Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 41 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Dr» Bwch's Wochrnft'tE Nr. 41 Este «80 Correspondenzen. Die Bluthunde an der Arbeit. Wie». Wir erhalten folgende Miltheilung: „Ein in der Mhe von Neustadt an der Mettau an einem 15jährigen Mädchen verübter grausamer Mord bietet dem „Deutschen Volksblatt" neuerlich Anlaß zu einer schwungvollen Ritualmordhetze. Es hat Berichterstatter an Ort und Stelle entsendet und bringt spaltenlange, sensationell zugestutzte Berichte über die Blutthat. Die Staatsanwaltschaft hat jene Stellen, welche den Verdacht nach einer bestimmten Richtung lenken sollen, confiscirt. Aus dem unbeanständet gebliebenen Satze aber: „Es sprechen deutliche Anzeichen dafür, daß die Mörder der Maria Suchanek dieselben seien, die an der Polnaer Mordthat betheiligt gewesen waren", ist klar ersichtlich, wohin die Veröffentlichungen des „Deutschen Volksblatt" zielen. Es wiederholt sich also hier die seit Jahren bettiebene antisemitische Praxis, bei jedem Morde an einer jugendlichen Person durch Verbreitung tendenziöser, amtlich nicht coutrolirter Meldungen die öffentliche Meinung von vorneherein für eine bestimmte Supposition zu bearbeiten, der gerichtlichen Untersuchung vorzugreifen und diese durch suggestive Beeinflussung der Bevölkerung zu erschweren. Mit welchen Mitteln da gearbeitet wird, zeigt die unwahre Behauptung des „Deutschen Volksblatt", daß „gefärbte jüdische Zeitungsberichte" die Darstellung der Mordthat entstellt oder verworren hätten. Dem gegenüber constatiren wir, daß außer dem „Deutschen Volksblatt" kein einziges Wiener Blatt über die Mordthat etwas Anderes veröffentlichte, als eine kurze, thatsächliche Notiz, in welcher von der Auffindung eines zerstückelten und halbverkohlten Leichnams die Rede war. Die antisemitische Wühlarbeit bedeutet eine ernste Gefahr für die öffentliche Sicherheit und die Unbefangenheit der Rechtspflege, denn sie hat zur Folge, daß sämmtliche Mörder straflos ausgehen, weil die Untersuchung gewaltsam auf eine falsche Fährte geleitet wird. Wie«. (Kaisers Namenstag.) Der Prachtsaal im Etablissement Pertl (3. Kaffeehaus) versammelte am 4. October eine stattliche Zahl von Kinderfreunden, welche gekommen waren, um dem aus Anlaß des Namensfestes Sr. Majestät des Kaisers vom Vereine „Ferienheim" arrangirten Kinderfeste Leizuwohnen. Die Gäste nahmen in den Logen und auf der den Saal umgebenden Estrade Platz. Präcise Vs5 Uhr marschirte unter Trommelschlag und in militärischem Tacte eine Compagnie Knaben mit der Colonien-Fahne in den Saal. Geführt von den Lehrerinnen und Lehrern folgten die übrigen Mädchen und Knaben, welche in diesem Jahre in den Colonien des „Ferienheims" Erholung gefunden hatten. Die Knaben, etwa 300 an der Zahl, trugen gleichmäßig blaue Blousen und Kappen. Es war ein herrliches Bild, die Mädchen schüchtern, die Knaben stramm in Reih und Glied längs der den Saal umgebenden Estraden aufgestellt zu sehen. Nach einem von allen Kindern vorgetragenen Begrüßungschore meldete der älteste der Colonisten dem Commandanten „gehorsamst" die Anwesenheit von 546 Kindern. Nun nahm das Fest seinen Anfang. Ein kleines Mädchen sprach einen stimmungsvollen Prolog und nun folgten Gesangsstücke, und Deklamationen meist patriotischen Inhaltes. Gedichte, Gesammtchöre und Solo-Gesangsstücke wechselten ab und trugen den Vortragenden reichlichen Beifall ein. Als letzte Programmnummer wurden militärische Uebungen vorgeführt. Die exercirende Compagnie war put Holzgewehren versehen, die sie trefflich zu handhaben verstand. Ein strammer Fähnrich trug die Colonien-Fahne und zur Sette schrttt ihm mit gezogenem Säbel ein Dreikäsehoch. Mit großem Interesse folgten die Gäste dem Schauspiele, wie die Jungen alle militärischen Evolutionen mtt Exaktheit durchfiihrten. Alle Bewegungerl und Gewehrgriffe wurden wie mit einem Schlage durchgeführt. Die Absingung der Volkshymne bildete den Schluß des Programms. In geordneten Reihen wurden die Kinder sodann in den Garten zu den gedeckten Tischen geführt und mit Chocolade und Backwerk bewirthet. — Die zahlreich anwesenden Vertreter der Schulbehörden, der verschiedenen Huinanitätsinstitute, insbesondere aber der Herr Oberstlieutenant des Armeestandes Rzemenowsky von Trautenegg, waren voll des Lobes über das Gesehene und Gehörte. — Zum Schluffe des Festes überreichte das Vorstandsmitglied Frau Adele Neumann den Lehrpersonen und den Solisten, die sich um das Fest verdient gemacht hatten, mit dem Kaiserbilde und eingravirtem Datum versehene Souvenirs. . Wien. (Einweihungsfest zweineuer Thorarollen im Brigittenauer Tempel.) Reich geschmückt mit Blumen und Guirlanden, präsentirte sich am 1. October der noch sonst prächtig decorirte Tempel, wie zur Zeit des Offenbarungsfestes, zu Ehren des von den Vorstandsmitgliedern Herren Jakob Goldner und Josef Wünsch gewidmeten Leker lüoras. Präcise 5 Uhr Nachmittags eröffnete Herr Cantor Oesterreicher die schöne Feier nach einem kurzen Präludium mit dem brillant vorgetragenen Ma-towu. Hierauf "wurde Mincha vom Herrn Cantor Roman in würdiger Weise vorgebetet. Sodann, fand der festliche Einzug der gespendeten Thorarollen statt. Unter den Klängen des Harmoniums und dem schön executirten Gesänge des Tempelchores schritten zunächst weißgekleidete Mädchen, die von Herrn Dr. Josef Kohn zur Erinnerung an seinen seligen Vater Herrn Joachim Kohn aus Koste! gespendete silberne, auch mit Gold verzierte, sehr schwere Thorakrone auf einem Sammtpolster tragend. Unmittelbar folgten zwei Vorstandsmitglieder mit den gespendeten Thorarollen und ein von einer großen Anzahl weißgekleideter Mädchen geschloffener Zug. Im Mittelgange des Tempels befand sich ein reich decorirter, goldgestickter Baldachin, unter welchem Vorstandsmitglieder mit den alten Thorarollen den Einzug der neuen erwarteten. Unter Vorantritt Sr. Ehrwürden des Rabbiners Herrn Dr. M. Bach, welcher in liebenswürdigster Weise an dem Feste theilnahm, bewegte sich der Zug nach Einlangen der neuen Thorarvllen zu dem ^Irnemor. Nachdem sämmtliche Thorarollen bis auf eine der beiden gespendeten in die heilige Lade gestellt waren, wurde die letztere geöffnet, ausgerollt und während dieser Zeit ein von Herrn Obereantor Oesterreicher verfaßter Nisettederaett für die Spender der Thorarollen und der Thorakrone, ferner für den Borstand der israelitischen Cultusgemeinde mit specieller Nennung der Namen des Herrn Präsidenten Herrn Klinger und der beiden Herren Bicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn gemacht. Hierauf hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach die gelungene Festrede, in der er besonders die Berechtigung der Freude an der Thora hervorhob, die zu allen Zeiten unser Erbgut und größtes Kleinod bildete, die uns behütete und begleitete in Zeiten des Druckes und der gräßlichen Verfolgung und gleichsam als einigendes Bindeglied in nationaler und religiöser Beziehung sich bewährte, auf das nahe bevorstehende Simchas- Thorafest anspielte, indem er auch das Einweihungsfest als ein Fest des Simchasthora bezeichnete und den genannten Spendern namens des Bethausvereines den wärmsten Dank aussprach. Diese geistvolle, mit vielem. Temperament gehaltene Festpredigt übte auf die Zuhörer eine mächtige Wirkung. Unter Absingung der Bolkshymne und dem Vortrage des IIIsni-Gebetes endete die schöne Feier. Der Tempel war in allen seinen Räumen mit festlich gekleideten Damen und Herren dicht besetzt. Insbesondere waren viele Vereine und Corporationen vertreten. Unter den Repräsentanten derselben bemerkte man die Herren Dr. Straffer, Markus Seligmann, Belf, Silberman, Färber, Krebs, Gollerstepper, Korkes, Hoyda und v. A. Ferner waren, erschienen die Herren Obercantoren Gutmann und Schwarz. Herr Armenrath Adolf Schreiber, welcher sich bekanntlich im Vereine mit seiner Familie um den Tempel besondere Verdienste erworben hat, war leider verhindert, der Feier beizuwohnen. Um das Arrangement des gelungenen Festes hat sich das Vorstandsmitglied Herr Jakob Kohn, Juwelier, besonders verdient gemacht. Wien. (Jubiläumsfeier.) Am 5. October fand im Tempel zu Fünfhauß das 25jährige Jubiläum des Cultusvorstandes Herrn Gottlieb Taußig und des Bethaus Vorstandes Herrn Samuel Steiner statt. Anläßlich dieser Feier fand sich schon vor Beginn des Gottesdienstes ein zahlreiches, distinguirtes Publicum in den Tempelräumen ein, unter welchem besonders die Herren Cultusvorstand Baurath S t i a ß n y, kaiserl. Rath Wilhelm Poll ak, kaiserl. Rath Doctor Th. Lieben, Doctor Ernst Franz Weisel, Rabbiner Doctor Taglicht und hervorragende Mitglieder der Cultus gemeinde Fünfhaus bemerkt wurden. Die Tempelsitze der Jubilare waren festlich geschmückt und eine Abordnung, bestehend aus den