Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 41 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 682 Nr. 41 Dk. Olois^K WoihMschrifL studenten, 19 Lehrer, 16 Handelsagenten, 15 Beamte, 11 Universitätshörer, 3 Doctoren der Philosophie, 3 Fabrikanten, 3 Schänker, 2 Cantoren, 2 Gutspächter, 2 Rabbiner, 2 Rabbinatscandidaten, 2 Schächter und 1 Baumeister. Die 2668 in der Bibliothek gelesenen Bücher waren: 1412 hebräische, 975 deutsche, 249 polnische, 26 jüdisch jargonische, 2 französische, 2 englische und 12 lateinische. Inhaltlich vertheilen sich diese 2668 Bücher folgendermaßen: 1178 historisch-wissenschaftlich und philosophisch, 728 belletristisch, 454 talmudisch-rabbimsch, 160 publicistisch und 148 periodische Schriften und Sammelwerke. Budapest (Zu den Reichstagswahlen.) Aus der abgelaufenen Wahlcampagne ist eine Episode werth, festgehalten zu werden. Se. Excellenz der Herr Justizminister P l o s z candidirte in Baya und hatte zur Entwicklung seiner Programmrede den 23. September festgesetzt. Als man ihn daraus aufmerksam machte, daß an diesem Tage jüdischer Versöhnungstag ist, an welchem die jüdischen Wähler in keiner Versammlung erscheinen können, wollte der Minister das nicht berücksichtigen. Bei der Wahl blieb auch er von den jüdischen Wählern unberücksichtigt und der junge Oppositionsmann Dr. A. Reich wurde gewählt. Im Uebrigen läßt sich constatiren, daß auf Grund der vollzogenen Reichstagswahlen 16 Bekenner des Judenthums in das Parlament einziehen: Dr. Barta Oedän, Dr. Bakonyi Samuel-Debreczin, Dr. Beck Marcel, Dr. Heltai, Dr. Nemänyi Ambros, Dr. Neumann Armin, Mandl Paul, Dr. Reich Aladür gegen den ungarischen Justizminister Ploß, Revai Mor, Dr. Veszi Josef, Journalist, gegen den Antisemiten Nagy Sandor im Hl. Bezirke Budapest, Dr. Vazsonyi Wilhelm, 7. Bezirk der Hauptstadt Budapest, bekannt durch seine langjährige Praxis in Criminalsachen, Wolfner Theodor gegen den Antisemiten Olahy Szilärd, Weiß Berthold, im 5. Bezirke der Hauptstadt Budapest der durch seine Humanität allbekannte Sändor Paul. Jassy. Es regt sich in der rumänischen Judenheit. Die nach der Demission des 'Ministeriums Carp todtgeglaubte Communitätsfrage ist wieder lebendig geworden. Die vor '5 Jahren durch den Galatzer Congreß begonnene, von Brociner-Bukarest, Goldenthal-Jaffy fortgesetzte Agitation dauert fort. Brociner und Dr. Flittman haben einen Congreß nach Focsani einberufen und die Rabbiner Dr. Beck-Bukarest und Dr. Niemirower-Jassy predigten für Propaganda dieser Idee. Es ist auch die höchste Zeit, denn nur einzelne Gemeinden. Gotteshäuser und Institute, wie unser Krankenhaus (Dank der Thätigkeit des Herrn Goldenthal) erfreuen sich der staatlichen Anerkennung. Einen obligatorischen Religionsunterricht gibt es nicht, wofür jetzt Dr. Niemirower-Jasiy und Dr. Nacht-Focsani eintreten. Für invalide Cultusbeamte, Lehrerwitwen rc. müßte erst gesorgt werden, was der Schriftsteller Schwartzfeld-Bukarest, Dr. Niemirower-Jassy hervorheben. Eine Repräsentanz der rumänischen Judenheit nach dem Muster des deutschen Gemeindebundes will Brociner schaffen. Nürnberg, 12. September. Eine schöne Feier fand hier am 8. September statt. Herr Justizrath Gustav Josephthal, königl. Geheimer Hofrath, der langjährige erste Vorstand unserer Culülsgemeinde, feierte seinen 70. Grbnrtstag. Freunde und Verehrer, Private und Corporationen wetteiferten vom frühen Margen an, um ihm ihre Glückwünsche darzubringen. Post und Telegraph sandten Hunderte von Gratulationen ins festlich geschmückte Haus. Die Mitglieder der Cultusverwaltung waren vollzählig erschienen und brachten ihre Glückwünsche durch den Mund des zweiten Vorstandes, Herrn Martin Fechheimer, in warmen Worten zum Ausdruck. Als Festgabe überreichten sie eine Adreffe, die, von dem Director des Gewerbemuseums mit seltenem Geschmack ausgeführt, in einem Schreine ruht, den Franz Stuck's Künstlerhand mit dem Bildniß des Moses geziert. Nach einer Ansprache, die Herr Rabbiner Dr. Ziemlich im Namen der Gemeinde und ihrer Beamten, im Namen der Conferenz der baierischen Rabbiner und nicht zuletzt als Freund des Hauses gehalten, kam eine Reihe von Adressen, welche angesehene jüdische Vereinigungen gewidmet, zur Verlesung: vom Deutschisraelitischen Gemeindebund, vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens — beide Gesellschaften machten den Jubilar zu ihrem Ehrenmitgliede — vom Bayerischen Landesverein, von der Freien Conferenz bayerischer Rabbiner, von der Alliance israSlite universelle rc. Sämmtliche jüdischen Vereine gratulirten durch ihre Vertreter, die Anwaltskammer, deren Vorsitzender Geheimrath Josephthal ist, war durch eine Abordnung von vier Mitgliedern vertreten, die städtischen College» hatten schriftliche Glückwünsche gesandt, kurz Alles wetteiferte, den verdienten Mann zu ehren und zu feiern. Bewundernswerth war die Frische und Kraft, mit welcher der Jubilar diesem Sturm von Glückwünschen Stand hielt, noch bewundernswerther die Lebhaftigkeit und Unermüdlichkeit, mit welcher er zu wiederholten Malen das Wort ergriff, um Allen zu danken, die ihn zu ehren gekommen waren. Außerdem hat er auch noch eine große Anzahl auswärtiger Glückwünsche schriftlich erwidert. Acl multos annos! Berlin, 17. September. Von ungewöhnlichem Interesse ist ein Brief, den der verstorbene Staatsminister von Miguel an die Erben von Ludwig Bam berge r nach dessen Hinscheiden am 16. März 1899 gerichtet hat. Derselbe lautet: „Hochgeehrter Herr! Zu meinem lebhaften Bedauern bin ich durch dringende, unaufschiebbare Geschäfte verhindert, morgen der Beisetzung Ihres Heimgegangenen Bruders beizuwohnen. Um so mehr drängt es mich, Ihnen und Ihrem Herrn Bruder mein tiefes Beileid und Mitgefühl über den so plötzlich und unerwartet eingetretenen schweren Verlust schriftlich auszusprechen. Mit Ihrem von mir so hochverehrten Bruder ist wieder einer der alten Kämpfer für Deutschlands Einheit heimgegangen. In ihm verlieren wir einen der gebildetsten, geistvollsten und feinsten Schriftsteller der Neuzeit, der seine Jdeen stets mit der größten Schärfe und Conseqüenz, aber auch mit der größten Sachlichkeit vertrat und niemals Meinungsverschiedenheiten auf das persönliche Gebiet übertrug. Ich Habe dies in langem Zusammenwirken im Reichstage oft genug erfahren und den Heimgegangenen stets nicht blos wegen seiner großen geistigen Gaben und seiner verdienstvollen Mitwirkung an dem Ausbau des Deutschen Reichs, sondern vor Allem wegen seiner schönen Charaktereigenschaften hoch verehrt. So denken alle seine Freunde und Bekannten. Sein Tod wird in den weitesten Kreisen betrauert und sein Andenken wird die Jahre überdauern. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Ihr ergebener M i q u e l." Man darf darauf gespannt sein, ob die Antisemitendiesen Brief ihres angeblichen Protectors abdrucken werden. Petersburg. (Di eAusnahme auf den Universitäten.) Schneller als es selbst die eingefleischtesten Pessimisten vermuthet haben, ist die vom General-Cultusminister Wannowski geplante Beschränkung der Aufnahme jüdischer Abiturienten auf den russischen Hochschulen Ereigniß geworden. Wie aus Moskau, Kiew, Charkow und Odessa übereinstimmend gemeldet wird, sind auf den dortigen Universitäten Circulare des Cultusministers eingetroffen, laut welchen die Zulassung der jüdischen Abiturienten zum Studium auf den russischen Hochschulen für Kiew und Odessa auf 7 statt der bisherigen 10%, für Petersburg und Moskau auf 2% (früher 3%) und für alle anderen Universitäten auf 3 statt wie bisher 2%, normirt sind. Die Verordnung ist freilich gesetzlich völlig ungiltig, da eine solche in das Leben von vielen Millionen russischer Uuterthanen tief einschneidende Maßregel selbst in Rußland nicht von einem einzigen Minister aus eigener Machtvollkommenheit getroffen werden kann. Allein die Bedrückung der Juden auf dem bei den Antisemiten aller Länder so beliebten „Verwaltungswege" ist nirgends so leicht wie in Rußland, und so werden die neuen Beschränkungen nicht nur widerspruchslos in Kraft treten. London. (Eine Conferenz jüdischer Frauen) soll im Mai kommenden Jahres in London tagen. Die Einladung dazu geht von einem Londoner Damencomits aus, an dessen Spitze Frauen wie Lady Rothschild, Mrs. Adler und Mrs. Gaster stehen. Zweck der eigenartigen Conferenz ist die Besprechung über Mittel und Wege, wie die sociale, geistige und moralische Lage -der Juden in allen Gemeinden Englands zu heben sei. Bei der großen „Leutenoth", welche unter den westeuropäischen Juden und nicht in letzter Reihe unter den Juden Englands selbst herrscht, kann der Versuch, die Frauen für allgemeine jüdische Angelegenheiten zu interessiren, mit Freuden begrüßt werden. Abgesehen von dem frischen quantitativen Zuwachs an arbeitenden Kräften, bringt die Frau auch qualitative Gaben und Fähigkeiten mit, welche dem Manne ganz oder theilweise abgehen. Möge die Conferenz, dem englischen Judenthum reichlichen Segen bringen. New-Pork. (Arb eitende jüdische Frauen.) In einem von Miß Gertrude Berg hecrührenden Artikel im „Home of Delight Annual“ finden wir die Thatsache verzeichnet, daß in den Vereinigten Staaten zahlreiche jüdische Frauen und Mädchen gezwungen sind, sich selber ihren Unterhalt zu suchen. Nebst den sehr zahlreichen Lehrerinnen führt Miß Berg 53 jüdische Krankenpflegerinnen, Aerztinnen und weibliche jüdische Rechtsanwälte an. Unter den jüdischen Aerztinnen ragen in New-Uork die Damen Doctor