützen und dicken Lendengürteln, die Meisten rauchend, Biele über Bibel- oder Talmudstellen discutirend; Andere schale Witze reißend; fast Alle ungeduldig den Anfang und das Ende der Ceremonie herbeiwünschend, um endlich zum Mahle zu gelangen, das ihnen dann verheißungsvoll winkte und bei dem Henoch Löw's weit berühmter Meth gewiß reichlich fließen dürfte. Zwischen diesen bewegten Gruppen sitzt still und ernst, fast trübe, der junge Bräutigam im schwarzseidenen Kaftan, darüber das weiße Todtenhemd, halbbedeckt vom Talar und die zackige Pelzmütze über dem Sammtkappel, eine bedauernswerthe Zielscheibe landläufiger Witze und Neckereien billigster Sorte. Obenan sitzt der Rabbiner der nächsten Cultusgemeinde von einigen Männern umgeben. die ihm zuhören. Es ist ein alter, hoher, etwas gebeugter Mann mit langem, schneeweißem Bart und klugen, buschig beschatteten Augen. Beinahe ein halbes Jahrhundert wirkt er in seiner Gemeinde als treuer Hirte der großen Schafheerde, hütet alle Ueberlieferungen und Herkömmlichkeiten vergangener Zeiten, und hält Wacht, daß keine Neuerung eindringe und kein Strahl hineinleuchte. Wie viele Paare hat dieser alte Mann während seiner langen Amtsperiode in die Ehe eingeführt und wieder gelöst — in wie viele Dasein griff er ein, zum Segen und zum Fluche! Auch heute soll er das Band knüpfen zwischen zwei Menschenkindern, die niemals einig durch das Leben wandeln werden, weil das Eine die finstere Nacht, das Andere den werdenden Tag bedeutet! Fast sämmtliche Ehen in Polen kommen durch Heiratsvermittler zu Stande; es ist ein Associationsgeschäft wie jedes andere, bei dem der Makler den Abschluß bewirkt und eine Provision einhebt. Das Vermittlungsgeschäft ist international und führt einen genauen Kataster über alle heiratsfähigen Mädchen und Jünglinge, die mit einer Mitgift behaftet find; über heiratslustige Witwen, über etwaige Familiengebrechen, wie Renegaten, Selbstmörder, Verbrecher, sowie über Familienkleinode, als Rabbiner, Autoren, Cultusvorsteher, und so wird für ein Fräulein in Lemberg ein junger Mann, der in den Londoner DrogueS Kaffee kauft, oder für die Tochter eines Banquiers in Odeffa ein Börsenagent in Paris oder ein Getreidehändler in Antwerpen mit Erfolg beantragt, Karlsbad oder Ischl für die Präliminarien vereinbart, wo das Geschäft abgeschloffen wird, oft bloS zum Vortheil deS Vermittlers. Zuerst wird geheiratet, ob fich dann die Liebe einstellt oder ausbleibt, ist nicht mehr Sache des Agenten. Es ist ein Lotteriespiel, bei dem zuweilen das Glück des Lebens der Einsatz ist, und eine Niete das Resultat. Die leichte Möglichkeit, die jüdische Ehe zu lösen, ist unter so bewandten Umständen ein nothwendiges Ventil, um dem Erstickungstode zu entgehen. Der Mann, der die Kette schmiedet, kann sie auch sprengen und man muß sie nicht, wie die unglücklichen, christlichen Gatten, bis in den Tod schleppen. Nun beginnt der feierliche Trauungsact. Der Bräutigam tritt, begleitet von seinen zwei »Unterführern" zur Braut und bedeckt mit einem seidenen Tuch ihr Gesicht. Wohl der schönste Anblick, den er von ihr je hat. Dann begibt er sich unter einem Regen von Hopfendolden, die ihm die Frauen lachend nachwerfen, als Sinnbild der Fruchtbarkeit, zum aufgespannten Baldachin, wo er die Braut erwartet. Tief verschleiert und geführt von ihren zwei »Untersührerinnen" umkreist diese ihren zukünftigen Gatten siebenmal, bevor er sie durch Ring und Vertrag an sich feffelt. Nun ist es geschehen; diese beiden, früher fremden Menschen find zu Einem Paare, zu Einem Dasein, zu Einem Schicksal verschmolzen; haben von diesem Augenblicke Kummer und Sorgen, Freude und Genuß gemeinsam zu theilen und die Last des Lebens gemeinsam zu tragen. Der feierlichen Handlung folgt Jubel und überlaute Freude; die Witzlinge und Spaßmacher kommen zu Wort, die ungewässerten Getränke Henoch Löw's thun ihre Wirkung und bringen manche solid angelegte Natur zum Wanken. Erst den nächsten Morgen beginnt fich das tolle Haus zu lichten und die aufgescheuchte Ruhe wiederzukehren; doch dauerts noch Tage, bis die gewohnte Ordnung ihre Herrschaft angetreten, die Möbeln an ihrem alten Platze stehen und Jedermann seiner früheren Be-

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